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Reservist bei den Pionieren: Der Wille zählt

Reservist bei den Pionieren: Der Wille zählt

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Datum:
Ort:
Minden
Lesedauer:
5 MIN

Die 4. Kompanie des Panzerpionierbataillons 130 ist ein Ergänzungstruppenteil. Er hält Reservistinnen und Reservisten nicht nur in Übung, sondern befähigt sie zum Dienst im vielfältigen Pionierwesen. Allerdings sollten Reservisten eine bestimmte Einstellung unbedingt mitbringen, wenn sie bei den Pionieren in Minden beordert sein wollen.

Eine Amphibie M3 fährt in Norwegen in einen Fluss ein.

Reservisten am Standort Minden arbeiten NATONorth Atlantic Treaty Organization-weit mit einzigartiger Technik: der Schwimmschnellbrücke Amphibie M3.

Bundeswehr/Marco Dorow


Trotz Brexit, die Brücken der Bundeswehr zu den britischen Streitkräften werden nicht abbrechen. Vor gut zwei Jahren besuchte der britische Verteidigungsminister zusammen mit seiner damaligen deutschen Amtskollegin Ursula von der Leyen das Panzerpionierbataillon 130 in Minden. Dabei schauten sie zu, wie deutsche und britische Pioniere mit der Amphibie M3 eine Schwimmbrücke über die Weser bauten.

Gemeinsam Geschichte schreiben

Auf einem Fluss treibt eine Fähre, die aus acht Schwimmschnellbrücken zusammengesetzt ist.

Die deutsch-britische Kooperation in Minden ist in der NATONorth Atlantic Treaty Organization einzigartig.

Bundeswehr/Marc Tessensohn

Die Bundeswehr und die britischen Streitkräfte nutzen die Schwimmschnellbrücke Amphibie M3 als einzige Nationen innerhalb der NATONorth Atlantic Treaty Organization. Mit dem seit 2014 in Minden stationierten 23. Amphibischen Pionierzug der Briten ist eine noch engere Kooperation geplant. Zusammen mit dem Panzerpionierbataillon 130 soll bis 2023 ein Pionierverband aufgestellt werden, in dem deutsche und britische Soldaten zusammenarbeiten. Um in Zukunft die aktiven Kräfte des Panzerpionierbataillons aus Minden für diesen Aufbau zu unterstützen, spielt die 4. Kompanie des Panzerpionierbataillons schon heute eine wichtige Rolle.

„Unser Auftrag ist es, die Reservisten zu befähigen, dass sie Eins-zu-eins-Ersatz für die aktive Truppe sein können“, sagt Major Carsten Becker, Chef der 4. Kompanie. Eine Aufgabe sei es, die Einsatzbereitschaft der aktiven Truppe mit bereits ausgebildetem Einzelpersonal zu verstärken. Dazu muss der Ergänzungstruppenteil Soldaten für die Bereiche Pionierunterstützung, Maschinenunterstützung und Kampfmittelabwehr zur Verfügung haben. Das heißt, wenn aktive Kräfte für den Dienst im Bataillon fehlen, weil sie durch Aufgaben in der Landes- und Bündnisverteidigung, bei Auslandseinsätzen oder in der Amts- und Katastrophenhilfe, wie jetzt während der Corona-Pandemie, gebunden sind, können Reservistendienstleistende einspringen.

Trotz Covid-19 im Verbund geübt

Soldaten springen aus einem angelandeten Schlauchboot und gehen in den Angriff über.

Schlauchbootführer sind bei einem Angriff vorn mit dabei. Sie setzen bei einem Gefecht die Grenadiere über.

Bundeswehr/Mario Bähr

„Unsere Reservisten, die bei uns beordert sind, erfüllen zu 90 Prozent die Anforderungen der zu besetzenden Pionier-Dienstposten“, sagt Becker. Er fügt hinzu, dass für diejenigen Reservisten, die noch nicht so weit sind, entsprechende Lehrgänge an der Pionierschule vorgesehen sind. Darüber hinaus finden regelmäßig Truppenübungen statt, wie der allgemeine Gefechtsdienst und ein G36-Schießen im vergangenen Jahr. Zuletzt trafen sich 25 Soldaten der 4. Kompanie zu einer Truppenübung im Mai 2020, natürlich aufgrund der Coronalage unter strikter Einhaltung der Auflagen. Trotzdem sei es möglich gewesen, im Verbund zu üben, so der Chef. Im Herbst sei eine weitere Ausbildung geplant. Ziel ist die Erlangung eines Betriebsberechtigungsscheins für das Schlauchboot.

