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Heer
Übungsplatz Grafenwöhr

Panzerbrigade 12 übt für das Gefecht

Landes- und Bündnisverteidigung

Kampfpanzer Leopard, Schützenpanzer Puma, das neue Sturmgewehr G95 und weitere Waffensysteme setzen die Soldatinnen und Soldaten der Panzerbrigade 12 „Oberpfalz“ ein. Sie ist die schwere Brigade Süddeutschlands und ihre Soldatinnen und Soldaten üben auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr das, was ihr Auftrag ist – die Landes- und Bündnisverteidigung.

Ein Soldat auf der Schießbahn im liegenden Anschlag mit einem Sturmgewehr G95

Bei der Übung Reliable Lion in Grafenwöhr schießen die Soldatinnen und Soldaten wie hier mit ihren Handwaffen, aber auch mit Kampfpanzern Leopard

Bundeswehr/Mario Bähr

„Das Beherrschen der Waffensysteme und ihr treffsicherer Einsatz sind die Lebensversicherung unserer Soldaten“, bringt es ein Offizier auf den Punkt. Beides trainieren die Soldaten und Soldatinnen bei der Übung Reliable Lion (Zuverlässiger Löwe) zwei Wochen lang auf dem zweitgrößten Übungsplatz in Deutschland.

Die Brigade 12 ist Teil der Division 25. Das ist der gefechtsbereite Großverband, den das Deutsche Heer für die NATO-Landes- und Bündnisverteidigung bereithält. Sie ist kaltstartfähig, das bedeutet: Sie ist schnell einsatzbereit für die Abschreckung und Verteidigung. Bis zu 25.000 Soldatinnen und Soldaten umfasst die Division.

Bei Reliable Lion mit von der Partie ist auch das Panzergrenadierbataillon 122. Es war bis Januar 2026 der Panzerbrigade 12 unterstellt, gehört seitdem aber zur Panzerbrigade 45 in Litauen. An der Übung Reliable Lion beteiligen sich die Oberviechtacher Panzergrenadiere dennoch und nutzen die Möglichkeit zu üben.

Der Leopard – gewaltig – treffsicher – kampfstark

Ein Kampfpanzer Leopard auf der Schießbahn mit gewaltigem Mündungsblitz.

Im Feuerkampf müssen die Richtschützen zeigen, was sie in der Ausbildung gelernt haben. Die Ziele bekämpfen sie mit Zeitlimit.

Bundeswehr/Mario Bähr

Mehr als 60 Tonnen Panzerstahl, Platz für vier Soldaten, 1.500 Pferdestärken und eine gewaltige 120-Millimeter-Kanone kennzeichnen den Kampfpanzer Leopard. Diese Merkmale machen ihn zu einer der effektivsten Waffen des Heeres. „Doch das alles ist nichts, wenn die Besatzung die Technik nicht professionell und treffsicher einsetzt“, erklärt Unteroffizier Lukas M. Er hat alles über das Schießen mit dem Kampfpanzer gelernt und auch bereits mehrfach im Simulator geschossen. Jetzt auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr schießt er das erste Mal in realer Umgebung. Mit diesem ersten scharfen Schuss schließt er seine Richtschützenausbildung ab, die auch Aufgaben eines Ladeschützen beinhaltet.

Als Richtschütze bedient er die Bordkanone des Panzers. Er sitzt direkt vor dem Kommandanten. Der Richtschütze zielt und schießt. Er erkennt und identifiziert feindliche Ziele – entweder über das Beobachtungs- und Zielsystem oder durch einen direkten Blick in Gelände. Der Richtschütze muss Ziele klar benennen, etwa feindliche Infanterie oder Fahrzeuge. Er muss unterscheiden, ob sie stehen oder sich bewegen und diese Informationen dem Kommandanten melden. Dieser macht dann die taktischen Zielvorgaben. Zur Besatzung eines Leopard gehören auch der Ladeschütze, der für die Munitionsversorgung zuständig ist, und der Fahrer.

„Wir bauen das Schießen vom Leichten zum Schweren auf. Zuerst schießen die Panzer einzeln für sich. Es müssen stehende Ziele in unterschiedlichen Entfernungen getroffen werden, später auch Ziele in Bewegung und in der Nacht. Wir steigern uns stetig“, erläutert der Leitende auf der Schießbahn. Bei den Schießübungen steht die Besatzung unter Druck. Es bleibt nicht viel Zeit, die Ziele zu treffen. Braucht die Besatzung zu lange, wird die Übung wiederholt.

