Heer
Sommerreise

„Eine ganz besondere Brigade“

„Eine ganz besondere Brigade“

  • Ausbildung
  • Heer
Datum:
Ort:
Müllheim
Lesedauer:
4 MIN

Seit 30 Jahren arbeiten deutsche und französische Soldatinnen und Soldaten in der Robert-Schuman-Kaserne eng und erfolgreich zusammen – im September wird das gefeiert. Auch aus diesem Grund hat Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht am 19. Juli die Deutsch-Französische Brigade im badischen Müllheim besucht.

Eine französische und eine deutsche Soldatin stehen nebeneinander, an ihren Armen ist das Brigadewappen zu sehen.

Deutsch-französische Freundschaft: Lieutenant Alicia und Stabsunteroffizier Tatiana tragen mit Stolz das Wappen ihrer Brigade mit den verschlungenen Farben Deutschlands und Frankreichs

Bundeswehr/Andreas Keck

Die politische Sommerpause in Berlin nutzt die Ministerin derzeit für eine Sommerreise zu ihrer Truppe. „Ich will wissen, wo der Schuh drückt“, und dies sei eben nur im Gespräch mit den Soldatinnen und Soldaten vor Ort möglich. Nach Müllheim zu kommen, entschied die Ministerin kurzfristig – auch weil dort seit 30 Jahren der Stab der Deutsch-Französischen Brigade beheimatet ist. „Die Deutsch-Französische Brigade ist eine besondere Brigade“, sagte die Ministerin und sparte nicht mit Lob: „Die Soldatinnen und Soldaten dieser Brigade haben sich in vielen Einsätzen bewiesen.“

Die Brigade – ein politisches Projekt von Kanzler Helmut Kohl und dem französischen Staatspräsidenten François Mitterrand – wurde 1989 in Böblingen aufgestellt; 1992 wurde der deutsch-französische gemischte Stab von Böblingen ins südbadische Müllheim verlegt. Die dortige Kaserne trägt seither ganz bewusst den Namen des Wegbereiters der europäischen Einigung, Robert Schuman, von 1948 bis 1952 französischer Außenminister.

Vorbereitung auf den schwierigen Einsatz in Mali

Zwei Soldaten grüßen eine Zivilistin militärisch.

Der Kommandeur der Deutsch-Französischen Brigade, Général Jean-Philippe Leroux (r.) und sein deutscher Stellvertreter, Oberst Philipp Leyde (M.), verabschieden die deutsche Verteidigungsministerin Christine Lambrecht in Müllheim

Bundeswehr/Andreas Keck

„Die Deutsch-Französische Brigade trägt zur Vertiefung der Freundschaft unserer beiden Länder bei“, betonte die Ministerin. Die binationale Brigade, in der Deutsche und Franzosen gemeinsam, teilweise sogar in gemischten Kompanien dienen, war vor 33 Jahren der erste gemischte Verband dieser Art. Sie gilt seit ihrer Aufstellung als Vorzeigeprojekt der Aussöhnung und Zusammenarbeit beider Länder und wird stets im Wechsel von einem deutschen oder einem französischen Brigadegeneral geführt, wobei dessen Stellvertreter die jeweils andere Uniform trägt. So begrüßte Général de Brigade Jean-Philippe Leroux als derzeitiger Kommandeur der Brigade die Ministerin vor dem Stabsgebäude, begleitet von seinem deutschen Stellvertreter, Oberst Philipp Leyde. Die Soldaten ihrer Brigade hätten sie erst kurz zuvor sehr beeindruckt, berichtete Ministerin Lambrecht den beiden Offizieren. Sie hatte in der Woche zuvor gesehen, wie sich die Soldaten des zur Brigade gehörenden Jägerbataillons 292 aus Donaueschingen im Gefechtsübungszentrum Heer auf ihren gefährlichen Einsatz in Mali vorbereiten. Die 3. Kompanie des Donaueschinger Bataillons wird ab September einen Sicherungszug für die UNUnited Nations-Mission im westafrikanischen Mali stellen.

