Präzise und schnell - Jetpilot schießt sich zum Deutschen Meister

Präzise und schnell - Jetpilot schießt sich zum Deutschen Meister

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Die Zeit sitzt ihm im Nacken. Oberst i.G. Oliver Spoerner hat drei Minuten, um sich den Parcours einzuprägen. Dann geht es los: Er rennt zur ersten Schießposition, wirft sich auf den Boden – und sucht nach dem perfekten Winkel. Nun folgt der erste Schuss. Der Dozent an der Führungsakademie der Bundeswehr ist ein erfolgreicher Freizeitschütze und Deutscher Meister im dynamischen Schießen. 

Oliver Spoerner hält eine Pistole in der Hand. Weißer Rauch ist neben der Waffe zu sehen – der Schuss wurde abgegeben

Oberst i.G. Oliver Spoerner ist in seiner Freizeit im IPSC-Schießen aktiv und nimmt an Wettkämpfen teil

Oliver Spoerner privat

Schon als Kind nahm ihn sein Vater mit auf die Jagd. „Als Zappelphilipp auf einem Hochsitz war das dem Jagderfolg nicht zuträglich“, sagt Oberst i.G. Oliver Spoerner und lacht. Als Jugendlicher kam er dann zum Tontaubenschießen. „Sobald ich ein Gewehr vernünftig halten konnte, habe ich da mitgeschossen und das peu á peu gelernt.“

Relativ schnell holte der gebürtige Ingolstädter die ersten Pokale. Besonders gerne erinnert er sich an seinen ersten Wettbewerb. Der Hegering Ingolstadt veranstaltet jährlich einen internen Wettkampf. „Ich war zu diesem Zeitpunkt kein Jäger. Ich konnte jedoch teilnehmen, weil mich alle durch meinen Vater kannten. Schon als kleiner Bub war ich immer irgendwie mit dabei gewesen.“

Der damals 16-Jährige war treffergleich mit einem altehrwürdigen und sehr guten Schützen, erzählt er. Ein Stechen musste entscheiden. Drei Runden dauerte es, bis der Sieger feststand. „Die Entscheidung fiel zu meinen Gunsten“, sagt Spoerner und lächelt. Seit seiner Jugend ist der Luftwaffenoffizier im Freizeitschießen aktiv.

Glücksgriff: Örtlicher Schießverein

Viel hat er seither in Fachzeitschriften geschmökert und Berichte über das so genannte IPSC-Schießen gelesen. Die Abkürzung steht für International Practical Shooting Confederation, was so viel bedeutet wie Internationaler Verband für dynamischen Schießsport. „Zu diesem dynamischen Schießen bin ich erst 2006 gekommen. Wenn man in seinem Umfeld keinen Anknüpfpunkt hat, dann ist es schwierig, einen passenden Verein zu finden.“

Doch als Spoerner im gleichen Jahr als Referent nach Bonn ins Ministerium versetzt wurde, suchte er sich einen neuen, örtlichen Schießverein. Zufällig bot dieser das IPSC-Schießen an. „Bei diesem Sport wird man immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt. Es wird nie langweilig.“

Vielmehr müsse jeder Schütze immer wieder von Neuem seine Fähigkeiten einschätzen und einen Plan schmieden, wie der Parcours am besten gemeistert werden kann. Viele Kombinationen seien möglich. Doch ob er den richtigen Weg eingeschlagen hat, weiß er immer erst im Nachhinein, sagt der 52-Jährige.

Oliver Spoerner und drei weitere Männer tragen Medaillen um den Hals und halten die Deutschlandflagge in den Händen

Bei der Weltmeisterschaft 2019 in Schweden hat Oberst i.G. Oliver Spoerner (rechts) mit dem Team den zweiten Platz belegt

Oliver Spoerner privat

16 Mal Deutscher Meister

An unzähligen Wettkämpfen hat der Luftwaffenoffizier bisher teilgenommen. Darunter waren beispielsweise eine Weltmeisterschaft in Schweden, bei der er mit dem deutschen Team den zweiten Platz belegte und mehrere Europa- und Deutsche Meisterschaften. Bei Letzteren holte er bis heute 16 Mal den Meistertitel. So auch im vergangenen Jahr. 

„Ein Wettkampf besteht aus unterschiedlichen Parcours, so genannten Stages. Bei einer Weltmeisterschaft schießen wir 30 Stages. Das geht dann über fünf, sechs Tage. Bei einer Deutschen Meisterschaft schießt man in der Regel zwölf Stages, bei der letzten waren es 14.“

Sieben bis acht Personen sind unter Corona-Bedingungen in einer Gruppe, Squad genannt. Ansonsten sind es knapp doppelt so viele. Grundsätzlich ist das IPSC-Schießen ein Einzelsport, sagt Spoerner. Denn auch in der Teamwertung werden die Einzelergebnisse zusammenaddiert. „Man schießt eigentlich immer gegen sich selbst. Aber natürlich auch gegen die Konkurrenz und gegen die Uhr.“ Denn die Treffer werden durch die benötigte Zeit geteilt – wer eine Strafscheibe erwischt, bekommt Punktabzug. 

