Erfolgreiche Einsatzprüfung: Automatiksprünge aus A400M

Erfolgreiche Einsatzprüfung: Automatiksprünge aus A400M

  • Technik
  • AIN
Datum:
Ort:
Manching
Lesedauer:
6 MIN

An der Wehrtechnischen Dienststelle für Luftfahrzeuge und Luftfahrtgerät der Bundeswehr (WTDWehrtechnische Dienststelle 61) springen Fallschirmjäger erstmals im Automatik-Verfahren aus dem Airbus A400M.

Vor dichten Wolken fliegrn zwei Propellerflugzeuge. Zwei Fallschirmspringer sind am Himmel

Das Absetzen aus dem A400M mit automatischer Auslösung aus dem Transportflugzeug Airbus A400M bringt neue Abläufe und Verfahren mit sich

Bundeswehr/Schneider

Eignungsprüfung für den operationellen Einsatz

Für die Fallschirmspringer der Luftlandebrigade 1 und den Ausbildungsstützpunkt Luftlande Lufttransport Altenstadt rückte ein langersehnter Moment in greifbare Nähe. „Das erste Mal aus dem A400M springen – was für ein einzigartiger Adrenalinkick“, sagte ein Kamerad kurz vor dem Sprung. Vorfreude und eine leichte Anspannung stand den Fallschirmjägern buchstäblich ins Gesicht geschrieben. Denn auf diese Premiere haben sie sich intensiv vorbereitet.

Die Gruppe zur Weiterentwicklung von Taktik, Technik und Verfahren (TTVGTaktisch-Technische Versuchsgruppe) A400M des Lufttransportgeschwaders LTGLufttransportgeschwader 62 in Wunstorf führte bei der WTDWehrtechnische Dienststelle 61 in Manching mit Sprungpersonal des Heeres die Einsatzprüfung des T-10 Fallschirmes für den operationellen Einsatz der Luftwaffe im A400M durch. Ein wichtiger Test. Gelingt er, wird das Einsatzspektrum des Heeres künftig erweitert.

Gemeinsam gehen die Fallschirmjäger des Heeres, die Luftwaffe und die WTDWehrtechnische Dienststelle 61 die sogenannte "Fähigkeitserweiterung" des Transportflugzeuges A400M an. Dann springen Fallschirmjäger im Automatikverfahren mit T-10-Fallschirmen aus dem A400M. Wie so eine Einsatzprüfung abläuft und was die Fallschirmjäger in Manching erleben, sehen Sie im Video.
Transkription des Videos

Oberstes Ziel der Einsatzprüfung war es, künftig einen sicheren Sprungbetrieb zu gewährleisten. Grundsätzlich wird bei jedem komplexen Gerät oder Verfahren eine Einsatzprüfung durchgeführt. Der Ablauf und die Herangehensweise entsprechen zum einen der langjährigen Erfahrung der Bundeswehr bei der Feststellung eines sicheren Flugbetriebes, auf Grundlage der geltenden Vorschriften, als auch auf Basis der Vorgaben der Firma Airbus. Bei der Einsatzprüfung wurden neben allen Abläufe, Notverfahren, die Kommunikation untereinander, Abgangsverhalten der Fallschirme, die Ablagedaten, das heißt der durch das Luftfahrzeug berechnete und tatsächliche Landepunkt, validiert überprüft. Erst nach dem positiven Abschluss einer Einsatzprüfung kann das Gerät beziehungsweise in diesem Fall das Verfahren „Der Automatiksprung“ der Truppe übergeben werden.

Nachdem bereits in 2016 das erste Mal Freifaller aus A400M sprangen, wurde in den vergangenen Jahren intensiv an der Erweiterung dieser Fähigkeit gearbeitet. Ziel war es, das Absetzen auch von Automatikspringern zu ermöglichen. Seit Jahren arbeitet die TTVGTaktisch-Technische Versuchsgruppe des LTGLufttransportgeschwader 62 an diesem Projekt. Vor der Einsatzprüfung in Manching konnte die TTVGTaktisch-Technische Versuchsgruppe auf die Ergebnisse von Tests der Partnernation Frankreich zurückgreifen, die bereits im letzten Jahr die nationale Zertifizierung vorgenommen hatten.

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Ein Soldat steht neben anderen Soldaten in einer Halle und schaut in die Kamera

Brigadegeneral Jens Arlt ist der erste Einzelspringer. Eine absolute Premiere: „Ein unglaublich gutes Gefühl, mit diesem ersten Sprung ein neues Zeitalter einzuläuten“.

Bundeswehr/Hufnagl
Am Himmel fliegt ein Flugzeug aus dem Fallschirmspringer springen. Im Hintergrund ein weiteres Flugzeug

Soldatinnen und Soldaten der Luftlandebrigade 1 springen mit ihren "Rundkappen" aus dem A400M. Im Hintergrund sieht man das Flugzeug des Testflugingenieurs der WTDWehrtechnische Dienststelle 61.

