Inhalt
Multireligiöse Rüstzeit

Militärseelsorger sprechen mit der Truppe über Seelsorge im Krisenfall

Militärseelsorger sprechen mit der Truppe über Seelsorge im Krisenfall

Bei manchen Mobilgeräten und Browsern funktioniert die Sprachausgabe nicht korrekt, sodass wir Ihnen diese Funktion leider nicht anbieten können.

Im Ernstfall und im Gefecht ist sie Anker und Anlaufpunkt für die Truppe: die Militärseelsorge. Welche Rolle Pfarrerinnen und Militärrabbiner bei der Landes- und Bündnisverteidigung spielen und wie sie konkret unterstützen, diskutierten Soldatinnen und Soldaten auf einer multireligiösen Rüstzeit der Evangelischen und Jüdischen Militärseelsorge. 

Militärseelsorger, Soldaten und Menschen in Zivilkleidung sitzen in einem Stuhlkreis.

Militärrabbiner und Militärpfarrer diskutierten mit Bundeswehrangehörigen während einer multireligiösen Rüstzeit im rheinland-pfälzischen Bad Sobernheim unter anderem über Verwundetenversorgung und Seelsorge im Gefecht

Bundeswehr/Cornelia Riedel

Zu einer multireligiösen Rüstzeit trafen sich im April 13 Bundeswehrangehörige und drei Militärseelsorger, um über Fragen rund um Dienst und Seelsorge und die besonderen Herausforderungen für die Truppe zu sprechen.

Was Soldatinnen und Soldaten konkret von der Seelsorge im Verteidigungsfall erwarten und vor welchen Herausforderungen Sanitätsdienst und Truppe im Krisenfall stehen, das waren Themen, die während der Veranstaltung kontrovers, aber mit gegenseitigem Respekt diskutiert wurden. Zu welchem Zeitpunkt im Gefecht und an welchem Ort Militärseelsorgende die Truppe betreuen sollten, um sich bestmöglich um die Kameradinnen und Kameraden kümmern zu können, war eine dieser Fragen.

Seelsorge in schwierigen Situationen

Die Kameradinnen, Kameraden und zivilen Mitarbeitenden, die unter anderem von Bundeswehr-Dienststellen bundesweit angereist waren, diskutierten mit den Militärseelsorgern etwa über Fragen wie: „Jeden retten – um jeden Preis?“ Die Teilnehmenden sprachen über Einsatzerfahrungen aus Afghanistan, ihren Umgang mit schwierigen Situationen und tauschten Eindrücke aus aktuellen Übungen aus.

Im Max-Willner-Heim im rheinland-pfälzischen Bad Sobernheim, einem Ausbildungs- und Erholungszentrum der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland e. V., nutzten die Teilnehmenden auch die Gelegenheit, sich mit jüdischen Traditionen bekannt zu machen. Gemeinsam mit ihren Counterparts der Evangelischen Militärseelsorge hatte das Team der Außenstelle Nord des Militärrabbinats die Rüstzeit-Woche organisiert.

Plattform für religiöse Fragestellungen rund um den Dienst als Soldatin

Von der Vielfalt der Diskussionen zeigte sich der Hamburger Militärrabbiner Shmuel Havlin beeindruckt: „Ich bin positiv überrascht, in welcher Tiefe und mit wie viel gegenseitigem Verständnis hier der multireligiöse Dialog – auch über schwierige religiöse Themen – geführt wird.“

Zum ersten Mal seit Gründung des Militärrabbinats hatten sich Militärseelsorger der Jüdischen und der Evangelischen Militärseelsorge für eine gemeinsame Rüstzeit zusammengetan. „Wir wollen eine Plattform schaffen, wo Soldatinnen und Soldaten mit Militärrabbinern und Militärpfarrerinnen oder -pfarrern gleichermaßen ins Gespräch kommen und die Vielfalt religiöser Fragen im Hinblick auf den Dienst als Soldat besprechen können“, erzählt Deborah Ohayon, Leiterin des Referats Militärseelsorge im Militärrabbinat.

Die Militärseelsorge ist ein eigenständiger Bereich innerhalb der Bundeswehr. Sie ist organisatorisch unabhängig von der militärischen Befehlskette. Ihr Angebot richtet sich an alle Angehörigen der Bundeswehr. Zu den Aufgaben gehören seelsorgliche Gespräche, Begleitung in persönlichen und dienstlichen Belastungssituationen sowie die Durchführung von Veranstaltungen wie Gottesdiensten, Rüstzeiten und Bildungsformaten.

