Inhalt
Luftwaffe
Ramstein Flag 2026

Vertrauen als Fundament – Deutsche Techniker an finnischen Jets

Landes- und Bündnisverteidigung

Vertrauen als Fundament – Deutsche Techniker an finnischen Jets

Bei manchen Mobilgeräten und Browsern funktioniert die Sprachausgabe nicht korrekt, sodass wir Ihnen diese Funktion leider nicht anbieten können.

„Train as you fight“ gilt im Hohen Norden Finnlands. Auf der Rovaniemi Air Base arbeiten deutsche Wartungscrews an Kampfflugzeugen, die die Bundeswehr selbst gar nicht fliegt. Das Ziel lautet grenzenlose Interoperabilität. Doch um bürokratische und technische Hürden zu nehmen, müssen die NATO-Partner vor allem gegenseitiges Vertrauen aufbauen.

Kampfflugzeug F/A-18 der finnischen Luftstreitkräfte. Im Vordergrund zwei Soldaten der Bundeswehr.

Die Zusammenarbeit der Bodencrews unterstreicht die Interoperabilität der Partnerstreitkräfte bei gemeinsamen Einsätzen und Übungen

Bundeswehr/Marvin Hofmann

Theorie „büffeln“ während der Hochphase der größten Übung von NATO-Luftstreitkräften im Jahr 2026? Auch das ist Realität während Ramstein Flag 26. Im hohen Norden Finnlands bietet sich für deutsche Techniker derzeit die seltene Gelegenheit, direkt an den F/A-18 „Hornet“ Jets der finnischen Luftwaffe ausgebildet zu werden. Die Zauberworte hinter dieser Kooperation lauten „Agile Combat Employment“ (ACE) und dessen Kernsäule Aircraft Cross ServicingEine Kernsäule des ACE-Konzepts. Es erlaubt technischem Personal, Wartungsarbeiten, Betankungen oder Checks an Luftfahrzeugen einer Partnernation durchzuführen. Ziel ist die vollständige Interoperabilität im Bündnis ohne eigenes Unterstützungspersonal vor Ort. (ACS). Dahinter verbirgt sich die Fähigkeit des technischen Personals, Wartungsarbeiten an einem unbekannten Luftfahrzeug, durchzuführen. ACE in Verbindung mit ACS vereint Luftstreitkräfte aus dem gesamten NATO-Bündnis und lässt sie aus einem Netzwerk von verschiedenen Luftwaffenstützpunkten aus operieren, um Widerstandsfähigkeit und Überlebensfähigkeit zu verbessern. In Zeiten multinationaler Luftoperationen und anhaltender Bedrohungen ist diese Kompetenz gerade an der NATO-Nordostflanke unverzichtbar. Und sie muss kontinuierlich vertieft werden.

„Interoperabilität“ ist der Schlüssel zum Erfolg

In der Vergangenheit hat die Luftwaffe gemeinsam mit den Eurofighter-Nationen Großbritannien, Italien und Spanien bereits erfolgreich Personal an den Maschinen der jeweils anderen Staaten ausgebildet. Die Effizienzgewinne zeigten sich direkt im NATO Air Policing im Baltikum oder in Rumänien. Doch Aircraft Cross Servicing geht weit über den Eurofighter hinaus. Die NATO ist ein Militärbündnis aus 32 unabhängigen Staaten, das derzeit noch weit über zehn unterschiedliche Kampfflugzeuge nutzt. In Finnland geht die Zusammenarbeit nun den nächsten logischen Schritt, die Crews arbeiten nicht mehr am vertrauten, gemeinsamen Waffensystem, sondern fertigen einen Jet ab, den die Bundeswehr selbst gar nicht fliegt: die F/A-18.

ACE in Verbindung mit ACS vereint Luftstreitkräfte aus dem gesamten NATO-Bündnis und lässt sie aus einem Netzwerk von verschiedenen Luftwaffenstützpunkten aus operieren, um Widerstandsfähigkeit und Überlebensfähigkeit zu verbessern. In Zeiten multinationaler Luftoperationen und anhaltender Bedrohungen ist diese Kompetenz gerade an der NATO-Nordostflanke unverzichtbar.

Diese Fähigkeit ist eine Herzensangelegenheit von Hauptmann Marc H., Angehöriger des Taktischen Luftwaffengeschwaders 33 und Teil des deutschen Kommandos bei der Übung Ramstein Flag 26. Bereits während seiner Verwendung im Headquarters Allied Air Command in Ramstein suchte er, gemeinsam mit zwei Kameraden der European Air GroupEine multinationale Organisation der Luftstreitkräfte von sieben europäischen Nationen (BEL, DEU, ESP, FRA, GBR, ITA, NDL). Die EAG ist ein Think-Tank und Netzwerk, das konkrete, praxisnahe Verfahren entwickelt, um die Zusammenarbeit, von der Logistik bis zum Cross Servicing, reibungslos zu gestalten. (EAG) aus dem britischen High Wycombe, kontinuierlich nach Gelegenheiten zur Ausbildung im Rahmen Aircraft Cross Servicing und des durch die EAG initiierten Maintainer Interoperability TrainingsEin praktisches Ausbildungskonzept für technisches Personal. Techniker lernen hier die Handgriffe, Sicherheits- und Wartungsverfahren für fremde Waffensysteme. Ziel des Trainings ist es, bürokratische und technische Hürden abzubauen, um eine reibungslose nationenübergreifende Flugzeugwartung (Cross Servicing) im Bündnis zu ermöglichen. (MIT).

Das Schlüsselwort des Ausbildungskonzepts steckt bereits im Namen: Interoperabilität. Und das bedeutet zunächst, Vertrauen zu schaffen. Die gegenseitige Wartung von Flugzeugen ist bereits unter Aufsicht von qualifiziertem Personal der Heimatnation möglich. Das Erreichen einer unbeaufsichtigten gegenseitigen Luftfahrzeugwartung erfordert den Aufbau dieses genannten Vertrauens über einen längeren Zeitraum. Es verlangt aber auch ein neues Mindset und die Abkehr von alten, liebgewonnenen Denk- und Verfahrensweisen. Gemäß der Leitlinie „Train as you fight“ müssen Mut zur Veränderung, gegenseitiges Verständnis und die Akzeptanz kalkulierbarer Risiken die Maxime sein, gerade bei Hochwertübungen wie Ramstein Flag.

Soviel Theorie wie nötig, aber dann … Praxis, Praxis, Praxis!

Nichts ersetzt die praktische Erfahrung. Daher geht es für die deutschen Wartungscrews nach der theoretischen Einweisung auch gleich ans Luftfahrzeug. Und hier geht der internationale Austausch sofort ins Detail: Herstellen der Bodensicherheit, Startvorbereitung für die finnischen Piloten, normales Betanken, das sogenannte Cold-Refueling, bis hin zur Königsdisziplin, dem Hot-Refueling bei laufenden Triebwerken. Die Zeit vergeht wie im Flug, während parallel Eurofighter, Tornados, F-18 und F-35 zu ihren täglichen Übungsmissionen abheben. Für Hauptmann Marc H. war es ein rundum gelungener Tag mit direktem, ungefiltertem Erfahrungsaustausch. „Um Interoperabilität mit Leben zu füllen müssen zwei Dinge über allem stehen: Vertrauen und eine gesunde Risikobereitschaft“, resümiert Marc H.

Wenn in den nächsten Tagen alles glattläuft, folgt der Gegenbesuch der finnischen Warte bei Eurofighter und Tornado. Und da stehen ja auch noch die F-35 des United States Marine Corps auf der gemeinsam genutzten Rovaniemi Air Base.

Die Beteiligten blicken dabei schon nach vorn: 2027 findet die Übung VOLCANEX in Deutschland statt. Wenn dann spanische und finnische Hornets an die deutsche Nordseeküste verlegen, ist das jetzt gewonnene Know-how sprichwörtlich Gold wert.

von Alexander Feja

Vertrauen als Fundament – Deutsche Techniker an finnischen Jets

Bei manchen Mobilgeräten und Browsern funktioniert die Sprachausgabe nicht korrekt, sodass wir Ihnen diese Funktion leider nicht anbieten können.

Mehr zum Thema

Aktuelles Luftwaffe
Anfang Footer Es ist uns ein Anliegen, Ihre Daten zu schützen

Auf dieser Website nutzen wir Cookies und vergleichbare Funktionen zur Verarbeitung von Endgeräteinformationen und (anonymisierten) personenbezogenen Daten. Die Verarbeitung dient der Einbindung von Inhalten, externen Diensten und Elementen Dritter, der eigenverantwortlichen statistischen Analyse/Messung, der Einbindung sozialer Medien sowie der IT-Sicherheit. Je nach Funktion werden dabei Daten an Dritte weitergegeben und von diesen verarbeitet (Details siehe Datenschutzerklärung Punkt 4.c). Bei der Einbindung von sozialen Medien und interaktiver Elemente werden Daten auch durch die Anbieter (z.B. google) außerhalb des Rechtsraums der Europäischen Union gespeichert, dadurch kann trotz sorgfältiger Auswahl kein dem europäischen Datenschutzniveau gleichwertiges Schutzniveau sichergestellt werden. Sämtliche Einwilligungen sind freiwillig, für die Nutzung unserer Website nicht erforderlich und können jederzeit über den Link „Datenschutzeinstellungen anpassen“ in der Fußzeile unten widerrufen oder individuell eingestellt werden.

  • Logo der Bundeswehr

    Es ist uns ein Anliegen, Ihre Daten zu schützen

    Detaillierte Informationen zum Datenschutz finden Sie unter Datenschutzerklärung