Streitkräftebasis

Freiwilliger Wehrdienst im Heimatschutz – jetzt geht´s los

Freiwilliger Wehrdienst im Heimatschutz – jetzt geht´s los

  • Heimatschutz
  • Streitkräftebasis
Datum:
Ort:
Volkach
Lesedauer:
9 MIN

Unter dem Motto „Dein Jahr für Deutschland“ bildet die Bundeswehr seit April im Pilotprojekt der Streitkräftebasis Freiwillige für den Heimatschutz an elf Standorten aus. 68 von ihnen absolvieren die Grundausbildung im Logistikbataillon 467 in Volkach.

Nick absolviert seine Grundausbildung im Freiwilligen Wehrdienst im Heimatschutz

Der 18-jährige Nick absolviert als einer der ersten den Freiwilligen Wehrdienst im Heimatschutz.

Bundeswehr/Thomas Sauer

Im „Dein Jahr für Deutschland“ Pilotprojekt der Streitkräftebasis bildet die Bundeswehr seit April Freiwillige für die Landes- und Bündnisverteidigung sowie für Krisen- und Katastropheneinsätze im Inland aus. Einer der ersten Rekrutinnen und Rekruten ist Abiturient Nick. Der 18-jährige aus Tiefenstockheim im unterfränkischen Landkreis Kitzingen trat in der Mainfranken-Kaserne in Volkach seinen Dienst an. Die Motivation für seine Entscheidung beschreibt Nick so: „Ich wollte mich nicht gleich für viele Jahre an die Bundeswehr binden, sondern erstmal reinschnuppern, und da kam mir der freiwillige Wehrdienst im Heimatschutz gerade recht“.

Die 20-jährige Abiturientin Annika zu ihrer Entscheidung: „Meine Motivation war eine militärische Ausbildung erhalten, Kameradschaft erleben und der Sport. Nach sieben Monaten Ausbildung habe ich die Möglichkeit, während des Studiums in den Semesterferien, den Dienst flexibel abzuleisten“. Die älteste Rekrutin im Heimatschutz in Volkach ist eine 45-jährige Altenpflegerin. Drei Monate wird die Grundausbildung dauern, die mehr als 320 Kameradinnen und Kameraden an elf Standorten absolvieren. 68 davon im Logistikbataillon 467 in Volkach.  Anschließend folgt eine viermonatige Spezialausbildung und die restlichen fünf Monate werden innerhalb von sechs Jahren in einer regionalen Reserveeinheit abgeleistet.

Einkleidung – die eigene Uniform

Soldat begrüßt die neuen Rekrutinnen und Rekruten.

Der Kompaniechef vom 8. Logistikbataillon 467, Hauptmann Johannes Slawik, begrüßt die Rekrutinnen und Rekruten in der Sporthalle der Mainfranken-Kaserne.

Bundeswehr/Thomas Sauer

Nach der Erledigung der Formalitäten und der offiziellen Begrüßung durch Kompaniechef und Kompaniefeldwebel, geht es für Nick zur Einkleidung. „Eine eigene Uniform ist schon richtig cool. Ich freue mich riesig auf die kommenden Herausforderungen und lasse alles auf mich zukommen“, so der 18-jährige. Kampfstiefel, Essbesteck und Ausgehuniform - nach der Einkleidung in Volkach kann es für die jungen Soldatinnen und Soldaten endlich richtig losgehen. Insgesamt empfangen sie mehr als 50 unterschiedliche Ausrüstungsgegenstände. Das, was in den kommenden drei Monaten auf Nick zukommt, ist normalerweise Routine. Während Corona ist aber alles anders. In kleinen Gruppen, mit Maske und Mindestabstand, gehen die Rekrutinnen und Rekruten zur Einkleidung in die Bekleidungskammer der Mainfranken-Kaserne. Kompaniechef Johannes Slawik hat für die Grundausbildung ein Hygienekonzept erarbeitet. Die Ausbildungsmaßnahmen finden mit großem Abstand zueinander statt und alle Teilnehmenden werden wöchentlich mindestens einem Corona-Test unterzogen. Hauptmann Slawik ist zuversichtlich und nachdenklich zugleich: „Wir haben uns vor Beginn der Grundausbildung viele Gedanken über die richtigen Corona-Schutzmaßnahmen gemacht und sind bestens vorbereitet. Trotzdem kann das Virus alles durcheinanderbringen. Wir müssen den Spagat zwischen guter Ausbildung und Einhaltung aller möglichen Schutzmaßnahmen halten.“

Einkleidung von Soldat in der Bekleidungskammer.

