Streitkräftebasis

Moderner Zielbau und digitalisierte Schießausbildung

Moderner Zielbau und digitalisierte Schießausbildung

  • Ausbildung
  • Streitkräftebasis
Datum:
Ort:
Wildflecken
Lesedauer:
3 MIN

Praktisches Schießen und Erprobung von modernem Zielbau im scharfen Schuss vorgeführt auf Schießbahn 16 B auf dem Truppenübungsplatz Wildflecken. Inspekteur der Streitkräftebasis Generalleutnant Schelleis sieht neue technische Möglichkeiten im Zuge der Digitalisierung der Truppenübungsplätze und Auswirkungen auf die Übungssicherheit beim Schießen.

Generalleutnant Schelleis und ein Ingenieur im Gespräch.

Frank Jaspers von der Wehrtechnischen Dienststelle 91 erläutert Generalleutnant Martin Schelleis ein „Smart Target“. Autonome Ziele sind ein wichtiger Bestandteil der zukünftigen Zieldarstellung in der Schießausbildung.

Bundeswehr/Andreas Schwarz

Zunächst ist ein Surren zu vernehmen, dann ein ruckelndes, ratterndes Fahrgeräusch, das immer näherkommt, bis drei Kunststoff-Dummies auf dem steinigen Boden des Truppenübungsplatzes Wildflecken an Brigadegeneral Andreas Henne vorbeirollen. Er ist General für Standortaufgaben in Berlin und stellt die roboterähnlichen Zielbauten im Flecktarnhemd vor: „Das sind die Neuen.“ Diese laptopgesteuerten 250 Kilogramm schweren sogenannten „Smart Targets“ stehen symbolisch für das CPMCustomer Product Management-Projekt „Weiterentwicklung der Truppenübungsplätze und Schießanlagen – Zukunftsfähige Ausrichtung auf das 21. Jahrhundert“. CPMCustomer Product Management (Customer Product Management) ist das Verfahren zur Bedarfsermittlung und -deckung mit Produkten und Dienstleistungen im Geschäftsbereich des Bundesministeriums der Verteidigung.

Das Projekt schreitet mit Tempo voran. Weg vom statischen, hin zum dynamischen Schießen, zu einem sicheren Üben in realitätsnahen, komplexen Szenarien: Mit diesem Grundgedanken fing es an. Seitdem wurde in der Wehrtechnischen Dienststelle 91 für Waffen und Munition in Meppen in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut an mobilen und intelligenten Zielbauten sowie digitalen Echtzeitlagen, Analysetools (After-Action-Reviews), Waffen- und Zielsensorik und dynamischen Gefahrenbereichen geforscht.

Keine Vision mehr: Wehrtechnische Digitalisierung

„Seit 2018 arbeiten wir an diesem Projekt und nun können wir Dinge weiter zusammenführen“, mit diesen Worten lädt Brigadegeneral Henne den Inspekteur der Streitkräftebasis, Generalleutnant Martin Schelleis, ein, sich erstmals in einer praktischen Vorführung auf dem Truppenübungsplatz Wildflecken vom modernen Zielbau im scharfen Schuss zu überzeugen.

Leitender Schießausbilder mit Soldaten und Gästen bei der Schießausbildung.

Eröffnung des Erprobungsschießens. Erste Erprobung des digitalen Zielbaus vor hochrangigen Gästen auf der Schießbahn 91 des Truppenübungsplatzes Wildflecken.

Bundeswehr/Andreas Schwarz

„Bis 2032 werden alle Truppenübungsplätze digital vernetzt sein“, zeigt sich dabei Frank Jaspers, Entwicklungsingenieur der WTDWehrtechnische Dienststelle 91, zuversichtlich. Begonnen hat alles auf Schießbahn 3 auf dem Truppenübungsplatz Bergen im Jahr 2019. Dort erprobte man zum ersten Mal unter realen Bedingungen, wie es sich, laut Jaspers, „mit einem direkten Feedback statt abgeklappter Schießscheibe“ ausbilden lässt. Dr. Siegfried Nau, Leiter der zuständigen Abteilung am Fraunhofer Institut for High-Speed Dynamics, bringt es auf den Punkt: „Es ist nicht einfach nur mobiler Zielbau, sondern ein System mit vielen Möglichkeiten.“ Dieses erkenne auch Bereichsverletzungen der Schüsse des Gewehrs G36. Vorteile des Systems seien somit die erhöhte Waffensensorik und damit auch eine erhöhte Schießsicherheit.

