Heer

Ausbildung ungarischer Soldaten an der Panzerhaubitze

Ausbildung ungarischer Soldaten an der Panzerhaubitze

  • Multinationalität
  • Heer
Datum:
Ort:
Weiden
Lesedauer:
4 MIN

Auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr zeigt das Rohr der Panzerhaubitze in Richtung Hang. Die mächtige Explosion des Geschosses zerreißt die Ruhe. Im Ziel steigt Sand in mehreren Wellen auf. „Die Wucht geht durch Mark und Bein“, so ein Ausbilder auf der Schießbahn 103, „das lässt auch den erfahrensten Artilleristen immer wieder zusammenzucken“. Ungarische Soldaten schießen mit deutschen Haubitzen.

Drei Soldaten in Tarnuniform stehen vor einem Panzer, der mittlere zeigt auf das Rohr.

Technischer Dienst an der Panzerhaubitze: Ein Ausbilder erklärt den ungarischen Artilleristen den Aufbau des Geschützrohrs der Panzerhaubitze 2000.

Bundeswehr/Mario Hönig

Artilleriefeuer im direkten Richten nennen die Artilleristen das, was die ungarischen Kameraden im oberpfälzischen Grafenwöhr üben. Dabei zeigt das Geschützrohr nicht nach oben, wie beim indirekten Feuer, sondern direkt auf das Ziel. Eine Mischung aus Freude und Stolz ist bei den acht ungarischen Artilleristen zu spüren. Beim Gefechtsschießen haben sie im März ihre Feuertaufe als künftige Geschützführer erlebt. Im ungarischen Heer wird künftig sehr viel Deutsch gesprochen, denn eine Dienstvorschrift auf Ungarisch gibt es für die Panzerhaubitze 2000 noch nicht. Damit die modernisierte ungarische Artillerie künftig mit ihren nagelneuen Panzerhaubitzen aus deutscher Produktion gut schießen, werden die Soldaten in Deutschland ausgebildet.

Projekt mit historischer Dimension

Drei Soldaten stehen vor dem Heck einer Panzerhaubitze, davor eine Reihe glänzender Geschosse.

Praktische Ausbildung in der Panzerhalle: Ein Ausbilder vom Artilleriebataillon 131 erklärt seinen beiden ungarischen Schülern, wie mit dem Zünderstellschlüssel die Munition vorbereitet wird.

Bundeswehr/Mario Hönig

Seit dem vergangenen Jahr ist Weiden in der Oberpfalz die Wiege der modernen ungarischen Artillerie. Im Herbst wurden beim Artilleriebataillon 131 acht ungarische Soldaten an der Panzerhaubitze 2000 ausgebildet. Im Frühjahr folgte deren Ausbildung zum Geschützführer, ehe sie noch in diesem Jahr ihre Verwendungslehrgänge zum Batteriechef, Zugführer und Feuerwerker absolvieren. Für die 5. Batterie in Weiden ist dies ein historisches Projekt, aber auch eine zusätzliche Herausforderung zum normalen Dienstbetrieb. „Die Entscheidung, diese Ausbildung gleich im ersten Quartal des Jahres in Weiden fortzusetzen, fiel noch während der Ausbildung zum Kanonier im Dezember des letzten Jahres“, erklärt der Stellvertreter des Kommandeurs des Artilleriebataillons 131, Oberstleutnant Stefan Zadlo.

240 Stunden im Simulator

Zwei Soldaten sitzen im Innenraum einer Panzerhaubitze.

Ausbildung im Simulator: Auf dem Platz des Geschützführers erklärt ein deutscher Ausbilder einem ungarischen Artilleristen die Tätigkeiten des Richtkanoniers in der Panzerhaubitze 2000.

Bundeswehr/Mario Hönig

„Die Kapazitäten an der Artillerieschule in Idar-Oberstein waren ausgeschöpft. In Abstimmung mit dem Ausbildungskommando haben wir uns entschlossen, unsere ungarischen Kameraden im gewohnten Umfeld in Weiden auszubilden“, so Zadlo. Ziel sei es gewesen die Ausbildungshöhe Geschützfeldwebel Panzerhaubitze 2000 zu erreichen.

Über den Jahreswechsel plante das Bataillon in Abstimmung mit der Artillerieschule den Lehrgang. „Die fachlichen Inhalte entsprachen somit eins zu eins denen des Lehrgangs zum Geschützführer an der Artillerieschule“, versichert Hauptfeldwebel Ivo Köhnke. Er war bereits bei der Ausbildung als Zugführer eingesetzt. Neben den theoretischen Anteilen lag der Schwerpunkt der Ausbildung in der Praxis. Dabei wurde auch der Panzerhaubitzen-Simulator, von den Artilleristen „Kurzrohr“ genannt, genutzt. Allein im Simulator absolvierten die ungarischen Artilleristen rund 240 Stunden.