Der gebürtige Franke Nick bei der Einkleidung

Bundeswehr/Thomas Sauer

Was von den Freiwilligen im Heimatschutz erwartet wird, beschreibt Hauptmann Slawik so: „Wir bilden die Kameradinnen und Kameraden so aus, dass sie unsere Heimat schützen können. In der Grundausbildung erhalten sie eine Wach- und Waffenausbildung, eine fundierte Erste-Hilfe-Ausbildung und lernen, sich im Gelände zu orientieren sowie zu überleben. Ihre körperliche Leistungsfähigkeit wird bei der Sportausbildung verbessert, um den Anforderungen des Gefechtsdienstes gewachsen zu sein. Damit können die zukünftigen Heimatschützer Wach- und Sicherungsaufgaben bei der Landes- und Bündnisverteidigung im Inland ausführen. Gleichzeitig können sie gemeinsam mit den vielen Freiwilligen der Feuerwehr, des Technischen Hilfswerks und bei anderen Hilfs- und Rettungsdiensten eingesetzt werden. Sie helfen bei Naturkatastrophen, schweren Unglücken und bei der Amtshilfe, wie z.B. bei der Bewältigung der COVID-19Coronavirus Disease 2019-Pandemie, zum Schutz der Bevölkerung.“

Bundeswehr entdecken – Lernen für den Ernstfall

Sanitätsausbildung in der Grundausbildung.

Lernen für den Ernstfall: Erste Hilfe leisten und den Kameraden für den schnellen Abtransport vorbereiten.

Bundeswehr/Bruno Haelke

Für die Rekrutinnen und Rekruten heißt es zum ersten Mal „Stillgestanden“, „Links um“ und „Betten bauen“. In der zweiten Woche fanden die ersten praktischen Ausbildungen wie der Einsatz mit Karte und Kompass sowie die Ausbildung zum Einsatzersthelfer-A (EH-A) statt. Dies ist mit der zivilen Erste-Hilfe-Ausbildung vergleichbar. Herz-Lungen-Wiederbelebung, allgemeine Erste-Hilfe-Maßnahmen und Anlegen eines Druckverbandes steht auf dem Dienstplan. Für den Ernstfall bekommt jeder Soldat eine persönliche Sanitätsausstattung. Das Päckchen enthält Verbandsmaterial, spezielle medizinische Hilfsmittel zur Blutstillung und Medikamente zur Infektionsprophylaxe und Schmerzstillung. Diese Ausstattung ermöglich den Soldatinnen und Soldaten, sich selbst und Verletzte zu versorgen. 

Waffenausbildung und der erste scharfe Schuss

Waffenausbildung mit der Pistole P8.

Die Rekrutinnen und Rekruten bei der ersten Ausbildung mit der Pistole P8.

Bundeswehr/Bruno Haelke

Aufregend war die erste Waffenausbildung mit dem Gewehr G36 und der Pistole P8. An verschiedenen Stationen lernten die Soldatinnen und Soldaten, wie die Waffen richtig zerlegt, zusammengesetzt und eingesetzt werden. Der sichere Umgang mit Waffen gehört zur Ausbildung. Der Heimatschutz umfasst dabei ein breites Spektrum von allgemeinen Sicherungsaufgaben, Objektschutz, Unterstützungsleistungen im Katastrophenfall und Unterstützung befreundeter ausländischer Streitkräfte beim Host Nation Support. Annika aus Blankenhain beschrieb ihre Erfahrungen so: „Als ich das Gewehr G36 das erste Mal in den Händen hielt, war es schon ein komisches Gefühl, wenn man bedenkt, dass es eine echte Waffe ist. Angst bei dem Gedanken auf der Schießbahn zu schießen, hatte ich nie. Aber 100 % Respekt seit dem ersten Tag“. Mit Schutzweste, Helm, Schießbrille, Handschuhen und Waffe ausgestattet, ging es dann endlich zum ersten scharfen Schuss. Zuerst schossen die Heimatschützer liegend aufgelegt. „Ich habe nicht viel darüber nachgedacht, was alles Schlimmes passieren könnte, weil man sich dann nur selbst blockiert. Ich habe mich einfach auf das, was wir im Trockentraining gelernt haben, konzentriert. Im Anschlag dachte ich nicht lange nach, zielte, atmete aus und krümmte ab. Das Ziel klappte um, worüber ich mich natürlich freute. Und der Rückstoß war gar nicht so schlimm“. Bevor es in das erste freie Wochenende ging, stand noch der sieben Kilometer lange Eingewöhnungsmarsch mit leichtem Gepäck auf dem Dienstplan.

