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Reservisten trainieren: Auf Eiswegen hoch ins Gebirge

Reservisten trainieren: Auf Eiswegen hoch ins Gebirge

  • Reserve
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Datum:
Ort:
Bad Reichenhall
Lesedauer:
4 MIN

Gebirgsjäger müssen fit, robust und gut ausgebildet sein – das gilt auch für die Reservistendienstleistenden. Soldaten der 6. Kompanie des Gebirgsjägerbataillons 231 haben ihr Können am Berg mit Waffen, Seilen und Gepäck trainiert und vertieft.

Ein Soldat steht angeleint an einer Felswand. Weiter oben klettert auf dem Gestein ein Soldat am Seil nach unten.

Abseilübungen an der Käserwand: Obergefreiter Peter Müller sichert einen Kameraden.

Bundeswehr/Christian Karl Bauer

Mehrere Reservistendienstleistende der nicht-aktiven Kompanie des Gebirgsjägerbataillons 231 üben Ende November im Wendelsteingebirge, um ihre militärischen und gebirgsspezifischen Fähigkeiten zu erhalten. Nach den ersten Maßnahmen – Einschleusung, Einkleidung, Termin beim Truppenarzt – verlegen die Reservisten unter der Führung von Kompaniechef Major Sascha Soyk von der Bad Reichenhaller Hochstaufen-Kaserne in Richtung Brannenburg. Bevor die Soldaten ihren Marsch zur Soinhütte antreten, werden Material und Lebensmittel in die Materialseilbahn verladen. Oben auf der Hütte angekommen, beziehen die Soldaten die Hütte, bereiten ihr Marschgepäck vor und stärken sich.

Waffenausbildung am MG5

Mehrere Soldaten sitzen an einem Tisch. Darauf steht auf einem Zweibein ein Maschinengewehr, das ein Soldat auseinandernimmt.

Oberfeldwebel Oliver Hano erläutert den Reservistendienstleistenden den Aufbau eines Maschinengewehrs MG 5.

Bundeswehr/Christian Karl Bauer

Der nächste Tag beginnt mit einer Übung an der Maschinenpistole MP7 und am Maschinengewehr MG5. Oberfeldwebel Oliver Hano von der 2. Kompanie, ein aktiver Soldat, erklärt den Reservisten die Handhabung dieser Waffen. Vor allem das Maschinengewehr wird penibel in Augenschein genommen, zumal die meisten Reservistendienstleistenden noch am Vorgängermodell MG3 ausgebildet worden sind. Der Waffenausbildung folgt am Abend noch die Ausbildung in „Knoten und Bunde“, die für das Klettern im Gebirge notwendig sind. Hauptfeldwebel Michael Schmidt, Heeresbergführer und selbst Reservistendienstleistender, zeigt verschiedene Knoten, die Soldaten vollziehen sie praktisch nach. Ankerstich, Mastwurf und Sackstich sind alte Bekannte. Zusätzlich bereiten die Teilnehmenden ihre persönliche Kletterausstattung vor, damit alles für die Abseilausbildung am folgenden Tag passt.

Einmalige Aussicht als Lohn

Von einem Berghang mit verdorrtem Gras rennen fünf Gämsen hinab.

Unterwegs treffen die Soldaten häufig auf Gämsen, die durch die eindrucksvolle Landschaft ziehen.

