Streitkräftebasis

Deutsch-ungarische Transport-Übung SAFETY TRANSPORT

Deutsch-ungarische Transport-Übung SAFETY TRANSPORT

  • Logistik
  • Streitkräftebasis
Datum:
Ort:
Hammelburg
Lesedauer:
4 MIN

Deutsch-ungarische Transport-Übung SAFETY TRANSPORT: Das Logistikbataillon 472 aus Kümmersbruck übt mit dem ungarischen 64. Logistikregiment Kaposvár. Die Zusammenarbeit wird sowohl in den Transportzügen als auch im Kompanie-Gefechtsstand verfeinert. Die Übung dient dazu, Abläufe und Verfahren zu standardisieren und harmonisieren.

Ein MAN Multi und ein Iveco Trakker fahren durch das Übungsdorf Bonnland.

Deutscher Transport-Zug bei der SAFETY TRANSPORT: Mit Großfahrzeugen geht es durch das Übungsdorf Bonnland. Der Gefechtsstand hat über Funk Kontakt zu den Kolonnen auf dem Gelände des Übungsplatzes.

Bundeswehr/Felicia Englmann

Die Bürger von Bonnland staunen: Ein Kolonne Bundeswehr-Fahrzeuge steht im Ort. Ein Kanalarbeiter erklärt den Soldaten, dass die Durchfahrtsstraße wegen Bauarbeiten leider kurzfristig gesperrt wurde. Der Zugführer funkt an den Gefechtsstand. Gibt es eine Ausweichroute? Die Bürger, dargestellt von Rollenspielern, sind neugierig, aber ob alle freundlich sind, ist nicht klar. Die Soldaten sind auf der Hut, die meisten bleiben aber in ihren Fahrzeugen. Bis die Ausweichroute bekannt ist gilt es, wachsam zu sein. So wie dieses Übungs-Szenario auf dem Truppenübungsplatz Hammelburg könnten sich die Aufträge der deutsch-ungarischen Transportkompanie gestalten. Das Logistikbataillon 472 aus Kümmersbruck und das 64. Logistikregiment Kaposvár (Ungarn) trainiert die Transporte im Rahmen der Übung SAFETY TRANSPORT gemeinsam in Hammelburg. Logistik, auch in internationaler Kooperation, gehört zu den Aufgaben der Streitkräftebasis.

Kommunikation als Schlüssel zum Erfolg

Ein Lastwagen zieht mit der Winde einen anderen Lastwagen auf die Ladefläche. Unscharf im Hintergrund ungarische Soldaten.

Zusammenarbeit: Die Kümmerbrucker Logistiker bergen einen ungarischen Lastwagen. Die ungarischen Kameraden sichern derweil die Umgebung.

Bundeswehr/Felicia Englmann

Im Gefechtsstand im Lager Felschental laufen alle Informationen aus den Transporten zusammen. Hier sind alle Funktionen und Führungsgrundgebiete doppelt besetzt, mit jeweils einem ungarischen und einem deutschen Soldaten oder Soldatin. Der bi-nationale, voll besetzte und voll funktionsfähige Kompaniegefechtsstand ist das Herzstück der SAFETY TRANSPORT 2020. Die zweiwöchige Übung findet unter intensiven Corona-Schutzmaßnahmen wie vorangegangener Quarantäne, strengen Hygieneregeln statt. 110 Soldatinnen und Soldaten und 20 Großfahrzeuge aus beiden Ländern sind dabei. Auf Kommunikation kommt es bei SAFETY TRANSPORT 2020 ganz besonders an – im Gefechtsstand genauso wie draußen bei den Transportzügen. Es gilt dabei, die Vorgehens- und Arbeitsweisen auf Kompanieebene zu verfeinern und aufeinander abzustimmen. Die Sprache im Gefechtsstand ist Englisch, mit den Zügen kommuniziert der Gefechtsstand in Deutsch oder Ungarisch. Auch die Zugführer sprechen in Landessprache.

Der Kompaniegefechtsstand im Zentrum der Übung

Ein Soldat im Feldanzug in einem Raum. Er blickt direkt in die Kamera. Im Hintergrund Lagekarten.

Chef der bi-nationalen Transportkompanie der SAFETY TRANSPORT ist Hauptmann Martin Gurschke. Er ist Chef der Transportkompanie des Logistikbataillons 472 aus Kümmersbruck.

Bundeswehr/Felicia Englmann

Über Funk gehen die Anweisungen an die Transportzüge auf dem Übungsplatz – und deren Rückmeldungen in den Kompaniegefechtsstand. Liegen gebliebenes Fahrzeug? Ausweichroute? Beschuss? Die realen Transporte sowie zwei von der Übungsleitung simulierte Transportzüge sind vom Gefechtsstand aus zu betreuen, zudem gibt es Meldungen an eine simulierte Division. Hauptmann Martin Gurschke, Kompaniechef der 5. Kompanie des Logistikbataillons 472 und in der Übung Chef der bi-nationalen Kompanie, sagt: „Die Herausforderung ist, die Gefechtsstandarbeit so zu koordinieren, dass jeder nur das tut, was er auch tun soll, damit die Züge draußen gut geführt werden.“ Oberleutnant (OF-1) Antal Batiz aus Ungarn, bei der SAFETY TRANSPORT 2020 stellvertretender Kompaniechef, betont: „Das wichtigste bei dieser Übung ist, unsere Verfahren zu standardisieren und zu harmonisieren.“

Einsatzfähige bi-nationale Transportkompanie als Ziel

Ein deutscher und ein ungarischer Soldat im Feldanzug mit Gefechtshelmen sprechen miteinander.

