Strategie der Reserve in der Praxis - Panzerfeldwebel der Reserve übt regelmäßig auf Leopard

Strategie der Reserve in der Praxis - Panzerfeldwebel der Reserve übt regelmäßig auf Leopard

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Datum:
Ort:
Gardelegen
Lesedauer:
5 MIN

Individuelle Absprachen für Reservistendienste führen im Gefechtsübungszentrum Heer zu praxistauglichen Lösungen von denen alle Beteiligten profitieren.

In der neuen Strategie der Reserve heißt es mit Blick auf die Gewährleistung einer möglichst verlässlichen Verfügbarkeit von Reservisten für Ausbildung und Inübunghalten unter anderem:

„Kurze Wege und persönliche Kontakte bilden in Verbindung mit dem Wissen um- und voneinander eine gute Grundlage für praxisorientierte und tragbare Lösungen in den Regionen.“

Diese Forderung wird in vielen Bereichen bereits heute gelebt. So auch im Gefechtsübungszentrum Heer in der Colbitz-Letzlinger Heide im Norden Sachsen-Anhalts. Hier weiß man, vor dem Hintergrund der Rückbesinnung Deutschlands auf die Landes- und Bündnisverteidigung, um die gewachsene Bedeutung einsatzbereiter Reservisten im Verteidigungsfall.

Kampfpanzer Leopard im Gelände.

Kampfpanzer Leopard 2 A5 des Ausbildungsverbandes im Gelände

Bundeswehr/Detlef Schachel

Gewinn für die Truppe

Dieses Wissen ist insbesondere beim Kommandeur des Ausbildungsverbandes im Gefechtsübungszentrum, Oberstleutnant Olaf Göthe, verankert. Er hat in seiner Vorverwendung in der Abteilung Planung im Verteidigungsministerium in einem Bereich gearbeitet, in dem das Fähigkeitsprofil der Bundeswehr, als das Basispapier für die künftig vorzuhaltenden Fähigkeiten der Bundeswehr, fortgeschrieben wird. „Hier im Gefechtsübungszentrum verbinden wir die Erfordernisse des Inübunghaltens unserer Reservisten mit einem ganz praktischen Vorteil für uns als aktive Truppe, indem wir Reservisten entsprechend ihrer Qualifikationen in regulären Übungsdurchgängen auf temporär nicht besetzten Stellen einsetzen“, beschreibt der 43jährige Kommandeur ein bewährtes Verfahren. 

Der Kommandant des Kampfpanzers beobachtet aus der Kommandantenluke.

Hauptmann Hamann ist dankbar für die Unterstützung durch Reservisten

Bundeswehr/Detlef Schachel

So wird auf der einen Seite sehr individuell und bezogen auf den einzelnen Reservisten dessen praktisches Inübunghalten für seinen Beorderungsdienstposten sichergestellt. Auf der anderen Seite kann der Ausbildungsverband im Gefechtsübungszentrum möglichst viele Fahrzeuge als Teil der „Übungstruppe Rot“ in den jeweiligen Ausbildungsdurchgängen einbringen. Das wiederum bietet den zur Ausbildung anreisenden Verbänden eine realistische Feinddarstellung, was wiederum der Erreichung des Ausbildungszieles dient.

Jahresplanung als Grundlage

Wie die individuelle Einplanung der Reservisten in die jährlich rund zwanzig, jeweils zwei Wochen dauernden Ausbildungsdurchgänge des Gefechtsübungszentrum praktisch von statten geht, weiß der Kompaniechef der 3. Kompanie des Ausbildungsverbandes, Hauptmann Tino Hamann. Seiner Kompanie liegt im Oktober der Ausbildungsplan des Gefechtsübungszentrum vor. Diesen Plan gleicht er mit dem in seiner Kompanie verfügbaren Personal ab. Da einzelne Soldaten immer wieder mal lehrgangsbedingt oder durch Kommandierungen in Auslandseinsätze abwesend sind, ergeben sich hier Möglichkeiten, Reservisten heranzuziehen und damit solche Abwesenheiten zu kompensieren. „Diese Zeiträume biete ich dann unseren Reservisten an, die mir nach entsprechenden Rücksprachen mit ihren Familien und den jeweiligen Arbeitgebern eine Rückmeldung geben“, beschreibt der 29jährige Kompaniechef den Abstimmungsprozess.

Der Kommandant des Kampfpanzers beobachtet das Gelände aus der Kommandantenluke.

Reservist Schlieter auf seinem Kampfpanzer während des Übungsdurchganges

Bundeswehr/Detlef Schachel

Einer der auf diesem Wege angesprochenen Reservisten ist Hauptfeldwebel d.R. Ronny Schlieter. Der 39jährige ehemalige Zeitsoldat kommt aus der Region um die Lutherstadt Wittenberg. Dort lebt er auch heute mit seiner Lebensgefährtin Nicole und der vierjährigen gemeinsamen Tochter Leni. Schlieter gehörte zur Aufbaugeneration des Gefechtsübungszentrum, war zwischenzeitlich bei den Gebirgsjägern in Mittenwald eingesetzt, diente im Marshall-Center in Oberammergau und blickt auf Erfahrungen von Auslandseinsätzen im Kosovo und in Afghanistan zurück. Die Bundeswehr verließ er 2008 als Stabsunteroffizier. In die „Feldwebel-Schiene“ hat er sich später als Reservist über einen regulären Feldwebel-Lehrgang mit allgemeinem und fachlichen Teil gedient.