Moderne Ausbildung bedeutet auch forderndes Stresslevel

„Train as you fight“ – diese Devise bekommt dank der neuen technologischen Möglichkeiten eine ganz andere Bedeutung. Laut Dr. Nau entstehe ein deutlicher Mehrwert und ein Zugewinn an Ausbildungserfolgen, weil der Schütze künftig noch näher an der Einsatzpraxis ausgebildet werde. Die Erkenntnisse der heutigen ersten praktischen Erprobung im freien Schuss werden weiter in den CPMCustomer Product Management-Prozess einfließen: „In den eineinhalb Wochen hier in Wildflecken haben wir vom Fraunhofer wertvolle Erkenntnisse, zum Beispiel zur Geländegängigkeit der mobilen Target-Dummies, gewonnen“, so Nau.

Ein großer Monitor zeigt Schusstreffer.

Ein Monitor zeigt die digitale Trefferauswertung der Schützen und erkennt Bereichsverletzungen der Schüsse in Echtzeit. Zukünftig ein wertvolles Hilfsmittel für den Schießausbilder.

Bundeswehr/Andreas Schwarz

Modernes System statt Geländesandkasten

Wichtig für die spätere Auswertung ist der digitale Lagetisch. Er bringt virtuelle Inhalte, die durch eine Virtual-Reality-Brille sichtbar werden, ins Übungsgelände. Wie General Henne sagt, ermögliche das dem leitenden Schießausbilder, mit dem Schützen unmittelbar zu interagieren „Das können Sie sich vorstellen wie die Analyse nach einem Fußballspiel. So wie der Trainer zum Spieler sagt: Hier hätte man den Raum zumachen können, sieht hier der Brigadekommandeur, welche Stellung hätte besser sein können.“ Daraus ergibt sich die Möglichkeit doppelt zu lernen.

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Soldaten stehen vor einem Geländesandkasten.

Bisher analog im Geländesandkasten in einer Momentaufnahme, zukünftig digital in Echtzeit mit Zoom und Perspektivwechsel. Generalleutnant Schelleis wird am digitalen Lagetisch eingewiesen.

Bundeswehr/Andreas Schwarz
Vier Generäle im Gespräch

Vier Generäle besprechen das erfolgreiche Erprobungsschießen.

Bundeswehr/Andreas Schwarz
Selbstfahrende Dummies sind ein wichtiger Bestandteil der Zieldarstellung der Zukunft.

Die autonom beweglichen modernen Ziele fahren in regulierbarem Tempo bis zu 18 Kilometer pro Stunde. Über ein Mikrofon werden die Schüsse aufgenommen, an einem digitalen Monitor wird parallel die Trefferdetektion angezeigt.

Bundeswehr/Andreas Schwarz

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Sehr geschätzt: Schrittweise Fähigkeiten entwickeln

Generalleutnant Schelleis zeigte sich erfreut darüber, welche Qualitätssprünge er bei der dynamischen Demonstration der Fähigkeiten erlebt habe. Dennoch sei es ein langfristiges Paket – bis Land, Luft, See und Cyber vernetzt seien, dauere es noch. „Von der engen Zusammenarbeit zwischen den Nutzern, den Betreibern und den Bedarfsträgern, bundeswehrseitigen Beschaffern, Entwicklern und der Wissenschaft bin ich wirklich begeistert. Wie so oft, gilt auch für diesen Prozess: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“, resümiert der Inspekteur der Streitkräftebasis.

von Katrin Saalbach  E-Mail schreiben

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