Streitkräftebasis

Lagebesprechung im Gelände

Lagebesprechung im Gelände

Datum:
Ort:
Osterholz-Scharmbeck
Lesedauer:
4 MIN

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Hier ist Taktik gefragt. „Beziehen von Räumen“ heißt die Übung des Offizierlehrgangs an der Logistikschule der Bundeswehr in Garlstedt. Das hört sich für manche erst einmal recht unspektakulär an. Ist es aber überhaupt nicht.

Eine Soldatin erläutert eine Karte auf einer Motorhaube im Gelände.

Oberleutnant Vanessa Jähnigen (r.) zeigt den Kameradinnen und Kameraden auf der Karte, wo gute Tarnmöglichkeiten für die Fahrzeuge sind.

Bundeswehr/Ralf Wilke

Klack, klack, klack … Mit Magneten befestigt Oberleutnant Vanessa Jähnigen eine Karte auf der Motorhaube des Geländewagens. Gerade kam die junge Soldatin von ihrer Erkundungstour zurück. In der Nähe musste sie eine Tarnung, das bedeutet ein Versteck, für zwei Geländewagen und zwei LKWs finden. Die Fahrzeuge sind für die Versorgung der Truppen an der Front zuständig. Sprit, Wasser, Munition – Was auch immer die Kameradinnen und Kameraden benötigen, hier wird der Nachschub organisiert. Klar, dass niemand die Fahrzeuge und das Material entdecken soll. Ein ziemlich guter Plan ist da Grundvoraussetzung.

„Beziehen von Räumen“ heißt die Übung im Rahmen der Offizierausbildung an der Logistikschule der Bundeswehr im niedersächsischen Garlstedt. Und was im ersten Moment recht nüchtern klingt, ist eine wirklich spannende Aufgabe. Und eine besondere Herausforderung.

„Ab ins Versteck“

Ein LKW der Bundeswehr fährt durch Matsch.

Beziehen von Räumen heißt es beim Militär, wenn die Soldaten zu einem neuen Gebiet fahren und dort die Fahrzeuge tarnen.

Bundeswehr/Ralf WIlke

Also, zurück an die Motorhaube: Oberleutnant Vanessa Jähnigen erklärt den Fahrzeugkommandanten ihre Taktik, um unsichtbar zu werden. Für jedes Fahrzeug hat sie einen Standort festgelegt. Während ihrer Erkundungstour zeichnete sie auf der Karte die verschiedenen Orientierungspunkte. Jetzt erklärt sie den drei Soldatinnen und Soldaten das Vorgehen: „Ein LKW wird gleich hinter dieser einzeln stehenden Birke links ins Gebüsch abbiegen. An dieser Stelle habe ich einen Ast hingelegt, dahinter fährt der zweite LKW rückwärts ins Gelände.“

Eine Besonderheit dieser logistischen Übung erklärt Ausbilder Major Tom Heßler: „Es gibt für das Vorgehen keine feste Vorgabe, keine Blaupause.“ Die Umgebung und die Gegebenheiten bestimmen immer die Taktik der Truppe. Dazu gehört beispielsweise auch die Überlegung, in welcher Reihenfolge die Fahrzeuge gleich den „Raum beziehen“ werden. Keiner soll den anderen schließlich im Gelände beim Rangieren blockieren. Oberleutnant Vanessa Jähnigen entscheidet sich für die Variante: Viersitzer, Zehntonner, Zehntonner, Viersitzer.

Taktik, Taktik, Taktik

Zwei Fahrzeuge fahren in ein Versteck.

Ein Geländewagen und ein Zehntonner fahren rückwärts in den Wald. Geparkt wird – wenn möglich – in „Fluchtrichtung“.

