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Elektronische Kampfführung

Still und wachsam: Die Übung Vigilant Owl in Litauen

Still und wachsam: Die Übung Vigilant Owl in Litauen

Datum:
Ort:
Litauen
Lesedauer:
4 MIN

Während der Übung Vigilant Owl bildeten Soldatinnen und Soldaten der Bataillone Elektronische Kampfführung 911 und 912 litauische Kameradinnen und Kameraden an einem Radarpeilungssystem im elektromagnetischen Kampf aus. Nach einer Vorausbildung in Deutschland können diese nun ihre Fähigkeiten praktisch weiter vertiefen. 

Ein Patch der Übung Vigilant Owl auf einer litauischen Uniform.

Nicht nur in Litauen, sondern zusammen mit den Litauern: Ein zentraler Bestandteil der Übung ist die Ausbildung der litauischen Streitkräfte

Bundeswehr

Der litauische Soldat schaut konzentriert auf den Bildschirm und achtet auf die Geräusche aus seinem Kopfhörer. Nach einigen Sekunden nimmt er diesen ab und meldet dem deutschen Ausbilder: „Ein Radargerät eines kleinen Flugplatzes 23 Kilometer nördlich.“ Der deutsche Radaraufklärer, der mit dem litauischen Soldaten im Transportpanzer Fuchs mit der „Kampfwertsteigerung Multiband“ (KWSKampfwertsteigerung RMBRadio Multiband) sitzt, notiert sich das Ergebnis und gleicht es mit den eigenen Daten ab: „Teisingai“, litauisch für „Das ist richtig“ kommt als Antwort.

Litauer trainieren an deutschen Systemen

Bereits seit 2020 führen Kräfte der EloKaElektronische Kampfführung die Verlege- und Aufklärungsübung Vigilant Owl in Litauen durch. Wesentliches Ziel ist es, die eigenen Fähigkeiten der Aufklärung im elektromagnetischen Umfeld weiter zu verbessern und die litauischen Kameraden an den deutschen Systemen auszubilden. Für beide Seiten eine Win-Win-Situation: Die litauischen Partner können ihre eigenen Fähigkeiten im Bereich des elektromagnetischen Kampfes ausbauen, und die Deutschen können mit ihren baltischen Kameraden gemeinsam üben und Erfahrungen austauschen. Litauen liegt an der Ostflanke der NATO. Daher ist es wichtig, dass die Zusammenarbeit regelmäßig trainiert wird. Major Nedas vom litauischen Verteidigungsstab sagt dazu: „Die Übung Vigilant Owl bedeutet für uns nicht nur eine Ausbildung an einem wichtigen System, sondern sie sendet auch ein Zeichen des Zusammenhalts und der gemeinsamen Stärke nach außen.“ 
 

Internationale Ausbildung am Radaraufklärungsgerät

Ein abgetarnter Transportpanzer Fuchs KWS RMB steht an einem Waldrand.

Ein Fuchs im Gelände: Die Tarnung sitzt und der Transportpanzer Fuchs KWSKampfwertsteigerung RMBRadio Multiband verschwindet in der Umgebung

Bundeswehr/Stefan Uj

Die litauischen Soldaten werden am Transportpanzer Fuchs KWSKampfwertsteigerung RMBRadio Multiband, einem System zur Radaraufklärung, ausgebildet. Damit können sowohl mobile Radargeräte wie zum Beispiel in feindlichen Fahrzeugen, als auch statische Bodenstationen geortet werden. Diese würden in einer Gefechtssituation vordringlich bekämpft, um dem Gegner die „elektronische Sicht“ zu nehmen. Nicht nur auf dem digitalen Gefechtsfeld ein wichtiger Vorteil.