G95 – cooles Handling und treffsicher

Vom Kaliber her nicht so gewaltig aber ebenso treffsicher schießen die Panzergrenadiere mit dem neuen Standardsturmgewehr der Bundeswehr – dem G95. Liegend, kniend, stehend gehen die Grenadiere in den Anschlag, auch die Entfernungen wechseln, von 15 bis zu 200 Metern. Hauptmann Nico K. ist der Leitende auf der Schießbahn: „Nach der Auslieferung dieser Waffe haben wir die Ausbildung systematisch vorangetrieben. Jetzt absolvieren unsere Soldaten die ersten Schießübungen. Nur wer die grundlegenden Übungen erfüllt, darf das nächste Level schießen“, sagt er.

Ein Soldat lädt sein Sturmgewehr G95 im Stehen.

Das neue Sturmgewehr G95 wurde erst vergangenen Dezember an die Truppe ausgeliefert. Beim Schießen in Grafenwöhr erzielen die Grenadiere durchweg gute Schießergebnisse.

Bundeswehr/Mario Bähr

Den Grenadieren geht es gut von der Hand: „Viele kleine Neuerungen an der Waffe verbinden sich letztlich zu einem merklichen Fortschritt gegenüber dem G36“, betont ein erfahrener Oberstabsgefreiter. Das Gewicht sei sehr ausgewogen verteilt, was das Zielen auch unter Stress vereinfache. Die Trefferkreise der Schützen zeigen das. Nicht selten liegen bis zu 15 Schuss in einem handgroßen Kreis. Das neue Gewehr folgt bei der Konstruktion den bei Handwaffensystemen üblichen AR-15 Vorgaben. Dadurch kann das G95 sehr intuitiv bedient werden. Die Silhouette der Waffe ist sehr schmal, der Spannhebel liegt mittig oben auf und die Schulterstütze ist teleskopartig in der Länge einstellbar. Das alles verbessere das Handling, so der Panzergrenadier.

Eagle IV und Schützenpanzer Puma

Und wieder wechselt die Schießbahn und ein weiteres Waffensystem kommt zum Einsatz. Hauptgefreiter Ron W. schließt mit diesem Schießen seine Ausbildung als Waffenbediener der Fernbedienbaren Leichten Waffenstation 100 (FLW 100) ab. Sein Eagle IV, ein gepanzertes, geländegängiges Radfahrzeug, steht in Stellung und ist mit der FLW 100 und einem integrierten Maschinengewehr MG5 ausgestattet. Bevor der Sicherheitsoffizier grünes Licht zum Schießen gibt, erklärt Ron W.: „Die Waffenanlage ist auf dem Dach des Fahrzeuges montiert. Ich bediene sie aus dem Inneren des Fahrzeuges über ein Bedien- und Anzeigegerät. Wärmebildkamera, Kamera und Laserentfernungsmesser sind alles, was ich brauche. Auch habe ich einen Richtbereich von 360 Grad um das Fahrzeug. Mit dieser Technik kann ich sehr präzise schießen bei Tag und Nacht.“

Es geht los: Die Soldaten machen die Waffe klar zum Gefecht. Sie laden Munition nach und checken das Bediensystem. Wieder bauen die Übungen aufeinander auf: zuerst stehende Ziele, dann bewegte Ziele und schließlich auch das Schießen aus der Fahrt. „Auch das ist kein Problem. Die Waffenanlage ist stabilisiert und gleicht die Bewegungen des Fahrzeuges aus. Die Waffe bleibt treffsicher, wenn es sein muss auf bis zu 1.500 Metern“, beschreibt der Hauptgefreite.

Und schließlich stehen auch die Panzergrenadiere mit ihren Schützenpanzern Puma mächtig unter Druck. Gefechtsaufklärung heißt der Auftrag: Mit niedriger Drehzahl und ruhig laufendem Motor drücken sich die Panzer durch das Unterholz. Die Richtschützen steuern mit Anspannung die Waffentürme und beobachten die Umgebung. Treffen sie auf Feind, gewinnt der, der seine Waffe nicht nur bedienen kann, sondern sie wirklich beherrscht. Mit diesem Anspruch nutzen die Soldatinnen und Soldaten der Panzerbrigade 12 den Aufenthalt auf dem Truppenübungsplatz zur Vorbereitung auf ihren Auftrag.

Waffentraining bei der Übung Reliable Lion

von René Hinz

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