Marine

Force Protection: Fremde Häfen sicher machen

Nicht jeder Hafen ist für Marineschiffe ein freundlicher. Unter Eigenschutz einzulaufen, gehört deshalb zum Ausbildungsprogramm der Flotte.

Ein graues Kriegsschiff in einem Hafen; davor steht ein Soldat in Flecktarnuniform.

Die Bordeinsatzgruppe auf Fregatte „Nordrhein-Westfalen“ hat das sichere Vorgehen dafür beim German Operational Sea Training (GOST) der Besatzung Charlie des 4. Fregattengeschwaders im Frühjahr 2021 trainiert. Die Heimatbasis des Schiffs Wilhelmshaven lag hier fiktiv in einer zwar befreundeten Nation, in dem Hafen selbst herrschte jedoch eine unklare Gefahrenlage.

Zu den Annahmen für die Übung gehörten verschiedene Umstände: Für das fiktive Land hat das Auswärtige Amt längst eine Reisewarnung erlassen, und ungeklärt ist auch, wie stark die Aktivitäten von Terroristen oder Aufständischen in dem anzulaufenden Hafen tatsächlich sind. Ein normales Einlaufen, wie zum Beispiel in einen Auslandshafen eines NATO-Partners jedenfalls ist, zum Schutz der eigenen Besatzung und des Schiffs selbst, unmöglich.

Gründe für ein solches Einlaufen unter unsicheren Umständen kann es verschiedene geben: Schiff und Besatzung brauchen Nachschub, ein technischer Defekt an Bord lässt sich nur mit Hilfe einer Werft beheben, oder aber Hilfeleistung in einem Katastrophenfall an Land können Veranlassung sein.

Nicht zuhause in Wilhelmshaven

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  • Ein graues Kriegsschiff in See.
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    Training für den Einsatz

    Die „Nordrhein-Westfalen“ bereitet sich vor, zur Übung in einen fremden Hafen einzulaufen. Das Ganze ist einer von vielen Abschnitten des mehrwöchigen German Operational Sea Training, den jedes Schiff der Marine mitsamt Besatzung regelmäßig durchlaufen muss. Dieses umfangreiche Training erweitert die bisherige seemännische, technische und militärische Ausbildung der Soldatinnen und Soldaten in eskalierenden simulierten Stresssituationen. Am Ende aller GOST-Abschnitte steht als Prüfung eine „Final inspection“ für die Besatzung an.

    Das GOST der neuen Fregatten der Klasse 125 legt zusätzlich einen besonderen Fokus auf die Zusammenarbeit der Bordeinsatzsoldaten mit der Kernbesatzung des Schiffes. Die neuen Fregatten sind die ersten, bei denen Bordeinsatzgruppen des Seebataillons in Stärke von 30 Köpfen eine wesentliche Komponente des Waffensystems bildet. Auch ältere Fregatten der Flotte schiffen Marineinfanteristen nach Lage für bestimmte Einsätze ein, aber sie nehmen nur halb so viele Bordeinsatzsoldaten an Bord.

  • Mehrere Soldaten in Flecktarnuniform steigen aus einem Boot auf eine Kaimauer in einem Hafen.
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    Anlanden

    Drei dunkelgraue Speedboote auf See, hinter ihnen weiße Gischt ihrer Heckwellen.

    Bundeswehr/Leon Rodewald


    In einem ersten Schritt hat die „Nordrhein-Westfalen“, noch weit vor der Hafeneinfahrt, drei ihrer vier Einsatzboote vom Typ Buster zu Wasser gelassen, vollbesetzt mit Soldaten der Bordeinsatzgruppe. Die Soldaten landen jetzt an Land an und sollen die Pier absuchen, um das spätere Festmachen der Fregatte vorzubereiten.

    Das deutsche Kriegsschiff selbst hat sich bereits per Funk bei den örtlichen Behörden angemeldet. Da deren Aussagen aber nicht als hundertprozentig sicher gelten, oder sie auch selbst die eigene Situation nicht vollständig überblicken, müssen die Marineinfanteristen quasi als Vorhut den geplanten Anlegeplatz ihrer Fregatte und dessen Umfeld absichern.