Gefechtsausbildung der Rekrutinnen und Rekruten.

Die Rekrutinnen und Rekruten in der Gefechtsausbildung. Die persönliche Ausstattung und der Rucksack sind immer mit dabei.

Bundeswehr/Thomas Sauer

Schon beim Marschieren aus der Kaserne merkten die zukünftigen Heimatschützer und Heimatschützerinnen, dass es kein leichter Spaziergang wird. Anfangs hielten noch alle die Formation, aber schon nach den ersten zwei Kilometern fielen Einige zurück. Die Kleineren hinten konnten mit den langen Beinen der Vorderen nicht mithalten, einige mussten aus Konditionsgründen einen Gang zurückschalten. Die Ausbilder teilten sich auf motivierten die Gruppen. „Anfangs hatte ich mir das kilometerlange Marschieren schwieriger vorgestellt, aber ich kam gut durch, erklärte der 18-jährige Nick. Annika und ihre Stubenkameradin versuchten, so weit wie möglich vorne mitzuhalten, was bedeutete, dass die beiden Soldatinnen hauptsächlich hinterher joggten oder manchmal auch rennen mussten. „Einmal löste sich mein Schnürsenkel und ich war gezwungen, anzuhalten. Das war dann schon deprimierend, wieder so weit zurückzufallen. Nachdem ich vorgesprintet war und völlig außer Atem wieder bei meiner Stubenkameradin ankam, wusste ich, dass mir so etwas nicht noch einmal passiert“, resümierte die 20-jährige Annika. Der Zugführer, Oberleutnant Andreas Reimann, fügte hinzu, dass schon die eine oder andere Träne geflossen sei und lobte seine Gruppenführer: „Durch die Kunst, die Teilnehmenden zu motivieren, gelang es ihnen, Tränen des Schmerzes in Tränen der Freude umzuwandeln“. Geschafft haben es alle Rekrutinnen und Rekruten.

Gelöbnisfeier – bleibt unvergessen

Rekrutinnen und Rekruten beim Gelöbnis

Mit dem Eid auf die Fahne besiegeln die Rekrutinnen und Rekruten ihr feierliches Gelöbnis.

Bundeswehr/Bruno Haelke

Wegen Corona fand auf dem Antreteplatz der Volkacher Mainfranken-Kaserne eine vergleichsweise schlichte Gelöbnisfeier statt. So konnten Angehörige und Freunde der Rekrutinnen und Rekruten nicht, wie es traditionell üblich ist, teilnehmen. Auch die übrigen Kompanien des Bataillons entsandten nur wenige Soldaten zu dem formellen Akt.  

Als die Zeremonie dann begann, schlug auch das Herz von Annika so richtig hoch. Dennoch lief alles wie geschmiert. Sobald die Rekrutenkompanie angetreten und die Gelöbnisaufstellung vollzählig war, hielt der Kommandeur des Logistikbataillons, Oberstleutnant Holm Schreiter die Gelöbnisrede und bedauerte, dass er keine Angehörigen und Vertreter des öffentlichen Lebens begrüßen konnte. „Die Einschränkungen, denen wir seit mehr als einem Jahr unterliegen, gelten unverändert.“ Schreiter hob in seiner Rede die Symbolkraft des Gelöbnisses hervor: „Um ihr Gelöbnis greifbarer zu gestalten, werden einige von Ihnen gleich mit ihrer Hand die Truppenfahne des Bataillons berühren. Die Truppenfahne war über Jahrhunderte hinweg das Zeichen für die Soldaten, an dem sie sich in der Schlacht orientierten. Heute ist die Truppenfahne ein Symbol für uns als Soldaten, dass wir einem demokratischen Staat dienen dürfen.“ Annika beschreibt den Gelöbnistag mit einem unbeschreiblichen Gemeinschafts- und Zugehörigkeitsgefühl: „Mir hat die Zeremonie insgesamt sehr gefallen, denn trotz aller Einschränkungen kam es für mich nur auf das Gefühl an, das ich in diesem Moment empfand. Und das kann mir keiner mehr nehmen. Mit dem Gelöbnis verband ich nochmals ein Gefühl des Pflichtbewusstseins und der Verantwortung für meinen Dienst und mein Land. Ich war stolz, dazu zu gehören und einen wichtigen Abschnitt der Ausbildung geschafft zu haben. Gleichzeitig wurde mir bewusst, dass ich eine Aufgabe übernommen habe und sich andere auf mich und meine Fähigkeiten verlassen. Das Gelöbnis spornt mich daher an, weiter zielstrebig meine Ausbildung zu absolvieren. Jetzt fühle ich mich richtig in die Bundeswehr integriert“.

