Erlebnisbericht des 35. DEU-USA Reserveoffizier Austausches 2019

Erlebnisbericht des 35. DEU-USA Reserveoffizier Austausches 2019

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7 MIN


Logo des 35. Deutsch-Amerikanischen Reserveoffizieraustauschs

Logo des 35. Deutsch-Amerikanischen Reserveoffizieraustauschs.

Bundeswehr/Julia Heidenreich

4-Sterne-Kreuzfahrt mit der USUnited States-Navy

Wenn 24 deutsche Reserveoffiziere in die Vereinigten Staaten fliegen, um sich für zwei Wochen auf 19 verschiedene Truppenteile und Einheiten quer über den gesamten Kontinent der USAUnited States of America zu verteilen, dann ist wieder „Deutsch-Amerikanischer Reserveoffizieraustausch“ – in diesem Jahr bereits zum 35. Mal.


Rückblick

Bereits im Vorfeld des Austauschs fand eine 3-tägige Einführungsveranstaltung in Potsdam zum Kennenlernen, für Briefings und Erfahrungsaustausch mit einigen Alumni statt.

Das wichtigste Kind dieser Veranstaltung war eine WhatsApp-Gruppe, die in den folgenden Monaten zur Reisevorbereitung rege frequentiert wurde. Themen wie „Sachstand der Arztbesuche und Auslandsverwendungsfähigkeit“ (aka wer bietet mehr Untersuchungen), „Erfahrungen aus der Kleiderkammer“, „Packlisten“, „Helm - ja oder nein?“ sowie „Gastgeschenke, Coins und Co.“ wurden heiß diskutiert.

Transfer mit einem typischen Schulbus zum Hotel in Washington D.C.

Transfer mit einem typischen Schulbus zum Hotel in Washington D.C.District of Columbia

Bundeswehr/Julia Heidenreich

Gestartet ist die Reise dann Ende Mai 2019 für die gesamte Gruppe in Bonn. Mit dem Flugzeug ging es von Frankfurt nach Washington D.C.District of Columbia, wo wir am Nachmittag und Abend Freizeit hatten, um die von Sehenswürdigkeiten gespickte Metropole zu erkunden. Nachdem uns die Reiseleitung mehrfach an die Tugend der Pünktlichkeit, mit den Worten: „Der Fußbus fährt immer!“ erinnert hat, konnte das Programm auch stets nach Plan fortgeführt werden. Weiter ging es mit einem Besuch im Bundeswehrkommando Reston mit Briefings und amerikanischem BBQ mit deutschem Bier sowie einem Besuch mit Führung durch das Pentagon und stilvollem Mittagessen mit den amerikanischen Programmmanagern.

Die USS BATAAN im Heimathafen Norfolk, VA.

Erster Blick auf die USS BATAAN (links) im Heimathafen Norfolk, VA.

Bundeswehr/Julia Heidenreich

Einen weiteren gemeinsamen Programmtag in D.C.District of Columbia haben wir leider verpasst, da wir Marineoffiziere uns bereits einen Tag früher auf den Weg zum Gasttruppenteil machen mussten, um unser Schiff nicht zu verpassen. WIR – das sind ein Meeresbiologe, ein Arzt, ein Englischprofi und eine blonde PR-Frau. Ein Dreamteam wie TKKG (aber in der Realität eher CRRJ) welches zusammen 2 Wochen auf einem Schiff der USUnited States-Navy mitfahren durfte.

Zur Erklärung: Normalerweise nehmen die Programmteilnehmer am Dienst in Einheiten der Reservekomponenten der USUnited States-Streitkräfte teil. Da es bei der USUnited States-Navy keine seegehenden Reserveeinheiten gibt, werden die Teilnehmer der Marine auf aktive Einheiten eingesetzt.

Für uns vier Marineoffiziere ging es gemeinsam per Roadtrip im Mietwagen nach Norfolk (Virginia) auf die USS BATAAN.

Das Schiff

Bei der BATAAN handelt es sich um ein amphibisches Angriffsschiff mit circa 1100 Mann Stammbesatzung und optional knapp 1900 Marines, die bei Bedarf eingeschifft werden können.

Blick in das Welldeck eines amerikanischen Schiffes.

Blick in das riesige Welldeck des Schiffes.

Bundeswehr/Julia Heidenreich

Eine Besonderheit des Schiffes ist das riesige Welldeck. Dabei handelt es sich um einen Laderaum im Heck des Schiffes, der bei Bedarf geflutet und achtern durch ein großes Tor von mitgeführten Landungsbooten wie LCUs (Landing Craft Utility) oder Hovercrafts wie LCACs (Landing Craft Air Cushion) befahren werden kann. Landungsübungen standen leider nicht auf dem Programm, daher konnten wir das Welldeck leider nur trocken und leer bewundern.