  • Ein graues Kriegsschiff in See.
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    Hintergrund

    Verfahren wie dieses Absuchen der Pier durch eigene Soldaten ist im Grunde genommen eine Reaktion auf den Anschlag auf den USUnited States-Zerstörer USS „Cole“ am 12. Oktober 2000. Die „Cole“ war in den Hafen von Aden im Jemen eingelaufen, um dort Treibstoff zu tanken. Kurz nach Beginn der Treibstoffaufnahme – eine Situation, in der Schiffe aus der Sache heraus schon verletzbarer sind – steuerte ein kleines, mit zwei Personen und Sprengstoff beladenes Boot auf das Schiff zu und detonierte mittschiffs auf Höhe der Maschinenräume und der Messe. Bei dem Anschlag wurden 17 Besatzungsangehörige der „Cole“ getötet und 39 teilweise schwer verletzt.

    Nahaufnahme einer grauen Schiffswand mit einem großen Leck, durch das Wasser ins Schiff dringt.

    Der Bombenschaden in der Schiffswand der „Cole“

    US Navy


    Dieser Terrorangriff lenkte Aufmerksamkeit von Marineexperten auf die exponierte Position, die Kriegsschiffe an einer Pier haben können, gerade außerhalb von Marinebasen. Die USUnited States Navy entwickelte neue taktische Verfahren und Vorschriften zur „Force Protection“.

    Die amerikanischen Erfahrungen flossen auch in die nationalen Vorschriften anderer Marinen ein und sind mittlerweile fester Bestandteil von deren Ausbildungsprogrammen. Eine der mittelbaren Folgen war damit auch den Ablauf festzulegen, wie sich ein deutsches Kriegsschiff in einem fremden Land in einem Hafen mit unsicherer Gefährdungslage zu verhalten hat.

    Foto: USUnited States Marine Corps/Don L. Maes

  • Drei Soldaten in Flecktarnuniform gehen mit großem Abstand über ein gepflastertes Hafenkai.
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    Pier Absuchen

    Nach dem gegenseitigen Absichern beim Anlanden aus den Buster-Booten bleiben die Einsatzboote mit je drei Soldaten besetzt. Die Marineinfanteristen an Land bilden eine Schützenreihe und bewegen sich mit ausreichenden Abständen über die Pier, um diese nach Sprengfallen (Improvised Explosive Devices, IEDs) oder sonstigen Gefahren abzusuchen.

    Der Abstand ist hier, ähnlich wie in Coronazeiten, äußerst wichtig, um die Kameraden zu schützen. Jeder der Soldaten achtet auf sich selbst und seine beiden Nebenleute. Sobald sie etwas Verdächtiges finden, melden sie das per Zuruf und Handzeichen direkt weiter an ihren direkten Vorgesetzten weiter. Der Gruppenführer ordnet zunächst an, dass sich keiner der Soldaten der möglichen Gefahrenquelle weiter nähert.

    Die Buster sichern währenddessen ihre Kameraden von der Seeseite aus ab. Dabei klären sie auch eventuelle verdächtige Bewegungen im Hafen auf.

  • Zwei Soldaten in Flecktarnuniform auf ein Hafenpier; einer kniet und zeichnet etwas aufs Pflaster.
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    Sprengfalle gefunden

    Ein Soldat (rechts im Bild) hat einen verdächtigen Gegenstand unter einem Müllcontainer entdeckt. Der herbeigerufene Vorgesetzte (links) hat sich das Objekt aus der Entfernung mit dem Fernglas angesehen, um größtmöglichen Abstand zu halten und trotzdem möglichst viele Informationen zu sammeln.

    Ein Soldat in Flecktarnuniform kniet auf dem Pflaster einer Pier mit einem Fernglas vor den Augen; im Hintergrund Wasser.

    Bundeswehr/Leon Rodewald


    Der Gruppenführer schätzt, dass es sich hier recht sicher um ein IEDImprovised Explosive Device handelt, daher markiert er die Stelle mit einem Richtungsweiser. Der Kreidepfeil zeigt auf die Position des Gegenstands und weist es zur Warnung aller als mögliche Sprengfalle aus.

  • Ein graues Kriegsschiff in See von vorne; im Vordergrund links eine Kaimauer, darauf mehrere Soldaten in Flecktarnuniform.
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    Einlaufen

    Von Bord herbeigefunkte Sprengstoffexperten der Bordeinsatzgruppe haben das IEDImprovised Explosive Device entfernt beziehungsweise es unschädlich gemacht; darauf können die Soldaten die Pier zu Ende absuchen. Nachdem sie keine weiteren Funde gemacht haben, meldet die Bordeinsatzgruppe an Land ans Schiff, dass die Pier nun zum Anlegen der „Nordrhein-Westfalen“ bereit ist.

