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Goodbye Huey, hello H145

Goodbye Huey, hello H145

  • SAR
  • Heer
Datum:
Ort:
Niederstetten
Lesedauer:
4 MIN

Wehmut und Freude zugleich herrschten am vergangenen Montag beim Transporthubschrauberregiment 30 in Niederstetten. Das weinende Auge sah der nun endgültigen scheidenden „Huey“ Bell UH-1D nach, das lachende freute sich über den H145 LUH SARSearch and Rescue, einen hochmodernen Helikopter für den Such- und Rettungsdienst.

Ein moderner Hubschrauber fliegend, oliv und orange lackiert. Auf der Tür steht in Weiß SAR für Search and Rescue.

Der neue Hubschrauber, der H145 LUH SARSearch and Rescue, des Such- und Rettungsdienstes des Heeres

Bundeswehr/Guido Ritter

Der Such- und Rettungsdienst (Search and Rescue, SARSearch and Rescue) der Bundeswehr hat eine genauso lange Geschichte wie die Armee selbst. Zunächst nur geplant als militärischer SARSearch and Rescue zur Suche und Rettung vermisster oder verunglückter Luftfahrzeugbesatzungen, stellte sich schon um 1960 heraus, dass die zivilen Kapazitäten für die Aufgabenwahrnehmung außerhalb der Bundeswehr nicht ausreichend waren. Eine Vereinbarung zwischen dem damaligen Bundesministerium für Verkehr und dem Verteidigungsministerium öffnete dann den Weg, die Fähigkeiten des Militärs in die zivile Kette einzugliedern.

Seit mehr als 60 Jahren leisten Piloten, Rettungsmeister, Techniker und SARSearch and Rescue-Leitstellen der Bundeswehr im militärischen und zivilen Raum einen nicht wegzudenkenden Beitrag zur Rettung vermisster oder verunglückter Menschen. Den Auftrag SARSearch and Rescue See führt die Marine über die Leitstelle Glücksburg durch, der Bereich SARSearch and Rescue Land liegt in der Verantwortung des Heeres und wird aus der Leitstelle Münster geleitet. Dieser Dienst ist anspruchsvoll und fordert höchstes Verantwortungsgefühl. Rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr sind die Kräfte bereit, binnen kürzester Zeit Menschenleben zu retten.

Auch die Leitstelle wurde modernisiert

Aus einer Halle heraus sieht man zwei der alten Rettungshubschrauber in verschiedenen Farben auf dem Rollfeld stehen.

Die Huey in zwei Gewändern – eine ist bunt und eine in oliv-orange lackiert.

Bundeswehr/Guido Ritter

Das Herz der Alarmierung im Heer ist die SARSearch and Rescue Leitstelle in Münster. Ab 2018 haben Heer und Marine ihre Leitstellen deutlich modernisiert und miteinander verknüpft, sodass beide Stellen jetzt ein gesamtes Lagebild haben und bei Ausfall der jeweils anderen, nicht nur in ihrem eigenen, sondern auch in deren Bereich alle weiteren Schritte einleiten und überwachen können. Diese Redundanz schafft eine deutlich erhöhte Reaktionsschnelligkeit und Sicherheit. Datensicherung und Sprachaufzeichnung sowie Teile des Führungsprozesses SARSearch and Rescue sind sogar im System automatisiert.

Wie gelangen Notrufe überhaupt zur Leitstelle? Üblich sind im Luftverkehr Geräte, die im Unglücksfall selbsttätig Notsignale aussenden, die alle nötigen Informationen beinhalten. Auch über die Luftraumüberwachung werden Notrufe abgesetzt. Im Bereich der Rettungsfliegerei und des Krankentransports melden sich zivile Rettungsleitstellen, um beispielsweise Hilfe bei schweren Verkehrsunfällen anzufordern. Hier und beim Krankentransport gilt übrigens das Prinzip der Subsidiarität. Das heißt, die Bundeswehr darf nur tätig werden, wenn kein ziviler Rettungsdienst den Auftrag übernehmen kann, um hier keine Konkurrenz zu Unternehmen zu schaffen. Letztlich kann also auch der Notruf eines Bürgers per Telefon am Ende die Alarmierung der SARSearch and Rescue-Kräfte der Bundeswehr zur Folge haben.

Besonderer Geist unter den Rettungsfliegern

Der neue Rettungshubschrauber steht am Boden, davor drei hohe Offiziere.

Vizeadmiral Carsten Stawitzki (l.), Oberst Peter Göhringer und Generalleutnant Alfons Mais (r.) nehmen an der Übergabe des neuen Rettungshubschraubers an das Heer teil.