Bundeswehr/Ralf Wilke

„Wir steigern unsere Taktik von Tag zu Tag“, betont Heßler. Im April startete er mit dem Offizierlehrgang an der Logistikschule. Seitdem ist viel passiert und natürlich gab es gute und weniger gute Tage. Heute ist einer von den besseren. Die Truppe hat in der Kaserne übernachtet. Das ist keine Selbstverständlichkeit, denn Übungen können auch länger dauern. Und eine Übernachtung im Freien bei mittlerweile knackigen fünf Grad Außentemperatur steigert nicht die Stimmung. Aber auch das gehört zur Ausbildung. Und wenn die Umstände es erlauben, schickt der Berufssoldat seine Schützlinge nach der Übung ins Warme. Für Mojor Heßler gibt es andere Prioritäten. Etwa, dass wirklich alle auch sämtliche Positionen während des Trainings absolvieren. Sei es das Fahren des Zehntonners („Woher sollte sonst jemand wissen, wie das Fahrzeug zu manövrieren ist?“), das Einrichten eines Alarmpostens, um die Truppe zur sichern oder das Führen des Zugs. Auf diesem Posten erteilte Oberleutnant Vanessa Jähnigen gerade den Befehl: „Jeder bezieht mit seinem Zug den Raum, sichert und verteidigt ihn.“

Fast perfekt getarnt

Die Fahrzeuge werden im Wald getarnt: Fensterscheiben, Kennzeichen und Scheinwerfer werden abgedeckt.

Fensterscheiben, Kennzeichen und Scheinwerfer werden abgedeckt, damit die Fahrzeuge nicht entdeckt werden.

Bundeswehr/Ralf Wilke

Der sogenannte „Worst Case“ (schlechteste Fall) nach dem Beziehen der Räume wäre entdeckt zu werden. Denn wird die Logistik sabotiert, steht den Truppen kein Nachschub mehr zur Verfügung. Zwischen 15 und 25 Kilometer ist der Versorgungspunkt von Kampfgeschehen entfernt. Sobald die Fahrzeuge auf ihrem Platz stehen, sorgen zwei Soldaten für die Sicherheit der Truppe. Die übrigen Kameradinnen und Kameraden beginnen sofort mit dem Tarnen der Fahrzeuge. Mögliche Spiegelungen von Autoscheiben, Kennzeichen und Scheinwerfer könnten auf das Versteck aufmerksam machen. Bei längeren Einsätzen werden zusätzlich Tarnnetze benutzt.

Entdeckt? Hier stehen zwei Fahrzeuge

Wer es nicht genau weiß, würde wohl kaum die Fahrzeuge in dem Wald entdecken. Erstaunlich, wie effektiv alleine das Abdecken von Scheiben ist. Lediglich ein Kennzeichen lässt sich zwischen den Bäumen erkennen. Klar wird das bei der anschließenden Manöverkritik ein Thema sein. Aber generell stellen die Teilnehmenden fest: „Im Vergleich zu den letzten Tagen war die Koordination besser und die Abläufe ruhiger.“ Was für Oberleutnant Vanessa Jähnigen die größte Herausforderung war? Immerhin war es für die 29-Jährige das erste Mal, dass sie die Truppe geführt hat. „Es war gar nicht so einfach, den Überblick zu behalten“, sagt die junge Frau, „also zu wissen, wann ist wer wo. Welchen Befehl gebe ich in welchem Moment.“

Noch bis Dezember trainiert die junge Offizierin in Garlstedt. Dann geht es für die gebürtige Stuttgarterin auf den ersten Dienstposten nach ihrem Studium. Das klingt nach einem ziemlich guten Plan.

  • Die Fahrzeuge werden im Wald getarnt: Fensterscheiben, Kennzeichen und Scheinwerfer werden abgedeckt.

    Fensterscheiben, Kennzeichen und Scheinwerfer werden abgedeckt, damit die Fahrzeuge nicht entdeckt werden.

    Bundeswehr/Ralf Wilke
  • Getarnte Fahrzeuge im Wald sind nahezu unsichtbar.

    Fast unsichtbar, nur das Kennzeichen von einem Fahrzeug ist noch sichtbar.

    Bundeswehr/Ralf Wilke
  • Eine Gruppe von Soldatinnen und Soldaten bespricht sich mit dem Ausbilder der Übung.

    Manöverkritik: Mit Ausbilder Major Tom Heßler wird nach der Übung besprochen, was gut lief. Und auch, was noch besser werden kann.

    Bundeswehr/Ralf Wilke
  • Eine Soldatin, die an der Übung teilnahm.

    Oberleutnant Vanessa Jähnigen leitete eine Übungseinheit. Sie ist in Süddeutschland stationiert.

    Bundeswehr/Ralf Wilke
von Sabine Körtgen  E-Mail schreiben

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