Gemeinsam stark: Bei SAFETY TRANSPORT üben deutsche und ungarische Logistiker gemeinsam. Hier gilt es für die Kümmersbrucker, ein übungshalber liegengebliebenes ungarisches Fahrzeug zu bergen.

Bundeswehr/Felicia Englmann

Das Projekt SAFETY TRANSPORT ging 2015 aus einem anderen deutsch-ungarischen Projekt hervor. Bei SAFETY TRANSPORT übt die 5. Kompanie des Logistikbataillons 472 aus Kümmersbruck (Oberpfalz) mit dem 64. Logistikregiment Kaposvár (Südtransdanubien). Die Einheiten sind seit 2018 auch über eine offizielle Patenschaft verbunden. Die Kümmersbrucker Logistiker sind mit diesem Projekt in einer Vorreiterrolle beim Thema Multinationalität der mobilen Logistiktruppen der Streitkräftebasis. Seit 2017 finden die jährlichen Übungen abwechselnd in Deutschland und Ungarn statt. Ziel ist, im Jahr 2022 eine einsatzfähige bi-nationale Transportkompanie zu stellen. Diese soll täglich 600 Tonnen Nutzlast über eine Entfernung von 300 Kilometern transportieren können. Die Kompanie hat eine bi-nationale Führung, die Züge sind nach Nationen getrennt. Durch diese Struktur könnten sich auch weitere NATO-Partnerstaaten dem Projekt anschließen.

Großfahrzeuge im Gelände

Ungarische Soldaten und Fahrzeuge sind auf der Hauptstraße eines Übungsdorfes unterwegs.

Marsch durch Bonnland: Soldaten und Fahrzeuge des 64. Logistikregiments Kaposvár (Ungarn). Die ungarischen Logistiker üben mit dem Patenbataillon aus Kümmersbruck.

Bundeswehr/Felicia Englmann

Das Staunen in Bonnland hört gar nicht auf. Ein ungarischer Geländewagen rollt durchs Übungsdorf, wendet, fährt wieder zurück. Dann kommt im Schritttempo die ungarische Lastwagen-Kolonne. Soldaten gehen neben den Lastwagen her und sichern ihre Fahrzeuge. Als Handfeuerwaffen tragen sie AK-63 aus ungarischer Fertigung. Andere Taktik, andere Waffen – durch die getrennten Züge lässt sich der gemeinsame Auftrag der Kompanie dennoch effizient ausführen. Die ungarischen Logistiker sind mit zwölf Fahrzeugen zur Übung nach Deutschland gekommen, darunter die Lastwagen Raba H14 und H25, der Wechsellader Raba H15 und ein MAN HX 32 mit Sideloader. Zudem haben die ungarischen Streitkräfte einen mobilen Gefechtsstand mitgebracht, der in einem speziell umgebauten Reisebus untergebracht ist. Die Kümmersbrucker Logistiker sind mit MAN Wechsellader Multi, Iveco Trakker und Scania-Lastwagen dabei.

Deutsch-ungarische Logistik: Gemeinsam stark

Ungarische Soldaten im Feuergefecht, vor allem im Liegendanschlag, vor abgestellten Lastwagen.

Herausforderung für die übende Truppe: Der ungarische Transport-Zug wird in ein Gefecht verwickelt. Die ungarischen Streitkräfte haben eigene Fahrzeuge und Waffen zur Übung SAFETY TRANSPORT mitgebracht.

Bundeswehr/Felicia Englmann

Im Übungsdorf Bonnland bleibt alles friedlich. Beschuss bekommt der ungarische Zug in diesem Durchgang erst in einem Waldstück. Die Kümmersbrucker Ausbilder haben sich für jeden Durchgang andere Szenarien einfallen lassen und steigern im Lauf der Übung die Anforderungen, auch an den Gefechtsstand. Bei einem Durchgang gilt es für den deutschen Zug, ein Bergefahrzeug zum ungarischen Zug zu schicken, um ein liegengebliebenes Fahrzeug aufzunehmen. Die Züge mögen getrennt unterwegs sein, sind aber auch gemeinsam stark. Höhepunkt der SAFETY TRANSPORT 2020 ist die gemeinsame Verlegung der gesamten Kompanie inklusive des Gefechtsstands von Hammelburg auf den thüringischen Standortübungsplatz Ohrdruf. Dabei kommen „alle Bausteine zusammen, die bisher separat geübt wurden“, erklärt Oberstleutnant Sebastian Erbe, Kommandeur des Logistikbataillons 472. Der Kommandeur ist voll des Lobes: „Die Männer und Frauen sind hoch motiviert, alles funktioniert super.“

von Dr. Felicia Englmann  E-Mail schreiben

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