Vigilant Owl (VIGO) ist die erste Mission der Teilstreitkraft Cyber- und Informationsraum. Dabei klären Kräfte des elektromagnetischen Kampfes in Litauen gegnerische Aktivitäten im elektromagnetischen Spektrum auf. So schützt die Bundeswehr Deutschland und seine NATO-Partner und stärkt die Zusammenarbeit mit den litauischen Streitkräften.
Ort:
Litauen
Das elektromagnetische Spektrum umfasst alle Wellenlängen, die für Kommunikation, Navigation, Radar und weitere militärische wie zivile Zwecke genutzt werden. Die ständige Beobachtung ermöglicht es, feindliche Signale zu identifizieren, zu analysieren und ein umfassendes Lagebild zu erstellen.
Diese Informationen gelten als „Alarmdraht“ gegen Bedrohungen und sind entscheidend, um gegnerische Aktivitäten in diesem Bereich frühzeitig zu erkennen und gleichzeitig die Einsatzbereitschaft der eigenen Truppe zu erhöhen. Das ist wichtiger geworden, seitdem sich das Sicherheitsumfeld in Europa durch den Angriff Russlands auf die Ukraine stark verändert hat.
Oberstleutnant Moritz Kaselow, Kontingentführer
Bundeswehr/Lea Bacherle
Das moderne Gefecht beginnt nicht mit dem ersten Schuss, sondern oft schon mit Störung, Täuschung, Datenerfassung und dem Angriff auf Kommunikation und Navigation.
Die Mission VIGO
Vigilant Owl (VIGO), die erste anerkannte Mission des CIR, entwickelt sich ständig weiter und reagiert auf die Änderungen der Sicherheitslage im Baltikum. Begleitend zu Übungen der Panzerbrigade 45 stellt das EloKa-Bataillon 932 entlang der litauischen Grenze den „EloKa Umbrella“. Mit seinen Erkenntnissen schützt es wie ein Regenschirm nicht nur die Panzerbrigade Litauen, sondern trägt auch zur Lageverdichtung für die litauischen Streitkräfte bei.
Die Mission besteht aus über 100 hochspezialisierten Soldatinnen und Soldaten der Teilstreitkraft Cyber- und Informationsraum. Sie arbeiten tief integriert mit den litauischen Streitkräften zusammen. Dabei setzen sie moderne und mobile Ausrüstung für die elektromagnetische Aufklärung ein.
Kräfte und Fähigkeiten im Einsatz
In der modernen Kriegsführung bekämpfen sich Streitkräfte nicht nur mit Artillerie, Raketen und Drohnen, sondern fortlaufend auch im elektromagnetischen Spektrum: durch Stören, Täuschen, Ortung, GPS-Spoofing und die Unterbrechung von Kommunikations- und Führungsnetzen.
Der Krieg in der Ukraine zeigt, dass sich elektronische Bedrohungen unmittelbar auf Nachbarregionen auswirken können. Jüngste Drohnenvorfälle in Litauen und den anderen baltischen Staaten belegen, dass Störungen, Fehlnavigation und das Ausgreifen des Krieges in den Grenzraum der NATO keine abstrakten Szenarien mehr sind, sondern reale Sicherheitsprobleme. Die Erfahrungen aus VIGO, aber auch aus der Ukraine, unterstreichen das mit besonderer Klarheit.
Neues Wappen und Charakter der Mission
Bei VIGO werden verschiedene Sensorsysteme eingesetzt. Mit dem mobilen Sensor Baumfalke können Funksignale detektiert und geortet werden. Das System kann sowohl abgesessen als auch fahrzeuggestützt genutzt werden.
Bundeswehr/Lea Bacherle
Drohnen sind auf dem modernen Gefechtsfeld nicht mehr wegzudenken. Bei VIGO werden unter anderem FPV-Drohnen eingesetzt, um die eigenen Stellungsräume weiträumig und effizient zu überwachen.
Bundeswehr/Lea Bacherle
Das Nervenzentrum: Im Gefechtsstand laufen alle Aufklärungsergebnisse und Informationen zusammen. Hier werden die verschiedenen Elemente koordiniert und es wird ein umfassendes Lagebild erstellt.
Bundeswehr/Lea Bacherle
Soldaten des Fernmeldebataillons 10 sorgen mit dem Aufbau von Kleinstnetzwerken für eine zuverlässige und sichere Anbindung. So kommen wichtige Erkenntnisse und Informationen schnellstmöglich dort an, wo sie gebraucht werden.
