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Heeresaufklärer auf Pokaljagd

Heeresaufklärer auf Pokaljagd

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Datum:
Ort:
Eutin
Lesedauer:
3 MIN

Kanister schleppen, vom Haus abseilen, Verwundete retten: Am 22. September hat das militärische Führungskorps des Aufklärungsbataillons 6 den jährlichen Vergleichswettkampf im heimischen Eutin ausgetragen und um den Hubertus-Hilgendorff-Pokal gekämpft. Wegen der Corona-Auflagen konnte der Wettstreit nicht wie sonst in Bad Schwartau stattfinden.

Mehrere Soldaten laufen auf einer Schotterstraße auf ein Stangenhindernis zu.

Der mit Hindernissen gespickte Eilmarsch erfordert von allen Kondition und Geschicklichkeit.

Bundeswehr/Timm Ritter

„Komm zieh! Du packst das!“, hallt es über den Sportplatz der Rettberg-Kaserne in Eutin. Ein schweißnasser Soldat zerrt einen 50 Kilogramm schweren Sandsack über den Rasen. Die 80 Teilnehmenden, aufgeteilt in Kohorten, also feste Gruppen, halten sich diszipliniert an das Hygiene-Konzept. Bei einigen der Stationen müssen die Soldatinnen und Soldaten Mund-Nasen-Schutz tragen. Auch die große Abschlussfeier muss in diesem Jahr auf kleinere Zusammenkünfte begrenzt werden. Trotz der Einschränkungen gibt es wieder eine Vielzahl an Stationen, die durch die hoch motivierten Teams gemeistert werden müssen. Sie setzen sich aus allen Offizieren und Unteroffizieren des Bataillons zusammen. Vom Kommandeur bis zum Obergefreiten und Reserveoffizieranwärter ist jeder dabei. Alle Teilnehmenden müssen ihre körperliche Leistungsfähigkeit und Geschicklichkeit unter Beweis stellen.

„Wasser marsch!“

Mehrere Soldaten stehen auf dem Rasen hintereinander und transportieren im flachen Aufsatz des Feldessgeschirrs Wasser.

Ohne dabei den Rasen zu gießen, müssen die Soldaten an der ersten Station möglichst viel Wasser transportieren.

Bundeswehr/Timm Ritter

Beim Warm-up geht es um eine ruhige Hand und Konzentration. Die Teams bilden eine Kette über den Rasen des Sportplatzes und müssen Wasser mit ihrem Feldgeschirr von einem Ende zum anderen befördern. Die höchste Punktzahl erhält das Team mit der am meisten transportierten Wassermenge. Anschließend verteilen sich die acht Gruppen auf die verschiedenen Stationen. Die erstrecken sich von der militärischen Badeanstalt bis über nahezu den gesamten Standortübungsplatz. Spaßige Einlagen sorgen für gute Laune. Körperlich anstrengend ist vor allem die Station „Eilmarsch“, bei der die Soldaten eine hindernisreiche Strecke möglichst schnell überwinden sollen. Das geht natürlich nicht ohne Erschwernisse, wie zum Beispiel ein Verwundetentransport und Minen, die auf dem Weg rechtzeitig entdeckt werden müssen. Auch beim Schieben eines Wolf-Geländewagens durch einen Parcours, einschließlich eines Radwechsels, ist körperliche Fitness gefragt. Bei der Fernmeldestation kommt es hingegen auf Fachwissen an. Korrekte Funksprache, Verschleierung und der sichere Umgang mit den Funkgeräten bringen hier die Punkte.

Ein Soldat mit Rucksack und Mund-Nasenschutz seilt sich von einem Gebäude ab.

Ein Teilnehmer beim Abseilen aus einem Gebäude. Es kostet so manchen Soldaten einige Überwindung.

Bundeswehr/Timm Ritter

Überwindung kostet den einen oder anderen Offizier das Abseilen an einer Hauswand, doch alle Kameraden schaffen es nach unten. Bei der abgewandelten Hindernisbahn müssen die Aufklärer nicht nur ein offenes Behältnis mit Wasser, sondern auch mehrere rohe Eier unbeschadet bis ins Ziel bringen. Die Station „Gewässerüberquerung“ verlangt von allen Teilnehmenden, sich selbst und die Ausrüstung trocken über den See zu transportieren. Das gelingt nicht allen: Der eine oder andere wird ungewollt nass. Die letzte Station ist für alle Gruppen wieder auf dem Sportplatz der Kaserne. Auf einer kurzen Strecke mit Sprints tragen die Soldaten Kanister und ziehen 50 Kilogramm schwere Sandsäcke.

Zug um Zug

Mehrere Soldaten ziehen an einem Tau. Kameraden im Hintergrund feuern sie an.

Die Soldaten der „Roten Zwoten“ legen sich unter Anfeuerung ihrer Kameraden mit voller Kraft ins Tau. Immerhin reicht es für den zweiten Platz.

Bundeswehr/Timm Ritter

Direkt im Anschluss geht es zum traditionsreichen Wettkampf: dem Horst-Krause-Pokal. Er ist nach dem ältesten noch lebenden, ehemaligen Soldaten des Bataillons benannt und wird von diesem auch am Ende übergeben. Dabei treten traditionell die Kompanien gegeneinander an, wobei die 1. Kompanie durch den Bataillonsstab verstärkt wird. Bevor zwei Kompanien sich im Tauziehen messen, müssen Fragen beantwortet werden. Durch das Hereinrufen der Antworten und Verwirrung bezüglich einiger Regeln kommt es immer wieder zu hitzigen Diskussionen. Letztlich können sich aber die erste und zweite Kompanie durchsetzen. In einem kurzen Wettstreit gelingt es der ersten Kompanie, die Soldaten der „Roten Zwoten“ zentimeterweise in ihre Richtung zu ziehen und den Titel unter den Anfeuerungsrufen des Bataillons zu verteidigen.

Dabei sein ist alles

Die zehn Soldaten der Siegermannschaft auf der Tartanbahn eines Sportplatzes: Einer hält den Pokal, ein anderer die Urkunde.

Die siegreiche Mannschaft der 1. Kompanie hat die Wettkämpfe ausgerichtet und beide Pokale eingeheimst.

Bundeswehr/Timm Ritter

Am Ende heißt es: Doppelsieg für die Soldaten der 1. Kompanie. Denn beide Pokale gehen an die „Erste“. Sie verweist die „Rote Zwote“ auf den zweiten und die vierte Kompanie auf den dritten Platz. Auch alle anderen Teilnehmenden blicken auf einen erfolgreichen Tag zurück. Bataillonskommandeur, Oberstleutnant Tobias Aust, bringt es bei der Siegerehrung auf den Punkt: „Wichtig ist, dass Sie sich der Herausforderung als militärische Führer stellen!“ Denn bei allem sportlichen und militärischen Ehrgeiz zählt vor allem der olympische Gedanke: Dabei sein ist alles. Im Führerwettkampf geht es eben darum, selbst „das zu machen, was Sie sonst von Ihren Untergebenen erwarten und einfordern.“ Am Ende könnten alle Teilnehmer stolz auf sich sein und werden im nächsten Jahr sicher hoch motiviert sein, der 1. Kompanie die beiden Siegertitel abzuluchsen.


von Lennert Linke

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