IF-Podcast

Das Leben mit der Trauer nach einem tödlichen Anschlag - Eine Mutter berichtet

Das Leben mit der Trauer nach einem tödlichen Anschlag - Eine Mutter berichtet

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Lesedauer:
2 MIN

Im Podcast zur IF 2|23 sprechen Dr. Sarah Reichel und Oberstleutnant d.R.der Reserve Tim Kullmann mit Tanja Menz. Ihr Sohn Konstantin ist 2011 gemeinsam mit zwei weiteren Kameraden in Afghanistan einem Anschlag zum Opfer gefallen. Die Mutter erzählt von der Unterstützung in den ersten Stunden, nachdem sie vom Tod ihres Sohnes erfahren hat und schildert, wie das Leben der Familie trotz des schmerzhaften Verlustes weitergeht.

Drei Menschen sitzen umringt von Aufnahmetechnik an einem Tisch

Tanja Menz, Oberstleutnant Tim Kullmann und Dr. Sarah Reichel im Gespräch

Bundeswehr

Wer oder was hat Familie Menz in der ersten Zeit nach der Todesnachricht ihres Sohnes und Bruders geholfen? Welche Unterstützung, Trost und Kraft kamen aus der Bundeswehr, durch die anderen Opferfamilien, von den Kameradinnen und Kameraden und den damals sechs Verwundeten? Diese Fragen und viele mehr beantwortet Tanja Menz in überraschender Offenheit im Podcast zur IF 2|23. Sie berichtet, wie wichtig ihr Besuch am Anschlagsort in der Nähe des OP North in der Provinz Baglan war, wo Konstantin und seine zwei Kameraden durch die Schüsse eines Afghanen ums Leben kamen. Auch von den regelmäßigen Treffen der Opferfamilien berichtet Frau Menz. Ihr persönlich hilft ihr Engagement im Beirat Innere Führung in der Trauer und bei der Schmerzbewältigung. Hier kann sie für gefallene und einsatzgeschädigte Soldaten und deren Familien etwas Positives bewirken.

Jeder Mensch trauert anders, so Tanja Menz. Manche ziehen sich zurück, andere gehen mit ihrer Trauer nach draußen und teilen diese mit anderen. Frau Menz geht in die Öffentlichkeit und hat bei der Einweihung des Ehrenhains aus Afghanistan im November 2022 bei Potsdam eine Rede gehalten. Für Konstantins drei Geschwister waren die von der Militärseelsorge angebotenen Kletterfahrten mit anderen betroffenen Jugendlichen, die Vater oder Bruder im Einsatz verloren haben, hilfreich, um über ihre Trauer ins Gespräch zu kommen.

Dienen und sterben wofür?

Karl Theodor zu Guttenberg, ehemaliger Bundesminister der Verteidigung
Sie waren in Afghanistan im Krieg, um dort den Frieden zu sichern, um den Aufbau voranzubringen, um zu helfen. Sie wollten helfen, den Menschen in Afghanistan den Weg in eine bessere Zukunft zu bereiten. Verloren haben sie dabei ihre eigene Zukunft.

Auf die Frage, wofür Konstantin gestorben ist, erklärt die Mutter, dass sicherlich in Afghanistan das Ziel der nachhaltigen Verbesserung für die Menschen nicht erreicht wurde. Aber wenn 20 Jahre lang eine Generation die Möglichkeit hatte, in die Schule zu gehen, insbesondere Mädchen, und damit die nächste Generation der Mütter Lesen und Schreiben lernen konnten, dann hat das für die Zukunft des Landes etwas bewirkt, was ohne den Einsatz so nicht passiert wäre.

Das Leben von Familie Menz hat sich seit dem Tod von Konstantin verändert, keine Frage. Es ist aber auch Gutes und Schönes entstanden. Die Familie trifft sich, obwohl die Geschwister mittlerweile erwachsen sind, sehr regelmäßig und hat einen besonderen Zusammenhalt. Tanja Menz selbst besticht durch eine besonders lebensbejahende Zukunftseinstellung. Sie bestätigt, dass sie eigentlich vor nichts mehr große Angst hat, da sie das Schlimmste, was einer Mutter passieren kann, durchgestanden hat und immer noch da ist.


IF 2|23 Podcast - Wir für Euch
Audio-Transkription
von Dr. Sarah Reichel

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