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Rüstungskooperation

Foreign Military Sales erklärt – am Beispiel P-8A Poseidon

Beschaffung

Die Beschaffung von Rüstungsgütern ist oft ein langwieriger Prozess. Das US-amerikanische Foreign Military Sales Programm, kurz FMS, erleichtert und beschleunigt internationalen Partnern den Zugang zu modernen US-Waffensystemen. Die Bundeswehr hat sich bei der Beschaffung des Seefernaufklärers P-8A dafür entschieden. Wie funktioniert der FMS-Prozess?

Ein großes Flugzeug steht auf einer Betonfläche.

Schon im „Look“ der Deutschen Marine: ein Seefernaufklärer und U-Boot Jäger Poseidon P-8A

Bundeswehr/Benny Rudloff

Was ist Foreign Military Sales

Foreign Military Sales ist ein Programm der US-Regierung, über das befreundete Staaten Rüstungsgüter der USA erwerben können. Dabei können entweder Güter aus dem Bestand der US-Streitkräfte erworben werden, oder es werden Verträge mit Herstellern verhandelt. Anders als bei der direkten Beschaffung von einem Unternehmen handelt der Partnerstaat hier nicht direkt mit dem Hersteller, sondern mit der US-Regierung. Diese wiederum kauft das gewünschte Produkt bei der US-Industrie – in diesem Fall Boeing – und gibt es an die Bestellenden weiter.

Damit übernimmt die US-Regierung eine Art Mittler- und Garanten-Rolle. Sie sorgt für transparente Preise, eine abgesicherte Vertragsabwicklung und stellt sicher, dass die gelieferten Systeme den gleichen Standard haben wie bei den US-Streitkräften.

Ablauf des Beschaffungsprozesses – Schritt für Schritt

Am Beispiel des Seefernaufklärers P-8A Poseidon für die Deutsche Marine lässt sich der Prozess von FMS gut nachvollziehen.

  1. Bedarfsermittlung und Anfrage
    Schon vor dem „Ausreizen“ der Modernisierungsmöglichkeiten der bisher genutzten Flotte von P-3C Orion Seefernaufklärern sowie der Reduzierung ihrer Nutzungsdauer stellte die Bundeswehr fest, dass für diese Flugzeuge Ersatz notwendig ist. Daraufhin wandte sich die Bundesregierung an die USA mit der Anfrage, ob die P-8A Poseidon als Nachfolgemodell über FMS beschafft werden könne. Dabei wurden die Fähigkeiten der P-8A, so wie sie vom Band läuft, mit den Forderungen der Deutschen Marine verglichen. Zu 90 Prozent werden sie ab Werk von der P-8A Poseidon erfüllt.
  2. Letter of Request
    Der erste formelle Schritt beim FMS ist ein „Letter of Request“. Darin beschreibt der bestellende Staat, welche Ausrüstung, Dienstleistungen und Unterstützung benötigt werden. Für die Poseidon beinhaltet das nicht nur das Flugzeug an sich, sondern auch Ersatzteile, Simulatoren, Dokumentation, Zubehör, Ausrüstung, Ausbildungsprogramme und Werkzeuge. Auf dieser Basis entscheidet die US-Regierung, ob sie den Antrag überhaupt akzeptiert.
  3. Letter of Offer and Acceptance
    Auf Basis des Letter of Request erstellt die US-Regierung dann ein detailliertes Angebot – den „Letter of Offer and Acceptance“. Dieses Dokument enthält die genauen Spezifikationen, Preise und Lieferfristen. Es handelt sich dabei um ein unterschriftsreifes streng befristetes Vertragsangebot. Dieses wurde dann im Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr, kurz BAAINBw, für die ersten fünf Maschinen am 20. Juni 2021 unterschrieben.
  4. Kongress-Beteiligung USA
    Für größere Projekte muss der US-Kongress dem Geschäft zustimmen. Das sorgt zusätzlich für Kontrolle und politische Rückendeckung innerhalb der USA. Auch die Poseidon-Beschaffung wurde in diesem Rahmen geprüft und gebilligt. Die Billigung erfolgte im Frühjahr 2021.
  5. Vertragsdurchführung
    Für FMS gibt es feste Regeln zwischen den Regierungen, die nicht verhandelbar sind. Die US-Regierung tritt somit einerseits als Auftragnehmer, unterstützt durch die US-Navy, gegenüber Deutschland und andererseits als Auftraggeber gegenüber der Industrie auf. Im Falle der P-8A Poseidon ist das die Firma Boeing. Diese produziert die Flugzeuge und liefert sie gemäß den vertraglich vereinbarten Bedingungen aus. Gleichzeitig werden Ausbildungs- und Wartungspakete für die Bundeswehr vorbereitet. Die industrielle Wartung wird später wesentlich durch zwei deutsche Firmen im Team mit Boeing erfolgen.
  6. Lieferung
    Dann erfolgt die Lieferung der ersten Maschine an die Deutsche Marine. Bereits im Vorfeld wurden Pilotinnen und Piloten und Besatzung geschult. Außerdem werden aktuell in den USA Besatzungen sowie Technikerinnen und Techniker ausgebildet, sodass die Flugzeuge schnell einsatzbereit sind. Später erfolgt die Ausbildung in Deutschland.

