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Eutiner Aufklärer sind einsatzbereit

Eutiner Aufklärer sind einsatzbereit

  • Einsatzvorbereitung
  • Heer
Datum:
Ort:
Mecklenburg-Vorpommern
Lesedauer:
4 MIN

„Alarm!“, schallt es durch den nächtlichen Wald. Die Soldatinnen und Soldaten des Aufklärungsbataillons 6 liegen in ihren Stellungen. Salven ihrer Sturmgewehre zerreißen die Stille. Die Eutiner Aufklärer üben auf dem Truppenübungsplatz Jägerbrück ein Szenario zur Stärkung der Landes- und Bündnisverteidigung. Ein gegnerischer Spähtrupp hat die Aufklärer in ihrem Verfügungsraum ausgemacht.

Ein Soldat bewegt sich gebückt mit der Waffe durch den Wald, dahinter sind zwei weitere Soldaten.

Die Aufklärer bewegen sich an das Gelände angepasst und sichern den Raum. Im Alarmfall werden sie das Gelände verteidigen.

Bundeswehr/Timm Ritter

Es ist Anfang März, noch vor Beginn der Maßnahmen rund um Corona rücken die Holsteiner Aufklärer zur Übung Holsteiner Husar 2020 aus. „Wir wollen mit der Übung das gesamte Aufgabenspektrum eines Aufklärungsbataillons mit allen seinen Kompanien und Fähigkeiten üben.“ Man sei das Auge und Ohr der Brigade und müsse bereits vor allen anderen wissen, wo der Feind sei. Nur so könne man die übergeordnete Führung bestmöglich unterstützen, beschreibt Bataillonskommandeur, Oberstleutnant Tobias Aust, den Auftrag seiner Soldaten.

Mit 100 Fahrzeugen rollen die Aufklärer aus Eutin in Richtung Jägerbrück. Bereits jetzt leben die Soldaten mental voll in ihrem Auftrag: ein Gefecht. „In kleinen Gruppen und zeitlich versetzt bewegen sich die Fahrzeuge in Richtung Übungsplatz“, erklärt einen Kolonnenführer. Komme es zu einem Fahrzeugausfall oder auch einem Angriff kenne jeder seine Aufgaben, wie beispielsweise Luftraum absichern oder Schäden an Fahrzeugen reparieren.

Gefechtsübung im freien Gelände

Ein Radfahrzeug fährt sehr schnell über eine Freifläche

Ein Spähwagen Fennek tritt zum Gefechtsschießen an. Als Spähtrupp muss er sich auch einem plötzlich auftretenden Feind stellen.

Bundeswehr/Timm Ritter

Ihre Waffen haben alle kontinuierlich bei sich. Das Szenario: Die Soldaten des Aufklärungsbataillons befinden sich auf dem Gebiet eines Bündnispartners. Dieser wird von einer feindlich gesinnten Nation bedroht. Die Aufklärer sollen diesen Bündnispartner unterstützen. Informationen über den Gegner werden helfen, einen möglichen Angriff abzuwehren.

Von Prenzlau bis auf den Truppenübungsplatz Jägerbrück, also gut 50 Kilometer, tasten sich die Aufklärer in freiem Gelände, in freilaufender Übung, also auch durch urbanes Gelände fahrend, voran. Nicht nur die bodengebundene auch die luftgebundene Aufklärung, wie den taktischen Einsatz der Drohne LUNALuftgestützte unbemannte Nahaufklärungsausstattung, trainieren die Soldaten. Zudem werden Feldnachrichtenkräfte eingesetzt. Sie gewinnen durch „Befragungen von Kriegsgefangenen“ an einer temporär eingerichteten Stelle Informationen über die feindlichen Kräfte.

Der besondere Schwerpunkt in diesem Jahr liegt aber auf der Spähaufklärung bei Nacht. Die Besatzungen der Spähwagen Fennek spielen ihre hervorragende Nachtkampffähigkeit aus. Mit ihrer Beobachtungs- und Aufklärungsausstattung (BAABeobachtungs- und Aufklärungsausstattung), dazu gehört eine Wärmebildkamera, sind die Späher in der Lage, auch bei Nacht klare Bilder zu liefern. Doch erst im Verbund entfaltet das Aufklärungsbataillon seine volle Kampfkraft nach dem Grundsatz „Viel sehen, ohne selbst gesehen zu werden“.

Neuer Rekord mit LUNALuftgestützte unbemannte Nahaufklärungsausstattung

Eine Soldatin prüft vor dem Start ein letztes Mal eine Drohne.

Letzter Check an der Drohne LUNALuftgestützte unbemannte Nahaufklärungsausstattung. Bei ihrem Einsatz müssen alle Systeme einwandfrei funktionieren.