Bundeswehr/Schneider
Am Himmel fliegt ein Flugzeug aus dem Fallschirmspringer springen.

Die Fallschirmjäger springen aus einer Höhe von circa 400 Metern aus dem Flugzeug. Im Anschluss überprüfen sie die ordnungsgemäße Öffnung des Fallschirms, halten Umschau und bereiten sich auf den Landefall vor.

Bundeswehr/Hufnagl
Am Himmel schwebt ein Mensch an einem Fallschirm, im Hintergrund ein großes Propellerflugzeug

Die Fallschirmjäger halten während des gesamten Landefalls die Beine fest geschlossen. Beim Auftreffen auf dem Boden, dem sogenannten Landefall, schützt das vor Verletzungen und erleichtert das Abrollen.

Bundeswehr/Hufnagl

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Herausforderung für alle Beteiligten

Nun ist es soweit. Der A400M ist in der Luft. Mit an Bord: Die Absetzer. Sie sind die Letzten, die den Springer auf dem Weg aus dem Flieger „abschlagen“. Einer von ihnen ist Sprungausbilder Hauptfeldwebel Patrick Reiser. Er ist sich seiner besonderen Verantwortung an diesem Tag bewusst. Denn im Vergleich zu den Sprüngen aus der C-160 Transall hat sich einiges geändert. „Für den Sprung aus den Seitentüren des A400M ist eine genaue Gesamtlänge von Aufziehleinen inklusive Haken und Verpackungssack vorgegeben. Um dieser Vorgabe zu entsprechen, wurden die beim Einsatz des T-10-Fallschirms verwendeten Leinen geändert und zugelassen“, erklärt der Ausbildungsfeldwebel aus Altenstadt. „Nun müssen wir nachweisen, dass der T-10 auch mit dem A400M kompatibel ist“, so Reiser weiter.

Neu sei beim Verlassen des A400M auch, dass der Sprung von der sogenannten „Integrated Jump Platform“, kurz IJPIntegrated Jump Platform, erfolge, die sich außerhalb des Luftfahrzeugs befindet. „Daran müssen sich die Springer jetzt gewöhnen“, sagt Reiser. Im Vergleich zur Transall C-160 ist der Airbus A400M viel größer. Dadurch passen deutlich mehr Springer in das Transportflugzeug. Die Fallschirmjäger sitzen im A400M auf Einzelsitzen. Daher müssen die Absetzer auch mehr Zeit beim Absetzen der Springer einplanen. Eine Umstellung. Die Absetzkommandos erfolgen von nun an auf Englisch. Auch das ist eine Neuerung.

Einige Abläufe bleiben hingegen unverändert. Das genaue Überwachen des Anlegens von Haupt- und Reserveschirm oder die Einweisung in den Sprung mit Sicherheitstraining bleiben. Auch das „Glück ab“ und das Überprüfen der zuvor angelegten Schirme, bleiben die Aufgabe von Hauptfeldwebel Reiser.

Erste „echte“ Fallschirmsprünge

Dann ist es soweit – die lang ersehnten „echten“ Automatiksprünge aus einem deutschen A400M können stattfinden. Ein Hauch von Aufregung ist zur spüren. Brigadegeneral Jens Arlt ist der erste Einzelspringer. Premiere. „Ein unglaublich gutes Gefühl, mit diesem ersten Sprung ein neues Zeitalter einzuläuten“. Von nun an geht es Schlag auf Schlag. Ein Springer nach dem anderen darf das erste Mal aus dem A400M springen. In den kommenden Tagen folgen weitere Einzelsprünge bei unterschiedlichen Luftfahrzeug-Konfigurationen und Mehrfachabsetzungen von bis zu 32 Fallschirmjägern gleichzeitig. Die Springer sind begeistert. „Mega geil“ und ähnliche Aussprüche sind zu hören. Alle Sprünge verlaufen reibungslos. Insgesamt kommen 50 Fallschirmspringer zum Einsatz.

Mit gewohnter Routine und Konzentration erfüllen die Absetzer und Springer in Manching ihren Auftrag. Vom zeitgerechten Einhaken, dem Absetzen, dem Überwachen, ob die Springer das Luftfahrzeug ordnungsgemäß verlassen haben, bis zur Vorbereitung für die nächsten Springer läuft alles routinemäßig. „Wir sind froh, dass alles von Beginn an reibungslos klappt“, sagt Reiser.

Datenaufzeichnung und Auswertung


Im Laderaum eines Flugzeuges werfen Soldaten Gegenstände aus den Türen. Andere Personen geben Anweisungen

Bevor die ersten Fallschirmjäger aus dem A400M springen, werden diverse Absetzungen mit Torsopuppen durchgeführt. Mit Hilfe dieser "Dummies" wird das Öffnungsverhalten des Personenfallschirms überprüft.