Vorteile des FMS-Prozesses

Die P-8A Poseidon über FMS zu beschaffen, war der einzige Weg, eine entsprechend leistungsfähige Plattform mit den geforderten Fähigkeiten zeitgerecht und ohne große Fähigkeitslücken bis zur Außerdienststellung der P-3C Orion zu bekommen. 

Durch die Nutzung bestehender US-Verträge und Standards können Verfahren verkürzt werden und damit die Beschaffung beschleunigt werden, was an der P-8A Poseidon besonders deutlich wird. Durch die Garantien der US-Regierung bei Preis und Leistung ergibt sich eine hohe Sicherheit für die beschaffende Nation. 

Ein weiterer Vorteil: Interoperabilität. Viele Partnerstaaten wie Norwegen, Neuseeland, Australien, Großbritannien und später Kanada erhalten weitgehend identische Ausrüstung: Alle Käufer der P-8A haben diese ohne nationale Anpassungen beschafft. So wird nicht nur das Zusammenarbeiten in gemeinsamen Missionen gestärkt, sondern auch der Austausch von Technik, Verfahren und Logistik auf allen Seiten erleichtert – ein Pluspunkt für gemeinsame NATO-Einsätze. Auch die Wartung und die Beschaffung von Ersatzteilen, sowie Trainings sind enthalten und bieten Planungssicherheit.

Die Poseidon als Beispiel für effiziente Beschaffung

Mit dem Kauf der P-8A Poseidon hat die Bundeswehr nicht nur ein modernes und bewährtes Seefernaufklärungs- und U-Boot-Jagdflugzeug erhalten, sondern auch gezeigt, dass internationale Rüstungsbeschaffung über den FMS-Prozess reibungsarm ablaufen kann. Während andere Projekte oftmals viele Jahre bis zur Lieferung benötigen, fliegen die ersten Maschinen bald in Nordholz ein.

Die Übergabe an das BAAINBw in Seattle ist erst kürzlich erfolgt. „Gemeinsam mit unseren NATO-Verbündeten müssen wir erfolgreich Abschreckung und Verteidigung gewährleisten,“ betonte der Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Jan Christian Kaack. „Diese großartigen Fortschritte, die erfolgreiche multinationale und militärisch-industrielle Zusammenarbeit sowie die erwarteten Fähigkeiten stimmen mich zuversichtlich, dass wir die meiner Erfahrung nach so komplexen Beschaffungsprojekte meistern können.“

Drei Personen stehen nebeneinander und ein Schlüssel auf einem Holzbrett wird übergeben.

Symbolischer Schlüssel: Die erste Maschine wird an den Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Jan Christian Kaack, übergeben

Bundeswehr/Benny Rudloff
8 Personen zerschneiden ein rotes Band mit Scheren

Bei einer feierlichen Zeremonie zerschnitten Vertretende der Deutschen Marine, der US-Navy und Boeing symbolisch ein rotes Band

Bundeswehr/Benny Rudloff

Anschließend wird der Flieger zur Deutschen Marine nach Nordholz überführt. Das Beispiel macht deutlich, dass FMS nicht nur ein Beschaffungsweg, sondern ein Instrument ist, das Geschwindigkeit, Verlässlichkeit und internationale Zusammenarbeit miteinander verbindet und so Ausrüstung schnell für die Truppen der Bundeswehr bereitstellen kann.

von PIZ AIN 

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