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Entscheidung für die Innere Führung: Die Köpfe hinter BwBundeswehr-IdentitY

Entscheidung für die Innere Führung: Die Köpfe hinter BwBundeswehr-IdentitY

  • Innere Führung
  • Zentrum Innere Führung
Datum:
Ort:
Berlin
Lesedauer:
7 MIN

Backsteinwände, hohe Fensterbögen, dicke Holztischplatte – im Hauptquartier der militärischen Start-Up-Szene, dem Cyber Innovation Hub der Bundeswehr (CIHBw) in Berlin, fühlen sich Florian Roth und Marc Wietfeld sichtlich wohl. Die beiden Offiziere und Intrapreneure wollen Innere Führung spielerisch vermitteln. Was treibt sie an?

Leutnant zur See Florian Roth und Oberleutnant Marc Wietfeld stellen sich auf einem Bildschirm den Fragen einer Fachjury.

Präsentationserprobt: Die beiden Intrapreneure stellen sich den Fragen der Fachjury zu ihrem Projekt BwBundeswehr-IdentitY während der Smart Solution Challenge

Bundeswehr / Sebastian Wilke

Junge Jahre, folgenschwere Entscheidung

Der Jüngere des kreativen Duos lebt mittlerweile in Bad Münstereifel. Der 23-jährige Florian Roth beendet aktuell sein Studium „Management und Medien“ an der Universität der Bundeswehr in München. Gebürtig kommt Roth jedoch aus Nürnberg. Im Grundschulalter folgte er seiner Mutter nach Hamburg – der gefühlte Gegenentwurf der fränkischen Lebensweise machte ihm zu schaffen, „Moin“ statt „Servus“. Mit dem Wechsel der Schule kam er nicht zurecht, die Noten verschlechterten sich, das soziale Umfeld war problematisch. Der Umgang mit ihm auch, er wurde gemobbt. Da traf er eine Entscheidung: Zurück nach Nürnberg zu seinem Vater und dort die Schule beenden. Wie sich herausstellte der richtige Weg: bessere Noten, Realschulabschluss und Abitur, ein intakter Freundeskreis – Wohlfühlfaktoren.

Florian Roth und Marc Wietfeld bei einer Präsentation im Cyber Innovation Hub

Florian Roth musste bereits in der Jugend schwerwiegende Entscheidungen treffen

Bundeswehr / Annemarie Ney

Einer unter 22 – „Persönlichkeitsschulung“

Der sportliche Roth war ein ambitionierter Fußballer. Kleinere und größere Verletzungen zwangen ihn jedoch, die aktive Karriere zu beenden. Aber Roth blieb auf dem Feld, als Schiedsrichter. Mit Erfolg: Als Jugendlicher pfiff er Spiele der Bezirksliga und stand in der Bayernliga als Schiedsrichterassistent an der Seitenlinie. Woche für Woche, bei Regen oder Sonnenschein traf er Entscheidungen, manchmal über den Ausgang eines Spiels, meistens war mindestens eine Partei nicht einverstanden – wie er selbst sagt „Persönlichkeitsschulung“. Er beendete sein Engagement erst mit der Einberufung in die Laufbahn der Offiziere.

Florian Roth zeigt als Schiedsrichter einem Spieler die gelbe Karte

Der Fußballplatz als Lernort: Für Florian Roth waren die Entscheidungen als Schiedsrichter wertvolle Erfahrungen

Salvatore Giurdanella

Sein berufliches Ziel war immer die Bundeswehr, den Opa als Fünfjähriger im Ohr: „Florian, wenn du was Richtiges machen willst, dann wirst du Marineoffizier.“ Als Bester seines Abiturjahrgangs hätte er bei seinem Abiball eine Rede halten sollen, aber der Schulleiter suchte ihn vergebens, denn Florian Roth hatte sich entschieden: Er befand sich zu diesem Zeitpunkt bereits in der Ausbildung an der Marineschule in Mürwik.

Vom schweren Metall zum „leichten“ Jäger

Im Spannungsfeld südwestdeutscher Regionalkabbeleien – zwischen Baden und Schwaben – ist Marc Wietfeld aufgewachsen. Der Anfang-Dreißiger genoss in Kindheit und Jugend die Sonne in der Nähe von Freiburg. Der lebhafte und neugierige Junge war schon immer gern draußen: Inlineskaten mit Freunden, Fußball im Verein – Dorfkinderinnerungen. Auch für die Schulbank bewegte er sich nur widerwillig nach drinnen, die Nerven der Eltern wurden strapaziert.