Bundeswehr/WTD 61

Neben den jeweils angewandten Absetzverfahren mit Springern werden auch Tests mit Dummies durchgeführt. Die Testpunkte der Einsatzprüfung werden genauestens dokumentiert. Sogenannte Kinotheodoliten der WTDWehrtechnische Dienststelle 61 zeichnen die Flugbahnen der abgesetzten Fallschirmjäger und Testpuppen auf.

„Unser gesamtes Kamera- und Filmteam ist gefordert“, sagt Karin Krause, Leiterin der Medienservices in der WTDWehrtechnische Dienststelle 61. „Wir haben verschiedenste Kameras am Boden, im Chaseflugzeug und im A400M installiert. Alle erfassten und zeitlich synchronisierten Daten werden bei der Einsatzprüfung täglich analysiert. Unser Medienservice hat sie aufbereitetet, ausgewertet und der TTVGTaktisch-Technische Versuchsgruppe zur Verfügung gestellt“, so Krause.

Sicherheit hat oberste Priorität

Die Erprobungsflüge konnten daher mit einer routinierten Besatzung starten. Vor dem Flug wurde der Laderaum des A400M für das Absetzen von Automatikspringern vorbereitet. Alle Luftfahrzeuge werden bereits mit dem nötigen Equipment ausgeliefert und je Art des anstehenden Fluges, durch den Bereich „Role Change“ des LTGLufttransportgeschwader 62 eingerüstet.

„So eine Einsatzprüfung ist immer etwas Besonderes, weil man nie weiß, was trotz detaillierter Planung passieren kann“, sagt Hauptmann Horst van Mark aus Erfahrung. Er ist einer der beteiligten Luftfahrzeugführer des A400M aus Wunstorf. Damit die Sicherheit immer gewährleistet ist, folgen die Absetzungen immer einem schrittweisen Ablauf.

Markus Müther, Testflugingenieur der WTDWehrtechnische Dienststelle 61, begleitet die Einsatzprüfung von Beginn an. „Hier in Manching führten wir zuerst Bodentests zum Üben aller Verfahren und Abläufe durch. Diese waren bereits im Vorfeld beim LTGLufttransportgeschwader 62 in Wunstorf im Laderaumsimulator und im Realluftfahrzeug intensiv trainiert worden. Dort erfolgten auch die ersten Einweisungen des beteiligten Sprungpersonals.

Die nächsten Schritte waren Trockenanflüge, gefolgt von Absetzungen von Fallschirmpuppen, sogenannten „Dummies“. Auch Notfallverfahren, wie das Bergen eines „Hung Up Paratroopers“, also eines an der Aufreißleine hängengebliebenen Springers, wurde mit Dummies trainiert. Erst danach wurden die ersten „echten“ Automatikspringer mit einem deutschen A400M abgesetzt. Hierbei flog das Transportflugzeug in einer Höhe von rund 500 Metern, mit einer Geschwindigkeit von ca. 220 km/h (120 Knoten) über dem Absetzplatz Feilenmoos bei Manching.

Auch die Packer aus Altenstadt haben ganze Arbeit geleistet. Sie haben insgesamt 358 Schirme sicher gepackt. Aufgrund der engen Zeitfenster waren sie teilweise bis in die Nacht hinein gefordert.

Sieben Menschen an Fallschirmen landen auf einer Wiese

Kurz vor der Landung lassen die Fallschirmjäger das Sprunggepäck ab, schließen die Beine und bereiten sich auf den Landefall vor

Bundeswehr/Hufnagl
Ein Mensch steht vor einem aufgeblähten Fallschirm auf einer Wiese

Sicher gelandet: Der erste Fallschirmjäger steht nach dem Landefall und sammelt jetzt seinen Fallschirm ein.

Bundeswehr/Hufnagl

Enge Zusammenarbeit der Bereiche

Sven Schlake, Auftragsveranwortlicher der WTDWehrtechnische Dienststelle 61, fasst nach Abschluss der dreiwöchigen Einsatzprüfung für alle Beteiligten zusammen:

„Wir freuen uns, dass die Einsatzprüfung so gut und reibungslos über die Bühne gegangen ist – selbst das Wetter hat mitgespielt“.

Die sehr enge und professionelle Zusammenarbeit unterschiedlichster Organisationsbereiche der Bundeswehr führe einen Schritt weiter bei der Fähigkeitserweiterung des Transportflugzeugs A400M.

Ein besonderer A400M

Verwendet wurde aktuell übrigens ein besonderer A400M. Das Flugzeug mit der Kennung 54+36 ist derzeit noch der einzige Deutsche A400M, der mit einem modifizierten Türschutz durch die Firma Airbus ausgerüstet wurde und zum simultanen Absetzen aus beiden Türen zugelassen ist. Die Umrüstung der bereits vorhandenen A400M wird bei turnusmäßigen Checks erfolgen, die zur Übernahme noch anstehenden verfügen bei Auslieferung dann bereits darüber.

von Petra Klinker

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