Bundeswehr/Christian Karl Bauer

Am zweiten Tag erwartet die Soldaten ein Eingewöhnungsbergmarsch. Um 8 Uhr marschieren die Teilnehmenden von der Soinhütte los – zum Gipfel des Wildalpjoch auf 1.720 Meter Höhe. Nachdem der erste Gipfel erreicht ist, geht es weiter zur Käserwand. Schmidt absolviert mit allen eine Abseilübung, die sie souverän bewältigen. Der weitere Marsch Richtung Mitteralm verläuft über verschneite und vereiste Wege. Trittsicherheit ist gefragt. Das Besondere ist eine Inversionswetterlage: Über 1.300 Höhenmeter ist der Himmel klar und sonnig, darunter nebelig und feucht. An der Mitteralm (1.200 Höhenmeter) legen die Gebirgssoldaten eine Verpflegungspause. Marschtempo und ständiges Auf und Ab verlangen den Teilnehmenden körperlich einiges ab. Nach der Pause geht es weiter bergauf in Richtung Westen zur Haidwand und anschließend zum Wendelsteinhaus (1.724 Höhenmeter). 17 Kilometer bergiges Gelände liegen hinter den Soldaten, oben erwartet sie eine einmalige Aussicht. Ein riesiges Wolkenmeer umgibt den Wendelstein und vereinzelt blicken die Gipfel kleinerer Berge wie Inseln hervor. Oberstleutnant Christopher Schramm, der als Reservistendienstleistender den stellvertretenden Kommandeur vertritt, und Hauptfeldwebel Desirée Sandow, verantwortlich für die Personalbetreuung der Reserve, erwarten die Marschierer am Wendelsteinhaus. Denn es gibt einen erfreulichen Grund: Der Hauptgefreite Laurence Jost wird vor abendlicher Kulisse zum Stabsgefreiten befördert.

„Die Erwartungen an Durchhaltevermögen, Leistungsbereitschaft und Disziplin wurden von den Kameraden vollumfänglich erfüllt. Es hat richtig viel Spaß gemacht,“ resümiert Hauptfeldwebel Schmidt. Die Reservistendienstleistenden der 6. Kompanie des Gebirgsjägerbataillons 231 sind sich nach Ankunft in der Hochstaufen-Kaserne einig: Sie werden wiederkommen.

Rückkehr zur Truppe

Ein Soldat mit Rucksack steigt zwischen niedrigen Tannen einen verschneiten Weg hinauf, ein Soldat folgt ihm.

Bergmarsch über vereiste Wege: Reservistendienstleistender Obergefreiter Thomas Fellner ist im zivilen Leben Industriemeister und knüpfte während der Corona-Amtshilfe wieder Kontakt zum Gebirgsjägerbataillon 231.

Bundeswehr/Christian Karl Bauer

Als Teilnehmer waren unter anderem die Obergefreiten Peter Müller und Thomas Fellner dabei. Müller, im Zivilleben Sport- und Englischlehrer und aktiver Kletterer, erlebte seine Grundwehrdienstzeit als Panzergrenadier in Ahlen. Lange Zeit hatte er nach seinem Wehrdienst keine Berührung zur Truppe mehr. Über einen Bekannten, der aktiver Soldat bei den „Reichenhaller Jagern“ ist, erfuhr Müller, dass Reservistendienstleistende für den eigenen Ergänzungstruppenteil gesucht werden. „Und so habe ich Verbindung zu Major Soyk aufgenommen“, erklärt Müller. Für den Obergefreiten Fellner ist die 6. Kompanie nicht ganz unbekannt. 2011 war er bereits in dieser Einheit. Der Industriemeister fand seinen Weg zurück zur Truppe im Zuge der Corona-Amtshilfe. Auch hier waren es kameradschaftliche Kontakte, die den 31-Jährigen zu den Gebirgsjägern zurückführten. Beide Reservisten eint, dass sie für die Bundeswehr brennen und sich regelmäßig in die Streitkräfte einbringen wollen. Beide haben einen Antrag auf Übernahme in die Laufbahn der Reserve-Feldwebel gestellt. Kameradschaft und Motivation sind ihnen wichtig und in der 6. Kompanie des Gebirgsjägerbataillons 231 haben sie diese gefunden.

Reservisten gesucht

Oberstleutnant Sebastian Gömbi, stellvertretender Bataillonskommandeur und Beauftragter für Reservistendienstleistende, erklärt, wie der weitere Weg des nicht-aktiven Bataillons geplant ist: „Ziel ist es, den Schwung ausscheidender Soldaten in die Grundbeorderung zu nutzen, die 6. Kompanie mit einem neuen Führungsteam so aufzustellen, dass mittelfristig der Einsatz von Kräften für die Sicherung des Bataillonsgefechtsstands möglich ist.“ Bis Ende 2023 soll die Stärke des Ergänzungstruppenteils mindestens einen Zug umfassen.

von Christian Karl Bauer

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