Der Hauptschulabschluss gelang trotzdem – Wietfeld machte im Dreiländereck zwischen Deutschland, Frankreich und der Schweiz eine Lehre zum Metallbauer. Das erforderte Präzision und Kraft, Wissen und Geschick. Das Handwerk kanalisierte die Energie des jungen Mannes, er schloss erfolgreich ab. Mit 19 wurde er zum Wehrdienst in die Bundeswehr nach Sonthofen eingezogen – als einer der letzten Rekruten vor der Aussetzung der Wehrpflicht. Natur, draußen sein, Herausforderungen, Kameradschaft – er hatte Freude. So viel, dass er blieb und in der Mannschaftslaufbahn weiter verlängerte.

Leistung als Antrieb oder Antrieb für mehr Leistung?

Im damaligen Spitzendienstgrad der Mannschaftslaufbahn konnte sich Marc Wietfeld als Oberstabsgefreiter ein Bild von den vielen Facetten der Bundeswehr machen und Erfahrungen sammeln. Er erlebte viele Vorgesetzte, nach seinem Empfinden bessere und schlechtere. Schließlich traf er eine Entscheidung, die weitreichende Auswirkungen auf seine nächsten Jahre hatte: Er wollte Offizier werden. 2012 verließ er zunächst die Bundeswehr, jobbte bei einem Mittelständler und stieg bis zum Leiter des Personalwesens auf. Nebenbei holte er sein Abitur nach. 2014 ging es für ihn zunächst als Reservedienstleistender in die Deutsch-Französische Brigade nach Müllheim, ehe er im Sommer 2015 sein erstes Zwischenziel erreicht hatte: In Hammelburg begann Wietfeld als Angehöriger der Jägertruppe den Offizieranwärterlehrgang, der erste Schritt auf dem Weg zum Offizier.

Marc Wietfeld in Uniform und mit Rucksack umgeben von beschneiten Bergen

Von der Pike auf gelernt: Als Grundwehrdienstleistender und Mannschaftssoldat hat Marc Wietfeld die Bundeswehr kennengelernt

privat

„Ich messe mich an meinen Ergebnissen“

Durchschnittliche Noten in der Schule und in der Lehre – Jahrgangsbester im Studium: Für die Leistung von Marc Wietfeld gab es nach seiner Entscheidung nur eine Richtung: Immer besser. Bei Praktika an der NATO School Oberammergau im Bereich Öffentlichkeitsarbeit sowie im Auslandsstudio des ZDF in New York erweiterte er seinen Horizont.

Marc Wietfeld im Dienstanzug vor dem Bundestag

Ob Flecktarn oder Dienstanzug: Für die Leistung des vielseitigen Wietfeld gibt es nur eine Richtung

privat

Für Wietfeld spielt Leistung eine große Rolle. In seinem Leben vor der Bundeswehr „hatte ich nicht immer die Möglichkeit, meine Potenziale voll auszuschöpfen. Manchmal wurde ich nur gefordert, manchmal weder gefördert noch gefordert oder sogar unterfordert.“ Dies sei für ihn sowohl in der Ausbildung zum Jägeroffizier als auch im Studium anders, hier wird gefordert und gefördert. Dafür sei er sehr dankbar.

Ruhiger wird es für den Jägeroffizier zunächst nicht: Er strebt nach einer Verwendung als Zugführer.  Neben der Führungserfahrung wird auch hierbei das Treffen von Entscheidungen ein relevanter Bestandteil sein: „Entscheidungen sind für mich etwas ganz Wichtiges – egal ob in meiner Laufbahn, privat oder in meinen Projekten. Ich entscheide mich so, wie ich es gelernt habe: nach dem Führungsprozess des Heeres. Für mich ist die Initiative des Handelns zu gewinnen ganz wichtig – ich will aktiv bestimmen können, was als nächstes passiert und mutig handeln.“

Diese Initiative geht für Marc Wietfeld auch über den Dienst hinaus. Neben seinem Engagement rund um BwBundeswehr-IdentitY ist er an einem weiteren Start-Up im bundeswehrnahen Umfeld beteiligt.

Innere Führung als Herzensangelegenheit

Florian Roth ist ebenfalls an einem weiteren Bundeswehr-nahen Start-Up beteiligt. Sein Leistungsanspruch an sich selbst zieht sich beginnend ab der Rückkehr nach Nürnberg durch sein gesamtes Leben: Bester im Abiturjahrgang, Hörsaalbester an der der Marineschule und damit verbunden ein Austausch an der United States Naval Academy in Annapolis – immer bis an die Grenzen seiner individuellen Belastbarkeit, manchmal auch darüber hinaus. Auch in Zukunft will er sich nicht schonen und möchte zu den Marinesicherungskräften im Seebataillon.