Weltweit im Einsatz

Die Brigade ist ein schlagkräftiger operativer Großverband und weltweit im Einsatz und dabei äußerst einsatzerfahren: Nach einigen NATO-Einsätzen auf dem Balkan waren Soldaten der Brigade zur Sicherung des Friedens in Afghanistan und seit 2016 auch zur Sicherung der NATO-Ostflanke in Litauen. In Mali, wo Französisch Amtssprache ist, war die Brigade sieben Mal im Einsatz für die Mission der Vereinten Nationen (MINUSMAMultidimensionnelle Intégrée des Nations Unies pour la Stabilisation au Mali), die Europäische Ausbildungsmission (European Training Mission, EUTMEuropean Union Training Mission) sowie die französische Operation Barkhane. Derzeit stellt die Deutsch-Französische Brigade das Hauptquartier der von Frankreich geführten Very High Readiness Joint Task Force (VJTFVery High Readiness Joint Task Force ), der Speerspitze der Schnellen Eingreiftruppe der NATO.

Zweisprachige Ausbildung ist eine Bereicherung

„Es war mir hier in Müllheim wichtig zu sehen, wie das Miteinander beider Streitkräfte funktioniert“, erklärte die Ministerin. Dies führten Oberfeldwebel Leon Cedric B. und sein gemischtes Team vom Deutsch-Französischen Versorgungsbataillon (Battaillon de Commandement et de Soutien, BCS) vor. Die Politikerin schaute den Soldaten bei der Ausbildung über die Schulter und erfuhr dabei, welche technischen Hürden zu nehmen sind, wenn ein französisches Bergefahrzeug einen deutschen LkwLastkraftwagen abschleppt oder umgekehrt. Dass Oberfeldwebel B. – Absolvent eines deutsch-französischen Gymnasiums im Saarland – die Ausbildung gleichzeitig auf Deutsch und auf Französisch meistert, beeindruckte Lambrecht besonders. „Die Sprachbarriere macht das Ganze natürlich oft herausfordernd, ist aber auch eine Bereicherung“, sagte B. der Ministerin.

Deutsch-französische Zusammenarbeit stärkt EU und NATO

Dabei sind es nicht nur Unterschiede in der Sprache, die überwinden werden müssen, sondern auch Unterschiede bei den Systemen. „Bei uns gilt es, die verschiedenen Logistiksysteme beider Streitkräfte auf Bataillonsebene zusammenzuführen“, erklärte der Kommandeur des Versorgungsbataillons, Oberstleutnant Christian Stahl, und erläuterte, wie sein Bataillon für diese besondere Aufgabe gegliedert und ausgerüstet ist. Die Brigade macht seit 30 Jahren vor, was erst in jüngster Zeit bei der NATO Standard ist – die multinationale Zusammenarbeit bis in die unterste Organisationsebene. „Effizienz durch Binationalität – das spiegelt sich in der Deutsch-Französischen Brigade in den harmonisierten Verfahren und wachsenden Erfahrungen beider Länder wider“, sagte Ministerin Lambrecht. „Diese Zusammenarbeit stärkt die Europäische Union und die NATO. In den aktuellen sicherheitspolitischen Entwicklungen ist dies wichtiger denn je. Diese Brigade dient als Blaupause für weitere Kooperationen.“

Weitere 30 Millionen Euro werden in Müllheim investiert

Deutsche und französische Soldaten stehen in einer Formation auf einem Appellplatz.

Binationale Erfahrung seit mehr als 30 Jahren: Soldaten des Stabes der Deutsch-Französischen Brigade sind angetreten

Bundeswehr/Andreas Keck

Rund 670 Soldatinnen und Soldaten sowie zivile Mitarbeiter dienen am Standort Müllheim. Damit sie in einer modernen Infrastruktur arbeiten können, hat die Bundeswehr in den vergangenen fünf Jahren rund 22 Millionen Euro in die Robert-Schuman-Kaserne investiert. Lambrecht kündigte weitere Investitionen in Höhe von rund 30 Millionen an, mit denen bereits begonnene Bauprojekte abgeschlossen werden sollen. Schwerpunkt seien die Sanierung und der Umbau von Unterkunftsgebäuden und Ausbildungshallen für die Fernmelder der Brigade, so die Ministerin. Dies komme der Ausbildung der Soldaten zugute und sei deshalb „gut investiertes Geld“. Am 17. September 2022 feiert die Deutsch-Französische Brigade ihre 30-jährige Stationierung in der Müllheimer Robert-Schuman-Kaserne mit einem Tag der offenen Tür, einem feierlichen Appell auf dem Markgräfler Platz in der Stadt sowie einem Defilee durch die Stadt. 

von Karsten Dyba

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