Alles ist möglich: Ärztin werden bei der Bundeswehr

Alles ist möglich: Ärztin werden bei der Bundeswehr

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  • Personal
Datum:
Ort:
Köln
Lesedauer:
4 MIN

Im Juni erfuhren angehende Ärztinnen und Ärzte der Bundeswehr, an welchem Bundeswehrkrankenhaus und in welchem Fachbereich sie ihren Facharzt machen können. Und das erstmals ausschließlich digital in Form von Videokonferenzen. Leutnant Sanitätsoffizieranwärterin Anna Rier war dabei. PIZ Personal hat mit ihr über ihre bisherige Zeit bei der Bundeswehr und ihre Zukunftspläne gesprochen.

Eine junge rothaarige Frau in Tarnfleck-Uniform. Sie sitzt auf einem Stugl und lächelt in die Kamera.

Leutnant Sanitätsoffizieranwärterin Anna Rier ist mit ihrer Zeit bei der Bundeswehr sehr zufrieden und freut sich auf das, was sie noch erwartet

Bundeswehr/Darius Retzlaff

Pünktlich kurz vor acht Uhr erscheint Anna Rier am vereinbarten Treffpunkt, dem Regionalen Sanitätsunterstützungszentrum in der Luftwaffenkaserne in Köln-Wahn. Als Ort für unser Gespräch haben wir die Terrasse des Mannschaftsheimes gewählt. Hier sind wir an der frischen Luft und können genug Abstand halten.

Später wird Rier die entscheidenden Unterschriften leisten, die ihre berufliche Zukunft festlegen. Künftig wird sie am Bundeswehrzentralkrankenhaus Koblenz in der Inneren Medizin zu finden sein. Da sie im Ranking der Studierenden aufgrund ihrer militärischen und universitären Leistungen unter den Top-15 lag, konnte sie bei der Platzvergabe Ort und Fach der Facharztausbildung frei wählen.

Erfolgreiche digitale Einplanungsveranstaltung

Die erste digitale Einplanungsveranstaltung bewertet sie nicht nur deshalb positiv. Zwar hätte sie gerne mehr Zeit zur Vorbereitung gehabt und sich Fachvorträge früher gewünscht – doch sei diese Kurzfristigkeit der besonderen Lage in Corona-Zeiten geschuldet. Die Organisation habe gepasst, die große Mehrheit der Studierenden habe ihren Wunschplatz bekommen.

Bald steht Anna Rier der zweite Umzug ihres Lebens bevor, diesmal von Bonn nach Koblenz. Doch das nimmt sie gerne in Kauf, da sie dort Verwandte hat. Zudem betont sie: „Ich habe bei der Bundeswehr schon viel erlebt und mir wurde immer wieder Einiges ermöglicht. Und das Studium hätte ich wohl nicht in der Regelstudienzeit geschafft, wenn ich nebenher hätte arbeiten müssen“.

Ursprünglich vom Niederrhein kommend, hatte sie schon als junges Mädchen den Wunsch, Ärztin zu werden. Endgültig sicher war sie, als sie im Alter von 15 Jahren ein Praktikum in einem Bundeswehrkrankenhaus machte: „Der Alltag und die Zusammenarbeit dort haben mir sehr gut gefallen, auch mit den klaren Strukturen kam ich auf Anhieb sehr gut zurecht.“ Nach dem Abitur machte sie eine rettungsdienstliche Ausbildung, parallel reifte in ihr der Entschluss, zu versuchen, als Ärztin zur Bundeswehr zu gehen.

Erster Schritt: Assessment bei der Bundeswehr

Obwohl sie in ihrem Umfeld keine Person mit Bezug zur Bundeswehr hatte, erhielt sie dafür von Anfang an Unterstützung. „Das hat mir die Entscheidung, mich für 17 Jahre zu verpflichten, erheblich erleichtert. Denn ich bin ein Familienmensch, die Meinungen aus meinem engen Kreis sind mir sehr wichtig“, erzählt Rier. Und so fand sie sich 2013 in der Kölner Mudra-Kaserne im heutigen Assessment-Center für Führungskräfte wieder, um ihr Glück zu versuchen.

