Corona-Krise – eine zusätzliche Belastung für Einsatzgeschädigte

Corona-Krise – eine zusätzliche Belastung für Einsatzgeschädigte

  • Coronavirus
  • Personal
Datum:
Ort:
Sankt Augustin
Lesedauer:
1 MIN

Um die Zahlen der Neuinfektionen mit dem Corona-Virus zu senken, bleiben in ganz Deutschland die Menschen zu Hause. Sie arbeiten, sofern möglich, aus dem Homeoffice. Auch in der Bundeswehr.

Wir sprachen mit dem Leitenden Regierungsdirektor Thorsten Roth, Referatsleiter der Zentralen Ansprech-, Leit- und Koordinierungsstelle für Menschen, die unter Einsatzfolgen leiden (ZALK) über die aktuelle Situation und die Auswirkungen auf Einsatzgeschädigte.

5 Fragen an Thorsten Roth

Leiter der ZALK

Der Leiter der ZALK am Schreibtisch
PIZ Personal

Wie ist Ihr Referat derzeit von der besonderen Situation, der Corona Krise betroffen?

Der ZALK geht es wie allen Referaten im BAPersBw. Wir haben entsprechend der Weisungslage unser Personal auf ein Minimum heruntergefahren. Wir arbeiten mit einem Kernteam, das den Soldatinnen und Soldaten, die wir betreuen, weiterhin zur Verfügung steht, um besonders zeitkritische Fragen zu beantworten und auch entsprechende Entscheidungen zu treffen.

Der Leiter der ZALK am Schreibtisch
PIZ Personal

Was genau bedeutet das?

Nun, zeitkritisch können u.a. Entscheidungen zur Aufnahme in ein Wehrdienstverhältnis besonderer Art oder die Schutzzeit sein. Sobald uns alle entscheidungsrelevanten Unterlagen vorliegen, agieren wir umgehend und setzen um, auch jetzt. Natürlich spüren wir auch, dass viele Dienststellen, auf deren Zuarbeit wir angewiesen sind, ebenfalls in einer Rumpfbesetzung arbeiten. Wir stehen jedoch mit unseren wesentlichen Kooperationspartnern, wie z.B. dem Zentralen Sanitätsdienst der Bundeswehr, im engen Kontakt. Vielleicht darf ich das an dieser Stelle einmal sagen. Obwohl die Sanität momentan stark durch die Corona-Krise gefordert ist und nach meiner Bewertung Herausragendes leistet, hat sie stets für unsere Belange und somit für die der Einsatzgeschädigten ein offenes Ohr und unterstützt auch hier grandios.

Der Leiter der ZALK am Schreibtisch
PIZ Personal

Was bedeutet die Corona-Krise für die Kameradinnen und Kameraden, die Sie und Ihr Team in der ZALK betreuen?

Ich glaube, es ist hinlänglich in den Medien dargestellt worden, wie psychisch und sozial belastend die Krise im Allgemeinen und die Ausgangsbeschränkungen im Speziellen für uns alle sind. Viele der Soldatinnen und Soldaten, die durch die ZALK betreut werden, leiden unter einsatzbezogenen psychischen Erkrankungen. Da stellt diese Krise eine zusätzliche Belastung dar, zumal die krankheitsbedingt teilweise reduzierten Unterstützungsmechanismen, wie z.B. Kontakt zu Freunden und Familie, aufgrund der Ausgangsbeschränkungen noch weniger als sonst möglich sind.

Der Leiter der ZALK am Schreibtisch
PIZ Personal

Gibt es etwas, was einsatzgeschädigte Soldatinnen und Soldaten in dieser Situation tun können, um sich oder vielleicht auch anderen zu helfen?

Genau das ist das Stichwort. Belastungen sind immer etwas ganz Subjektives. Nicht allen geht es gleich gut oder gleich schlecht. Jemand, der schon am Ende seines therapeutischen Prozesses steht, wird höchstwahrscheinlich besser durch diese Krise kommen, als derjenige mit akuter Symptomatik. Vielleicht hat die erstgenannte Person sogar genügend Reserven, Kameradinnen und Kameraden, die sie kennt und denen es vielleicht nicht so gut geht, zu unterstützen. Ein Telefonat, eine Karte oder eine Runde skypen können schon den Unterschied machen. Wir müssen uns nicht sozial isolieren, nur körperlich.

Neben der gegenseitigen Unterstützung ist aber auch die Ansprache und Kommunikation durch Vorgesetzte und nicht-einsatzgeschädigte Kameradinnen und Kameraden sehr wirkungsvoll. Natürlich gilt es auch hier Maß und Mitte zu halten, also nicht zweimal täglich anzurufen. Vielmehr ist es für die einsatzgeschädigten Kameradinnen und Kameraden wichtig zu erkennen, dass sie integraler Bestandteil eines Systems sind und in den Informationsfluss eingebunden werden. Diese Form der Wertschätzung kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Ansonsten ist neben der Nutzung der digitalen Kommunikationsmöglichkeiten ein strukturierter Tagesablauf sinnvoll und hilfreich. Wir kennen dies auch aus unseren Einsätzen der Bundeswehr, in denen Struktur ein sehr hilfreicher Begleiter durch den Alltag ist. Zu ähnlicher Zeit morgens aufstehen, regelmäßige Mahlzeiten, sportliche Betätigung und auch eingeplante Zeiten für (digitale) soziale Kontakte… so oder so ähnlich wäre das zu verstehen. Der Psychologische Dienst der Bundeswehr hat zu dieser Thematik eine gute Handreichung erstellt.

Der Leiter der ZALK am Schreibtisch
PIZ Personal

Gibt es denn auch telefonische Ansprechpartner, die zur Verfügung stehen würden?

Neben dem behandelnden Truppenarzt, ggf. den jeweiligen Therapeutinnen und Therapeuten gibt es die Ansprechpartner des Psychosozialen Netzwerks (PSN). In letztgenanntem sind der Sozialdienst, die Militärseelsorge, der Psychologische Dienst und der Sanitätsdienst aktiv. Als ZALK stehen wir für alle Fragen um die Anwendung des Einsatz-Weiterverwendungsgesetzes zur Verfügung.

Der Leiter der ZALK am Schreibtisch

Vielen Dank für das Gespräch und bleiben Sie gesund!

Hier erreichen Sie die ZALK:

Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr
Zentrale Ansprech-, Leit- und Koordinierungsstelle für Menschen, die unter Einsatzfolgen leiden
Referat ZS 2 ZALK
Alte Heerstraße 81
53757 Sankt Augustin
Tel.: 02241 15 3368 (Ansprechstelle)
Fax: 02241 15 2838
BwBundeswehr-Kennzahl: 3471
Mail: BAPersBwZALK@bundeswehr.org


von PIZ Personal  E-Mail schreiben

Mehr zum Thema: