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Bundeswehr-Feuerwehr: Schutz für die Truppe

Bundeswehr-Feuerwehr: Schutz für die Truppe

Datum:
Ort:
Bonn
Lesedauer:
5 MIN

Zugführerinnen und Zugführer bei der Bundeswehr-Feuerwehr tragen viel Verantwortung. Teamgeist ist dabei ganz wichtig. Die in der Bundeswehr gelebte „Auftragstaktik“ bietet auch in der Feuerwehr beste Voraussetzungen für engagierte Ausbildung, professionelle Einsätze und hohe Berufszufriedenheit. 58 Einheiten der Bundeswehr-Feuerwehr stehen bundesweit bereit.

Löschübung an einem Airbus A400M

Rettungskräfte der Bundeswehr-Feuerwehr zeigen den Besuchern die Brandbekämpfung an einem Airbus A400M am Tag der Bundeswehr 2016 in Stetten am kalten Markt.

Bundeswehr/Uwe Zeitter

Mit rund 3700 Dienstposten ist die zivile Bundeswehr-Feuerwehr (BwFBundeswehr-Feuerwehr) eine der größten Feuerwehren Deutschlands. Die 58 Bundeswehr-Feuerwehren sind bei Militärflug- und Truppenübungsplätzen, Untertage- und Marinelandanlagen, logistischen Einrichtungen sowie wehrwissenschaftlichen und wehrtechnischen Dienststellen stationiert.

Löschübung in Jever

Brandschützer trainieren nach einem simulierten Flugunfall eines Transportflugzeugs Airbus A400M in Jever.

Bundeswehr/Jane Schmidt

Die Bundeswehr-Feuerwehren nehmen Aufgaben zum Schutz in Heer, Marine, Luftwaffe, CIRCyber- und Informationsraum und Sanitätsdienst sowie der Streitkräftebasis wahr. Hier bedarf es täglich der engen und gleichermaßen vertrauensvollen Zusammenarbeit, so zum Beispiel in Wunstorf zwischen dem Geschwader und der dortigen BwFBundeswehr-Feuerwehr. Hier rückt die BwFBundeswehr-Feuerwehr bei Start oder Landung des Transportflugzeuges A400M zu festgelegten Positionen aus, um bei Bedarf schnellstmöglich am Ort des Geschehens zu sein und eingreifen zu können. Dadurch sind im Fall der Fälle schnelles Eingreifen und Brandbekämpfung und somit die Rettung von Crew und Passagieren gewährleistet. Der Zugführer oder die Zugführerin der BwFBundeswehr-Feuerwehr steht in diesen Situationen ständig mit dem Tower und der Flugsicherheit in Verbindung.

Die Zugführung nimmt bei den Bundeswehr-Feuerwehren eine zentrale und bedeutende Rolle ein. Bis zum Erreichen dieser Verantwortung als Führungskraft gilt es, eine umfangreiche und intensive Ausbildung zu durchlaufen.

Kompetenzen in der Ausbildung

Die Ausbildung zur Zugführerin oder zum Zugführer bei der BwFBundeswehr-Feuerwehr ist mit der Ausbildung der kommunalen Berufsfeuerwehren vergleichbar und befähigt zur Führung von taktischen Feuerwehreinheiten im Bereich der Brandbekämpfung, der technischen Hilfeleistung und der chemischen, biologischen, radiologischen und nuklearen Gefahren (CBRNchemical, biological, radiological, nuclear). Die Ausbildung umfasst die Förderung aller Kompetenzen: fachliche Grundlagen, Einsatztechnik, Fahrzeugkunde, vorbeugender Brandschutz, Verwaltung und Rechtskunde sowie Menschenführung und Einsatztaktik. Bei der Ausbildung zur Leitung von Einsatzstellen in Form der praktischen Einsatzübungen und Planübungen stehen die Handlungsoptionen im Vordergrund, damit auf dynamische Lageveränderungen reagiert werden kann. „Leben in der Lage“ gilt für die Feuerwehr genauso wie für die Streitkräfte oder besser: die gesamte Bundeswehr.

