Luftwaffe

A400M besteht Test als mobile Tankstelle für Hubschrauber

A400M besteht Test als mobile Tankstelle für Hubschrauber

  • Technik
  • Luftwaffe
Datum:
Ort:
Wunstorf
Lesedauer:
3 MIN

Ende März wurde eine mögliche Ergänzung der Fähigkeiten des A400M erfolgreich getestet – die Nutzung als Forward Area Refueling Point.

An einen NH90 führt ein Tankschlauch. Dahinter rollt ein A400M vorbei

Auf dem Fliegerhorst Wunstorf testete die TTVGTaktisch-Technische Versuchsgruppe des LTGLufttransportgeschwader 62 den A400M als Bodenbetankungsanlage für Hubschrauber

Bundeswehr/Simon Otte


Seit Mitte 2019 wird der A400M zur Betankung von Kampfflugzeugen in der Luft eingesetzt. Eine Fähigkeit, die neben der Luftwaffe auch die internationalen Bündnispartner, zum Beispiel im Auslandseinsatz Counter Daesh, oder bei Übungen nutzen. Schon fast 2.000 Flugstunden als „Fliegende Tankstelle“ haben die A400M des Lufttransportgeschwaders 62 (LTG62) und deren Besatzungen im Luftraum über Syrien und dem Irak geleistet. Eine ergänzende Fähigkeit wäre das Betreiben eines Forward Area Refueling Points (FARP), das Betanken von Hubschraubern am Boden direkt aus einem A400M.

Diese Fähigkeit wurde im März 2021 durch die Gruppe zur Weiterentwicklung von Technik, Taktik und Verfahren (TTVGTaktisch-Technische Versuchsgruppe) des LTGLufttransportgeschwader 62 erfolgreich getestet und könnte in Zukunft das Fähigkeitsspektrum des A400M erweitern.

Weltweit nutzbare Tankstelle

Einer der Vorteile von Hubschraubern ist, dass sie nahezu überall landen können. Dies ermöglicht Einsätze auch in unzugänglichem Gebiet. Jedoch ist die Reichweite geringer und nicht überall gibt es die passende Infrastruktur zum Auftanken. Gerade auf Behelfsflugplätzen stehen eher selten Tankwagen oder ähnliches zur Verfügung. Hier kommt der A400M ins Spiel. Durch die Fähigkeit der Landung auf unbefestigten Pisten (UPR) sowie seines Tankvolumens von circa 60.000 Litern könnte er als „mobile fliegende Bodenbetankungsanlage“ weltweit eingesetzt werden. Fehlende Infrastruktur und Tankwagen werden dabei durch den A400M ersetzt und die Hubschrauber können ihre Einsätze effektiver durchführen.

Vor einem A400M steht ein H145M LUH SOF. Beide sind mit einem Tankschlauch verbunden

So könnte es aussehen, wenn ein A400M als Forward Area Refueling Point (FARP) genutzt wird

Bundeswehr/Simon Otte

Intensive Vorarbeit erforderlich

Wie bei allen Fähigkeiten stehen vor der Nutzung im Einsatz viele umfangreiche Tests. Hierbei sind Machbarkeit, Sicherheit und Optimierung im Fokus. So hatte die TTVGTaktisch-Technische Versuchsgruppe des LTGLufttransportgeschwader 62 die finalen Betankungsversuche genau vorbereitet. Dabei wurde sie mit fachlichem und technischem Know-how durch die Technische Gruppe des LTGLufttransportgeschwader 62 unterstützt.

Zwei Techniker bauen ein Zählwerk an einen Tankschlauch an und werden dabei von einem anderen beobachtet

Das Fachpersonal der Technischen Gruppe unterstütze auch beim Zusammenbau des FARE-Kits. An der Uhr kann die Durchflussmenge abgelesen werden.

Bundeswehr/Simon Otte


Am Anfang stand dabei der Umgang mit dem extra für den Test ausgeliehenen FARE-Kit (Forward Area Refueling Equipment). Dieses umfasst eine Pumpe, Schläuche, Zapfpistolen, Zählwerke, Y-Stücke und Druckbetankungsanschlüsse. Nach ersten Trockentests wurde das FARE-Kit an einen Tankwagen angeschlossen, um die Bodenbetankungsanlage unter Druck und die Funktionsfähigkeit der FARE-Pumpe zu prüfen.

