Luftwaffe

Eurofighter-Piloten trainieren Luftaufklärung

Eurofighter-Piloten trainieren Luftaufklärung

  • Aufklärung
  • Luftwaffe
Datum:
Ort:
Nörvenich
Lesedauer:
3 MIN

Lange war die Luftaufklärung den Tornados des Taktischen Luftwaffengeschwaders 51 „Immelmann“ vorbehalten. Bei der Tactical Air Reconnaissance Ausbildung (TAR) in Nörvenich werden nun auch Eurofighter-Piloten, unterstützt von den Luftbildauswertern aus Jagel, dazu befähigt, künftig diese Rolle zu übernehmen.

In Nörvenich wurde schon häufig Pionierarbeit geleistet: Flugzeugmuster wurden hier erstmalig geflogen und der Eurofighter wurde befähigt, Bodenziele zu bekämpfen. Im Jahr 2019 schließlich wurde hier die dritte große Rolle des Eurofighters, die Luftaufklärung, erprobt und zertifiziert. Nun wird erstmals eine größere Zahl von Eurofighter-Piloten aus verschiedenen Geschwadern in diesem Bereich ausgebildet. Die Besonderheiten dieser international hoch angesehenen Fähigkeit müssen fundiert und nachhaltig geschult werden. Daher unterstützen die Spezialisten aus Jagel den ersten Lehrgang dieser Art vor Ort mit ihrer Bodenauswertestation.

Vier Verbände bilden gemeinsam aus

Zwei Soldaten besprechen eine Ausklärungsmission in einem Bürocontainer

Pilot und Bildauswerter besprechen die anstehende Mission

Bundeswehr/Sarah Wetjen


Die Luftbildstaffel des Taktischen Luftwaffengeschwader 51 „Immelmann“ ist mit ihrem System Ground Exploitation Station (GESGround Exploitation Station), der Antennenmastanlage AMA sowie Ausbildungspersonal zum Taktischen Luftwaffengeschwader 31 „Boelcke“ gekommen. Dabei wurden 60 Tonnen Material aus Jagel ins 550 Kilometer entfernte Nörvenich gebracht. In den zwei Übungswochen werden 21 Soldaten aus dem Norden eingesetzt. Um das Ausbildungsziel zu erreichen, sind 60 Recce-Flüge geplant. Dazu werden pro Flugrunde vier Flüge mit den Aufklärungsbehältern durchgeführt. Die Luftbildauswerter werden vor Ort gebraucht, um ihre ganze Erfahrung an die zu schulenden Besatzungen weitergeben zu können. Die Piloten kommen dabei nicht nur aus Nörvenich. Auch das Taktische Luftwaffengeschwader 71 „Richthofen“ aus Wittmund und das Taktische Luftwaffengeschwader 74 aus Neuburg haben Personal entsandt.

Kommunikation für beste Ergebnisse

Ein Aufnäher auf dem Ärmel eine Bundeswehruniform. Im Hintergrund ein Eurofighter

Das Auge unter dem Eurofighter symbolisiert die Aufklärungsfähigkeit

Bundeswehr/Sarah Wetjen
Vor dem Flug wird auch der Aufklärungsbehälter überprüft

Vor dem Flug wird auch der Aufklärungsbehälter überprüft

Bundeswehr/Sarah Wetjen

Damit die Luftbildauswerter perfekte Auswerteergebnisse erhalten, müssen die Piloten die geplanten Ziele optimal anfliegen. Parameter wie Flughöhe, Anflugwinkel und Geschwindigkeit haben große Auswirkungen auf die Bilder und können von Ziel zu Ziel ganz unterschiedlich ausfallen. Vor jedem Flug programmiert ein Auswerter, der Missionsplaner, den Aufklärungsbehälter. Dabei müssen die gewählten Parameter, wie Anflugwinkel und Geschwindigkeit, für den Piloten umsetzbar sein. Der Pilot, egal ob im Eurofighter oder Tornado, bringt den Flieger dann über das Ziel. Das Gerät erfasst dieses automatisch und erstellt die einzelnen Bilder. Der Missionsplan wird auf einer speziellen Festplatte gespeichert (Solid State Recorder/SSR) und vor jedem Flug in den jeweiligen Aufklärungsbehälter eingebaut. Dieses Speichermedium erfasst gleichzeitig die aufgenommenen Daten.

Bereits während des Flugs kann das Personal der GESGround Exploitation Station auf die Daten zugreifen und mit der Auswertung beginnen. Das ermöglicht die mitgeführte Antenne, wenn der Eurofighter nicht mehr als 300 Kilometer entfernt ist. Nach der Landung werden die Festplatten wieder ausgebaut und in der Bodenstation ausgelesen. Dort findet auch die Nachbesprechung zwischen Pilot und Luftbildauswerter statt. Sie bewerten die Qualität der Aufnahmen und besprechen mögliche Verbesserungen.

Eine neue Rolle für den Eurofighter

Ein Eurofighterpilot überprüft den Aufklärungsbehälter am Eurofighter

Der Eurofighter ist startklar

Bundeswehr/ Sarah Wetjen
Der Eurofighter in der Luft, mit Nachbrenner und Aufklärungsbehälter

Der Eurofighter hebt ab zur Aufklärungsmission

Bundeswehr/Sarah Wetjen


Bisher waren die Eurofighter-Besatzungen nur in den Rollen Luftkampf (Air-to-Air) und Luft-Boden-Kampf (Air-to-Ground) gefordert. Mit der neuen Rolle verändern sich auch die Anforderungen. Oberstleutnant Gerd Schnell, Kommandeur der Fliegenden Gruppe in Nörvenich, dazu: „Bisher haben wir uns mit den beiden bisherigen Einsatzrollen vor allem auf Szenare der Landes- und Bündnisverteidigung sowie bewaffneter Konflikte konzentriert. Luftaufklärung ist aber eine Einsatzrolle, die auch in innerstaatlichen Szenaren ohne direkte Bedrohung sowie im Rahmen von Amtshilfe eingesetzt wird. Damit konnte die Relevanz des Eurofighters für zukünftige Einsätze weiter gesteigert werden.“

Diese wertvolle Festigung der dritten Einsatzrolle des Eurofighters konnte nur durch die gute Zusammenarbeit von vier Verbänden des Teams Luftwaffe erreicht werden.

von Falk Bärwald und David Joliet