Gestatten, mein Name ist ROSYRapid Obscuring System

Gestatten, mein Name ist ROSYRapid Obscuring System

  • Modernisierung
  • AIN
Datum:
Ort:
Meppen
Lesedauer:
3 MIN

Was klingt, wie eine vornehme Lady aus den 1920er Jahren ist ein hochmodernes Selbstschutzsystem für die Fahrzeuge der Bundeswehr. Der Wirkmittelwerfer wird derzeit bei der Wehrtechnischen Dienststelle für Waffen und Munition (WTDWehrtechnische Dienststelle 91) in Meppen getestet.

Die Bundeswehr beschafft über 500 neue LkwLastkraftwagen vom Typ WLSWechselladersystem (Wechselladersystem). Sie alle sollen mit der Nebelwurfanlage ROSYRapid Obscuring System ausgestattet werden. Damit die beiden Systeme 100 Prozent miteinander harmonieren, werden sie auf dem Gelände der WTDWehrtechnische Dienststelle 91 auf Herz und Nieren überprüft.

Seit ihrer Gründung stattet die Bundeswehr nahezu jedes Gefechtsfahrzeug mit Nebelwurfanlagen aus. Hinter dem verschossenen dichten Nebel können sich die Soldatinnen und Soldaten vor feindlichen Blicken verstecken. Die bisher verwendeten Systeme reagieren aber relativ träge. Vom Anzünden bis zum Aufbau der Nebelwand vergehen mehrere Sekunden. Sekunden, die im Ernstfall über Leben und Tod entscheiden. Im alten Systen fallen die Nebelkörper darüberhinaus erst auf den Boden, bevor sich die künstliche Deckung bildet. Bei ROSYRapid Obscuring System hingegen entfaltet sich die Nebelwand kurz nach dem Ausstoß in der Luft. Außerdem brennen die neuen Nebelkörper länger ab, weil sie eine größere Ladung enthalten.

Schutz für Fahrzeuge und Besatzungen

Die WTDWehrtechnische Dienststelle 91 erprobt daher aktuell die Integration der Nebelmittelwurfanlage ROSYRapid Obscuring System auf verschiedenen Fahrzeugen. ROSYRapid Obscuring System steht für „Rapid Obscuring System“. Dies heißt übersetzt so viel wie „Schnelles Verdeckungssystem“. ROSYRapid Obscuring System baut innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde einen undurchsichtigen Vorhang aus rotem Phosphor auf. 

Die Nebelwand lässt jeden noch so großen Panzer hinter einem Sichtschutz verschwinden. „Im Ernstfall gewinnt man bis hin zu einer Minute, um auszuweichen und sich im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Staub zu machen“, erklärt der Versuchsleiter der WTDWehrtechnische Dienststelle 91. Hierbei verdeckt das System das zu schützende Fahrzeug nicht nur für das menschliche Auge: auch modernste Technik - wie beispielsweise Infrarot Sensoren – können die Nebelwand nicht durchdringen. Für kleinere Fahrzeuge oder bei wenig vorhandenem Platz gibt es Werfermodule mit einer reduzierten Anzahl von Magazinen.

Auf einer Wiese steht ein Fahrzeug, davor bildet sich eine Nebelwand

Die Nebelpatronen können wahlweise während der Fahrt oder stehend verschossen werden. Je Fahrzeug sind bis zu vier Werfer integrierbar.

Bundeswehr/WTD 91
Auf einer Wiese, vor Bäumen, baut sich eine Nebelwand auf

Ein Werfer besteht aus bis zu drei Modulen (Magazinen) mit jeweils fünf Schuss

Bundeswehr/WTD 91

ROSYRapid Obscuring System ist modular aufgebaut

Das neue System lässt sich modulartig verbauen. Das aktuelle Testfahrzeug, ein gepanzerter LkwLastkraftwagen vom Typ Wechselladersystem, ist beidseitig mit je einem Wirkmittelwerfer ausgestattet. Jeweils zwei mal fünf Schuss können so auf der Fahrer- und Beifahrerseite abgegeben werden. Wird das Bediengerät des Wirkmittelwerfers betätigt, feuert die Anlage zunächst die mittlere Patrone ab. Die umliegenden Nebelkörper folgen danach. „Auf diese Weise baut sich die verschleiernde Nebelwand am schnellsten auf“ erklärt der Mitarbeiter der WTDWehrtechnische Dienststelle 91.

Je nach Fahrzeug und Einsatzzweck lassen sich die modularen Wurfanlagen auch in Richtung der Fahrzeugfront und sogar rückwärts ausrichten. Das ist besonders für Fahrzeuge wichtig, die schnell ihre Fahrtrichtung ändern können und sich auch außerhalb von Kolonnen auf gefährlichem Boden bewegen. Mit Hilfe der Schnellbefestigungen können die Umbauten zügig durchgeführt werden.

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Alle bestellten Wechsellader erhalten ROSYRapid Obscuring System

„Die Systemerprobung ist immer etwas Besonderes. Im Vorfeld hatte die WTDWehrtechnische Dienststelle 91 bereits die Munition und die Wurfanlage separat getestet. Aber erst, wenn man sie gemeinsam auf dem vorgesehenen Fahrzeug erprobt, zeigt sich wo noch Schwachstellen versteckt sind.“ so der Versuchsleiter. „Die Fahrzeuge und die Nebelwurfanlage funktionieren hervorragend. Lediglich Kleinigkeiten, wie die Verlegung der stromführenden Kabel oder das Material der verwendeten Schrauben muss der Hersteller noch nachbessern.“

Auf einem olivfarbenem LKW-Dach sind verschiedene Apparaturen aufgebaut

Auf den über 500 neu beschafften LkwLastkraftwagen vom Typ Wechselladersystem wird ROSYRapid Obscuring System installiert. Auf dem hier abgebildeten Fahrzeug ist ein zweireihiger Werfer neben der Sensorik der Waffenanlage montiert.

Bundeswehr/Bannert

Ab 2021 sollen die 570 bisher bestellten Wechsellader mit der Nebelmittelwurfanlage ROSYRapid Obscuring System ausgestattet und an die Bundeswehr ausgeliefert werden. Außerdem sollen weitere Fahrzeuge aus dem Bestand und aus dem Beschaffungsvorgang der Bundeswehr mit ROSYRapid Obscuring System aufgerüstet werden.

Technische Daten ROSYRapid Obscuring System

Hersteller

Rheinmetall Defence

Kaliber der Munition

40 x 280 mm

Aufbau der vollen Wirkung

Innerhalb von ca. 1,5 s

Wirkbereich

360° möglich

Munition

10 Schuss Phosphor (5,4 kg)

Gewicht eines Magazins

2,8 kg

Gewicht von 5 Schuss

2,7 kg

Gewicht des einreihigen Werfers gesamt (geladen)

10,6 kg

Gewicht des zweireihigenWerfers gesamt (geladen)

17,2 kg

Gewicht des dreireihigenWerfers gesamt (geladen)

24,0 kg

Gewicht manuelles Bediengerät

1,9 kg

Gewicht Computerbediengerät

3,9 kg

von Jennifer Frerichs

Bilder der Erprobung

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