Oliver Spoerner hat sein Trikot mit einem philippinischen Freizeitschützen getauscht. Beide blicken in die Kamera

Schießen verbindet: Bei internationalen Wettkämpfen lernt Oliver Spoerner Menschen aus verschiedenen Ländern kennen

Oliver Spoerner privat

Große Entfernungen und kleine Zielscheiben

In unterschiedlichen Waffenkategorien testet der Freizeitschütze sein Können. Er schießt mit Flinte, Büchse und Pistole. Um die Vergleichbarkeit zu gewährleisten, werden die Teilnehmenden in entsprechende Unterkategorien, so genannte Divisions, eingeteilt. So sind beispielsweise beim Büchsenschießen in der Standard Division optische Zielhilfen wie ein Zielfernrohr nicht erlaubt.

„Ich schieße über eine Eisenvisierung, also mit Kimme und Korn. Dieser Herausforderung stellen sich nicht so viele. Wir waren im Oktober 28 Teilnehmer. Da habe ich in der Gesamtwertung als auch in meiner Alterswertung den ersten Platz gemacht.“

Schwierig war es vor allem, die kleinen Ziele in 100 Meter Entfernung stehend und zugleich freihändig zu treffen, sagt Spoerner. In 200 Meter Entfernung gab es noch eine weitere Herausforderung: „Auf diese Entfernung war es wichtig, eine stabile Schießposition zu finden. Doch wenn man sich beispielsweise hingelegt hat, waren die Ziele nicht mehr erkennbar.“ Dazu kamen die Strafscheiben, die das eigentliche Ziel fast vollständig verdeckt haben.

Auf Präzision und Geschwindigkeit komme es bei diesem Sport an. Aus der Ruhe lässt sich der Freizeitschütze nicht bringen: „Wenn das Startsignal ertönt, dann ist man in seinem Tunnel und dann hat Nervosität keinen Platz mehr.“ Schließlich komme er beruflich aus der Fliegerei. Wenn eine Mission geplant wird, spiele Zeit eine entscheidende Rolle und Zeitdruck bei der Missionsplanung sei nahezu allgegenwärtig.

Oliver Spoerner guckt in die Kamera, hinter ihm ist ein Kampfflugzeug zu sehen

Gern denkt Oberst i.G. Oliver Spoerner an seine 13-monatige Ausbildung zum Jetpiloten zurück

Führungsakademie der Bundeswehr/Katharina Roggmann

Vom Fußgänger zum Jetpiloten

„Auch in der Fliegerei hat man komplexe Situationen, die man möglichst ruhig verarbeiten muss. Panik im Cockpit wäre schlecht“, sagt Spoerner, der 1988 seine Karriere bei der Luftwaffe begonnen hat. Auch heute denkt er noch gerne an seine fliegerische Ausbildung in Amerika zurück. Innerhalb von 13 Monaten wurde er dort vom Fußgänger zum Jetpiloten, wie er sagt.

Doch auch die Zeit in seinem Heimatgeschwader hat ihn geprägt. Als Bayer wurde er nach Friesland in das Jagdbombergeschwader 38 nach Jever versetzt. „Das war eine positiv prägende Zeit“, sagt Spoerner mit einem Schmunzeln und betont das Gemeinschafts- und Teamverständnis.

Von 2005 bis 2009 ging es für den Stabsoffizier ins Verteidigungsministerium nach Bonn. Dort war er unter anderem Referent für Krisenfrüherkennung bevor ihn sein Weg an die Führungsakademie der Bundeswehr nach Hamburg führte.

Oliver Spoerner steht vor einem Whitebord und erklärt eine Grafik

An der Führungsakademie der Bundeswehr ist Oberst i.G. Oliver Spoerner Leitdozent an der Fakultät Luftwaffe

Führungsakademie der Bundeswehr/Katharina Roggmann

Erst Lehrgangsteilnehmer, dann Tutor, nun Leitdozent

„Ich bin jetzt schon das dritte Mal hier. Von 2001 bis 2003 war ich Teilnehmer am Lehrgang Generalstabs- und Admiralstabsdienst National (LGANLehrgang Generalstabs-/Admiralstabsdienst National), dann war ich 2009 bis 2013 Tutor und jetzt bin ich seit April vergangenen Jahres als Leitdozent in der Fakultät Luftwaffe eingesetzt.“ So unterrichtet Oberst Spoerner nicht nur die Kernfähigkeiten von Luftmacht, sondern plant und koordiniert auch verschiedene Seminare.

„Nach dem Seminar ist vor dem Seminar. Man muss sich immer über die neuesten Entwicklungen informieren, am Puls der Zeit lauschen und neue Aspekte in der Lehre berücksichtigen“, sagt der Dozent. Gerne würde er auch wieder auf seinem derzeitigen Schießstand im Schützenverein in Quickborn trainieren. Doch solange die Corona-Beschränkungen gelten, fallen die Trainingseinheiten aus. Gleiches gilt für Wettkämpfe.

Der „zappelige“ Spoerner von früher hat sich in Geduld geübt. Solange der Schießstand geschlossen ist, kramt er eben seine Fachzeitschriften hervor. Was für die Lehre wichtig ist, ist ebenfalls für den Freizeitsport bedeutend – es gilt auch hier, immer auf dem neuesten Stand zu bleiben.

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von Sophie Düsing  E-Mail schreiben

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