Florian Roth erhält angetreten seinen Offizierbrief

Leistung, Eignung, Befähigung - für Florian Roth in allen Bereichen des Dienstes der maßgebende Antrieb

Bundeswehr / Back

Neben reflektierten Entscheidungen und dem Leistungsvergleich mit anderen ist die Digitalisierung der Inneren Führung, um diese einer jüngeren Zielgruppe näher zu bringen, das Herzstück der App BwBundeswehr-IdentitY – und Herzensangelegenheit für Wietfeld und Roth.

Rahmen und Anker

„Unsere Generation hat die Chance und die Skills, die verborgenen Potentiale der Digitalisierung in der Bundeswehr abzurufen“, ist sich Marc Wietfeld sicher, der seine Freizeit ganz analog am liebsten in der Natur verbringt: Joggen, Wandern, Snowboard-Touren. Auch Roth ist in seiner Freizeit am liebsten outdoor und bezeichnet sich selbst doch als Digitalisierungsfreak. „Alle Themen, die mit Digitalisierung im öffentlichen Sektor zu tun haben, begeistern mich einfach. Ich bin der Meinung, wir haben im öffentlichen Sektor noch ein unheimliches Nachholpotential – und das meine ich gar nicht negativ, sondern durchaus positiv.“ Und die Innere Führung hat für die beiden Intrapeneure eine ganz besondere Bedeutung, die noch Potential für eine weitere Digitalisierung hat.

Florian Roth und Marc Wietfeld bei einem Arbeitstreffen im Cyber innovation Hub

Für Florian Roth und Marc Wietfeld hat die Digitalisierung der Inneren Führung ein großes Potential

Bundeswehr / Annemarie Ney

In seiner Zeit in Hamburg hat Florian Roth als Jugendlicher viele negative soziale Situationen bis hin zum Mobbing erleben müssen. „Ich habe mich immer nach einem passenden sozialen Gefüge gesehnt.“ Auch aufgrund dieser Erfahrungen schätzt Roth die Innere Führung in der Bundeswehr ganz besonders und hält sie für aktueller denn je. Wietfeld macht sich ebenfalls Gedanken über den Wandel in der Gesellschaft und wie sich die Innere Führung den geänderten Rahmenbedingungen auch angesichts der veränderten sicherheitspolitischen Lage anpassen kann und muss.

Roth und Wietfeld kennen die Herausforderung für „Mannschafter“ dabei aus eigenem Erleben: Viele der Soldatinnen und Soldaten in dieser Laufbahn haben bei ihrem täglichen Dienst keinen dauerhaften Zugang zu einem dienstlichen Rechner – Handwerk statt Heizung. Die bewusste Berührung mit der Inneren Führung beschränkt sich auch deshalb häufig auf die befohlene freitägliche Politische (Kurz-) Bildung zu einem aktuellen Thema des Weltgeschehens. BwBundeswehr-IdentitY soll die Innere Führung auf individueller Ebene ins Bewusstsein rufen: Die Führungskultur der Bundeswehr spielerisch auf den privaten Endgeräten der Soldatinnen und Soldaten zu erleben, ist hierfür der Weg. Von der Pflichtübung und dem Pausenfüller zur intensiveren Beschäftigung mit der Inneren Führung.

Testen, weiterentwickeln, erleben

Florian Roth und Marc Wietfeld in einem Gang des Cyber Innovation Hubs

Die nächsten Entscheidungen sind getroffen: Florian Roth und Marc Wietfeld machen mit ihrer App den nächsten Schritt

Bundeswehr / Joana Trier

Auch im CIHBw ist die Messe für diesen Tag gelesen: Die Köpfe haben geraucht, die Getränke sind leer und die Bildschirme mittlerweile erloschen. Florian Roth und Marc Wietfeld sind zufrieden. “Look and feel„ der App sind festgelegt, erste Inhalte produziert und durch Mannschaftssoldatinnen und -soldaten in ganz Deutschland erfolgreich erprobt. Nun muss der Bau der finalen App vorbereitet und eingeleitet werden. Dabei stehen die nächsten Entscheidungen am großen Holztisch im Cyber Innovation Hub in Berlin an.

von Thomas Martin

Beiträge zur App BwBundeswehr-IdentitY

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Gebäude des Zentrums für Innere Führung in Koblenz

Das Zentrum Innere Führung

Das Zentrum Innere Führung wurde 1956 als Schule Innere Führung aufgestellt und ist seit 1957 in Koblenz beheimatet. 1981 erfolgte die Umbenennung in Zentrum Innere Führung. Seit 1994 ist ein Teil in Strausberg stationiert.

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