Streitkräftebasis
Stärkung der Partnerschaft

Combat Logistics Patrol: Deutsch-österreichische Konvoi-Übung

Combat Logistics Patrol: Deutsch-österreichische Konvoi-Übung

Datum:
Ort:
Kümmersbruck
Lesedauer:
4 MIN

Premiere in Österreich: Erstmalig übt das Logistikbataillon 472 aus Kümmersbruck mit dem österreichischen Versorgungsregiment 1 aus Gratkorn (Graz) und der Theresianischen Militärakademie des österreichischen Bundesheeres. Die Übung dient der Stärkung der Partnerschaft sowie der Abstimmung von Verfahren und Abläufen.

Fahrzeuge der Bundeswehr sind auf österreichischen Straßen unterwegs.

Durch Schnee und Eis: Auf dem Weg zur bilateralen Konvoi-Übung mit den österreichischen Partnern

Bundeswehr/Andrea Hochwind

Die bilaterale Übung nutzt der Jahrgangsleiter der österreichischen Militärakademie, Oberstleutnant D., um die Fähnriche seines Jahrganges in der Organisation und Durchführung eines Konvois auszubilden. Während der viertägigen Übung verlegen die Soldatinnen und Soldaten unter abwechselnder Führung der Fähnriche nach Güssing, Großmittel und Götzendorf. Dabei wird insgesamt eine Strecke von 300 Kilometern zurückgelegt. Das Logistikbataillon 472 begleitet den Konvoi, der insgesamt über knapp 30 Fahrzeuge verfügt, mit drei geschützten Transportfahrzeugen des Typen Zetros und dem geschützten Einsatzfahrzeug Eagle. Das Versorgungsregiment 1 stellt für den Konvoi weitere Transport- und Unterstützungsfahrzeuge zur Verfügung.

Aller Anfang ist schwer, besonders ohne Licht

Kaum verlässt der Konvoi die Kaserne in Gratkorn, melden deutsche und österreichische Teile des Konvois Aufklärungsversuche von gegnerischen Kräften, die durch österreichische Soldatinnen und Soldaten dargestellt werden. Mit stetiger Verfolgung und Ausspähung dieser Kräfte wird der Konvoi während der gesamten Übung zu kämpfen haben. Deshalb müssen auch die Rastplätze für die Nacht möglichst getarnt erreicht werden, um nicht von weiteren gegnerischen Kräften entdeckt zu werden. Dies stellt die Soldatinnen und Soldaten des Logistikbataillons 472 vor eine große Herausforderung. In der Nacht bei Dunkelheit und ohne eingeschaltete Beleuchtung der Fahrzeuge, muss der Konvoi den Stellplatz im Wald über Feld- und Forstwege erreichen. Einziges Hilfsmittel bei der Navigation: Der Fahrzeugbesatzung stehen Nachtsichtbrillen zur Verfügung.

Die Bewaldung erschwert es den Kraftfahrenden, explizit in der Rückwärtsbewegung, ihre Fahrzeuge an die vorgesehene Position zu bewegen. Ein abgestiegenes Besatzungsmitglied unterstützt deshalb per Handzeichen. Dieses Vorgehen stärkt insbesondere das Vertrauen in die Fahrzeuge und die Kameradinnen und Kameraden, die als Einweisende fungieren. Stunden später stören Schüsse die verdiente Nachtruhe. Die Sicherungsgruppen des Konvois alarmieren die Fahrzeugbesatzungen. Nach einer kurzen Information per Funkspruch entspannt sich die Lage jedoch schnell. Auslöser der Alarmierung war der Angriff feindlicher Kräfte auf den zuvor bezogenen Rastplatz. Die auszubildenden Fähnriche werden dahingehend sensibilisiert, dass eine große Rast mit Verpflegung und Feldbetankung sehr leicht aufklärbar ist. Deshalb sollte ein neuer getarnter Standort zur nächtlichen Rast vorgezogen werden.

Vorne halten, Sicherungsbereiche einnehmen

Die Übung gipfelt in der Verlegung des Konvois von der Ortschaft Großmittel auf den Truppenübungsplatz Götzendorf. Dabei trifft er auf eine Straßensperre mit Stacheldraht, die die Weiterfahrt der Fahrzeuge verhindert. Kurz darauf werden Teile des Konvois flankierend von feindlichen Kräften mit Handfeuer- und Panzerabwehrwaffen beschossen. Ausbildungsziel ist, dass die Soldatinnen und Soldaten in ihren Sicherungsbereichen unmittelbar das Feuer erwidern. Parallel räumen die mitgeführten Pioniere des Versorgungsregimentes 1 die Sperre unter Eigensicherung und die hinteren Teile des Konvois werden genutzt, um den Feind flankierend zu bekämpfen. Nach der Entfernung der Sperre wird der Marsch fortgesetzt. Plötzlich geraten die vorderen Sicherungselemente des Konvois an einer weiteren Sperre unter massives feindliches Feuer.