Die Aufgaben und notwendigen Fähigkeiten sind demnach vielseitig; es zählen nicht nur die Fachkompetenz und die Fähigkeit zur Lagebeurteilung, sondern insbesondere Menschenführung und das Vertrauen in das Können der Mannschaft, denn die Zugführung kann nicht überall an der Einsatzstelle präsent sein. Daher kommt den weiteren Führungskräften – Gruppenführenden und Truppführenden in der Auftragstaktik eine hohe Eigenverantwortung zu. Einsatztaktische Entscheidungen der Zugführung werden nach dem Abwägen der Situation in Form der Auftragstaktik getroffen. Hierzu bedient sie sich unter anderem einer Entscheidungshilfe, des Führungsprozesses, um alle Punkte sorgfältig abzuwägen.

Auftragstaktik und das Team

Bundeswehr-Feuerwehr übt in Stetten

Feuerwehrpersonal übt im Rahmen der Luftfahrzeugbrandbekämpfung auf der Brandübungsanlage in Stetten.

Bundeswehr/Marcus Rott

Die Zugführerin oder der Zugführer trifft eine Entscheidung über die einsatztaktische Variante und über das Ziel, das zur Gefahrenabwehr am besten geeignet ist und somit „die linke und rechte Grenze“ für das weitere Vorgehen bestimmt. Vorab gilt es, die Einsatzstelle räumlich zu erkunden. Dies erfolgt auch mit Unterstützung der Führungsassistenz im potenziellen Gefahrenbereich. So erhält die Zugführung einen Überblick, der ihr die Möglichkeiten der Gefahrenabwehr aufzeigt und letztlich die Grundlage für die Entscheidung bildet. Nunmehr kann der Einsatzbefehl an die Mannschaft ausgegeben werden.

Die Aufgaben zu erledigen, setzt ein Vertrauensverhältnis zwischen den Akteuren voraus. Dies erfordert eine von Wertschätzung geprägte Kommunikation in persönlichen Gesprächen, bei gemeinsamen Trainings oder weiteren Qualifizierungen wie der Ausbildung zum Atemschutzgerätewart, besonderen Taktikschulungen oder auch Realbrandübungen. Darüber hinaus leisten die meisten Angehörigen der BwFBundeswehr-Feuerwehr regelmäßige 24-Stunden-Schichten.

Freiraum und Wertschätzung

Ein Waldbrand in Lübtheen wird gelöscht

Die Bundeswehr unterstützt die Waldbrandbekämpfung auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Lübtheen im Landkreis Ludwigslust-Parchim in Mecklenburg-Vorpommern.

Bundeswehr/Steffen Zilling

„Die Auftragstaktik und der kooperative Führungsstil haben bei der Feuerwehr viel verändert. Es gab auch andere Zeiten, bei denen man nicht so viel Freiraum während des Einsatzes und im täglichen Wachalltag bekommen hat. Mir bringt diese moderne und zielführende, seit einigen Jahren bestehende Führungsmethode im Beruf mehr Freiraum und Wertschätzung, vor allem aber mehr Möglichkeiten, mein Können und meine Kompetenzen im Alltag sowie im Einsatz zu zeigen. So macht das Arbeiten Spaß“, sagt Hauptbrandmeister Thomas H.

Persönlicher Austausch, familiäres Miteinander, gemeinsame Sportaktivitäten oder das gemeinsame Zubereiten der Mahlzeiten ermöglichen eine vertiefte Kommunikation und fördern so die Kameradschaft, die in kritischen und gefahrvollen Einsatzsituationen unverzichtbar ist. All diese Komponenten ermöglichen es dem Zugführer oder der Zugführerin, die Mannschaft einzuschätzen. Er oder sie muss dafür selber ein hohes Maß an Sozial-, Personal- und Methodenkompetenz mitbringen – und das eigene Wirken reflektieren können.

