Streitkräftebasis

Logistikbataillon 163 übt mit „Blauem Netz“ für NRFNATO Response Force

Logistikbataillon 163 übt mit „Blauem Netz“ für NRFNATO Response Force

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Datum:
Ort:
Osterholz-Scharmbeck
Lesedauer:
5 MIN

Premiere in der Streitkräftebasis: Das Joint Logistic Support Group Coordination and Training Centre an der Logistikschule der Bundeswehr, der zentralen Ausbildungseinrichtung für Logistik, bereitet den Stab des Logistikbataillon 163 auf die NATO Response Force 2023 vor. Dort soll es dann zwölf Monate im Standby agieren.

Ein Soldat steht vor einem Tarnnetz der Bundeswehr Portrait.

Oberstleutnant Tobias Schmidt sammelt hier gemeinsam mit seinem Team Informationen, um für die Zertifizierung im Dezember bestens vorbereitet zu sein. Gemeinsam mit dem JCTC - together strong for NRFNATO Response Force 2023.

Bundeswehr/Kathleen Riediger

Das noch recht junge Logistikbataillon (LogBtl) 163 soll als erstes deutsches Reception Staging and Onward Movement Bataillon, kurz: RSOMReception, Staging, Onward Movement Bataillon, national für seinen Auftrag zur NATO Response Force 2023 (NRFNATO Response Force 2023) zertifiziert werden. Das Joint Logistic Support Group Coordination and Training Centre, eine Plattform für multinationale Ausbildung und jüngstes Kind der Logistikschule der Bundeswehr, soll mit dem RSOMReception, Staging, Onward Movement Bataillon und dessen Stab die Voraussetzungen für eine nationale Zertifizierung schaffen. Geübt wird in Garlstedt, dem Standort der der zentralen Ausbildungseinrichtung für Logistik in der Streitkräftebasis.

Ein Auftrag, ein Ziel, eine Planungsübung

Bundeswehrfahrzeuge fahren in einer Kolonne vom Hafen weg. Im Hintergrund steht ein Schiff.

Hafenumschlag ist eine der Fähigkeiten im Spektrum des LogBtl 163 RSOMReception, Staging, Onward Movement, welches 2023 bei der NATO für Response Force zwölf Monate in Standby agieren soll.

Bundeswehr/Roland Alpers

„Das RSOMReception, Staging, Onward Movement Bataillon hat in einer NATO-Mission den Auftrag, im Einsatzgebiet mehrere logistische Einrichtungen wie beispielsweise Seehäfen, Flughäfen, Eisenbahnumschlagplätze oder Convoi Support Center, eine Art Autohof, zu betreiben“, erklärt Oberstleutnant Tobias Schmidt, Kommandeur des LogBtl 163 RSOMReception, Staging, Onward Movement. „Dabei haben wir keine Raumverantwortung“, betont er. Sämtliche Bewegungen im Raum, werden durch die Joint Logistic Support Group koordiniert und freigegeben.“ Die JLSG ist ein im Grundsatz multinational zusammengestelltes und auf die jeweilige Mission angepasstes logistisches Headquarter, ein Hauptquartier. Während NRFNATO Response Force 2023 wird das Joint Logistic Support Group Headquarter Neapel Schmidt’s Bataillon führen. “Die Interaktion zwischen meinem Bataillon und den unterstellten Kompanien sowie dem Hauptquartier muss natürlich trainiert werden”, erläutert Schmidt.

Vorstellungskraft für die Realität

Zwei Soldaten stehen in einem Ausbildungscontainer vor einer Landkarte an einer Wand.

Oberstleutnant Christian Huyer und Major Rainer Theobald vor der Karte, die das JLSG Network zeigt. Aus diesem Container des Gefechtsstandes werden die einzelnen Injects eingespielt, die sich in Absprache mit der JLSG durchaus zuspitzen können.