Die Soldaten sind grundsätzlich dazu befähigt, Aufgaben der allgemeinen Pionierunterstützung wahrzunehmen. Das bedeutet unter anderem, dass sie in der Lage sein müssen, Baumaßnahmen an Straßen, logistischen Einrichtungen oder bei Schutzbauten zu realisieren. Auch der Einsatz von geschützten und gepanzerten Fahrzeugen muss trainiert werden. „Die Pioniertruppe und die Ausbildung bei den Pionieren ist sehr vielfältig. Wir haben bei uns zum Beispiel Baumaschinenführer. Das Schöne bei diesen Soldaten ist, dass sie bei uns genau das machen, was sie auch im Zivilberuflichen machen. So können wir uns sehr gut ergänzen. Wir stecken unsere Reservisten zur aktiven Truppe, um gemeinsam Ausbildung zu betreiben“, erläutert Becker.

Guter Draht zu den aktiven Kompanien

Mit seinem Baggerarm gräbt ein Pionierpanzer Dachs eine Stellung für einen Kampfpanzer.

Reservepioniere sind technische Spezialisten. Für besondere Aufgaben verfügen sie über besondere Technik.

Bundeswehr/Marco Dorow

Die Zusammenarbeit mit den aktiven Kompanien des Panzerpionierbataillons funktioniert sehr gut. Auf die ist die 4. Kompanie auch angewiesen. „Es ist so, dass wir als Ergänzungstruppenteil kein eigenes Material und Gerät haben. Aber wir können Material, das wir brauchen, in den einzelnen Kompanien abgreifen, über entsprechende Anforderungsanträge, wie es sich in der Truppe gehört“, erläutert Stabsunteroffizier Jens Steinmetz. Probleme gibt es nach seiner Aussage dabei nicht. Die 4. Kompanie sei im Standort bekannt und genieße die volle Rückendeckung des Kommandeurs und seines Stellvertreters. Von Vorteil ist, dass Reservisten, die dauerhaft in den Kompanien Reservedienst leisten, gut als Ansprechpartner dienen. Sie halten Draht zur Kompanie und ermöglichen kurze Wege in die aktive Truppe.

Die 4. hat eine Sollstärke von 146 Soldaten. „Wir sind bei einer Besetzung von 80 Soldaten. Das heißt, wir haben immer noch offene Stellen“, sagt Kompaniechef Becker. Gesucht werden Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaftssoldaten. Allerdings sollten die Reservisten eine Pionierausbildung oder eine Pioniermaschinenausbildung vorweisen können.

Das Pionierwesen bietet ein breites Spektrum an Berufen an, die infrage kommen: Baumaschinenführer, Maurer, Tischler, Dachdecker, Zimmerleute, Gas-Wasserinstallateure oder Ingenieure. Unabhängig davon weist Becker auf eine Eigenschaft hin, die ihm noch viel mehr bedeutet: „Uns ist wichtig, dass der Reservist den Willen und die notwendige Zeit mitbringt, hier zu üben. Ich sage es ganz ehrlich: Wir brauchen keine Menschen auf dem Papier, sondern Soldaten hier vor Ort.“

Pioniere sind in Minden fest verankert

Auf Schwimmschnellbrücken werden gefüllte Sandsäcke über eine überflutete Fläche transportiert.

Gerade bei Katastropheneinsätzen schlägt die Stunde der Pioniere und ihrer Reservisten.

Bundeswehr/Marcus Rott

Was den Pionierdienst in der 4. Kompanie darüber hinaus attraktiv mache, sei außerdem die Anbindung an den Standort Minden. „Man merkt, dass die Bundeswehr ein fester Bestandteil der Gesellschaft in Minden und seit 60 Jahren in der Bevölkerung eingebunden ist“, so Becker. Das zeigt sich zum Beispiel an der Patenschaft zum Mindener Bürgerbataillon. Aktive Soldaten, Reservisten sowie Vertreter aus Politik und Wirtschaft finden so zusammen.

Der Draht zur Gesellschaft und damit zu potenziellen Reservisten ist wichtig. Denn eine der größten Aufgaben für die kommenden Monate ist die Besetzung der noch offenen Stellen in der 4. Kompanie des Panzerpionierbataillons 130. Ziel sei es, mit den Soldaten der Kompanie in Zugstärke üben zu können. „Wenn wir es schaffen, einen kompletten Zug üben zu lassen, können wir den auch später bei Übungen der aktiven Truppe mit zuschlagen“, sagt Kompaniechef Becker.

Bei Interesse an einer Beorderung bei der 4. Kompanie des Panzerpionierbataillons 130 schreiben Sie an PzPiBtl130s1ResAngel@Bundeswehr.org oder nehmen Kontakt auf unter der Telefonnummer +49 571 3985 311. Weitere Informationen zu Beorderungsmöglichkeiten im Heer gibt es unter Reservisten im Heer auf www.bundeswehr.de.


von Benjamin Vorhölter

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