Eine rothaarige Frau in Tarnfleck-Uniform sitzt einem Mann im dunklen Pullover gegenüber. Sie lächelt ihn an.

Ist über die Unterstützung von vielen Menschen innerhalb und außerhalb der Bundeswehr sehr dankbar: Anna Rier

Bundeswehr/Darius Retzlaff

Damals sei sie mit ihren 19 Jahren sehr aufgeregt gewesen, erinnert sich Anna Rier zurück. Jedoch habe sie zu den anderen Kandidatinnen und Kandidaten schnell eine gute Kameradschaft aufgebaut. Am Abend des ersten Assessmenttages habe sie eine Mischung aus Beklemmung und Stolz gefühlt, da einige schon ausgeschieden waren, sie selbst aber noch dabei war. Vor allem aber erinnere sie sich positiv an ihre Prüfoffizierin, der sie die chemische Strukturformel von Glukose aufschreiben musste. Dies tat sie erfolgreich, und so bekam sie von ihr zum Abschluss den Satz „Sie sind eine große Frau, Sie können und werden gut laufen!“ zu hören.

Offizierausbildung und Studium an der Uni Bonn

Nach der Einstellung machte sie ihre ersten Schritte bei der Bundeswehr an der Offizierschule der Luftwaffe in Fürstenfeldbruck und der Sanitätsakademie in München. Auch hier war die Kameradschaft großartig, dort geschlossene Freundschaften habe sie bis heute und diese würden auch weiterhin Bestand haben.

Ihr Studium hat sie in der Regelstudienzeit von sechs Jahren an der Rheinischen-Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn erfolgreich absolviert – lediglich der dritte, mündliche Teil der Ärztlichen Prüfung steht noch bevor. Besonders schön sei in der Studienzeit auch ihre Leutnantsbeförderung gewesen, schwärmt Rier. Diese habe sie vor dem vermutlich schönsten Dienstort der Bundeswehr, Schloß Oranienstein in Diez, erleben und feiern dürfen – für sie ein erhabener Moment.

Ein gelbes Schloss mit grauem Dach, davor ein Weg und Büsche.

Hier wurde Anna Rier zum Leutnant befördert: Schloß Oranienstein in Diez

Bundeswehr/Patrick Bender

Besondere Erfahrungen bei der Bundeswehr

Daneben wurden ihr durch die Bundeswehr mehrere interessante Praktika ermöglicht, die ihr vielfältige Eindrücke vermittelten, die andere Medizinstudierende nicht bekommen können. So konnte sie zum einen die Arbeit von Fliegerärzten am Zentrum für Luft- und Raumfahrtmedizin begleiten, zum anderen flog sie gut gesichert beim Hubschraubergeschwader 64 in Laupheim im CH-53 mit und konnte, nachdem Fallschirmspringer abgesprungen waren, bei offener Transportklappe die Aussicht genießen.

Auch am Flugphysiologischen Trainingszentrum in Königsbrück hatte sie ein besonderes Erlebnis: „Ich durfte in meinem Praktikum auch die Zentrifuge aktiv ausprobieren. Ohne in Details zu gehen: das war eine tolle Erfahrung – es ging, im wahrsten Sinne des Wortes, rund!“, berichtet Rier lachend.

Besonders beeindruckt hat sie jedoch ihr Aufenthalt in Goodyear/Arizona im Jahr 2019 – das Abzeichen von dort trägt sie immer noch am Fleckentarnanzug. Dort konnte sie Einblicke in die fliegende Ausbildung gewinnen. Und es blieb nicht nur bei Einblicken. Ein Fluglehrer brachte ihr die Funktionsweise seiner Maschine sehr genau mit Manövern näher. „Besonders erinnere ich mich an das Trudeln, als wir mit ausgeschaltetem Motor flogen; ich war ziemlich orientierungslos“, lacht Rier.


Für ihre Zukunft hat die junge Frau noch viel vor. Sie möchte Fachärztin der Inneren Medizin und der Kardiologie werden, weshalb ihre Verpflichtungszeit auf 21 Jahre steigen wird. Und als Luftwaffensoldatin hat sie nach ihren Erfahrungen in den Praktika Interesse daran, Fliegerärztin zu werden.

Wir wünschen viel Erfolg!

von Markus Weber  E-Mail schreiben