    Während die Fregatte jetzt in den Hafen einfährt, sichert die Bordeinsatzgruppe die Pier weiter ab. Mit Zustimmung der Gastlandbehörden ist jetzt ein militärischer Sicherheitsbereich um den Liegeplatz eingerichtet. Keine Unbefugten dürfen ihn betreten. Daher haben auch die eigenen Soldaten Aufgaben, die sonst ziviles Leinenpersonal hätte: Sie nehmen die Leinen des Schiffs entgegen und machen es fest. Eine bereitliegende Stelling reichen sie zu den Kameraden an Bord herüber.

  • Ein Soldat in Flecktarnuniform hält ein Maschinengewehr im Anschlag, gestützt auf Holzpaletten einer improvisierten Barrikade.
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    Im Sicherheitsbereich

    Die „Nordrhein-Westfalen“ liegt sicher an ihrem Liegeplatz. Nun erweitern die Soldaten die Absicherung des Liegeplatzes und der Pier. Seeleute und Seesoldaten legen Stacheldraht komplett um den Liegeplatz herum aus, um unbefugtes Betreten zu verhindern, und bauen zwei Checkpoints auf, je einen für den Zugang von Personen und Fahrzeugen. Letzterer besteht auch aus Sperren, die ein Durchbrechen von Pkws und Lkws verhindern sollen.

    Die Checkpoints besetzen die Marineinfanteristen, Seeleute der „Nordrhein-Westfalen“ patrouillieren in regelmäßigen Abständen zu zweit den kompletten Stacheldraht-Perimeter. Sie kontrollieren auf Unbefugte und ob es Zeichen von Manipulation an den Absperrungen gibt. Zu ihrer eigenen Sicherung sind sie mit Schutzweste, Helm und Sturmgewehr ausgerüstet.

  • Ein Soldat in Flecktarnuniform steht in der Nock einer Schiffsbrücke; im Hintergrund eine Rasenfläche mit Weg.
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    Rundum-Überwachung

    Auch von Bord aus sichern die deutschen Marinesoldaten ihr Schiff: In der Brückennock befinden sich ein Scharfschütze der Bordeinsatzgruppe mit seinem Spotter. Von dieser Position mehrere Deckhöhen über der Pier aus haben sie einen guten Überblick über Checkpoint und Stacheldrahtverlauf.

    Indes überwachen Soldaten in der Operationszentrale der Fregatte mit den Video- und Infrarotkameras des SIMONE-Systems Land- und Seeseite sowie mit Radar den Luftraum. Letzteres ist in nicht-bewohnten Gebieten möglich, besonders wenn ein Risiko durch mögliche Attacken mit Drohnen besteht. Alle sind in ständiger Alarmbereitschaft, um bei einem möglichen Angriff direkt reagieren zu können.

    Die Seeseite der Fregatte wird außerdem durch zwei Buster mit Bordeinsatzsoldaten wie auch mit Soldaten auf dem Schiff selbst abgesichert. Dieser Schutz von allen Seiten bietet größtmögliche Sicherheit für die „Nordrhein-Westfalen“ und ihre Besatzung.

    Foto: Bundeswehr/Fabian Janssen

  • Ein Mann, gehüllt in eine große, braun-graue Wolldecke, hält ein Pappschild mit der Aufschrift: Please#en give#en.
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    Flexibilität gefragt

    Die Situationen, auf die die deutschen Soldaten am Perimeter um ihre Fregatte reagieren müssen, sind nicht ausschließlich feindseliger Natur. Hier hat sich ein Bettler, dargestellt von einem Ausbilder der Einsatzflottille 2, dem Checkpoint genähert. Die Bordeinsatzsoldaten müssen nun herausfinden, ob es sich vielleicht um einen verkleideten Attentäter oder Spion handelt. Nach einem Gespräch mit ihm schätzen sie ein, dass er nur das ist, was er vorgibt zu sein. Außerdem erhalten sie im Austausch gegen Essen von ihm Hinweise über kriminelle Clans in der Gegend.

    Ein Mann, gehüllt in eine große, braun-graue Decke, sitzt vor einer Absperrung mit rot-weißen Stangen; dahinter ein Soldat.

    Bundeswehr/Leon Rodewald


    Das Sammeln von Informationen ist ein wichtiger Teil in der Kommunikation mit der lokalen Bevölkerung. Mit der sogenannten Gesprächsaufklärung mit freundlich gesinnten Personen müssen die Soldaten lernen, quasi intuitiv Bedrohungen zu erkennen. Eine Quelle vor Ort ist schließlich meist deutlich wertvoller als mitgebrachte Lageinformationen.

