Ramstein Flag 2025
Verteidigung des europäischen Luftraums
Am 1. Juni begann die NATO-Übung Ramstein Flag 2026. Über 150 Flugzeuge aus 19 Nationen nehmen teil – auch aus Deutschland.
Eine historische Premiere für das AIRCOM. Bei Ramstein Flag 2026 leitet die NATO erstmals autark ein großes Doppel-Manöver von Skandinavien bis Spanien. 19 Nationen verbinden reale Einsätze von über 150 Flugzeugen mit hochmodernem Cyber-Training. Die Luftwaffe operiert vom Polarkreis aus gegen modernste Flugabwehr.
Wenn die Übung vom 1. bis 19. Juni 2026 (Gesamtzeitraum, eigentlicher Kernübungszeitraum: 8. bis 18. Juni) stattfindet, erlebt die NATO eine logistische und taktische Premiere. Mit der dritten Auflage von Ramstein Flag 2026 (RAFL26) übernimmt das AIRCOM erstmals vollständig autonom Planung und Leitung der Übung. Das Manöver wird in zwei massive, zeitgleiche Operationsgebiete aufgeteilt: Ramstein Flag North im arktischen Raum und Ramstein Flag South im tiefen Süden Europas.
RAFL26 erstreckt sich vom vom nördlichsten Zipfel Norwegens bis an die Mittelmeerküste Spaniens. Täglich werden über 150 Luftfahrzeuge der Allianz in den Himmel steigen und rund 150 Einsätze (Sorties) pro Tag absolvieren. Diese Aufteilung hat strategische Gründe:
Durch diese Aufteilung simuliert die NATO ein realistisches Szenario, in dem die Allianz zeitgleich an zwei weit voneinander entfernten Flanken gefordert wird.
Was das Manöver 2026 so anspruchsvoll macht, ist die Verschmelzung der realen Welt mit dem Cyberspace. Die NATO setzt in diesem Jahr konsequent auf ein hybrides Trainingsmodell: Echte Live-Fly-Missionen der Kampfjets werden in Echtzeit mit synthetischem Training (vollvernetzten Flugsimulatoren am Boden) kombiniert. Dadurch können Bedrohungsszenarien wie modernste russische Flugabwehrraketen-Systeme oder hunderte zeitgleiche Drohnenangriffe digital in die Cockpits der real fliegenden Piloten eingespeist werden, die man aus Sicherheits- oder Geheimhaltungsgründen in der Realität gar nicht darstellen könnte.
Insgesamt nehmen 19 NATO-Nationen mit mehr als 150 Luftfahrzeugen an der Übung teil. Das Spektrum der eingesetzten Systeme deckt alles ab, was die moderne Luftkriegsführung bietet: Moderne Stealth-Jets der fünften Generation (F-35 Lightning II) agieren als „unsichtbare“ Koordinatoren und Aufklärer. Abfang- und Mehrzweckkampfjets wie der Eurofighter Typhoon, die französische Rafale sowie F/A-18 Hornets sichern die Luftherrschaft. AWACS-Frühwarnflugzeuge überwachen das Lagebild, während strategische Tankflugzeuge die Jets nonstop in der Luft halten. Unbemannte Systeme, Drohnen, übernehmen die Daueraufklärung.
Für Luftfahrt-Enthusiasten und Spotter bietet die Verteilung auf über 15 operative Basen in Europa ein historisches Bild. Der nördliche Übungsraum im Überblick:
Hier findet Ramstein Flag North statt
Bundeswehr/Elke HartmannIm Hohen Norden Europas entfaltet das Großmanöver seine maximale geografische Tiefe. Unter dem Dach von Ramstein Flag North verwandelt sich der skandinavische Luftraum in eine zusammenhängende Trainingsarena. Die Flugzeuge operieren dabei von strategisch exzellent gelegenen Stützpunkten der nordischen NATO-Partner, die als logistische Drehscheiben dienen. Die Hauptlast der Stationierung tragen die skandinavischen Basen, von denen aus die multinationalen Verbände in die arktischen Übungsgebiete starten:
Durch diese dezentrale Verteilung über ganz Skandinavien testet die NATO unter realen Klimabedingungen, wie schnell sich Luftstreitkräfte an der direkten Nordflanke des Bündnisses bündeln, versorgen und gemeinsam in die Luft bringen lassen.
Während sich der nördliche Teil des Manövers über Skandinavien erstreckt, bildet der Süden Europas die zweite große Säule der Übung.
Flugzeuge und Einheiten sind im Süden schwerpunktmäßig auf der Militärbasis Albacete in Spanien stationiert. Albacete ist strategisch perfekt für das Manöver ausgewählt, da sich dort auch das Hauptquartier des bekannten Tactical Leadership Programme (TLP) der NATO befindet. Die Basis dient als das taktische Epizentrum im Süden, von dem aus die Piloten in stark verteidigten, komplexen Lufträumen trainieren, um Missionen unter extremem Zeit- und Koordinationsdruck zu fliegen.
Zusätzlich zu den Kampfjets in Albacete operieren auch im Süden unterstützende Kräfte wie Tankflugzeuge und Aufklärungseinheiten von weiteren südeuropäischen Stützpunkten aus, um das Szenario einer zeitgleichen Zwei-Flanken-Herausforderung (Arktis und Mittelmeer) für die NATO realitätsnah abzubilden.
Hier finden Sie Antworten auf die wichtigsten Fragen zu Ramstein Flag 2026.
Die Luftwaffe beteiligt sich an der multinationalen Übung mit bis zu acht Eurofightern des Taktischen Luftwaffengeschwaders 71 „Richthofen“ aus Wittmund und bis zu sieben Tornados des Taktischen Luftwaffengeschwaders 33 aus Büchel.
Zusätzlich liefern Kräfte des Einsatzführungsdienstes der Luftwaffe im Verbund mit den NATO-Partnern wichtige Informationen zu jedem einzelnen Flugzeug aus sogenannten Control and Reporting Centern (CRC). Das Air Component Command aus Kalkar am Niederrhein stellt seine Expertise aus der Operationszentrale der Luftwaffe für den Bereich Link 16, also eine Datenfunkübertragung über einen taktischen Datenlink, zur Verfügung.
Die Übung umfasst Missionen in den Bereichen Luft, Land, See, Cyber- und Informationsraum sowie Weltraum. Die Szenarien konzentrieren sich auf die Verteidigung des NATO-Luftraums, gleichzeitig liegt der Fokus der Luftwaffe auf dem Training von Tiefflügen und dem Live-Bombenabwurf gemeinsam mit Maschinen der finnischen Gastgeber.
Geübt werden beispielsweise Luftoperationen gegen einen Gegner, der versucht einen Luftraum zu dominieren, so dass eigene Luftstreitkräfte dort nicht zur Wirkung kommen können (Anti-Access/Area Denial (A2/AD)). Dazu gehört der Luftkampf gegen gegnerische Flugzeuge aber auch die Unterdrückung und Ausschaltung der generischen Flugabwehr am Boden. Der dünn besiedelte Norden Skandinaviens ist dazu besser geeignet als das dicht besiedelte Mitteleuropa.
Ein zweiter Aspekt ist der Kampf in einem Luftraum, der durch elektronische Störmaßnahmen beeinflusst wird (Counter Electronic Warfare). Durch die Beteiligung von F-35 werden auch gemeinsame Operationen von Kampflugzeugen der vierten und fünften Generation geübt. Dies liefert im Hinblick auf die Integration der F-35 in die Luftwaffe wichtige Erkenntnisse.
Vom 31. März bis 11. April 2025 lief die NATO-Übung Ramstein Flag 2025, an der fast 100 Flugzeuge beteiligt waren – auch die Luftwaffe war dabei.
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