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Minenjagdmanöver: Gefahren aus der Vergangenheit abbauen

Minenjagdmanöver: Gefahren aus der Vergangenheit abbauen

  • Übung
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Datum:
Ort:
Kiel
Lesedauer:
3 MIN

Die Baltic Mine Countermeasure Squadron Exercise 2021 vom 15. März bis 1. April hat die westliche Ostsee ein weiteres Stück sicherer gemacht.

Ein größeres und mehrere kleine graue Schiffe liegen direkt nebeneinander in See.

Manöverpause: Die drei deutschen Minenjagdboote und die beiden dänischen Drohnenboote liegen mit ihrem Führungs- und Versorgungsschiff „Elbe“ vor Anker.

Bundeswehr/Florian Persicke

Wenn das 3. Minensuchgeschwader international übt, geht es vor allem um eines: Sprengladungen unter Wasser. Übungsmaterial und Gefahrgut zugleich dafür gibt es in Nord- und Ostsee ausreichend. Denn aus den vergangenen Weltkriegen liegen noch tausende Tonnen von alten Minen, Torpedos und anderer Munition im Meer.

Die diesjährige Baltic Mine Countermeasure Squadron Exercise (BMCMSQX) trainierte wie jedes Mal ihre Teilnehmer zunächst einmal im breitestmöglichen Spektrum militärischer Seefahrt. Seemännische Manöver zum Anfang, um sich aneinander zu gewöhnen und die gute Kommunikation testen: gegenseitiges Schleppen, Seeversorgung mit Postbeutelübergaben oder die hohe Kunst des Fahrens in enger Formation. Auch Schießübungen mit den Bordgeschützen gehören zu den Standards einer solchen Großübung. Doch die BMCMSQX wäre kein Minenjagdmanöver gewesen, hätte sich der Großteil des Manövers nicht eben darum gedreht: die Suche nach Seeminen.

Während das internationale Manöver Open Spirit jedes Jahr vor den Küsten Lettlands, Litauens und Estlands nach sogenannten Altlasten sucht, trainierte der BMCMSQX-Verband in diesem Jahr weiter westlich. Weit fahren mussten die beteiligten deutschen Minenabwehrboote nicht: Dieses Mal spürten sie zusammen mit NATO-Partnern gleich gegenüber der Kieler Förde südlich der dänischen Insel Langeland alter Munition aus den beiden Weltkriegen nach. Das Ergebnis: acht britische Grundminen und ein Torpedo konnten sie identifizieren.

„Für die Besatzungen ist das ein voller Erfolg, wenn Sie sehen, dass sie ihr Kerngeschäft so gut beherrschen“, erklärt Fregattenkapitän Inka von Puttkamer. Die stellvertretende Kommandeurin des 3. Minensuchgeschwaders hatte das Kommando über das knapp dreiwöchige Manöver. „Für die Schifffahrt wiederum machen wir mit der Identifikation solcher Altlasten die Seewege sicherer.“

Eine internationale Mischung selbst auf dem Flaggschiff

Neben dem Tender „Elbe“ als Führungsschiff des Verbands und drei Minenjagdbooten des 3. Minensuchgeschwaders – „Grömitz“, „Bad Rappenau“ und „Fulda“ – nahm der gemeinsame Minenabwehrverband der baltischen Staaten BALTRON teil. Dessen Kommandeur Fregattenkapitän Krists Kristlibs unterstand das lettische Unterstützungsschiff „Varonis“, das lettische Minenjagdboot „Tālivaldis“ und das litauische Minenjagdboot „Kursis“.

Soldaten in blauer Arbeitsuniform und Flecktarnuniform stehen auf dem Deck eines Schiffs.

Frische Luft ist in See immer garantiert: deutsch-dänische Besprechung in der Nock neben der Brücke des Flaggschiffs

Bundeswehr/Kirschbaum

Die Internationalität des Manövers zeigte sich neben der BALTRON-Gruppe auf der „Elbe“ und der „Bad Rappenau“ selbst. Ein dänisches Minenabwehr-Team führte mit Containern an Bord des deutschen Flaggschiffs zwei eigene Drohnen-Boote, ein belgisches Team für die Unterwasserdrohne Remus fuhr auf der „Bad Rappenau“ mit. Somit war der Verband aus fünf Nationen gemischt. So sei es immer auch im Einsatz möglich, erklärt Inka von Puttkamer: „Das macht für mich die Marine aus: Wir tauschen uns gegenseitig aus, lernen viel voneinander und verbessern unsere Zusammenarbeit. So sind wir gemeinsam bestens auf alles vorbereitet.“

Die COVID-19Coronavirus Disease 2019-Pandemie hat die Zusammenarbeit natürlich erschwert. Wurde normalerweise Personal zwischen den Booten austauscht und fanden gemeinsame Besprechungen statt, wird so etwas zurzeit alles aufs Allernötigste beschränkt. Die Besatzungen sollten während des Manövers in der eigenen, isolierten Kohorte bleiben. Auch Hafenaufenthalte mit Landgang an den Wochenenden über die Dauer der Übung waren nicht möglich.

Korvettenkapitän Mario Bewert, Kommandant auf der „Fulda“, kennt diese Belastung wie auch die nötige Flexibilität im Umgang mit der Situation bereits. Bewert war beim Ausbruch der Pandemie mit seiner Crew Teil des Ständigen Minenabwehrverbands 2 der NATO gewesen. „Nachdem wir als Besatzung im letzten Jahr vor allem im Schwarzen Meer und im Mittelmeer im Einsatz waren, ist es ein gutes Gefühl, unseren Beitrag nun auch in unseren heimischen Gewässern zu leisten“, erklärt er die Motivation seines Teams.

Die Minenjäger bestätigen auch minenfreie Gebiete

Am Ende des BMCMSQX konnten die Minenjäger beweisen, wie wichtig ihre Arbeit ist. Denn neben den Minenfunden tragen die Boote auch zur sonstigen Verbesserung von Unterwasserseekarten bei ­– es ist schließlich auch gut zu wissen, dass in gewissen Bereichen nur Steine liegen und keine Altmunition. So identifizierte „Fulda“ während der Übung 41 Kontakte, aber verifiziert war darunter dann eine Mine. Die Daten lieferte das Boot wie die anderen an das Underwater Data Center des Marinekommandos. Informationen aus diesem Datenbestand leitet die Marine auch an die für die Räumung zuständigen zivilen Behörden weiter.

Bereits im Herbst wird das nächste Minenabwehrmanöver von Kiel aus starten. Auch dann gehen die Minenjäger aus Kiel wieder auf Altlastensuche. Was für die Besatzungen ein gutes Training ist, schafft gleichzeitig sichere Seewege.

von Heiko von Ditfurth  E-Mail schreiben

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