Abschlussübung und Biwak – jeder geht an seine Grenzen

Soldatin bei der Gesichtstarnung.

Annika mit ihrer Kameradin im Biwak bei der Gesichtstarnung.

Bundeswehr/Thomas Sauer

Nach unzähligen Trockenübungen in der heimischen Kaserne ging es für die Rekrutinnen und Rekruten in das Biwak auf den Standortübungsplatz nach Veitshöchheim. Vom Orientieren im Gelände über den Feuerkampf bis hin zum „Leben im Feld“, wurden die Grundlagen des Gefechtsdienstes vollständig abgedeckt.  Über zwei Stunden lang benötigten Annika und ihre 19-jährige Rosenheimer Kameradin Katharina bis ihr Zelt inklusive Sickergraben perfekt stand. Nach der ersten Feuerwache folgt eine verdiente Ruhepause im Schlafsack. „Auch, wenn die erste Nacht im Biwak mit vier Stunden Schlaf ziemlich kurz und nasskalt war, konnte ich gut schlafen und fühle mich ziemlich fit“, resümierte Annika und ging mit ihrer Kameradin zur Feldhygiene.

Ein Rekrut befüllt das Magazin seiner Waffe mit Munition

Ein Rekrut im Freiwilligen Wehrdienst Heimatschutz befüllt beim Biwak-Platz das Magazin seiner Waffe.

Bundeswehr/Thomas Sauer

Nach vier Tagen intensiver Gefechtsausbildung werden die Rekrutinnen und Rekruten mit dem Bus Richtung Volkach gefahren. Auf einmal stoppt der Bus ruckartig und die Zugführer informieren die Soldatinnen und Soldaten, dass es nun zu Fuß weitergehen muss. Außerdem sei jederzeit mit Feindkontakt zu rechnen. Jetzt wurde es nochmal richtig ernst. Nach kurzer Geländebesprechung machen sich Kleingruppen mit Karte und Kompass auf zum 16 Kilometer entfernten Verfügungsraum. Nach kurzer Zeit kommt es zu Schusswechseln und die Rekrutinnen und Rekruten zeigen eindrucksvoll, was sie in kurzer Zeit gelernt und verinnerlicht haben. Trotz aller Umsicht wird ein Kamerad auf Anweisung der Ausbilder angeschossen. Jetzt muss es schnell gehen: Feind niederhalten, den Kameraden aus der Gefahrenzone holen und die Erstversorgung einleiten. Alle sind gefordert, und im Team kann der Verwundete in Sicherheit gebracht und der Marsch fortgesetzt werden. Jeder ging in den vergangenen Tagen an seine Grenzen. Durch die gegenseitige Motivation und Unterstützung erreichten alle die heimische Mainfranken-Kaserne. Alle waren fix und fertig und glücklich zu gleich, weil alle damit die Grundausbildung erfolgreich ablegten.

Ausbilder spricht mit Rekrutinnen und Rekruten.

Ausbilder Hauptbootsmann Marc Bewernick bei der Einweisung der Rekrutinnen und Rekruten.

Bundeswehr/Thomas Sauer

Der erfahrene Ausbilder im ersten Zug der Kompanie, Hauptbootsmann Marc Bewernick, war begeistert von den Rekrutinnen und Rekruten: „Man merkte von Anfang an, dass sich jeder mit der Bundeswehr bereits im Vorfeld beschäftigte. Alle waren ungemein wissbegierig und hoch motiviert.  Alle konnten das Vermittelte sehr schnell in die Praxis umsetzen. Das „Wir-Gefühl“ wurde Tag für Tag stärker“. Mit einem Schmunzeln berichtet Bewernick vom ersten Tag der Formalausbildung: „Als ich meiner Gruppe sagte, sie müssten jetzt erst einmal das Gehen lernen, lachten alle. Beim Marschieren im Gleichschritt verging ihnen das Lachen schnell. Die einen starteten mit dem falschen Fuß, die anderen traten sich in der Folge gegenseitig in die Hacken. Spätestens zum Gelöbnis hatten es aber alle drauf“.

Aus Sicht der teilnehmenden Rekrutinnen und Rekruten sowie der Ausbilder und Verantwortlichen ist der Auftakt für das Pilotprojekt „Freiwilliger Wehrdienst im Heimatschutz“ beim Logistikbataillon 467 in Volkach ein voller Erfolg.

von Thomas Sauer  E-Mail schreiben

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