Erfolgsmodell künftig auch im Inland
Zur Sicherstellung der Landes- und Bündnisverteidigung bedarf es auch der schnellen Bereitstellung von Unterbringungsmöglichkeiten.
Die Zeit drängt: Bis September 2026 müssen 8.500 Unterkünfte für Soldatinnen und Soldaten bezugsfertig sein.
Mehr Personal braucht mehr Infrastruktur. Um den Personalaufwuchs für den Neuen Wehrdienst zu ermöglichen, hat die Bundeswehr das Sofortprogramm Infrastrukturbedarf Personalgewinnungsorganisation (SIPGO) aufgelegt. Damit gelingt es dem Organisationsbereich IUD, die benötigte Infrastruktur für die Rekrutinnen und Rekruten zeitgerecht bereitzustellen.
SIPGO steht für Sofortprogramm Infrastrukturbedarf Personalgewinnungsorganisation. „Sofortprogramm“, denn durch den Neuen Wehrdienst wird die Bundeswehr schon bald mehr Soldatinnen und Soldaten haben als jetzt. Die brauchen Unterkünfte, Ausbildungsräume und weitere Funktionsflächen und das schnell. Da konventionelle Bauvorhaben mehrere Jahre dauern, hat das für die Infrastruktur der Bundeswehr zuständige Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr (BAIUDBw) neue Wege beschritten.
In einem ersten Schritt wurde deshalb etwas auf Deutschland angepasst, das sich schon in den Auslandseinsätzen der Bundeswehr bewährt hat: Unterkunfts- und Funktionsgebäude in Modulbauweise auf Grundlage der Rahmenvertragslösung German Armed Forces – Contractor Augmentation Program (G-CAP). Solche Gebäude sollen jetzt im Zuge des Programms G-CAP Inland Stufe 1 auch in Bundeswehrkasernen in Deutschland entstehen. Die ersten Gebäude werden ab Mitte 2027 verfügbar sein.
Doch für den ambitionierten Zeitplan zur Umsetzung des Neuen Wehrdienstes ist das noch immer nicht schnell genug. Deshalb überbrückt SIPGO mit temporärer Infrastruktur die Zeit, bis die ersten Gebäude aus dem Programm G-CAP Inland Stufe 1 fertig sind.
Die Rahmenbedingungen stehen fest: Die Truppe benötigt mehr als 8.500 zusätzliche Unterkünfte, die ab dem 1. September 2026 bezugsbereit sein müssen. Ein enormer Bedarf in einem sehr engen Zeitfenster, der nur mit neuen standardisierten und vereinfachten Lösungen umgesetzt werden kann. Statt aufwendiger Neubauten entstehen containerbasierte Unterkunftsanlagen mit funktionaler Ausstattung. Die Unterkünfte sind für eine Zweifachbelegung mit Doppelstockbetten ausgelegt und werden innerhalb bestehender Liegenschaften, vorzugsweise auf bereits befestigten Flächen, errichtet. Ergänzt werden sie durch Sanitärmodule, Funktionsflächen und weitere temporäre Infrastruktur.
Insgesamt werden rund 4.800 Container in 32 Liegenschaften an 31 Standorten in ganz Deutschland errichtet.
Die Gesamtkoordination des Programms obliegt dem zivilen Organisationsbereich der Bundeswehr Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen (IUD). Um die gesetzten Termine einzuhalten, wurden bundesweit sechs regionale Cluster gebildet. Die zuständige bayerische Bauverwaltung hat entsprechende Rahmenverträge für SIPGO ausgeschrieben. Die Unternehmen, die die Ausschreibung gewonnen haben, wurden umgehend beauftragt, die containerbasierten Unterkünfte parallel an den verschiedenen Standorten zu errichten.
Bereits vor Vertragsschluss haben die Betreiber der Liegenschaften, die Bundeswehr-Dienstleistungszentren (BwDLZ), in den jeweiligen Liegenschaften damit begonnen, die Baufelder vorzubereiten. Dazu gehören Erdarbeiten, die Erschließung der Flächen und die Anschlüsse an Versorgungsnetze. Erst nach Abschluss dieser Vorarbeiten beginnt der Aufbau der modularen Gebäude.
In der Westfalen-Kaserne in Ahlen wurden die Versorgungsanschlüsse, etwa die Stromversorgung vom BwDLZ Münster selbst organisiert
Bundeswehr/Tobias Edelmann
Schotterung und Verfestigung der Baufläche in Ahlen
Bundeswehr/Tobias Edelmann
Nach der Anlieferung werden die Container auf dem Baufeld platziert
Bundeswehr/Marcus Rott
In der Westfalen-Kaserne in Ahlen werden zwei Gebäude errichtet
Bundeswehr/Torsten Hemmersbach
In der Gäubodenkaserne in Feldkirchen wird das Baufeld eingeschalt und dann mit Flüssigbeton verfüllt. Das so geschaffene Streifenfundament trägt die Hauptlast der Container.
Bundeswehr/Hans-Peter Gueter
Auf dem Baufeld in der Gäubodenkaserne in Feldkirchen werden die ersten Container aufgesetzt. Hier entstehen vier zweistöckige Containerriegel für circa 400 Rekrutinnen und Rekruten.
Bundeswehr/Hans-Peter Gueter
In der Eifelkaserne in Gerolstein wurde mit Betonfertigteilen das Fundament für die Container geschaffen und die Ver- und Entsorgungsleitungen montiert
Bundeswehr/Stefan Heinzenburger
Fast fertig: Das erste Gebäude ist errichtet. Es erhält noch ein Dach. Mit dem Fundament wurden große Höhenunterschiede im Gelände ausgeglichen.
Bundeswehr/Stefan HeinzenburgerIm August 2026 beginnt die Möblierung. Auch hierfür hat das BAIUDBw zusätzliche Rahmenverträge geschlossen. Die Lieferung der Möbel erfolgt direkt in die Liegenschaften, sodass die Unterkunftsgebäude rechtzeitig zum Dienstantritt der neuen Rekrutinnen und Rekruten vollständig eingerichtet sind.
SIPGO ist mehr als ein Bauprogramm. SIPGO schafft die infrastrukturellen Voraussetzungen dafür, dass die Bundeswehr den Personalaufwuchs und den Neuen Wehrdienst planmäßig umsetzen kann. Während langfristige Infrastrukturprogramme die dauerhafte Entwicklung der Standorte sichern, schließt SIPGO die zeitkritische Lücke und stellt die benötigten Unterkünfte dort bereit, wo sie kurzfristig gebraucht werden.