Im scharfen Schuss

Zwei Panzerhaubitzen fahren in Kolonne auf einer öffentlichen Straße. Ein aufgesessener Soldat hält eine Winkerkelle.

Ausbildung auf der Straße: Auch den Marsch mit der Panzerhaubitze 2000 von Weiden zum Truppenübungsplatz Grafenwöhr lernen die angehenden Geschützführer in der Praxis.

Bundeswehr/Mario Hönig

Nach der Theorie folgte die Praxis, es ging an die Geschütze. Die vorschriftsmäßige Überprüfung vor dem scharfen Schuss und das Aufrüsten der Geschütze zum Schießen standen auf dem Ausbildungsplan. In den folgenden acht Tagen übte der gemischte deutsch-ungarische Zug auf den Truppenübungsplatz Grafenwöhr. Das Gefechtsschießen war der Höhepunkt der Ausbildung. Angefangen vom Marsch, über das Erkunden, Beziehen und Sichern von Räumen wurde das dynamische Feuerstellungskonzept erst trocken und dann im scharfen Schuss geübt. Die Besatzungen waren stets aus ungarischen und deutschen Artilleristen gemischt. Auf allen Funktionsbereichen der Geschütze wurden die Soldaten ausgebildet. „Es ist schön zu sehen, was am Ende der Ausbildung rauskommt“, sagt Ausbilder Köhnke. Er ist sehr zufrieden mit den Leistungen der Ungarn. „Mich erfüllt es mit Stolz, was wir in den beiden letzten Quartalen erreicht haben.“

Auftrag: Eigene Kameraden ausbilden

Soldaten treten zwischen zwei Panzerhaubitzen an.

Besuch auf der Schießbahn 103: Oberst Janos Csombok (l.) spricht zu den Ausbildern und den Lehrgangsteilnehmern.

Bundeswehr/Mario Hönig

„Die ungarischen Kameraden konnten in Grafenwöhr nochmals wertvolle praktische Erfahrungen sammeln und viele Anregungen für zukünftige eigene Ausbildungen und Übungen mitnehmen“, betont Zadlo. Ihre Motivation sei hoch. Und genau dies werde künftig im eigenen Bataillon ihre Aufgabe sein – die Ausbildung am neuen System. Die Panzerhaubitze 2000 wird dank eines Modernisierungsprogramms künftig das Hauptwaffensystem der ungarischen Artillerie sein und damit die alten sowjetischen D-20-Haubitzen ersetzen. In einem bilateralen Abkommen hat sich die Bundeswehr im Gegenzug verpflichtet, das Personal auszubilden. „Sie haben es geschafft, trotz der besonderen Umstände den Grundstein für die weitere Ausbildung der ungarischen Artillerie zu legen“, lobte der Leiter des Verbindungsbüros der ungarischen Streitkräfte in Deutschland, Oberst Janos Csombok. „Wir haben gemeinsam Geschichte geschrieben und wir sind dankbar, dass wir das zusammen mit den Besten, nämlich Ihnen, tun durften“, erklärte er bei seinem Besuch auf der Schießbahn.

Prüfung bestanden

Eine Panzerhaubitze schießt und wird von Pulverdampf eingehüllt.

Der erste scharfe Schuss: Im direkten Richten bekämpfen die angehenden ungarischen Geschützführer auf der Schießbahn103 des Truppenübungsplatzes Grafenwöhr ein Ziel.

Bundeswehr/Mario Hönig

Ihre Prüfungen haben alle acht Ungarn bestanden. Beim Antreten der Batterie gratulierte Zadlo und überreichte den frisch gebackenen Geschützführern ihren „Allgemeinen Tätigkeitsnachweis“, wie die Bundeswehr ihre Ausbildungsdiplome nennt. Als besonderen Dank erhielten sie und ihre Sprachmittler den Commander’s Coin, die Gedenkmünze des Kommandeurs. Der Dank galt besonders auch dem Übersetzerteam: „Ohne Sie hätten wir dieses Ziel nicht erreichen können“, dankte ihnen Zadlo.

Nächste Station Ungarn

Ungarische Soldaten sind angetreten und erhalten von einem deutschen Soldaten Urkunden.

Geschafft: Oberstleutnant Stefan Zadlo (2.v.l.), Stellvertreter des Kommandeurs des Artilleriebataillons 131, überreicht den ungarischen Geschützführern jeweils eine Urkunde.

Bundeswehr/Mario Hönig

Stellvertretend für den Inspekteur der ungarischen Streitkräfte, Generalmajor Attila Geza Takacs, übergab Oberst Csombok Erinnerungsurkunden an die deutschen Ausbilder. „Sie können stolz sein auf Ihre Männer und Frauen“, sagte Csombok zu Zadlo gewandt. „Ich hoffe, dass dies nur der Anfang einer langen Partnerschaft sein wird.“ Ein Wiedersehen gibt es schon im September. Die 5. Batterie des Artilleriebataillons 131 wird dann im ungarischen Tata an der Übung Break Through teilnehmen.

von Mario Hönig

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