Litauen – Mission Vigilant Owl an der NATO-Ostflanke
In Litauen überwachen Soldaten des EloKa-Bataillons 932 das elektromagnetische Spektrum – die Grundlage für Funk, Radar und Navigation.
Nachtalarm für rund 250 Soldatinnen und Soldaten des Bataillons Elektronische Kampfführung 932 in Frankenberg/Eder. Die Truppe hastet in die Kaserne. Doch das ist nicht alles, was bei dieser Übung geprobt wird.
Hier ist kein Durchkommen: Mit aufwendigen Sicherungsmaßnahmen und zusätzlicher Manpower wird bei der Bedrohungsstufe Charlie die Kaserne „gehärtet“
Bundeswehr/Maximilian BosseDrei Uhr in der Nacht von Sonntag auf Montag. Rund 250 Soldatinnen und Soldaten des Bataillons Elektronische Kampfführung (EloKaBtl) 932 werden zu Hause telefonisch alarmiert. Eine Stunde haben sie nun Zeit, sich in der Burgwald-Kaserne in Frankenberg/Eder, ihrem Heimatstandort, einzufinden. Für die Truppe beginnt damit eine Alarmierungsübung, die Tempo verlangt – und zugleich den laufenden Dienstbetrieb berücksichtigen muss.
Die „Notice to Move“ – also die Frist vom Alarm bis zur Abmarschbereitschaft – gibt den zeitlichen Rahmen vor: Innerhalb einer Stunde sollen sich Soldatinnen und Soldaten des Bataillons im Alarmfall in der Kaserne einfinden. Dieser Bereitschaftsgrad wurde durch den Kommandeur bereits in der Vorwoche bekannt gegeben. Ob und wann jedoch tatsächlich der Alarm ausgelöst wird, weiß nur ausgewähltes Führungspersonal.
Zur Übung gehört aber mehr, als sich nur schnell in der Kaserne einzufinden. Für die Kaserne gilt ab jetzt auch die zweithöchste Gefährdungsstufe Charlie. Die Truppe trifft Maßnahmen zu ihrem eigenen Schutz: Jede Person und jedes Fahrzeug bei der Einfahrt wird kontrolliert, die Unterseiten von Fahrzeugen werden zusätzlich mit Spiegeln untersucht. Außerdem werden physische sowie personelle Absicherungsmaßnahmen rund um die Zufahrt getroffen. Dazu gehören beispielsweise Soldatinnen und Soldaten in Stellung in der Nähe des Einfahrtsbereichs, bewaffnete Fahrzeuge an der Zufahrt sowie mobile Barrieren aus Beton zur Errichtung eines Checkpoints.
Das alles muss sich außerdem in den Alltag am Standort einfügen, denn natürlich kommen an diesem Montagmorgen auch Soldatinnen, Soldaten und zivile Mitarbeitende ganz regulär zum Dienst, die nicht an der Alarmübung teilnehmen. Der Dienstbetrieb soll weiterlaufen, während kontrolliert und abgesichert wird.
Mitten in der Nacht im Keller des Stabsgebäudes: Oberstleutnant Moritz Kaselow, Kommandeur des EloKaBtl 932, bei der Befehlsausgabe zu den Alarmmaßnahmen an die Kompaniechefs und weitere eingeteilte Führer der alarmierten Soldatinnen und Soldaten
Bundeswehr/Maximilian Bosse
Nicht nur Soldatinnen und Soldaten, sondern auch Teile der zivilen Standortverwaltung wurden alarmiert, um bei den Härtungsmaßnahmen zu unterstützen
Bundeswehr/Maximilian Bosse
Als eine der ersten und am schnellsten umzusetzenden Maßnahmen der Härtung werden geschützte Fahrzeuge wie dieser Dingo im Bereich des Zugangs platziert, um etwaige Saboteure und Angreifer mit großem Kaliber abwehren zu können
Bundeswehr/Lea Bacherle
Bis in den Vormittag hinein gilt es, jedes Fahrzeug und auch alle Passanten vor Eintritt in die Liegenschaft zu kontrollieren. Dabei sind Sorgfalt aber auch Tempo geboten, um den Dienstbetrieb nicht mehr als unbedingt nötig einzuschränken.
Bundeswehr/Lea BacherleZum ersten Mal kommt neu beschafftes Absicherungsmaterial zum Einsatz. Die bekannten „Spanischen Reiter“ und umständlich auszubringenden S-Draht-Rollen haben ausgedient. Stattdessen wird nun die Zufahrt geschützt mit großen Betonblöcken und dicken Stahlkabeln, mobilen Schrankenanlagen und Beschilderung. Derartiges Material dürfte vielen auch von Großveranstaltungen wie Weihnachtsmärkten und Konzerten bekannt sein, bei denen ebenfalls exponierte Zugangspunkte vor Anschlägen abgeschirmt werden. Die auch alarmierten zivilen Mitarbeitenden der Standortverwaltung bauen das Material in der Zufahrt auf. Die Übung prüft erstmals, wie sich die neu beschafften Mittel in die Abläufe am Standort einfügen.
Dabei geht es nicht nur um das Material selbst. Kontrollen und Absicherung müssen möglich sein, ohne den Dienstbetrieb zum Erliegen zu bringen. Gleichzeitig müssen für die Übungsteilnehmenden klare Abläufe und Pausenzeiten geregelt sein, um beispielsweise bei der Bestreifung des Kasernenzauns oder der Personenkontrolle bis zum Schluss konzentriert und einsatzfähig zu bleiben. Bis zum Montagmittag dauert die Übung; anschließend wird zurück gebaut und ausgewertet. Oberstleutnant Moritz Kaselow, Kommandeur des Bataillons, fasst Vorhaben und Ziel der Übung prägnant zusammen: „Kriegstüchtigkeit ab Minute Eins, darum geht es hier.“
Einzug auf den Frankenberger Marktplatz zum Verabschiedungsappell: Für die hier antretenden Soldatinnen und Soldaten geht es zur Aufklärungsmission VIGO an die Ostflanke der NATO – keine Übung, sondern ein scharfer Einsatz zur Stärkung des Bündnisses
Bundeswehr/Dirk DraeweFür die betroffenen Soldatinnen und Soldaten ist die Übung auch wichtig, weil ihnen eine fordernde Aufgabe bevorsteht: Sie sollen für einige Wochen nach Litauen zur dortigen Aufklärungsmission Vigilant Owl (VIGO) verlegt werden. Kurzfristige Einsatzbereitschaft, Durchhaltefähigkeit und Maßnahmen der Eigensicherung sind an der Ostflanke der NATO für die Frankenberger Truppe noch wichtiger als in Deutschland. Bereits zwei Tage nach der Alarmierungsübung stehen die Soldatinnen und Soldaten auf dem Marktplatz ihres Heimatstandorts, um sich feierlich in den Einsatz verabschieden zu lassen. Weitere zwei Tage später befinden sie sich bereits auf der Fähre ins Baltikum.
von Maximilian Bosse E-Mail schreiben