Die größten Schiffe der Deutschen Marine sind Einsatzgruppenversorger mit knapp 174 Metern Länge. Der erste Anblick der BATAAN im Hafen mit ihren 257 Metern war für uns alle somit sehr imposant und wir haben tatsächlich auch ziemlich lange gebraucht, um uns in den Gängen zurechtzufinden.

Unterbringung

Ich hatte Schlimmes erwartet, aber die Unterbringung erfolgte in 2-Mann-Kammern in Einzelbelegung. Die „Nasszelle“, mit Dusche und Toilette, teilte man sich mit der benachbarten Kammer. Alles nicht gerade hübsch und komfortabel, aber zweckerfüllend. Dass es auch ganz anders ging, zeigte uns eine Führung durch eines der 300-Mann Marine Mannschafts-Decks. 300 Personen in Stockbetten mit teilweise 4 Etagen, soweit das Auge reicht. Wahnsinn!

Unterkunft der US-Navy auf einem Flugzeugträger.

Unterkunft als Gast während der Zeit bei der USUnited States-Navy.

Bundeswehr/Julia Heidenreich

Die Fachbereiche

An Bord waren wir Deutschen zwar als Team, hatten aber jeweils einen eigenen Ansprechpartner und Zugehörigkeitsbereich je nach zivilen bzw. militärischen Kompetenzen.

Frau Heidenreich.

Julia Heidenreich - Als Presseoffizier im Zentrum Informationsarbeit der Bundeswehr.

Bundeswehr/Julia Heidenreich


Ich bin beispielweise als Presseoffizier im Zentrum Informationsarbeit Bundeswehr beordert, daher war ich an Bord der BATAAN für die 2 Wochen im Bereich PAO (Public Affairs Office) beheimatet. Hier konnte ich einen Eindruck gewinnen, wie die Amerikaner ihre Presse- und Öffentlichkeitsarbeit organisieren. Ein bis zu 9-köpfiges Team kümmert sich u.a. um Film- und Fotodokumentation, alle Printprodukte, die Social-Media-Kanäle der BATAAN und die Betreuung von Besuchergruppen. Highlight war für mich, zu sehen wie das kleine PAO-Büro in ein professionelles TV-Studio umgebaut wurde, so dass der Erste Offizier sein Informationsbriefing zum nächsten Hafen auf alle Fernseher an Bord übertragen konnte – inklusive Klärung von Fragen der Besatzung live per Telefonanruf – das nenne ich mal eine coole interne Kommunikation!


Herr Schygulla

Christof Schygulla - Als Meeresbiologe beim Geoinformationsdienst der Bundeswehr.

Bundeswehr/Julia Heidenreich

Christof ist Meeresbiologe und im Marinekommando (Rostock) in der Abteilung Einsatz, Unterabteilung GeoInfo (Geoinformationsdienst) beordert. An Bord der USS BATAAN, war er ebenfalls im Bereich der GeoInfo eigesetzt. Dort heißt es METOC (steht für Meteorologie und Ozeanographie). Da dieser Bereich an Bord einer Geheimhaltungsstufe unterlag, konnte er leider nicht viel Zeit dort verbringen.


Herr Soyez

Rüdiger Soyez - Als Unfallchirurg immer eine Unterstützung.

Bundeswehr/Julia Heidenreich

  


Obwohl das Praktizieren als Arzt ohne das USMLE (amerikanisches Staatsexamen) nicht erlaubt ist, wurde Rüdiger sehr gut in den Alltag das Schiffslazaretts eingebunden und unterstützte den Schiffsarzt aufgrund seiner Qualifikation als Unfallchirurg insbesondere bei der traumatologischen Sprechstunde. Bezüglich der Ausstattung des Sanitätsbereiches im Vergleich zu den Schiffslazaretten deutscher Schiffe zeigen sich erheblich Unterschiede. So ist der Schiffsarzt ein erfahrener Facharzt (Family Practitioner) dem zwei MAOs (Medical Admin Officer) und ein Stab von ca. 20 Mitarbeitern zur Seite stehen. Im Einsatz kommen noch sogenannte Surgical Teams hinzu, welche die 4 OP-Säle und zwei Notfall-OP-Säle betreiben. Zusätzlich zu 15 Intensivbetten können über 600 stationäre Patienten betreut werden. Das entspricht in etwa dem Unfallkrankenhaus Berlin.


Herr Auffermann

Robert Auffermann - Als Erfahrungsträger im Einsatz auf einem Minenjagdboot.