Bundeswehr/Timm Ritter

Wetter – check, System startbereit – check, Flugfreigabe – check. Und schon läuft der Motor der Drohne LUNALuftgestützte unbemannte Nahaufklärungsausstattung auf Volllast und drückt sie immer weiter nach oben. Was sich so einfach anhört, ist ein sehr komplexer Vorgang. Auch und gerade während einer Übung gelten in Deutschland strenge Regeln für die Nutzung von Drohnen. Die Abkürzung LUNALuftgestützte unbemannte Nahaufklärungsausstattung steht dabei für Luftgestützte unbemannte Nahaufklärungsausstattung. Die Drohne sendet bei Tag und Nacht Video- und Infrarotfilme sogar Standbilder in Echtzeit. Sie ist dabei nahezu unter allen Witterungsbedingungen einsetzbar. Für ihren Einsatz muss alles stimmen, am 14. März war es soweit – die Eutiner Drohnen führten neun Flüge an einem Tag durch – damit stellten die Soldaten einen neuen Rekord seit Einführung des Systems LUNALuftgestützte unbemannte Nahaufklärungsausstattung im Jahr 2003 auf.

Gefahr für alle und jederzeit

Zahlreiche Soldaten sind auf einem Übungsplatz angetreten, hinter ihnen Gefechtsfahrzeuge, vor ihnen Wappen und eine Drohne.

Das Aufklärungsbataillon 6: Auf dem Truppenübungsplatz Jägerbrück üben die Soldaten für die Landes- und Bündnisverteidigung.

Bundeswehr/Timm Ritter

Ein Angriff der feindlichen Armee steht kurz bevor. Gefechtsstände und Versorgungspunkte müssen fehlerfrei funktionieren. Jede unbekannte Person kann sich als Gegner herausstellen. Im Verlauf der Übung greifen wiederholt verdeckt operierende Kräfte bei Tag und Nacht an. „Wir wollen klarmachen, dass heutzutage ein hochintensives Gefecht, also eine 360 Grad-Bedrohung, Gefahr für alle jederzeit und überall bedeuten“, so Kommandeur Aust. Wenn es hart auf hart komme, müsse jeder Aufklärer kämpfen können.

„Die Übung versetzt uns in ein Bild, wie intensiv ein heutiger Konflikt ohne‚ vorne und hinten‘ sein kann. So üben wir, wie wir uns im Ernstfall verhalten müssen, auch wenn es anstrengend ist, allzeit bereit zu sein“, erläutert ein Alarmpostensoldat. Dazu komme das Leben im Felde, also auch die Übernachtung im Freien, bei minus sechs Grad. Das sei das schon sportlich, aber auf jeden Fall machbar, fügt er hinzu. Alle wüssten, wofür man das Ganze mache, um im Fall eines Angriffes bereit zu sein. Der Feind wartet auch nicht auf schönes Sommerwetter.

Aufklären durch Kampf

Die Panzer der Panzergrenadiere fahren den Aufklärern voraus.

Gemeinsam mit den Schützenpanzern der Grenadier kämpfen die Aufklärer an der feindlichen Sicherungslinie. Sie zu durchbrechen, ist das Ziel.

Bundeswehr/Timm Ritter

Aufklärer gehören zu den Kampfunterstützern. Zusammen mit den Grenadieren vom Panzergrenadierbataillon 411 aus Viereck haben sie das „Aufklären durch Kampf“ geübt. Diese enge Zusammenarbeit, sprich der Kampf Schulter an Schulter mit der Kampftruppe, ist essenziell für die Landes- und Bündnisverteidigung. Es gilt, die gegnerische Sicherungslinie zu durchbrechen. Eine Sicherungslinie unentdeckt zu überwinden, ist nicht immer möglich. Daher müssen die bewaffneten Fenneks der Aufklärer zusammen mit den Schützenpanzern Marder der Grenadiere sich einer solchen Sicherungslinie auch stellen und sie gemeinsam durchstoßen. Der Marder als schwere Waffe vorweg bekämpft dabei den Gegner so lange, bis sich eine Lücke in der Sicherungslinie auftut. Die Aufklärer nutzen diese Gelegenheit und können so im Rücken des Feindes aufklären, um ihren Auftrag als „Auge und Ohr“ weiter zu erfüllen.

Ziel: Besser werden

Ein Tankwagen in der Mitte und zwei Spähwagen stehen jeweils links und rechts davon. Beide werden betankt.

Der Tankwagen steht bereit, die Spähwagen Fennek werden mit Kraftstoff versorgt.

Bundeswehr/Timm Ritter

Ohne Kraftstoff gäbe es kein Vorankommen für die über 100 Fahrzeuge der Aufklärer. Auch das Tanken nach der Übung geschieht unter Einfluss der taktischen Bedrohungslage. Angepasst an das Gelände betanken die Soldaten in speziell erkundeten Bereichen während des Gefechtsmarsches die einzelnen Fahrzeugkolonnen.

Nach zwei Wochen intensiven Übens resümiert Aust: „Mit der Übung Holsteiner Husar 2020 steigen wir in die nächste Phase unseres Ausbildungs- und Übungsprogramms ein. Es geht nicht nur darum, unseren Ausbildungsstand zu halten, sondern noch zu erweitern – besser zu werden. Wenn Material fehlt, muss dies durch gute Ausbildung und Taktik ausgeglichen werden.“ Dies sei dem Aufklärungsbataillon 6 mit dem Holsteiner

von Jasmin Preuße

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