Bundeswehr/Kathleen Riediger

Schmidt’s Truppe kennt die Abläufe, ist geschult. Jeder weiß was er zu tun hat. Dennoch ist sich Schmidt der Herausforderungen beim Bewältigen der neuen Aufgaben in einem multinationalen Umfeld bewußt: “Es fehlt das klare Bild. Jeder hat zwar Ideen, wie so ein Autohof aussehen könnte, wir kennen die Bilder von der ILÜInformationslehrübung, wo in den letzten Jahren eine Staging Area oder auch Bereitstellungsraum, dargestellt wurde. Hier werden Personal und Material der Verbände zusammengeführt. Das ist aber nur ein grober Anhalt. Niemand hat real in einem solchen Raum gestanden.” Zudem fehlten die Erfahrungswerte: “Ein solches RSOMReception, Staging, Onward Movement Bataillon war noch nie einer Joint Logistic Support Group unterstellt!” Für das Joint Logistic Support Group Coordination and Training Centre ist dieser Auftrag, eine solch komplexe Übung durchzuführen, ebenfalls eine Premiere.

Ein Drehbuch, um Personal und Material zu bewegen

Ein Soldat sitzt an seinem Bildschirmarbeitsplatz.

In der Einsatzzelle LogPlans im LogBtl 163 RSOMReception, Staging, Onward Movement überwachen, koordinieren und steuern Oberstabsfeldwebel Mario Bonne und sein Team in direkter Verbindung mit der JLSG.

Bundeswehr/Kathleen Riediger

Um Ausbildungen und Übungen einheitlich und bildlich zu gestalten, werden sogenannte Lagen verwendet. Das sind fiktive realitätsnahe Szenarien in einem vorgegebenen Raum. Bislang galt es in einem fiktiven Zweistaatenkonflikt, Altraverdo gegen den Aggressor Wislanien zu verteidigen. Ein möglicher Angriff soll verzögert und unsere Truppen versorgt und bestmöglich unterstützt werden. Für den RSOMReception, Staging, Onward Movement Prozess, der dem gerade beschriebenen Szenario taktisch vorausgeht, gab es bislang kein Drehbuch oder gar Pläne.

So hat sich das Joint Logistic Support Group Coordination and Training Centre gemeinsam mit dem LogBtl 163 einen sogenannten Deployment Plan erarbeitet: Eine detaillierte Landkarte des Einsatzraumes Altraverdo für das Beüben des RSOMReception, Staging, Onward Movement-Prozesses. Das Joint Logistic Support Group Coordination and Training Centre legte also eine komplexe Planungsübung mit allen logistischen Einrichtungen in einem Einsatzraum an. 

Die erste RSOMReception, Staging, Onward Movement Rahmenlage

Eine Landkarte, auf der fiktive Orte eingetragen und Verbindungswege eingezeichnet sind.

Die Karte zeigt das Netzwerk eines JLSG HQHeadquarters im Einsatzgebiet um Altraverdo. Sie ist Grundlage für die Durchführung der Übung. Sämtliche Häfen, CSC, Staging Area und Movements, also Bewegungen im Raum, werden hier später über LOGFAS dargestellt.

Bundeswehr

In dem fiktiven Einsatzraum Altraverdo sollen während der Übung über 70.000 Soldatinnen und Soldaten verlegt und über 3.000 Konvois mit 10.000 Fahrzeugen bewegt werden. Auf dem Monitor sehen diese Bewegungen der Truppe wie viele kleine Ameisenstraßen aus. Das Logistikbataillon koordiniert diese Bewegungen und sorgt dafür, dass Personal und Material zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind und ihren Auftrag entsprechend erfüllen können. Tobias Schmidt findet das Ergebnis bemerkenswert: „Eine solche Rahmenlage anzulegen, ist schon ein mega Aufwand gewesen. Da steckt viel Fleiß drin.“ Üblicherweise bekommen alle Übungen in der Bundeswehr einen Namen. So heißt die Planungsübung des Joint Logistic Support Group Coordination and Training Centre, die den Stab des LogBtl 163 RSOMReception, Staging, Onward Movement für NRFNATO Response Force 2023 befähigen soll „Blaues Netz“, oder „Blue Faculty“.