Deutsche können Bedienung gut vermitteln

Die Ausbildung bietet einen hohen Mehrwert. Unteroffizier Ignas L., Angehöriger der seit fünf Jahren bestehenden litauischen EloKaElektronische Kampfführung-Kräfte, erklärt, warum der Blick über den Tellerrand so wichtig ist: „Die Deutschen können Inhalte und Bedienung gut vermitteln. Wir haben nach mehreren Monaten Pause schnell wieder in unseren Rhythmus gefunden und jetzt klappt alles wie am Schnürchen. Es ist ein bisschen wie Fahrradfahren, das verlernt man auch nicht wieder.“

Das sieht auch Major Nedas so, der das deutsche Engagement ausdrücklich lobt. „Das Training an sich ist wichtig, aber die Präsenz der Deutschen bedeutet für uns eine engere Zusammenarbeit unter Verbündeten und einen vitalen Austausch von Arbeitsprinzipien. Auch wenn die Systeme, die wir derzeit haben und die, die wir beschaffen werden, anders sind, sind die Grundlagen in der Nutzung die gleichen. Das heißt wir können viel von den Deutschen lernen.“

Ein deutsches Camp in der litauischen Kaserne

Eine S-Drahtsperre. Im Hintergrund befinden sich Zelte und Gebäude.

Eine klare Trennung zwischen der litauischen Liegenschaft und dem kleinen Camp der deutschen Truppen wird mit einem Zaun erreicht. Es herrschen strenge Regeln, die durch die Einstufung der verwendeten Technik der EloKaElektronische Kampfführung notwendig sind.

Bundeswehr/Stefan Uj

Für die rund 80 Soldatinnen und Soldaten der beiden EloKaElektronische Kampfführung-Bataillone 911 und 912 bedeutet die Übung: Verlegung mit über vierzig Fahrzeugen und anschließend das Einrichten eines kleinen Camps in einer litauischen Kaserne. Zudem wurden geeignete Stellungen erkundet, die für die Ausbildung möglichst gut geeignet sind. Während sich die Host Nation Litauen um die logistische Versorgung der Truppe mit Verpflegung und Treibstoff kümmert, gehört für auftretende technische Probleme ein eigener Anteil deutscher Instandsetzung mit zur Übungstruppe.

Oberfeldwebel Markus F. (Name geändert), der zuständige Instandsetzungsfeldwebel, erklärt die Arbeitssystematik und den eigenen Anspruch: „Wenn etwas ausfällt, sind wir da. Dann ist es auch egal, ob es ein Kopfhörer mit Wackelkontakt oder ein Stromerzeugeraggregat mit verstopftem Dieselfilter ist. Was vor Ort nicht instandgesetzt werden kann, wird nach Deutschland geschickt. Aufgrund der hohen Belastung für das Material ist es wichtig, dass im Reach-Back Ersatzteile vorgehalten und im Bedarfsfall schnell zur Verfügung gestellt werden können.“  

Ein Deutscher Soldat unterhält sich mit einem bewaffneten litauischen Soldaten.

Die litauischen Streitkräfte haben nicht nur an der Übung teilgenommen und die eigenen Fähigkeiten im Elektromagnetischen Kampf verbessert. Sie haben auch die reale Absicherung der deutschen Soldatinnen und Soldaten sichergestellt.

Bundeswehr

Neben dem militärischen Austausch mit den litauischen Partnern kommt für die deutschen Soldatinnen und Soldaten eine weitere Schlüsselerfahrung hinzu: Akzeptanz und Unterstützung der litauischen Bevölkerung für ihr Militär und ebenso für die Verbündeten sind ganz anders als in Deutschland: „Die Unterstützung der litauischen Bevölkerung ist enorm,“ so Hauptmann Max M. (Name geändert),  Führer der deutschen EloKaElektronische Kampfführung-Teile vor Ort. Das liegt an der bewegten Geschichte des Landes, gerade auch aufgrund seines aggressiven Nachbarn, und der Sicherheit, die NATO-Kräfte für die Bevölkerung im Baltikum mit sich bringen.

Das führt in der täglichen Arbeit zu so mancher Überraschung: „Für meine Soldatinnen und Soldaten ist der Aufenthalt in Litauen eine große Umstellung, auch im Straßenverkehr. Wir mussten unseren Kraftfahrern eine Einweisung geben, dass die Verkehrsregeln für Kolonnen hier aktiv im Bewusstsein der Leute drin sind. Wenn wir an einer roten Ampel gebremst hätten, wären unsere litauischen Begleiter ohne uns weitergefahren.“ Der Ausbildungs- und Übungseinsatz Vigilant Owl läuft über mehrere Wochen. Für die deutschen EloKaElektronische Kampfführung-Kräfte eine gute Möglichkeit des praktischen Trainings und der gelebten Kameradschaft unter NATO-Partnern. Immer nach dem Motto: Zusammen sind wir stark!

von Luna van Balen  E-Mail schreiben

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