Das Materialwirtschaftszentrum Einsatz (MatWiZEinsBw) der Bundeswehr ist eine wichtige Drehscheibe der Einsatzlogistik. Vom niedersächsischen Hesedorf aus verteilt die Dienststelle Fahrzeuge sowie Material – geprüft und fit gemacht – in die Welt. Das geht auch andersrum. Bevor zum Beispiel ein Fennek aus Mali wieder zu Hause ist, wird er bei der Streitkräftebasis gründlich gecheckt. Anschließend kann er von der Truppe in der Landes- und Bündnisverteidigung eingesetzt werden.
Gründlicher Checkup: Bevor ein Fennek wieder an seinen Heimatstandort kommt, wird er in Hesedorf komplett auf Betriebssicherheit und sämtliche Funktionen geprüft. Der Verband bekommt ein absolut einsatzfähiges Fahrzeug zurück.
Bundeswehr/Christopher Preloznik
Die Fahrzeuge und das Material werden im Einsatz hoch beansprucht. So herrschen in den verschiedenen Ländern oft chaotische Straßenverhältnisse oder die Wege führen die Besatzungen durch unwegsames Gelände. Ebenso spielen Witterungseinflüsse eine große Rolle, wie zum Beispiel Sonneneinstrahlung, Staubentwicklung oder Temperaturschwankungen. All das und noch weitere Faktoren hinterlassen deutliche Spuren an den Fahrzeugen. In Hesedorf bei Bremervörde werden sie nach der Rückkehr aus dem Einsatz auf „Herz und Nieren“ geprüft, bevor sie zurück in die Einheiten und Verbände geschickt werden. Das Materialwirtschaftszentrum der Bundeswehr ist als Dienststelle der Streitkräftebasis auf derartige Aufgaben spezialisiert.
Die Fahrzeuge haben vor ihrem Abtransport aus Mali bereits einige Stationen in einer sogenannten Materialschleuse durchlaufen. Die entsprechenden Vorgaben dazu kommen vom Logistikkommando der Bundeswehr über das Materialwirtschaftszentrum Einsatz der Bundeswehr an das Personal im Einsatzland. So weiß man in Hesedorf im Vorfeld schon recht genau, was auf die Mitarbeitenden zukommt. Endlich in Deutschland, nimmt sich Stabsfeldwebel Jirka A. der Fahrzeuge an.
Die Soldatin und der Kommunikationselektroniker Hartmut K. sind Geräteprüfer. Beide checken zunächst die Funkgeräte, das Satellitentelefon sowie die GPSGlobal Positioning System-Anlage und die militärische Navigationstechnik im Fennek. „Das ist nicht ganz einfach“, berichtet Jirka A., denn „die Kommunikationstechnik ist recht komplex und auf engstem Raum verbaut.“ Die Mechanik der Geräte ist meist noch in Ordnung. Häufige Schäden seien – so die beiden Experten – defekte Stecker oder gequetschte beziehungsweise gebrochene Kabel. „Das Meiste können wir hier reparieren“, sagt Hartmut K.
Je nach Aufwand der notwendigen Instandsetzung kann der Prüftrupp an der ersten Station aber auch komplette Anlagen austauschen oder eine auswärtige Reparatur beauftragen. „Die Truppe muss sich auf unsere Überprüfung verlassen können und bekommt nur eine absolut funktionsfähige Anlage zurück“, steht Jirka A. zu ihrer Verantwortung.
Fennek in Mali: Der Spähwagen wurde während der UNUnited Nations-Mission MINUSMAMission Multidimensionnelle Intégrée des Nations Unies pour la Stabilisation au Mali vielfältig eingesetzt – teils unter schwierigen Bedingungen
Bundeswehr/Falk Bärwald
Vorbereitung: Ein Soldat entfernt die Tarnung von einem Spähwagen Fennek für die Rückverlegung des Materials aus dem Camp Castor in Gao (Mali)
Bundeswehr/Maik Hörhold
Bevor der Fennek die Heimreise antritt, wird er gründlich gewaschen
Bundeswehr/Maik Hörhold
Alles an Bord? Die Bordausstattung und weitere Ausrüstungs- und Bestandteile des Fenneks werden noch in Mali auf Vollzähligkeit überprüft.
Bundeswehr/Maik Hörhold
Bundeswehr/Christopher Preloznik
Station 2
„TÜV“ am Fennek
Hauptfeldwebel Jens G. ist Kraftfahrzeugmechatroniker und legt sein Augenmerk auf das Fahrwerk des Fenneks: „Die Radaufhängung weist bisweilen Schäden auf und unterliegt Verschleiß.“ Desolate Straßen, Geländefahrten und die Witterung Malis setzen der Technik zu. Die Bundeswehr verfügt daher über einen Prüfkatalog, der mit den gesetzlichen Vorgaben für zivile Fahrzeuge in Einklang steht. „So wie jeder PKW regelmäßig zur Hauptuntersuchung muss, unterliegt auch jeder Fennek bestimmten Wartungs- und Prüfintervallen. Hier ist quasi der TÜV“, so der Portepeeunteroffizier. Sicherheit für die Besatzung und andere Verkehrsteilnehmende steht an erster Stelle. Zusätzlich wird die Hydraulik beim Fennek jährlich geprüft. Schließlich wird in Hesedorf auch eine gründliche Inspektion des Motors durchgeführt.
