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Heer
Attraktiv und vielseitig

Drohnenbediener oder Scharfschütze? – auch in der Reserve möglich

Das Panzergrenadierbataillon 908 hat innerhalb weniger Jahre mehr als 60 Prozent seiner Sollstärke erreicht und wächst stetig weiter. Nun kamen über 120 Reservistinnen und Reservisten nach Drögeheide, um sich weiterzubilden. Denn auch die Ausbildungsbandbreite des engagierten Ergänzungstruppenteils wird immer facettenreicher.

Drei Soldaten liegen zwischen Bäumen mit Gewehr im Anschlag auf grünem Waldboden.

Die 2. Kompanie des Panzergrenadierbataillons 908 kämpft beim ersten Ausbildungswochenende des Jahres auch aus einem Stellungssystem heraus. Dies ist nur ein Abschnitt der vielseitigen Aus- und Weiterbildung für Reservistinnen und Reservisten.

Bundeswehr/Marco Linke

Es sind die ersten warmen Tage des Jahres. Donnerstagmittag, Anreisetag. In der Greifen-Kaserne in Drögeheide treffen die ersten Soldatinnen und Soldaten des Panzergrenadierbataillons 908 ein. Dieses besteht ausschließlich aus Reservisten und Reservistinnen. Sie kommen aus dem ganzen Bundesgebiet und haben teilweise etliche Hundert Kilometer zurückgelegt. Auch dieses Mal sind neben Altgedienten wieder viele Neue dabei. Es sind ehemalige Zeitsoldaten, aber auch Interessierte, die lange nichts mehr mit der Bundeswehr zu tun hatten. Andere kommen regelmäßig und das seit Jahren. An diesem ersten Ausbildungswochenende des Jahres üben die 1. und 2. Kompanie des Verbandes.

Start in die Ausbildung

Nachdem die nötigen Formalitäten der Einschleusung erledigt worden sind, beziehen die Soldatinnen und Soldaten ihre Stuben. Dann werden alle Teilnehmenden mit dem nahegelegenen Truppenübungsplatz Jägerbrück, auf dem die Trainings stattfinden werden, vertraut gemacht. Für die 1. Kompanie steht danach Waffen- und Geräteausbildung an der Pistole P8, dem Maschinengewehr MG5 und der Granatpistole auf dem Dienstplan. Der Aufklärungs- und Verbindungszug und die Fernmelder fahren ins Lager Gumnitz. Während Letztere sich für die Verteidigung einrichten, einen Alarmposten stellen und Streife laufen, macht sich der Aufklärungs- und Verbindungszug bereit, einen Spähtrupp auf Fahrzeugen loszuschicken.

Training der Instandsetzer

Ein Soldat sitzt in einem grünen Feldkran. Damit hebt er einen Pkw an.

Die Ausbildung hält Reservistinnen und Reservisten, wie beispielsweise den Bediener des Feldkrans, in Übung. Seit 2025 hat das Panzergrenadierbataillon 908 eine eigene Bergebereitschaft.

Bundeswehr/Marco Linke

Der Technische Zug der 1. Kompanie ist derweil in der Kürassier-Kaserne in Viereck aktiv. Hier wird die Instandsetzung von Fahrzeugen im Gefecht ausgebildet. Die Lehrwerkstatt Gefechtsschadeninstandsetzung sowie Material und Exponate der Technischen Schule des Heeres unterstützen dabei. Ziel ist, dass die Soldaten und Soldatinnen einen Einblick in die Instandsetzung von Fahrzeugen in vorderster Linie erhalten.

Mit Kaltmetallen, Elastomeren, also elastisch verformbaren Kunststoffen, und Vulkanisierungsflüssigkeiten werden benötigte Verbindungsstecker gegossen, die Triebwerksstütze eines Schützenpanzers Marder und ein durch Splitterwirkung beschädigter Autoreifen werden wieder einsatzbereit gemacht. Und aus einem Wasserkanister bauen die Reservisten einen Kühler für einen Lkw Unimog

Erste Drohnenbediener ausgebildet

Vor den Werkstatthallen reckt sich ein Feldkran in den Himmel. Ein „verunglückter“ Mercedes-Benz Wolf hängt am Haken und wird von der Straße gehoben. So wird der Bediener der verbandseigenen Bergebereitschaft in Übung gehalten. 