Auftragstaktik auf dem Prüfstand

Während des Schießbetriebes kam es im Juni 2022 auf dem Truppenübungsplatz Munster zu einem Brand, den der Feuerwerker am „Wattberg“ entdeckte. Die Bundeswehr-Feuerwehr wurde durch die Leit- und Kontrollstelle (LuKLeit- und Kontrollstelle) alarmiert. Die BwFBundeswehr-Feuerwehr Munster rückte zur Brandbekämpfung mit einem speziell für Waldbrände ausgestatteten Fahrzeug aus. Durch auffrischende Winde breitete sich der Brand schnell bis zur Waldkante aus. Nach Lageerkundung durch die Zugführung und das Schießsicherheitspersonal der Truppenübungsplatzkommandantur erfolgte die Alarmierung aller Kräfte der BwFBundeswehr-Feuerwehr Munster. Die weitere Lagebeurteilung machte deutlich, dass die eigenen Kräfte nicht ausreichen würden. Somit forderte die Einsatzleitzentrale weitere Kräfte umliegender BwFBundeswehr-Feuerwehr, militärische Brandschutzkräfte und zusätzliche Unterstützungskräfte an.

Brandschutzübung mit einem Hubschrauber NH-90

Ein Mehrzweckhubschrauber NHNATO-Helicopter-90 vom Transporthubschrauberregiment 10 übt das Löschen aus der Luft.

Bundeswehr/Anne Weinrich

Weil die Flammen sich weiter ausdehnten, war der Einsatz eines Hubschraubers NHNATO-Helicopter-90 des Transporthubschrauberregiments 10 erforderlich, um die Brandbekämpfung aus der Luft zu unterstützen. Dass im Waldstück Munitionsreste lagen, erschwerte die Löscharbeiten erheblich. Wegen des enormen Löschwasserbedarfs wurden weitere Fahrzeuge benötigt, die für den Wassertransport im Pendelverkehr sorgten. Das übernahmen die kommunalen Feuerwehren des Heidekreises. Zur Eingrenzung des munitionsbelasteten Waldstücks und weiterer Brandausdehnungen kam ein Bergepanzer zum Einsatz. Die Feuerwehrleute nutzten diese Schneise, um mit Wasserwerfen und Strahlrohren aus einem sicheren Bereich heraus zu löschen.

Auftragstaktik bewährt sich

Die Auftragstaktik bewährte sich bei diesem Einsatz außerordentlich gut. Die Einsatzleitung wies den ihr unterstellten Einheiten konkrete Aufgaben und Bereiche zu. Einsatztaktische Entscheidungen wurden demnach an die Abschnittsleitung delegiert. Diese setzte die Fahrzeuge und die zugehörigen Besatzungen an den Einsatzschwerpunkten ein. Die Auftragstaktik erwies sich auch vor dem Hintergrund des großen und unübersichtlichen Einsatzgebietes als zielführend. Die Einheiten erhielten die Aufträge der Wasserversorgung einschließlich des Pendelverkehrs und der Brandbekämpfung.

Ein Bergepanzer palniert den Waldboden

Der Bergepanzer legt eine Schneise an.

Bundeswehr/Eric Fritz

Dieser Einsatz erforderte zudem das Zusammenspiel zwischen militärischen Kräften und der BwFBundeswehr-Feuerwehr unter Einbeziehung von kommunalen Feuerwehren. Die Anforderung des NHNATO-Helicopter-90 für Löscharbeiten oder der Einsatz des Bergepanzers unterstützten den Erfolg dieses Einsatzes ganz erheblich. Die Vielzahl der Schnittstellen verdeutlicht, wie die Auftragstaktik über die Grenzen von Einheiten und Organisationen hinaus nicht nur funktionieren kann, sondern zum Gelingen des Einsatzes beiträgt – vorausgesetzt, dass der Einsatzleitung die Gesamtkoordination gelingt. Beim Einsatz in Munster ist dies zweifelsohne der Fall gewesen. Er dauerte insgesamt mehrere Tage, bis letztlich jedes Glutnest gelöscht war und die Arbeiten beendet werden konnten.

* Namen zum Schutz der Kameraden gekürzt.

von Roland D.

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