„Cyber Mission - Befehlsrecht”: Befehlsrecht auch für die Reserve, nur in cool

„Cyber Mission - Befehlsrecht”: Befehlsrecht auch für die Reserve, nur in cool

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Datum:
Ort:
Berlin
Lesedauer:
2 MIN
Startbildschirm der Befehlsrecht-App mit Startbutton

Spiel starten und lernen. Die Befehlsrecht-App macht es möglich.

Bundeswehr/CIH

Kholm, Afghanistan. 15.47 Uhr Ortszeit. Eine Nebenstraße im Hinterland. Ein Fennek steht qualmend an der Straße. Ein Rad fehlt. Er ist auf einen Sprengsatz aufgefahren. „Fahrzeug nicht rollfähig. Zwei leicht Verletzte“, meldet Feldwebel Otto Steinicke. Frau Haupfeldwebel Carmen Wojzak befiehlt: „Sie und Hofer gehen an der Felsengruppe gegenüber in Stellung.” Ein reales Szenario. So oder ähnlich mehrfach vorgefallen: Allein, wir sind nicht am Hindukusch. Alles spielt sich auf einem Smartphone-Display ab. Der Fennek ist nur eine Zeichnung, genau wie die Soldatin und der Soldat. Es öffnet sich ein Fenster auf dem Display mit den Fragen: „Wer ist wem vorgesetzt? War der Befehl von Frau Hauptfeldwebel Wojzak rechtmäßig?”

Aus dem Hörsaal in die App

Trocken, staubtrocken, Befehlsrecht: für Major Philip Dziubalski ist Befehlsrecht und die Vorgesetztenverordnung spielerisch zu vermitteln, eine spannende Aufgabe. „Kann man das Gamifizieren? Das war für mich eine Herausforderung.” Der 35-Jährige ist Reservist und Projektleiter für die App „Cyber Mission - Befehlsrecht” aus dem Cyber Innovation Hub der Bundeswehr. In seiner aktiven Dienstzeit war er Hörsaalleiter an der Schule für Feldjäger und Stabsdienst der Bundeswehr in Hannover. Vielleicht liegt es an seiner Vergangenheit als Hörsaalleiter - das Thema beschäftigt ihn jedoch schon eine Weile: „Immer wenn ich dachte, die Lehrgangsteilnehmerinnen und Lehrgangsteilnehmer haben es im Unterricht verstanden, war ich von den Klausurergebnissen enttäuscht.” Neben Lehrgangsteilnehmenden eignet sich die App auch für Reservistinnen und Reservisten, die ihre Wehrrechtkenntnisse auffrischen möchten.

Spielen ist menschlich

Ist spielen nur etwas für Kinder? Und erst recht nichts für Soldatinnen und Soldaten? Ganz im Gegenteil, sagt die aktuelle Lernforschung. Unter Gamification wird die Anwendung von spielerischen Elementen in fremde Kontexte zusammengefasst. Es ist ein in der Forschung heiß diskutiertes Thema. Spielen ist demnach ein Teil des menschlichen Wesens und in vielen Bereichen schon Kulturgut. Eine Studie des digitalen Branchenverbandes Bitkom von 2017 zeigte schon damals: Für drei Viertel der Besitzer ist das Smartphone auch ein Spielgerät.

Echte Fälle als Grundlage

Für Major Dziubalski war es deshalb naheliegend eine App für das Smartphone zu entwerfen. Zusammen mit einer App-Entwicklerfirma und einem Kreativ-Team hat der Feldjäger die App „Cyber Mission - Befehlsrecht” entwickelt. Nach acht Monaten Entwicklungszeit steht die App in den Appstores kostenfrei zur Verfügung. „Die Fälle sind echte Vertiefungsfälle, die an verschiedenen Schulen von Rechtslehrern verwendet werden“, so Dziubalski. Derzeit wird die App an seiner alten Wirkungsstätte in Hannover benutzt. Seit diesem Herbst ebenfalls an der Offizierschule der Luftwaffe in Fürstenfeldbruck bei München. Eine Evaluierung steht noch aus - doch die ersten Reaktionen sind positiv: „Die Spielenden fanden das gut. Es macht Spaß.”

Die Entwicklung zur Nutzung mobiler Endgeräte wie Smartphones zeigt Altersklassen übergreifend nach oben. Mit jungen Rekrutinnen und Rekruten als primärer Zielgruppe der „Cyber Mission - Befehlsrecht” - App trifft das Spiel damit voll in ihre Lebenswelt. Die App wird keinen Wehrrechtunterricht ersetzen können - es schafft aber ein zeitgemäßes zusätzliches Angebot.


von Matthias  Lehna
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