Bundeswehr/Julia Heidenreich

Robert war aufgrund seiner Vorerfahrung auf Minenjagdbooten im Bereich der Brücke eingesetzt, als sogenannter Conning Officer (fahrender Wachoffizier) und ist die USS BATAAN tatsächlich auch gefahren! Das bedeutet, dass er in Zusammenarbeit mit dem OOD (Officer of the Deck) den Kurs, die Geschwindigkeit und die Kommandos dazu festlegen durfte, damit das Übungsgebiet oder der nächste Hafen zur befohlenen Zeit erreicht werden konnte. „Man muss viel mehr vorausdenken, weil das Schiff so riesig ist und viel langsamer reagiert als ein 50 m langes Minenjagdboot!“, so die Erfahrung von Robert. Insgesamt sind die Verfahren auf der Brücke, bis auf ganz wenige Ausnahmen, aber genau wie bei der Deutschen Marine.

Unser aller Highlight der Seereise waren jedoch einstimmig.

Die Flugoperationen

Da das Schiff „leer“ zur See gefahren ist, das heißt ohne eingeschiffte Hubschrauber und Flugzeuge, kamen die Fluggeräte zu uns während wir auf See unterwegs waren, um Verfahren wie Start, Landung und Betankung zu üben.

Mit doppelten Gehörschutz und Schutzbrille bewaffnet, konnten wir an Oberdeck hautnah miterleben, wie diverse Hubschrauber, Harrier und Ospreys auf dem Flugdeck gestartet und gelandet sind. Das Lächeln war lange nicht mehr aus unseren Gesichtern wegzubekommen! Beeindruckend war auch der Lärm, den eine startende Harrier macht! Diesen hat man ein Deck tiefer in unseren Kammern und in der Offiziermesse noch ordentlich gehört.

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Anflug einer Osprey auf den Flugzeugträger.

Anflug einer Osprey.

Bundeswehr/Julia Heidenreich
Besatzungsmitglieder des Flugzeugträgers beobachten den Start eines Hubschraubers.

Besatzungsmitglieder beobachten den Start eines Hubschraubers.

Bundeswehr/Julia Heidenreich
Start und Landung eines Flugzeugs auf dem Flugzeugträger.

Start und Landung einer Harrier.

Bundeswehr/Julia Heidenreich

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Munitionsaufnahme und weiteres Programm

Das Ziel unserer Seefahrt mit der BATAAN war die Naval Weapons Station Earle in New Jersey zur Aufnahme von Munition. Die Beladung erstreckte sich über mehrere Tage, so dass genug Zeit für ein Kurztrip nach New York blieb. Wir haben dort eine Nacht verbracht und konnten somit ganze 2 Tage mit allerlei touristischen Aktivitäten verbringen. Weil die Besatzung die Munitionsaufnahme so vorbildlich im vorgegeben Zeitrahmen erledigt hat, gab es zur Belohnung auf der Rückreise ein „Picnic at Steel Beach“. Der „Stahlstrand“ war eigentlich der Hangar, welcher kurzerhand in eine Picknickwiese mit Burgern, Ballspielen, Musik und Softdrinks umfunktioniert wurde.

Zurück in der Base in Norfolk hatten wir noch die Gelegenheit den Flugzeugträger USS John. C. Stennis zu besichtigen, wurden zum BBQ in das Haus des Kommandanten nach Virginia Beach eingeladen und konnten uns auch ein typisches Baseballspiel des Lokalteams anschauen.

The End

An unserem letzten Tag an Bord wurden wir von den Offizieren im Spalier, mit Glockenschlägen und einer Ansage über die Schiffslautsprecheranlage verabschiedet. Das war wirklich toll! Die Rückfahrt mit dem Mietwagen führte uns durch die aus dem Song „Country Roads“ bekannten Blue Ridge Mountains und den Shenandoah Nationalpark.

In Herndon (Virginia) trafen alle Programmteilnehmer wieder aufeinander. Da die Gasteinheiten im ganzen Land, von Hawaii bis Alaska, verteilt waren, gab es natürlich auch viel zu erzählen.

Abschluss der Reise bildete ein gemeinsamer Besuch der U.S. Naval Academy in Annapolis, was für Marineoffiziere, die an der Marineschule Mürwik ausgebildet wurden, natürlich ein weiteres großartiges Highlight war.

Selfie Frau Heidenreich mit einer Osprey.

Selfie mit einer Osprey.

Bundeswehr/Julia Heidenreich

37 Seiten im Tagebuch, 963 Fotos und 99 Videos später, bin ich nicht nur um eine unbezahlbare Erfahrung reicher, sondern wir alle haben auch Kontakte und Freundschaften in Deutschland und den USAUnited States of America geknüpft, die wir ein Leben lang nicht vergessen werden!

Zudem haben wir definitiv das Motto des aktuellen Deutschlandjahres in die Tat umgesetzt: „Wunderbar Together“!


Gruppenbild auf dem Flugdeck der "Big 5"

Gruppenbild auf dem Flugdeck der "Big 5"

Bundeswehr/Julia Heidenreich