Schließlich geht es für die gesamte 1. Kompanie in den Schießsimulator für Handwaffen und Panzerabwehrhandwaffen. Es werden die Grundübungen mit der Pistole P8, dem Maschinengewehr MG5 und der Granatpistole geschossen. Außerdem wird an diesem Wochenende auch der erste einwöchige Drohnenbedienerlehrgang des Panzergrenadierbataillons 908 abgeschlossen. Die ersten vier Soldaten dürfen jetzt solche auch Unmanned Aerial Vehicles genannten Systeme bedienen.

Kampf um ein Stellungssystem

Die 2. Kompanie ist im Übungsraum H untergezogen. Nach einem Gefechtsmarsch haben Alpha-, Bravo- und Charlie-Zug ihre zugewiesenen Räume im Wald bezogen. Stellungen werden gebaut und gegen Aufklärung durch Drohnen getarnt. Markante Geländepunkte werden in der „Geländetaufe“ einheitlich benannt und Entfernungsspinnen erstellt. Das sind Skizzen auf Papier. Sie zeigen das Gelände rund um den eigenen Standort und erleichtern es beispielsweise, Beobachtungen eindeutig zu melden und Ziele zu bekämpfen.

Auch Waffen- und Geräteausbildung am Sturmgewehr G36, am MG5, der Panzerfaust 3 und der Granatpistole erfolgen. Während im Charlie-Zug die Neuen des Bataillons mit den Grundlagen im Waldkampf vertraut gemacht werden, bilden Alpha und Bravo Bewegungsarten, Feuerkampf aus Stellungen und den geleiteten Feuerkampf aus. Es folgt eine Lektion über Nachtsehmittel und Bodenleuchtkörper. Denn alle verbringen diese Nacht draußen.

Ein Soldat steht im Wald in einem Unterstand und zielt mit seinem Gewehr bei Nebel.

Der Alpha-Zug der 2. Kompanie des Panzergrenadierbataillons 908 ist in der Verteidigung des Stellungssystems gut ausgebildet. Für die „Bravos“ gibt es dieses Mal kein Durchkommen. Sie werfen Nebelgranaten und weichen aus.

Bundeswehr/Marco Linke
Ein Soldat kniet im Wald an einem Baum und schießt in Fotografenrichtung.

Bei der Übung in Drögeheide erlernen die Reservistinnen und Reservisten des Panzergrenadierbataillons 908 die Grundlagen des Waldkampfes

Bundeswehr/Marco Linke

Erfolg im zweiten Versuch

Am nächsten Morgen greift der Bravo-Zug ein Stellungssystem an, in dem sich die Soldatinnen und Soldaten des Alpha-Zuges verschanzt haben. In Schützenreihe gehen die Grenadiere gruppenweise vor. Bald werden sie im sonnendurchfluteten Wald durch vorgeschobene Beobachter aufgeklärt, die vor den eigenen Soldaten Stellung bezogen haben, um sie im Falle eines Angriffs zu alarmieren. Schnell sind die Verteidiger in ihren Stellungen. 

Gespannte Stille. Die Silhouetten der Angreifer werden sichtbar. Dann ertönt der Pfiff des Zugführers. Feuerüberfall! Bald zeichnet sich ab, dass es für den Bravo-Zug hier kein Durchkommen gibt. Seine Soldaten müssen jetzt Nebelgranaten einsetzen und wieder ausweichen. Künstlicher Nebel soll helfen, sich der Sicht des Feindes zu entziehen. Erst im nächsten Anlauf gelingt es den Bravos, das Stellungssystem zu erobern.

Weitere Übungen sind geplant

Erstmals ist auch der neu aufgestellte Scharfschützenzug bei einer Übung des Panzergrenadierbataillons 908 dabei. Die im Vorjahr ausgewählten Aspiranten erhalten diverse praktische Unterweisungen und verlegen dann ebenfalls in den kasernennahen Übungsraum. Auch sie erhalten eine fundierte Aus- und Weiterbildung in den Grundlagen des Waldkampfes zur Vorbereitung auf den bald anstehenden sechswöchigen Scharfschützenlehrgang.

Am Sonntagmittag endet das erste von vier aufeinander aufbauenden Ausbildungswochenenden des Panzergrenadierbataillons 908. Die Ausbilder sind zufrieden. Von Übung zu Übung wird sich der Ausbildungsstand erhöhen, ihre Arbeit Früchte tragen. Das Ziel: die zweiwöchige Übung des eigenen Großverbandes, der Panzergrenadierbrigade 41, im September. Die ersten Schritte dorthin sind getan.

Ausbildung im Panzergrenadierbataillon 908

von Marco Linke

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