Dabei werden zwei geschützte Fahrzeuge des Versorgungsregimentes 1 durch Panzerabwehrwaffen bekämpft und zerstört. Kurzentschlossen befiehlt der Kompaniekommandant des Konvois, Oberstleutnant D., dem deutschen Eagle und der hinteren Sicherungsgruppe den vorderen Sicherungsbereich zu übernehmen. Diesmal werden die feindlichen Kräfte vom Angriff der vorderen Teile des Konvois gebunden und durch einen angeforderten „Close Air Support“ (Luftschlag), der mit Schiedsrichtermunition simuliert wird, vernichtet. Den Übungsteilnehmenden wird vermittelt, dass feindliche Kräfte auch im Verbund mit unterschiedlichen Waffensystemen bekämpft werden können, um die eigenen Kräfte bestmöglich vor Verwundung zu schützen. Unter Sicherung des Eagles räumen die Pionierkräfte die Sperre, so dass der Konvoi ohne weitere Zwischenfälle am Marschziel in der Kaserne Großmittel ankommt und die Übung damit ihr Ende findet.

  • Mehrere militärische Fahrzeuge stehen auf beiden Fahrspuren einer Straße.

    Deutsche und österreichische Soldatinnen und Soldaten sichern mit ihren Fahrzeugen den Konvoi

    Bundeswehr/Andrea Hochwind
  • Mehrere Militärfahrzeuge stehen in einer Reihe auf einer Straße.

    Der Konvoi aus deutschen und österreichischen Transport- und Gefechtsfahrzeugen steht bereit zur Abfahrt

    Bundeswehr/Andrea Hochwind
  • Mehrere Militärfahrzeuge fahren eine Straße mit dichten Nebel entlang.

    Der Konvoi verschwindet im dichten Nebel der Berge

    Bundeswehr/Andrea Hochwind
  • Zwei Militärfahrzeuge stehen vor einer Straßensperre mit Stacheldraht.

    Die österreichische Konvoi-Sicherung des binationalen Konvois fährt auf eine Straßensperre mit Stacheldraht zu

    Bundeswehr/Andrea Hochwind
  • Deutsche und österreichische Soldatinnen und Soldaten stehen um ein Maschinengewehr.

    Die österreichischen Soldatinnen und Soldaten werden in das auf den Zetros montierte Maschinengewehr MG 5 eingewiesen

    Bundeswehr/Andrea Hochwind

Gemeinsame Erfahrungen für zukünftige Ausbildungen

Bei der Auswertung der Übung bedankt sich Oberstleutnant D. für die Unterstützung des Logistikbataillons 472 und die hervorragende Zusammenarbeit. Da keine sprachlichen Barrieren in dieser bilateralen Übung bestehen, können die Ausbildungsmethodik, der Gefechtsdienst und die Einbindung logistischer Elemente in einem Konvoi problemlos miteinander verglichen werden. Die deutschen Teile leisten im Rahmen der Konvoi-Übung einen wichtigen Beitrag bei der Ausbildung des zukünftigen österreichischen Führungskorps. Die Fähnriche können dabei vom Erfahrungsschatz langjähriger Soldatinnen und Soldaten der Truppe profitieren. Das Logistikbataillon 472 seinerseits bedankt sich für die Möglichkeit der Teilnahme an der Konvoi-Übung und übergibt Oberstleutnant D. das Wappen des Bataillons. Zum Abschluss bereiten die deutschen Teile der Übung ein sogenanntes Fremdwaffenschießen vor, um den Zusammenhalt mit den österreichischen Kameradinnen und Kameraden auszubauen. Dieses wird mit Freuden von der Militärakademie und dem Versorgungsregimentes 1 wahrgenommen.

Auch die Regimentskommandantin des Versorgungsregimentes 1, Oberstleutnant J. hebt die gute Zusammenarbeit zwischen den deutschen und österreichischen Einheiten hervor und bedankt sich für die Teilnahme des Logistikbataillons 472. Sie erhält vom deutschen Delegationsführer, Hauptmann N. das Wappen der 4. Kompanie des Logistikbataillons 472, welche den Großteil der deutschen Teilnehmenden stellt. Zuletzt verlegen die deutschen Kräfte nach einer Woche gemeinsamer Übung, diverser Gespräche und Ideen für zukünftige Veranstaltungen, zurück in die Heimat.

von Nicola Kuhn  E-Mail schreiben

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