Zurück zur Panzertruppe

Die berufliche Neuorientierung nach Ausscheiden aus den Streitkräften führte Schlieter schließlich zur Bundeswehrfeuerwehr ins Gefechtsübungszentrum. Da lag es im wahrsten Sinne des Wortes nah, dass er sich dort mit seinen vormaligen Ausbildungen als Fahrer, Richt- und Ladeschütze und als Kommandant auf dem Kampfpanzer Leopard 2 als Reservist anbot. Die Truppe testete ihn 2013 im Rahmen einer einwöchigen Eignungswehrübung auf Herz und Nieren – offensichtlich mit Erfolg. „Seit dieser Zeit begleite ich nahezu jedes Jahr mehrere der zweiwöchigen Übungsdurchgänge. Hinzu kommt noch, wenn immer möglich, ein Schießplatzaufenthalt mit der 3. Kompanie“, beschreibt Hauptfeldwebel Schlieter seinen aktiven Jahresbeitrag als Reservist.

Ein Kampfpanzer in technischen Bereich.

Feuerwache in der Kaserne – der Arbeitsplatz des Reservisten Schlieter

Im aktuellen Durchgang im Oktober 2019 vertritt Schlieter sogar einen gesundheitsbedingt kurzfristig ausgefallenen Zugführer. Oberstabsgefreiter Bastian Brückner ist Ladeschütze auf dem Kampfpanzer dieses Zugführers. So hat der 28jährige Zeitsoldat den Hauptfeldwebel Schlieter hautnah erlebt. „Er füllt hier nicht einfach nur eine Lücke, er ist zugleich auch ein erfahrener Soldat, bei dem man viel lernen kann“, meint Brückner mit Blick auf das Fachwissen seines Zugführers auf Zeit. „Außerdem strahlt er eine angenehme Ruhe aus, die gerade in Stress-Situationen sehr wichtig ist.“ Zudem schätzt Brückner die Ortskenntnisse Schlieters auf dem weitläufigen Übungsgelände des Gefechtsübungszentrums.

Arbeitgeber zieht mit

Die Ortskenntnisse sind sicher auch ein Grund, warum sich Schlieters Einsatz als Reservist ebenfalls für seinen Arbeitgeber auszahlt. So kann die Übungsplatzfeuerwehr schnell vor Ort sein, wenn Hilfe irgendwo auch abseits der Wege gebraucht wird. Hinzu kommen die Fachkenntnisse des Oberbrandmeisters Ronny Schlieter über die verschiedensten Fahrzeugtypen der Bundeswehr. „Seine während der Wehrübungen immer wieder aufgefrischten Kenntnisse über die Bundeswehr-Fahrzeuge machen Ronny als Ausbilder für das Retten und Bergen aus gepanzerten Fahrzeugen so wertvoll für uns bei der Feuerwehr“, befindet Hauptbrandmeister Marcel Andrée über seinen Kollegen. Die Abstellungen als Reservist zur Bundeswehr würden auch deshalb durch die Feuerwehr-Kollegen mitgetragen, zumal die Planungen für die Schichtdienstgestaltung der Übungsplatzfeuerwehr stets auf langfristiger Basis erfolgen.

Eine Soldatin telefoniert am Schreibtisch.

Hauptfeldwebel Tina Harms kümmert sich um die Reservisten

Bundeswehr/Detlef Schachel

Möglichst langfristig plant auch Hauptfeldwebel Tina Harms als Angehörige des Teams der Personalabteilung des Gefechtsübungszentrum. „Ich versuche stets die Verbindung zu unseren Reservisten zu halten und möchte ihnen auf Basis der entsprechenden Planungen möglichst ein Rundumsorglos-Paket bieten“, sagt die 35jährige, die über die Jahre in die Funktion als Personalbearbeiterin für Reservistenangelegenheiten hineingewachsen ist. Sie kümmere sich „wie eine Löwenmutter um ihre Jungen“, heißt es ob ihres Engagements und ihrer Hartnäckigkeit voller Hochachtung aus ihrem Arbeitsumfeld. „Ich schrecke vor bürokratischen Hürden nicht zurück“, lässt Harms dann auch wissen. Derzeit ringt sie z.B. um eine modulare Lehrgangsgestaltung des Zugführerlehrganges für Schlieter. So ist zu erwarten, dass sie den weiteren Weg des Hauptfeldwebels und der anderen im Gefechtsübungszentrum beorderten Reservisten aktiv begleiten wird - zum Vorteil für die Reservisten, deren Arbeitgeber und die aktive Truppe.

von Detlef Schachel

Impressionen der Übung

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