Bundeswehr/Lea Bacherle
Nicht nur die Fähigkeiten und technischen Mittel sind andere als bei VIGO im vergangenen Jahr, sondern auch das Patch unterscheidet sich
Bundeswehr/Lea Bacherle
Seit der letzten VIGO in 2025 hat sich die Sicherheitslage nicht nur in der Wahrnehmung der litauischen Bevölkerung deutlich verschärft. Die Sicherheitseinweisung zu Beginn der Mission – zu Schutzräumen, Verfahren bei Aufklärung und Luftraumverletzung – fordern von den Soldaten und Soldatinnen neben dem eigentlichen Auftrag im elektromagnetischen Spektrum ein deutlich höheres Maß an soldatischen Fähigkeiten.
Aus diesem Grund hat das CIR die Fähigkeiten der VIGO-Kräfte deutlich ausgebaut und setzt ausdrücklich auch auf neue technische Mittel, Auswertung und unbemannte Systeme. Als sichtbares Zeichen dieses Sinneswandels und der Refokussierung auf die Bündnisverteidigung wurde ein neues Wappen gestiftet, das den neuen Charakter der Mission nach außen deutlich machen soll.
Dominanz im elektromagnetischen Spektrum angestrebt
Schnelle Lagemeldungen an die verschiedenen Bedarfsträger sind militärisch relevant, weil damit nicht nur Erkenntnisgewinn erzielt, sondern zugleich Interoperabilität, Reaktionsfähigkeit und Abschreckung gestärkt werden. Der Stellenwert des Elektronischen Kampfes wächst aus drei Gründen besonders stark:
Das Beherrschen des elektromagnetischen Spektrums entscheidet heute über Aufklärungsvorsprung und Schutz eigener Kräfte.
Der Elektronische Kampf ist unverzichtbar für Detektion und Abwehr moderner Drohnen- und Lenkwaffenbedrohungen.
Der Elektronische Kampf ist zentrales Mittel, um hybride Aktionen, grenznahe Zwischenfälle und die Vorbereitung möglicher militärischer Operationen frühzeitig zu erkennen.
Weiterentwicklung der Mission Vigilant Owl in 2027
Für die kommenden Jahre ist daher mit weiteren Anpassungen an der Grenze der NATO-Ostflanke zu rechnen. Erwartbar sind eine dichtere sensorische Überwachung, ein stärker integriertes Zusammenwirken von Luftverteidigung, Counter-UAS, Cyber- und EW-Kräften sowie kürzere Reaktionszeiten bei Vorfällen. Auch der Schutz kritischer Infrastruktur, die Abwehr hybrider Sabotage und die Fähigkeit, in einem gestörten oder teilverweigerten Informations- und Kommunikationsraum handlungsfähig zu bleiben, werden weiter an Gewicht gewinnen.
Die Lehre aus dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine ist eindeutig: Wer an der Ostflanke glaubwürdig abschrecken und verteidigen will, muss auch den Cyber- und Informationsraum mitdenken. VIGO wird sich daher weiter wandeln und auch die Übung Quadriga 2027 schützen.
FAQ
Was ist VIGO?
VIGO steht für Vigilant Owl (wachsame Eule) und ist eine Mission an der NATO-Ostgrenze, bei der Soldatinnen und Soldaten des Cyber- und Informationsraums das elektromagnetische Spektrum überwachen und elektronische Signale aus Russland aufklären. Die Mission ist dauerhaft angelegt und wird je nach Lage und Abstimmung mit Litauen temporär aktiviert.
Was ist das Ziel von VIGO?
VIGO ist ein Teil der Landes- und Bündnisverteidigung und trägt in Litauen zum Schutz eigener und verbündeter Kräfte bei. Mit ihrem Auftrag zur Aufklärung und Lagebilderstellung hilft die Mission, Bedrohungen frühzeitig zu erkennen und damit die Verteidigungsfähigkeit an der NATO-Ostflanke zu stärken.
Wer hat 2026 an der Mission VIGO teilgenommen?
Primär wurde die Truppe durch Soldatinnen und Soldaten des EloKa- Bataillons 932 gestellt. Auch Kräfte und Fähigkeiten aus anderen Verbänden waren integriert. Neben Beiträgen aus dem CIR hat auch das Fernmeldebataillon 10 des Heeres Kräfte zur Bereitstellung von Kleinstnetzwerken abgestellt.