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Silver Dagger 2026

Hinter der geöffneten Heckklappe eines Hubschraubers fliegt ein zweiter Helikopter über einer Stadt.

Bundeswehr/Michelle Kutz

Quadriga

Silver Dagger 2026

Bei Flaming Sword 2026 trainierten Spezialkräfte aus neun Nationen im Baltikum. Silver Dagger hieß der Beitrag der deutschen Spezialkräfte.

Spezialkräfte sind Wegbereiter in der Landes- und Bündnisverteidigung. Ihre Operationen bereiten den Einsatz nachfolgender Kräfte vor – frühzeitig und effektiv – vor allem hinter feindlichen Linien. Bei Flaming Sword 26, der größten multinationalen Spezialkräfteübung unter litauischer Führung, stellten Soldatinnen und Soldaten aus neun Nationen im Mai 2026 drei Wochen lang ihr Können unter Beweis. Der deutsche Beitrag zur Übung, Silver Dagger, war zugleich Bestandteil der bundeswehrgemeinsamen Großübung Quadriga. Beteiligt waren unter anderem Soldatinnen und Soldaten des Kommandos Spezialkräfte der Bundeswehr, des Hubschraubergeschwaders 64, der Binationalen Lufttransportstaffel Rhin/Rhein und des Lufttransportgeschwaders 62 sowie des Operativen Führungskommandos der Bundeswehr. 

Ein Soldat im Portrait Brigadegeneral Torsten Glockzin, Direktor Spezialkräfte der Bundeswehr Bundeswehr
Wir üben hier mit dem Partner, mit dem wir auch im Bündnisfall kämpfen würden, so nah an der Realität wie möglich, Seite an Seite gegen den Feind.

Ausgangsszenario: 20 Tage nach Kriegsbeginn

Das Szenario: 20 Tage nach einem Angriff auf die baltischen Staaten sind Teile Litauens und Estlands besetzt, der Weg nach Süden ist abgeschnitten, feindliche Kräfte rücken auf die litauische Hauptstadt Vilnius vor.  Die erste Welle der NATO-Spezialkräfte befindet sich bereits weit auf feindbesetztem Gebiet. Sie betreiben Spezialaufklärung, das heißt, sie identifizieren beispielsweise Hochwertziele wie feindliche Gefechtsstände oder militärisches Führungspersonal, um Präzisionsschläge oder die Gefangennahme vorzubereiten.

Die Rahmenbedingungen für die Spezialkräfte und ihre Führung sind herausfordernd. Lufthoheit über dem Operationsgebiet besteht nicht, eine Verlegung per Hubschrauber oder Flugzeug ist daher nur in engen, akribisch vorbereiteten Zeitfenstern möglich. Hinter feindlichen Linien sind die Teams auf sich allein gestellt – kein Nachschub, keine medizinische Versorgung, geringe Kommunikationsmöglichkeiten mit der Operationsführung. Die Aufträge für die Spezialkräfte-Teams sind breit gefächert: Sie reichen von der Zerstörung kritischer Infrastruktur wie Radaranlagen, Strommasten und Brücken bis hin zur Gefangennahme von gegnerischem Schlüsselpersonal. Vor der Frontlinie ist die Abwehr hybrider Angriffe ein Kernauftrag der Spezialkräfte.

Ein Militärhubschraubers des Typ CH-53 fliegt an einem Funkturm vorbei über eine Stadt in Litauen.

Die Luftwaffe übte nicht nur schnelle Verlegungen, sondern insbesondere auch die reibungslose Zusammenarbeit dislozierter Gefechtsstände und Task Units bei komplexen Operationen

Bundeswehr/Lietuvos Kariuomené
Ein Soldat beobachtet von der Heckklappe eines Helikopters schussbereit das Gelände vor ihm

Soldatinnen und Soldaten des Kommandos Spezialkräfte trainierten intensiv verschiedene Einsatzszenarien (Symbolfoto)

Bundeswehr/Leon Belz

Hybride Bedrohung: Zugriff auf feindlichen Saboteur

Ein Beispiel aus der Übung: Ein Überläufer steht im Verdacht, einen Angriff mit biologischen oder chemischen Waffen vorzubereiten. Er wird beobachtet, seine Lebensgewohnheiten aufgeklärt, die Möglichkeiten einer gezielten Festnahme ausgelotet – und zwar im feindbesetzten Teil Litauens. Die Spezialkräfte bereiten einen Zugriff aus der Luft vor. Bei einer Autofahrt ergibt sich eine Gelegenheit. KSK-Soldaten stoppen das Fahrzeug. Zügig wird der Saboteur festgesetzt und an Bord eines Hubschraubers gebracht. Es dauert nur wenige Minuten, bis alle Kräfte in der Luft ist. Zurück auf NATO-kontrolliertem Territorium wird der Überläufer den litauischen Sicherheitsbehörden übergeben. Die deutschen Soldatinnen und Soldaten machen sich bereit für den nächsten Auftrag.

Gelebte Integration und Verteidigungsfähigkeit

Spezialkräfte und spezialisierte Kräfte aus Luftwaffe und Heer arbeiteten beim Zugriff Hand in Hand – miteinander und mit den litauischen Verbündeten. Für die deutsche Luftwaffe war Flaming Sword dabei Meilenstein und Praxistest zugleich. Erstmals führte Deutschland eine multinationale Special Operations Air Task Group (SOATG), die die Luftunterstützung für die Spezialkräfte am Boden plant. Oberstleutnant Alexander T., Pilot und Projektoffizier im Hubschraubergeschwader 64, erklärt: „Spezialoperationen mit Luftunterstützung erfordern komplexe und zugleich hochdynamische Führungsprozesse. In den vergangenen zwölf Monaten haben wir unsere Fähigkeiten konsequent ausgebaut und erprobt. Wir können das. Wir meinen es ernst.“

Brigadegeneral Torsten Glockzin, Direktor Spezialkräfte der Bundeswehr, betont: „Litauen ist einer der Eckpfeiler des deutschen Engagements in der NATO. Unsere litauischen Partner haben bei Flaming Sword realistische Übungsbedingungen geschaffen, basierend auf den Kriegserfahrungen der Ukraine und mit möglichst wenig Übungskünstlichkeiten, die dem besonderen Stellenwert Litauens als NATO-Frontstaat gerecht werden.“ 

Oberst Darius Milašius, Kommandeur des litauisch geführten Spezialkräftehauptquartiers SOCC Baltic, ergänzt: „Die deutsch-litauische Partnerschaft der Spezialkräfte ist einzigartig. Wir teilen dieselben Werte, dieselben Herangehensweisen, dieselben Ziele.“ Das schaffe echten Zusammenhalt und erhöhe die Kampfbereitschaft für die gemeinsame Verteidigung der NATO-Ostflanke.

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