  • Ein kleines graues Boot mit Deckshäusern und Fenstern; davor ein dunkelgraues Speedboot mit großer, schaumiger Schraubenwelle.
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    Protest auf der Seeseite

    Während an Land noch Essen gegen Informationen getauscht wird, nähert sich übers Wasser ein verdächtiges Boot. Auf Anweisung des Kommandanten schickt der wachhabende Offizier umgehend eines der Buster-Boote in dessen Richtung. Der zweite Buster bleibt zunächst noch zur Absicherung in der Nähe der „Nordrhein-Westfalen“.

    Es stellt sich heraus, dass auf dem Boot Demonstranten sind, die gegen die Anwesenheit des NATO-Schiffs protestieren wollen. Auf den Hinweis, den Sperrbereich um die Fregatte zu verlassen, reagiert das Boot mit den Transparenten nicht. Die Bordeinsatzsoldaten müssen eskalieren. Darauf versuchen beide Buster, das eingedrungene fremde Boot aus der Sperrzone abzudrängen: Sie fahren mit hoher Geschwindigkeit an die Demonstranten heran und drehen kurz vor ihnen scharf ab. Das Spritzwasser soll die Eindringlinge friedlich vertreiben.

    Nach einigen Anläufen der Buster geben die Demonstranten auf und entfernen sich wieder. Die Einsatzboote kehren auf ihre ursprünglichen Positionen zurück.

  • Ein Soldat in Flecktarnuniform reicht zwei postkartengroße Dokument an zwei Männer im Vordergrund.
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    Die Medien kommen

    Im Laufe des Tages ist die örtliche Presse aufmerksam auf die deutsche Fregatte in ihrem Hafen geworden. Noch am Abend nähert sich ein Reporter mit Kameramann dem Checkpoint, um die fremden Soldaten zu befragen und das Schiff zu filmen.

    Zwei Männer im Vordergrund stehen vor einem Soldaten in Flecktarnuniform

    Bundeswehr/Leon Rodewald


    Nachdem sich beide als Pressevertreter ausgewiesen haben und lokale Behörden ihre Identitäten bestätigt haben, dürfen sie Aufnahmen vom Schiff und seiner Umgebung machen – nicht aber von individuellen Soldaten, um sie zu interviewen.

    Die Soldaten am Checkpoint müssen darauf achten, sich nicht von den Journalisten in ein Gespräch verwickeln zu lassen und aus Versehen sicherheitsrelevante Informationen preiszugeben. Dafür haben sie Taschenkarten mit nur allgemeinen Informationen und verweisen auf ihre Vorgesetzten beziehungsweise auf den Presseoffizier des Schiffes. Der kommt kurze Zeit später auch zum Checkpoint, um die Fragen der Medienvertreter zu beantworten.

  • Zwei Soldaten in Flecktarnuniform führen einen Zivilisten ab.
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    Schüsse im Hafenviertel

    Ein weißer Van#en fährt nachts auf einer Straße, aus einem Fenster ragt ein Sturmgewehr.

    Bundeswehr/Leon Rodewald


    Auch in der Nacht stellt sich im fremden Hafen keine Ruhe ein. Unmittelbar vor dem Checkpoint liefern sich zwei verfeindete Clans eine Schießerei. Sie hatten das Hafenviertel untereinander aufgeteilt, unter anderem auch für Schmuggel, geraten jedoch öfter aneinander. Marinesoldaten werden keine verletzt, aber ein verletztes Clanmitglied bleibt zurück, nur wenige Meter vom Perimeter entfernt.

    Die Deutschen bringen den Mann, unter Eigensicherung, in die relative Sicherheit des Checkpoints, um ihn dort zu durchsuchen und dann zu verarzten. Anschließend übergeben sie ihn den lokalen Behörden.

  • Ein Mann geht auf eine Straßensperre mit zwei Soldaten zu; rechts im Bild ein weißes Auto mit geöffneter Fahrertür.
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    Klarmachen zum Auslaufen

    Früh am nächsten Morgen, die „Nordrhein-Westfalen“ bereitet sich vor, ihren Hafenaufenthalt zu beenden. Eine bekannte Person kommt noch einmal zum Fahrzeug-Checkpoint: der Schiffsagent. Er ist die Verbindungsperson, den die Marine in diesem Hafen kontaktiert hatte, um frischen Proviant für das Schiff zu bestellen. Für eine letzte Absprache mit dem Versorgungsoffizier der Fregatte ist er noch einmal vorbeigekommen: Haben seine Lieferanten auch wirklich alles gebracht, wie vereinbart?

    Doch lange kann der Schiffsagent nicht bleiben, denn kurz nach ihm fährt eine kleine Fahrzeugkolonne auf die Pier, und die Deutschen verabschieden sich hastig von ihm  ...

  • Ein kleiner Lkw in Flecktarnung und Rote-Kreuz-Kennzeichen steht neben einem Stacheldrahtverhau.
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    Ein geheimer Notfall in fast letzter Minute

    ... Der Präsident des kleinen Landes, in dem das deutsche Kriegsschiff gerade festgemacht hat, ist mit einem Krankenwagen in dieser Kolonne angekommen. Er ist verletzt, durch ein Attentat, munkelt man. Er soll ins Ausland geschafft werden, zu seiner eigenen Sicherheit und für eine Behandlung seiner Verletzung. Auf dem Luftweg geht das nicht, weil der Flughafen zerstört ist (und die Übungskünstlichkeit das auch so vorsieht).

    Die Anweisung, dass die Fregatte aus Deutschland den Präsidenten an Bord nimmt, um ihn zu evakuieren, war mitten in der Nacht gekommen – per verschlüsseltem Fernschreiben und mit einem geheimen Anruf beim Kommandanten. Die „Nordrhein-Westfalen“ hat das, was der Verletzte jetzt braucht: ein modern ausgerüstetes Lazarett mit kompetentem medizinischen Personal und, zur Not, einen eigenen Hubschrauber zum Weitertransport.

  • Zwei Soldaten in Flecktarnuniform gehen über eine Stelling an Bord eines Schiffes.
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    Abrücken und Auslaufen

    Der verletzte Präsident ist sicher an Bord angekommen, der Schiffsarzt und sein Sanitätspersonal kümmern sich darum, ihn zu versorgen. Weil sich jetzt eine gefährdete VIP an Bord befindet, hat die Schiffsführung entschieden, die Mannstärke an den Waffen zum Eigenschutz noch einmal zu erhöhen, bis die Fregatte wieder sicher ausgelaufen ist.

    Ein graues Kriegsschiff von hinten, mehrere Meter von einer Kaimauer entfernt.

    Bundeswehr/Leon Rodewald


    Unter ständiger Wachsamkeit verlässt die „Nordrhein-Westfalen“ jetzt den Hafen wieder. Das läuft umgekehrt ab wie das Einlaufen: Die Soldaten ziehen sich von Checkpoints zurück. Da sie beim Abräumen zu gefährdet wären, lassen die Deutschen den Stacheldraht und die Sperren zurück. Die letzten Marineinfanteristen an Land werfen die Leinen los und steigen dann in die Buster-Boote. Aber zur Not könnte das Schiff auch die Leinen kappen.

    Die drei Buster begleiten die „Nordrhein-Westfalen“ nun durch die Hafeneinfahrt in Richtung offene See. Sobald sie weit genug von Land entfernt sind, nimmt zuletzt die Fregatte ihre Einsatzboote wieder auf.

  • Drei Soldaten in Flecktarnuniform; einer trägt eine orangefarbene Weste und hat einen Notizblock in der Hand.
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    Die Überwacher überwachen

    Gut 24 Stunden hat die Übung für die Bordeinsatzgruppe und die Stammcrew der „Nordrhein-Westfalen“ gedauert. Jeden Schritt, jeden Handgriff der Soldatinnen und Soldaten haben sie unter den kritischen Augen der Fachleute der Einsatzausbildung der Einsatzflottille 2 getan. Sie waren überall dabei, immer erkennbar an ihren orangenen Westen.

    Die Ausbilder gaben Tipps, bewerteten und fassten die Ergebnisse des Force-Protection-Trainings am Ende mit einem großen Debriefing zusammen – mit Feedback für alle Beteiligten. Für den Leiter der Einsatzausbildung, Fregattenkapitän Hendrik Hülsmann, war dieser Übungsabschnitt des GOST ein voller Erfolg.

    „Die Besatzung Charlie hat bewiesen, dass sie sich durchhaltefähig unter einer steten latenten Bedrohung in einem unsicheren Hafen behaupten kann“, urteilt Hülsmann. „Das Zusammenspiel zwischen der Stammbesatzung und der Bordeinsatzgruppe war sehr gut, die Integration der Bordeinsatzsoldaten in die Kampfeinheit ‚Nordrhein-Westfalen‘ ist damit abgeschlossen.“

    alle Fotos: Bundeswehr/Leon Rodewald (wenn nicht anders angegeben)

    von: Leon Rodewald | E-Mail schreiben

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