Luftwaffe

Die fliegende Tankstelle im Dauereinsatz für die NATO

Die fliegende Tankstelle im Dauereinsatz für die NATO

  • Landes- und Bündnisverteidigung
  • Luftwaffe
Datum:
Ort:
Eindhoven
Lesedauer:
3 MIN

Es herrscht Hochbetrieb in der MMU in Eindhoven. Die Mechaniker sind am Flugzeug, die fliegende Besatzung bereitet ihr Briefing vor und in der Operationszentrale werden die letzten Einzelheiten der bevorstehenden Mission geklärt. Sie alle machen sich bereit, um die NATO-Partner zu unterstützen.

Ein Flugzeugmechaniker sichtet mit Taschenlampe den MMU A330 MRTT vor dem Flug

Die Flugzeugmechaniker: Sie sind die ersten und die letzten auf dem Flugfeld, die noch am Flugzeug arbeiten.

Bundeswehr/Francis Hildemann

„Man merkt, dass die Anspannung größer ist als vor einem normalen Trainingsflug. Wir wissen, um was es geht und jeder gibt sein Bestes, unseren Beitrag zur Sicherung des NATO-Luftraums zu leisten“, erklärt Hauptmann Jendrick S., ein Pilot der MMU, der sich gerade auf seinen Flug vorbereitet.

Hauptmann Jendrick S. (links) mit seiner Crew im Briefing

Ein Briefing kann, je nachdem wie komplex die Mission ist, auch mal mehrere Stunden dauern. Hauptmann Jendrick S. (links) bereitet sich mit seiner Crew auf die anstehende Mission vor.

Bundeswehr/Francis Hildemann

Der Newcomer im NATO-Einsatz

Trainingsflüge gab es seit der Aufstellung der jungen multinationalen Einheit im Juli 2019 viele, denn der Fokus lag auf der Ausbildung der fliegenden Besatzungen und Flugzeugmechaniker auf dem neuen Airbus A330 MRTTMulti Role Tanker Transport.

Doch als die NATO die Anfrage an die Führung der multinationalen Einheit richtete, die alliierten Kräfte mit Luftbetankungsfähigkeiten zu unterstützen, ging alles ganz schnell.

„Ich bin begeistert, wie uns die Partnernationen unterstützt haben und unterstützen. Die gute Zusammenarbeit aller beteiligten Nationen ermöglichte es uns, innerhalb kürzester Zeit auf die Anfrage der NATO einzugehen und die Tanker in die Luft zu bekommen“, erklärt Oberst Markus Bestgen, Deputy Commander und Dienstältester Deutscher Offizier der MMU.

Oberst Markus Bestgen steht vor dem MMU A330 MRTT

Oberst Markus Bestgen ist von Anfang an dabei, er führt den Deutschen Anteil der MMU seit dessen Indienststellung am 9. April 2019.

Bundeswehr/Francis Hildemann

Noch am 24. Februar gingen die ersten A330 MRTTMulti Role Tanker Transport in die Luft und seitdem stellt die Einheit 24 Stunden 7 Tage die Woche ihre Fähigkeiten zur Verfügung. Die Flugzeuge operieren dabei aus beiden Standorten der Einheit.

Bis zu drei Flugzeuge sind gleichzeitig im Einsatz, um die beträchtlichen Anforderungen der Partnernationen an Luftbetankungskapazitäten zu erfüllen.

MMU A330 MRTT beim Start in Eindhoven

Die Multinationale Flotte setzt sich aus sechs Ländern (Belgien, Deutschland, Luxemburg, Niederlande, Norwegen und Tschechien) zusammen und operiert von zwei Standorten aus: Köln und Eindhoven

Bundeswehr/Francis Hildemann

Seit Beginn der Luftbetankungsflüge wurden bereits in mehr als 50 Missionen mehr als zwei Millionen Liter Kraftstoff an mehr als 250 Jets der NATO-Partner abgegeben.

„Für eine junge Einheit wie die MMU ist es bemerkenswert, dass wir dauerhaft drei unserer fünf Flugzeuge in der Luft haben und das mit großem Erfolg“, führt Oberst Bestgen aus.

Das Erfolgsrezept der MMU

Die MMU A330 MRTT betankt Eurofighter in der Luft

Deutsche Eurofighter werden mittels Fangtrichter betankt, während dieser Vorgang zum Beispiel bei der F-35 durch den Tankausleger erfolgt.

Bundeswehr/Francis Hildemann

Der Airbus A330 MRTTMulti Role Tanker Transport macht all das durch seine flexible Einsatzform möglich. Denn er kann nicht nur mittels Fangtrichter an den Tragflächen (Pod System) betanken, sondern auch über einen Tankausleger (Boom System). Damit ist es möglich, beinahe jedes verfügbare Flugzeug der NATO-Partner zu betanken.

Doch hauptsächlich ist der Erfolg dem Engagement und der Einsatzbereitschaft des multinationalen Teams in der Luft und am Boden zu verdanken. „Natürlich ist die derzeitige Situation auch eine erhöhte Belastung für uns, aber wir haben hier alle das gleiche Ziel vor Augen“, sagt Jendrick S. „Zu sehen, dass wir alle an einem Strang ziehen, motiviert meine Kameraden und mich jeden Tag aufs Neue, unser Bestes zu geben.“

Zwei Piloten sitzen im Cockpit des MMU A330 MRTT und bereiten das Flugzeug für den Start vor.

Die fliegenden Besatzungen der MMU setzen sich in der Regel international zusammen. Die Zusammenarbeit als multinationales Team in der Luft und am Boden zeichnet die MMU besonders aus.

Bundeswehr/Francis Hildemann

Um das Team auch für einen längeren Zeitraum der Betankungsflüge einsatzbereit zu halten, hat die Führung der MMU in Absprache mit den Partnernationen ein spezielles Schichtsystem eingeführt, das dem Personal der Einheit auch im 24/7-Betrieb ausreichend Ruhephasen gewährleistet.

Durch das Zusammenspiel aus der Einsatzbereitschaft des Personals, lösungsorientierter Kooperation der Partnernationen, sowie technischer Möglichkeiten des Airbus A330 MRTTMulti Role Tanker Transport hat es die MMU geschafft, sich bei den NATO-Partnern als verlässlicher Partner für die Luftbetankung zu etablieren. Oberst Bestgen: „Ich bin stolz darauf, was unsere Soldatinnen und Soldaten leisten. Es freut mich, dass im Rahmen dieser Beauftragung immer wieder bestätigt wird, dass wir hier mit unserer MMU eine Einheit haben, die einen Mehrwert für alle Partnernationen darstellt.“

von Thomas Bauer und Alena Grubinka