Neue Rohre für das Flugabwehrgeschütz Mantis

Neue Rohre für das Flugabwehrgeschütz Mantis

  • Technik
  • Wehrtechnische Dienststelle 91
Datum:
Ort:
Meppen
Lesedauer:
2 MIN

Zufrieden blickt Heiko Meißner durch die dichten Rauchschwaden auf das durchlöcherte Ziel. Durch den Nebel hindurch lässt sich ein olivfarbener Geschützturm als Verursacher erahnen. „Die Rohre halten bislang länger als erwartet“, konstatiert der 50-jährige Emsländer. Meißner ist Versuchsleiter bei der Wehrtechnischen Dienststelle für Waffen und Munition in Meppen und lässt seit einigen Tagen das Flugabwehrgeschütz Mantis unablässig in einen Erdwall feuern.

Die Bundeswehr beschafft neue Rohre für das Flugabwehrgeschütz Mantis. An der Wehrtechnischen Dienststelle für Waffen und Munition (WTDWehrtechnische Dienststelle 91) werden die Rohre solange beschossen, bis sie kaputtgehen.
Nahaufnahme des Geschützes von schräg oben

Mantis wehrt Raketen, Artilleriegeschosse und Mörser (sogenannte RAMRolling Airframe Missile-Ziele) ab, aber auch Flugziele wie Drohnen oder Cruise Missiles

Bundeswehr/Wullers

Mantis heißt ausgeschrieben „Modular, Automatic and Network-capable Targeting and Interception System“. Es besteht aus mehreren Sensoreinheiten, einer Bedien- und Feuerleitzentrale und aus mehreren Geschütztürmen. „Mantis wurde 2011 für den Schutz der deutschen Feldlager im Ausland beschafft und kann Bedrohungen aus der Luft mit bis zu sechs 35-mm-Maschinenkanonen bekämpfen“, erklärt Heiko Meißner. Jedes einzelne dieser Geschütze kann dabei bis zu 1.000 Schuss pro Minute abfeuern.

Bevor die neuen Rohre aber an die Luftwaffe ausgeliefert werden können, muss die neue Produktionsreihe von der WTDWehrtechnische Dienststelle 91 auf ihre Qualität untersucht werden. „Wir schießen solange, bis die Rohre kaputtgehen und messen vorher, zwischendurch und hinterher, um die Eigenschaften und Leistungsdaten der neuen Rohre zu überprüfen“, erläutert Heiko Meißner das Verfahren.

Seitlich am Geschütz steht ein Dreibein auf dem ein Rohr in Richtung des Geschütz montiert ist

Die Wehrtechnische Dienstelle für Waffen und Munition erprobt mit modernster Sensorik das Verhalten der Rohre. Nur wenn die Rohre dem Beschuss standhalten, ist der Schutz der Soldatinnen und Soldaten gewährleistet.

Bundeswehr/Wullers

Zahlreiche Bereiche der WTDWehrtechnische Dienststelle 91 sind dabei eingebunden. „Unsere Werkstätten haben geschweißt und aufgebaut. Die Messtechniker sind dabei und haben die Rohre geröntgt. Das Munitionsarsenal und die Waffentechniker waren vor Ort und viele mehr“, zählt Meißner seine Helfer auf. „Nicht zu vergessen der Hersteller, der uns seit Wochen tatkräftig bei der Durchführung unterstützt.“

Heiko Meißner selbst kann sich dabei auch auf seine langjährige Erfahrung als Soldat verlassen. „Bis 2009 war ich im Munitionslager Lorup eingesetzt“, so der gebürtige Lingener. „Seitdem bin ich bei der WTDWehrtechnische Dienststelle 91 in Meppen.“ Neben Mantis kümmert er sich auch um die Versuche rund um den neuen Schützenpanzer Puma. „Langweilig wird mir nicht“, sagt der technische Beamte lächelnd.

Vor der Plattform mit dem Geschütz liegen zahlreiche Patronenhülsen auf einer Wiese

Mantis verschießt Patronen mit einem Kaliber von 35 mm. Die Patronenhülsen werden seitlich aus dem Geschoss ausgestoßen.

Bundeswehr/Wullers

Rund 4.000 Schuss und drei Rohre sind am Ende der Mantis-Versuche verbraucht. Die Ergebnisse werden nun von Meppen an das für die Beschaffung zuständige Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr in Koblenz gemeldet. Für die durchlöcherten Zielscheiben steht nun erstmal eine kleine Pause an. „Unser Geschütz hier hat insgesamt schon über 22.000 Schuss abgefeuert und jetzt erstmal eine Pause verdient“, sagt Heiko Meißner und blickt nochmal zufrieden durch die Rauchschwaden auf das durchlöcherte Ziel.

von Dr. Dominik Wullers

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