Personen, Kopfbedeckung, Diversity
Bundeswehr / Michele Fennel

Tag der Vielfalt

Viel(falt) bringt viel!

Die Bundeswehr wird mit jedem Tag vielfältiger.
Als Spiegel unserer Gesellschaft sind in der Bundeswehr Menschen unterschiedlichster Prägungen, Fähigkeiten und Potentiale vereint. Diese Vielfalt füllt die Bundeswehr mit Leben, Dynamik und stellt eine nicht zu unterschätzende Chance dar. Denn: Wenn Vielfalt über die Themen Antidiskriminierung und Gleichstellung hinaus als Wert an sich verstanden wird, sowie jede Einzelne und jeden Einzelnen als Teil dieser Vielfalt, werden Innovation, Teamgeist, Loyalität und Professionalität gefördert.

Gelebte Vielfalt in den Köpfen der Menschen zu verankern, sie strategisch und nachhaltig zu etablieren, ist eine richtungweisende Aufgabe, die durch das Zentrum Innere Führung (ZInFü) im Auftrag des Bundesministeriums für Verteidigung (BMVg) für die Bundeswehr entwickelt und in die Öffentlichkeit getragen wird. Hier entstehen Lehre und Lehrmeinung mit Signalwirkung für die gesamte Bundeswehr. Unabhängig von Geschlecht, Religion, ethnischer Herkunft, Behinderung, Alter sowie sexueller Orientierung und Identität, sollen alle Bundeswehrangehörigen die gleiche Wertschätzung und Förderung erfahren.

Jede Soldatin und jeder Soldat, jede zivile Mitarbeiterin und jeder zivile Mitarbeiter soll in einem vorurteilsfreien Arbeitsumfeld im Sinne der Auftragserfüllung eigene Begabungs- und Leistungspotenziale verwirklichen können. Ein wertschätzender Umgang auf Augenhöhe, der den Wert von Unterschieden im Kameradinnen- und Kameraden- sowie im Kolleginnen- und Kollegenkreis ehrlich anerkennt und nicht lediglich Rücksichtnahme auf diese Umstände als gesetzlich erzwungene Auflage akzeptiert, zeichnet die Bundeswehr nicht nur als attraktiven Arbeitgeber aus, sondern erhöht auch deren Professionalität und Stärke und damit fundamental auch die Einsatzbereitschaft.

Beginnend mit dem „Tag der Vielfalt 2021“ werden wir Ihnen an dieser Stelle im Laufe des Jahres ein Sortiment an Einblicken rund um die Veranstaltungen, Weiterbildungangebote und Lehrmaterialien des Zentrums Innere Führung rund um das Thema „Vielfalt“ präsentieren.

Erfolgsfaktor Vielfalt: Das Unterbewusstsein im Visier

Die Bundeswehr ist bunt, sie vereint unterschiedlichste Persönlichkeiten mit verschiedensten Lebensentwürfen für ein gemeinsames Ziel. Und dennoch bleibt das große Potential ihrer Vielfalt bisher weitgehend ungenutzt. Die Ursachen hierfür werden meist in Strukturen und Abläufen gesucht – dabei ist unser Unterbewusstsein unser größtes Hindernis.   

Eisberg mit Unconscious Biases
Bundeswehr

Umgang mit Vielfalt – ganzheitlich und inklusiv

Studien senden seit Jahren eine klare Botschaft: Vielfalt ist ein echter Erfolgsfaktor. Vielfältige Teams arbeiten effektiver, Vielfalt in Unternehmen und Führungsetagen steigert Gewinne signifikant und fördert Innovation, Loyalität und Professionalität. Auch die Bundeswehr hat den Wert von Vielfalt für die Organisation und letztendlich die Einsatzbereitschaft erkannt. Doch der Eindruck, dass sich positive Effekte durch Vielfalt automatisch einstellen, täuscht. Neuere Untersuchungen zeigen, dass diese Effekte ohne einen zielorientierten Umgang mit Vielfalt ausbleiben. Stattdessen kann es zu Konflikten und massiven Reibungsverlusten kommen.
Im Umgang mit Vielfalt stehen oft potentiell marginalisierte Gruppen im Zentrum der Betrachtung und Maßnahmen. Abgeleitet von Gesetzen sowie eigenen Richtlinien sind Antidiskriminierung und Gleichstellung das Ziel (Managing Diversity). Dieser sozio-moralische Ansatz legt elementare Grundlagen, sichert aber noch nicht den praktischen Nutzen von Vielfalt. Um von der Vielfalt der Potentiale wirklich und nachhaltig zu profitieren, bedarf es eines ganzheitlichen und systemischen Ansatzes (Diversity Management). Hier stehen nicht mehr Gruppenkategorien (z. B. Alter, Geschlecht, sexuelle Orientierung etc.) im Fokus sondern der oder die Einzelne, die Nutzung individueller Fähigkeiten sowie Gruppendynamiken. Abgeleitet von Auftrag und Einsatzbereitschaft gilt es zu ergründen, welche strukturellen aber auch psychologischen Prozesse und Dynamiken unserer Organisations- und Führungskultur einer effektiven Nutzung von individuellen Potentialen entgegenstehen. Die Forschung hat bereits den größten Hemmschuh in punkto echter Vielfaltskultur ausgemacht: Unser eigenes Unterbewusstsein.

Unconscious Bias: Wie unsere Wahrnehmung verzerrt wird

Die eigenen Vorurteile zu reflektieren und zu überprüfen ist ein wichtiger Aspekt individueller Sozialkompetenz und Menschenführung, sowie elementar für die Kameradschaft. Hierbei wird aber meist ein wichtiger Faktor vernachlässigt: Unser Gehirn.  Dessen Funktionsweise führt zu Wahrnehmungsverzerrungen, die unser Verhalten beeinflussen – ohne dass wir es bemerken. Denn unsere „Schaltzentrale“ arbeitet in einem permanenten Überforderungsmodus: Zu viel (unwichtige) Informationen, zu wenig Zeitund die permanente Frage: Muss ich mir das merken oder kann das weg? Unter dem Druck schnell handeln und entscheiden zu müssen, filtert der unbewusste Teil unseres Gehirns, es werden Kategorien und mentale Abkürzungen generiert. Dabei arbeitet unser Gehirn mit Mustern, Assoziationen und verknüpften Emotionen. Diese entstehen individuell, abhängig von Kultur, bereits Erlebtem und Sozialisation. In der Regel ist dieser automatische Wahrnehmungs- und Entscheidungsprozess zielführend, doch manchmal kann er auch fehlerhaft oder entgegen unserer bewussten Überzeugungen und Werte ablaufen. In diesen Fällen sprechen wir von kognitiven Verzerrungen oder englisch Unconscious Bias. Wir alle haben diese „Denkfehler“, unabhängig von Geschlecht, Bildung, sozialem Status oder unserer grundsätzlichen Toleranz. Diese Unconscious Bias sind biologische Prozesse, die tief in unserem Gehirn gespeichert sind. Sie werden durch unsere Erfahrungen gebildet und verankert, und durch Wiederholung immer wieder verstärkt.

Wie Bias unseren Umgang mit Vielfalt beeinflussen

Unbewusste Denkmuster beeinflussen insbesondere die Art und Weise, wie wir Menschen wahrnehmen. Diese Unconscious Bias führen dazu, dass Organisationen nicht das volle Potential ihres Personals ausschöpfen. Inzwischen wurden über 175 verschiedene Bias erforscht, ein Großteil davon beeinflusst unsere Arbeitswelt – vom Recruiting bis hin zur Beurteilung und Führung. Sie führen dazu, dass wir Qualifikationen von Bewerbern nicht richtig einschätzen (z. B. Halo-Effekt), Personen in Heimarbeit negativer beurteilen (Distanz-Bias) oder durch Homogenitäts-Effekte (Mini-Me Effekt, Gruppen-Denken) Meinungs- und Ideenvielfalt unterminieren.
Um Unconscious Bias effektiv zu begegnen, müssen Wahrnehmungen hinterfragt werden, um Erfahrungen neu zu bewerten. Es gibt Situationen, wie z. B. Stress, in denen Bias gehäuft auftreten. Diese Situationen gilt es aufzuspüren. Mit diesem Wissen können Methoden entwickelt werden, um Bias im privaten als auch beruflichen Umfeld zu reduzieren – und so bessere Entscheidungen treffen zu können. Hilfreich sind hier Anti-Bias-Trainings und sogenannte „Nudges“, kleine Veränderungen struktureller Art, die Bias abmildern.
Die Auseinandersetzung mit (eigenen) Bias ist sowohl grundlegend für die individuelle Vielfaltskompetenz, als auch für eine vielfaltsorientierte Führungskompetenz, das sogenannte Inclusive Leadership. Inklusive Führung ist die Grundvoraussetzung dafür, dass Diversity-Konzepte ihre volle Wirkung entfalten können, denn inklusive Führungspersonen haben eine enorme Wirkung auf die Organisationskultur.

Vernā Myers
Diversity is being invited to the party. Inclusion is being asked to dance.
Gesprächssizuation auf einem großen Platz, im Hintergrund ist die Blaue Moschee zu sehen.

Dezernat VIER

VIER steht hier für Vielfalt, Interkulturalität, Ethik und Religion.

Weitere Themen