Mit den gewonnenen Erkenntnissen wurde im nächsten Schritt das FARE-Kit das erste Mal an einen A400M angeschlossen und Kraftstoff an einen so genannten Enttanker abgegeben. Hierbei wurden Durchflussmengen durch entsprechende Pumpeneinstellungen ermittelt, die für weitere Tests zwingend erforderlich waren. Alles verlief reibungslos, so dass dem Betankungsvorgang von einem A400M in einen Hubschrauber nichts mehr im Wege stand.

Ein Techniker bedient die Steuereinheit für das Enttanken des A400M. Daran ist ein Schlauch angeschlossen.

Das Betanken und Enttanken erfolgt beim A400M über eine Steuereinheit, die sich zwischen dem Fahrwerk und der Springertür befindet

Bundeswehr/Simon Otte

Erster „scharfer“ Test mit dem H145M 

Am ersten Testtag auf dem Fliegerhorst Wunstorf, wurde zunächst ein H145M LUH SOFLight Utility Helicopter – Special Operation Forces betankt. Der Testaufbau war identisch zu den Vorversuchen, jedoch wurde die FARE-Pumpe nicht verwendet. Aus Sicht der beteiligten Experten sollte die Förderleistung der internen Pumpen des A400M hierfür völlig ausreichen. Eine Besonderheit war dabei der Betankungsstutzen des H145M. Er ähnelt einem Schwanenhals und hat unter anderem deswegen eine maximale Fördermenge von kleiner als 160 Litern die Minute.

Ein Zapfhahn ist in den Tankstutzen des LUH 145M eingeführt

Die besondere Bauweise des Betankungsstutzens am H145M LUH SOFLight Utility Helicopter – Special Operation Forces wurde bei den Tests berücksichtigt

Bundeswehr/Simon Otte


Aufgrund dieser Gegebenheiten wurde die Betankung mit einer verschiedenen Anzahl an Pumpen in mehreren Etappen durchgeführt. Dadurch sollte das Überschwappen des Kraftstoffs verhindert und gleichzeitig getestet werden, welche Fördermengen mit welchen Pumpen am besten geeignet sind. Am Ende des Tages konnte die Fallbetankung erfolgreich beendet werden.

Druckbetankung an CH-53 GSGesetzliche Schutzaufgaben und NH90

Am zweiten Testtag wurde die Druckbetankung erprobt. Hierfür standen eine CH-53 GSGesetzliche Schutzaufgaben und ein NH90 zur Verfügung. Der Testaufbau war identisch zu den Vorversuchen, jedoch wurde diesmal mit einem Druckbetankungsstutzen gearbeitet. Beim Betanken des NH90 wurde durch dessen Crew ein Auto-Stopp bei 1.200 Kilogramm und 1.900 Kilogramm gesetzt.
Druckbetankung kurz erklärt

Ein Tankschlauch ist an einen NH90 angeschlossen. Auf jeder Seite davon steht ein Techniker.

Am NH90 wurde erstmals die Druckbetankung aus einem A400M erprobt

Bundeswehr/Simon Otte


Diese Einstellungen wurden ohne Probleme durch den A400M unterstützt. Die Systeme schalteten die Kraftstoffzufuhr automatisch bei der voreingestellten Kraftstoffmenge und beim maximalen Füllstand ab. Ein voller Erfolg.

Im Hintergrund steht ein CH-53 auf den ein Tankschlauch zuläuft

Mit den Ergebnissen aus dem Test des NH90 wurde als nächstes die CH-53 betankt

Bundeswehr/Christian Schweiger


Bei der CH-53 GSGesetzliche Schutzaufgaben wurde im Anschluss von Anfang an die maximale Pumpenleistung eingestellt. Die maximale Fördermenge lag bei 294,5 Litern pro Minute. Hierdurch konnte der maximale Füllstand nach 20 Minuten erreicht werden, was für alle Beteiligten ein positives Ergebnis darstellte.

Ein Techniker liest das Messgerät am Tankschlauch der CH-53 ab. Ein anderer notiert und nimmt die Zeit.

Während aller Tests wurden Durchflussmengen und Zeiten erfasst und ausgewertet

Bundeswehr/Christian Schweiger

Ein positives Fazit

Durch die Tests wurde der Nachweis erbracht, dass ein FARP durch einen A400M aufgestellt und betrieben werden kann. Es bleibt abzuwarten, wann und in welchem Umfang der A400M als „mobile Bodenbetankungsanlage“ weltweit eingesetzt werden kann. Es ist abhängig von erforderlichen folgenden Zertifizierungsprozessen.

von Martin Buschhorn

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