Der Übungsablauf

Soldaten laufen schnell zu ihren Schützenpanzern PUMA, welche nebeneinander auf einem Schotterplatz stehen.

Schnell muss es gehen. Personal und Material im Einsatzgebiet aufnehmen, zusammenbringen und letztlich zum Einsatzort, auch final destination genannt, bringen. Dieser Prozess gewinnt zunehmend an Bedeutung.

Bundeswehr/Christoph Vietzke

“Auf die Rahmenlage wurden Injects, unerwartete Ereignisse, geschrieben, die dann Einfluss auf die Planungen des RSOMReception, Staging, Onward Movement Bataillons haben”, erklärt Major Rainer Theobald vom Joint Logistic Support Group Coordination and Training Centre den Ablauf der Übung. Während der Planungsübung wird das in der NATO einzigartige RSOMReception, Staging, Onward Movement-Bataillon erstmals einer JLSG, welche durch das Joint Logistic Support Group Coordination and Training Centre “gespielt” wird, unterstellt. Die einzelnen Injects oder Szenarien werden im Laufe der Übung ebenfalls durch Personal des Joint Logistic Support Group Coordination and Training Centre eingespielt.

Jeder hat seine Rolle, seinen Job. So auch Oberstabsfeldwebel Mario Bonne. In der sogenannten Einsatzzelle für logistische Planung des RSOMReception, Staging, Onward Movement-Bataillons hat er seit April den Auftrag, Bewegungen der Truppe und die Versorgung der Truppenteile logistisch im Voraus zu planen. “Hierfür überwachen wir die Bewegungen über einen gewissen Zeitraum, maximal bis zu 96 Stunden im Voraus, und melden dann Zahlen und Daten per Report an die Einsatzzelle Operations (Ops)” erzählt Bonne. Sein Report ist dann die Grundlage für das Tagesgeschäft der Ops. Die Joint Logistic Support Group entscheidet auf Grundlage seiner Meldung, wann welcher Truppenteil versorgt werden muss.

Mit „Blauem Netz“ auf sicherem Boden

Dieses Tagesgeschäft wird während der Übung “Blaues Netz” durch das Einspielen der Injects beeinflusst. Schmidt und seine Truppe müssen handeln. Hier hat er zwei Möglichkeiten: Entweder eine Entscheidung treffen und den unterstellten Kompanien entsprechende Befehle geben oder eine Meldung und ggf. einen Lösungsvorschlag an die Joint Logistic Support Group leiten. So hindert ein plötzlich aufziehender Sturm drei Schiffe, im Hafen anzulegen. Das führt dazu, dass 400 folgende Bewegungen neu geplant werden müssen. In einem weiteren Szenario erkrankt die Hälfte des Flughafenpersonals. Norwegische Truppen sollen gleich landen und mit ihrem Material an den Einsatzort transportiert werden. Wie kann diese Situation entschärft werden?

Am Ende dieser Übung ist der Auftrag des Logistikbataillon 163 RSOMReception, Staging, Onward Movement noch nicht erledigt: „Was wir jetzt gemacht haben, war Ausbildung. Wir haben Verfahren festgelegt. Nun nehmen wir unser Arbeitspaket und justieren nach. Im Dezember machen wir eine kurze Warm-up-Phase und dann wird es heiß“, schließt der Kommandeur des LogBtl 163 RSOMReception, Staging, Onward Movement
Im Dezember geht es genau in dem Szenario weiter, wo die Übung „Blaues Netz“ jetzt endete und es startet die Zertifizierungsübung „Blue Faculty“. Hierbei wird der Stab des Bataillons für NRFNATO Response Force 2023 durch das LogKdoBw zertifiziert.

von Kathleen Riediger  E-Mail schreiben

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