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Der Fennek kann unterschiedliche Bewaffnung mitführen. Entweder führt die Besatzung ein schweres Maschinengewehr mit einem Kaliber von 12,7 Millimetern mit oder greift auf die 40-Millimeter-Granatmaschinenwaffe zurück. Je nach Einsatzprofil. Standardmäßig ist an die Fernbedienbare Leichte Waffenstation 200 (FLWFernbedienbare Leichte Waffenstation 200) eine Nebelwurfanlage montiert. Bedienbar ist die gesamte Waffenstation aus dem Inneren des Fahrzeugs, wozu eine präzise Elektronik und Zieloptik notwendig sind. Ob das System auch künftig wieder einsatzbereit ist, überprüft Hauptfeldwebel Martin K. zusammen mit dem Arbeitnehmer Erich P. von der Luke bis zum kleinsten Schalter. Sie legen den Aufwand und den Umfang der Instandsetzungsmaßnahmen fest. „Die Bewaffnung „gehört“ sozusagen zum Ausstattungssatz des jeweiligen Fahrzeugs“, so K., der zunächst eine Eingangsprüfung vornimmt.
In der Waffeninstandsetzung reparieren und justieren Waffenmechaniker bei Bedarf die Waffen. Kollege P. stellt häufig verbogene Schalter oder defekte Kabel fest, die er austauscht. Der Bordcomputer des Fennek erlaubt einen integrierten Check der Steuerungs- und Zielelektronik. Am Ende dieser aufwändigen technischen Materialkontrolle steht eine Fahrt als Ausgangsprüfung. Im Zickzackkurs fahren die Prüfenden mit dem Fennek eine bestimmte Strecke in der Hesedorfer Liegenschaft. Dabei richten sie die Waffenanlage auf eine Tafel mit „Zielscheibe“ aus. Erst wenn diese exakt arbeitet, wird der Spähwagen freigegeben. Dieser hat wieder genau die Waffen an Bord, die ihm bereits zugeordnet waren.
Fernbedienbare Leichte Waffenstation 200
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Die Fernbedienbare Leichte Waffenstation 200 wird auf Gefechts- und Führungsfahrzeugen eingesetzt und aus dem Fahrzeuginneren abgefeuert. An der FLWFernbedienbare Leichte Waffenstation 200 kann ein schweres Maschinengewehr oder eine Granatmaschinenwaffe befestigt werden.
Moderne Gefechtsfahrzeuge wie der Fennek verfügen über eine ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Schutz- und Belüftungsanlage. „Im Regelbetrieb sorgt diese gleichzeitig für ein moderates „Raumklima“ in der engen Fahrgastzelle. Dazu hat die Anlage einen Staubfilter. Ein Aktivkohlefilter kann zusätzlich aktiviert werden, um die Besatzung vor Schwebstoffen zu schützen.“ Stabsfeldwebel Marc H. ist Geräteprüfer der Bundeswehr für ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Gerätschaften. Er checkt die auszutauschenden Filter, die bis zu 20 Jahre lagern können, aber sich maximal ein Jahr in Betrieb befinden dürfen. „Die Bedingungen in Mali führen zu einer verkürzten Verwendungsdauer. Diese Filter sind wegen extremem Staub und der afrikanischen Hitze bereits nach einem halben Jahr fällig“, erklärt er.
Die Luft, die von außen angesaugt wird, muss innen sauber und gefahrlos ankommen. Insbesondere, wenn die Mission in ein verseuchtes Gebiet führt. Marc H. checkt daher auch den Druck der ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Schutz- und Belüftungsanlage nebst allen Dichtungen und Anschlüssen. Innen hält er acht Millibar über eine bestimmte Zeit aufrecht. Über die Filteranlage auf dem Dach des Fenneks mischt er Isoamylacetat – umgangssprachlich Bananenöl genannt – bei. „Sollte mit der Anlage irgendetwas nicht stimmen, riecht es im Fahrgastraum nach Bananen“, erklärt H. das Verfahren. H.'s Prüfgeräte messen auch kleinste Moleküle, die die Anlage „im Ernstfall“ herausfiltern würde.
Austausch der Filter: Das Materialwirtschaftszentrum Einsatz der Bundeswehr bevorratet alle Artikel, die zur gründlichen Überholung und Instandsetzung der Fahrzeuge nötig sind.
Bundeswehr/Christopher Preloznik
Druck machen: Marc H. prüft die Klimaanlage des Fennek auf Funktion.
Bundeswehr/Christopher Preloznik
Bundeswehr/Christopher Preloznik
Station 5
Gut für’s Klima
Wie jedes Kraftfahrzeug verfügt auch ein Fennek über viele Flüssigkeiten: Diesel, Kühlwasser, Hydrauliköle, Motoröl und Füllmittel für die Klimaanlage. Deren Füllstände müssen allesamt geprüft und bei Bedarf aufgefüllt oder gewechselt werden. Darin unterscheidet sich der Werkstattaufenthalt in Hesedorf kaum von dem in einer in der KfzKraftfahrzeug-Werkstatt um die Ecke. Am Ende steht hier auch eine Probefahrt auf der Agenda. Sind alle Arbeiten abgeschlossen, geht der Fennek zurück in seine Einheit am Heimatstandort. Manchmal ist noch ein Zwischenstopp beim Hersteller nötig, um fahrzeugspezifische Instandsetzungsarbeiten vorzunehmen. Dazu bestehen Rahmenverträge mit der Bundeswehr.
Das MatWiZEinsBw ist eine ortsfeste, logistische Einrichtung der SKBStreitkräftebasis. Sie dient der Materialwirtschaft in der Logistischen Basis Inland und zeitlich befristet in den Einsatzgebieten. Unter anderem ist die Rückführung von Material ein Auftrag.
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