Multireligiöse Angebote der Militärseelsorgen

Für das Militärrabbinat war es die zweite Rüstzeit. Die Bundeswehr-Dienststelle, die die Jüdische Militärseelsorge organisiert, ist neben ihrer Zentrale mit Militärrabbinern an fünf Standorten bundesweit vertreten. „Ziel ist es, den Teilnehmenden Gelegenheit zur persönlichen Reflexion, zum Austausch in der Gruppe und zur Auseinandersetzung mit individuellen und beruflichen Fragestellungen zu geben“, sagt Ohayon. Das Besondere an einer multireligiösen Rüstzeit ist die Beteiligung von Angehörigen unterschiedlicher religiöser Traditionen innerhalb eines gemeinsamen Formats. So sollen unterschiedliche Perspektiven nebeneinanderstehend gezeigt werden.

„Wir haben diese besondere Chance, dass wir trotz unserer Verschiedenheit hier zusammentreffen und uns austauschen und damit dem christlich-jüdischen Dialog in Deutschland ein weiteres Format hinzufügen können“, erzählt Militärdekan Martin Jürgens. Er hatte schon vor der Gründung des Militärrabbinats im Jahre 2021 mit dem heutigen Militärbundesrabbiner Zsolt Balla zwei gemeinsame Rüstzeiten angeboten.

Ein Militärpfarrer und zwei Militärrabbiner mit Kippa stehen zusammen und unterhalten sich.

Stimmten sich eng ab: Militärrabbiner Shmuel Havlin (links), Militärrabbiner Nils Ederberg (rechts) und Militärdekan Martin Jürgens (Mitte) hatten gemeinsam zur multireligiösen Rüstzeit eingeladen.

Bundeswehr/Cornelia Riedel
Ein Rabbiner mit Kippa steht mit Interessierten, die teilweise mit Uniform sind, um eine Torarolle.

Für die Teilnehmenden gab es auch einen Einblick ins Judentum: Hier erklärt Militärrabbiner Shmuel Havlin, wie eine Torarolle entsteht.

Bundeswehr/Claudia Berger

Begeistert zeigte sich auch Oberstabsarzt der Reserve Claudia Berger. Die Vorsitzende des Bundes jüdischer Soldaten e.V. hatte schon zum zweiten Mal an einer vom Militärrabbinat organisierten Rüstzeit teilgenommen: „Die multireligiöse Rüstzeit ist ein weiterer Ausdruck des aktiven und sichtbaren jüdischen Lebens in der Bundeswehr und bot Gelegenheit zu Begegnungen, Gesprächen und Diskussionen in offener, nicht wertender Atmosphäre”, so Berger.

Soldat Thomas P. war zum ersten Mal bei einer multireligiösen Rüstzeit dabei: „So viel Spannendes und Wissenswertes aus erster Hand, von jüdischen Menschen, die ihre Traditionen und Religion leben, das war für mich etwas ganz Besonderes. Das hatte ich bei dieser Rüstzeit nicht erwartet“, erzählt der Kamerad, der aus München angereist war.

„Ich habe hier wirklich das erste Mal überhaupt jüdische Menschen getroffen“, sagte eine weitere Teilnehmerin am Ende. „Man kann so viel lesen, wie man will, den persönlichen Kontakt ersetzt das nicht. Dass mir die Bundeswehr das hier ermöglicht, dafür bin ich besonders dankbar – genau das ist eine Öffnung, die wir schon viel länger gebraucht hätten“, sagte sie zum Abschluss der ersten multireligiösen Rüstzeit.

von Cornelia Riedel

Militärseelsorger sprechen mit der Truppe über Seelsorge im Krisenfall

Bei manchen Mobilgeräten und Browsern funktioniert die Sprachausgabe nicht korrekt, sodass wir Ihnen diese Funktion leider nicht anbieten können.

Mehr zum Thema

Anfang Footer Es ist uns ein Anliegen, Ihre Daten zu schützen

Auf dieser Website nutzen wir Cookies und vergleichbare Funktionen zur Verarbeitung von Endgeräteinformationen und (anonymisierten) personenbezogenen Daten. Die Verarbeitung dient der Einbindung von Inhalten, externen Diensten und Elementen Dritter, der eigenverantwortlichen statistischen Analyse/Messung, der Einbindung sozialer Medien sowie der IT-Sicherheit. Je nach Funktion werden dabei Daten an Dritte weitergegeben und von diesen verarbeitet (Details siehe Datenschutzerklärung Punkt 4.c). Bei der Einbindung von sozialen Medien und interaktiver Elemente werden Daten auch durch die Anbieter (z.B. google) außerhalb des Rechtsraums der Europäischen Union gespeichert, dadurch kann trotz sorgfältiger Auswahl kein dem europäischen Datenschutzniveau gleichwertiges Schutzniveau sichergestellt werden. Sämtliche Einwilligungen sind freiwillig, für die Nutzung unserer Website nicht erforderlich und können jederzeit über den Link „Datenschutzeinstellungen anpassen“ in der Fußzeile unten widerrufen oder individuell eingestellt werden.

  • Logo der Bundeswehr

    Es ist uns ein Anliegen, Ihre Daten zu schützen

    Detaillierte Informationen zum Datenschutz finden Sie unter Datenschutzerklärung