Bundeswehr/Guido Ritter

Die Hubschrauber und Besatzungen des SARSearch and Rescue Land kommen ausnahmslos vom Transporthubschrauberregiment 30 des Heeres in Niederstetten. Mit seiner 7. Staffel besetzt das Regiment die Einsatzgruppe in Niederstetten, das SARSearch and Rescue Kommando Nörvenich und jenes in Holzdorf. Die Angehörigen dieser Einheit sind durch einen besonderen Geist verbunden. Schichtdienst, komplexe und riskante Einsätze, ständige volle Einsatzbereitschaft und die Verantwortung für die Rettung von Menschenleben stehen im Lastenheft jeden Tages.

Bei der Übergabe des neuen Hubschraubers in Niederstetten war dieser Geist überall zu spüren. Vor blauem Himmel und Schäfchenwolken reihten die „30er“ ihr Hauptwaffensystem NHNATO-Helicopter-90 mit acht Maschinen als optischen Rahmen für die Hauptdarsteller des Tages auf. Die scheidende Huey zeigte sich sowohl in ihrem Kleid als SARSearch and Rescue-Hubschrauber als auch im bunten Design ihrer Abschiedstour durch Deutschland. Der LUH SARSearch and Rescue stellte sich im „Arbeitsanzug“ vor: leuchtendes Orange vor olivfarbenem Hintergrund.

Lob für die schnelle Beschaffung

Das Innere des Hubschraubers: eine Liege für Patienten, medizinische Instrumente und ein Sitz für den Sanitäter.

Der Hubschrauber H145 ist für die Patienten mit modernster medizinischer Technik ausgestattet.

Bundeswehr/Guido Ritter

Das Innenleben des H145 in der Variante SARSearch and Rescue ist auf neuestem technischen Stand: leistungsstarke Triebwerke, Autopilot zur Unterstützung bei allen Sichtbedingungen, Wärmebildkamera, Suchscheinwerfer und weitere Ortungssenorik, die mit zivilen, behördlichen und militärischen Notfunkgeräten verbunden sind. Die Funkverbindungen ermöglichen reibungslose Kommunikation mit zivilen und militärischen Stellen, sowie der Leitstelle, mit den SARSearch and Rescue-Kommandos und den Hubschraubern.

Dass die sieben bestellten hochmodernen Hubschrauber verzugslos von Dezember 2019 bis Ende Mai 2020 ausgeliefert werden konnten, war nach einhelliger Meinung des Leiters der Abteilung Beschaffung im Ministerium, Vizeadmiral Carsten Stawitzki, des Inspekteurs des Heeres, Generalleutnant Alfons Mais und des Kommandeurs in Niederstetten, Oberst Peter Göhringer, ein Meilenstein der Zusammenarbeit zwischen Bundeswehr und Industrie. „So könnte jeder Montag anfangen: Strahlendes Wetter und ein erfolgreich abgeschlossenes Projekt“, sagte der Vizeadmiral launig in seiner Rede.

Übergaberunde mit Applaus

Der alte Hubschrauber fliegend. In der geöffneten Tür kniet ein Soldat mit Fliegerhelm und grüßt militärisch.

Machs gut, Lady Huey!

Bundeswehr/Guido Ritter

Alle Redner hielten ihre Beiträge kurz. Es war ihnen anzumerken, dass sie sich selbst und die Gäste nicht länger auf die Folter spannen wollten, den „Neuen“ kennenzulernen. Draußen zeigten die Niederstettener dann, was der LUH SARSearch and Rescue kann. Ein havariertes Flugzeugwrack, Einsatzkräfte der Feuerwehr, ein Verletzter muss rasch geborgen und in ein Krankenhaus transportiert werden. Per Seilwinde setzt die SARSearch and Rescue-Besatzung einen Luftrettungsmeister ab, der den Verletzten dann – ebenfalls per Seilwinde – in den Hubschrauber bringt. Ein Brand wird per Löschwasser-Außenlastbehälter bekämpft, eine Außenlast transportiert und abgesetzt. So könnte dringend benötigtes Gerät für Rettungskräfte an den Einsatzort gelangen.
Und zum Schluss fliegen eine Huey und ein LUH eine kleine Übergaberunde: Die Lady Bell zeigt sich noch einmal. Ein LUH gesellt sich dazu, landet, um symbolisch seinen Platz einzunehmen. Dann verabschiedet sich die Huey, der Luftrettungsmeister grüßt in der Tür und die Zuschauer spenden laut und lange Applaus für das alte Arbeitstier, das 52 Jahre lang treu seinen Dienst geleistet hat.

von Gregor Weber

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