Streitkräftebasis

Respekt: Ehrenamtliches Engagement bei der Bundeswehr

Respekt: Ehrenamtliches Engagement bei der Bundeswehr

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  • Streitkräftebasis
Datum:
Ort:
Bremen
Lesedauer:
7 MIN

Das Wort „Ehrenamt“ wird bei vielen Soldaten und Soldatinnen der Streitkräftebasis groß geschrieben. Auch die Familienbetreuungszentren der Landeskommandos können auf ehrenamtliche Unterstützung zählen.

Im FBZ Wilhelmshaven packen Helfer Weihnachtspäckchen.

Im FBZ Wilhelmshaven packen Helfer Päckchen für Soldaten und Soldatinnen auf See sowie Angehörige an Land. Ohne ehrenamtliche Unterstützung wäre diese Arbeit kaum zu leisten.

Bundeswehr/Andrea Hilscher

Die Zahl ist beeindruckend: In Deutschland engagieren sich 31 Millionen Menschen freiwillig, mehr als jeder dritte Einwohner ist im Ehrenamt aktiv. Am 5. Dezember, dem Internationalen Tag des Ehrenamts, wird dieses Engagement weltweit geehrt.

Wir wollen zeigen: Das Ehrenamt hat viele Gesichter, auch im Bereich des Landeskommandos Bremen. Wir haben mit aktiven Soldaten und Soldatinnen gesprochen, mit Ehefrauen, Freundinnen und Menschen im Ruhestand, die einen ganz besonderen Beitrag leisten für den Zusammenhang unserer Gesellschaft. Dabei haben wir einen Blick geworfen in die Familienbetreuungszentren des Landeskommandos Bremen. Auch dem Engagement von Soldaten und Soldatinnen jenseits der Bundeswehr wollen wir ein Gesicht geben.

Eines dieser Gesichter gehört Pascal Pottmeier, 32, Hauptfeldwebel im Landeskommando Bremen. Pottmeier hat sich einen Traum verwirklicht, den wohl viele Kinder hegen: den Wunsch, einmal Feuerwehrmann oder-frau zu sein. Der Info-Feldwebel hat sich die Begeisterung für schweres Gerät, tolle Kameradschaft und spannende Einsätze bewahrt und ist seit 14 Jahren aktives Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr in seinem Heimatort. Er absolvierte zunächst eine Grundausbildung und mehrere Lehrgänge, seitdem ist er immer dann im Einsatz, wenn es Familie und Dienst zulassen. „Zum Glück hatte ich noch keine wirklich schlimmen Erlebnisse“, sagt er. Trotzdem ist sein Ehrenamt abwechslungsreich und erfüllend. Pottmeier erinnert sich an eine Schiffshavarie, bei der Biodiesel in den Mittellandkanals ausgelaufen ist. „Vor Karfreitag bis Ostersonntag hat es gedauert, den Diesel abzupumpen.“ Sein bisher größtes Feuer musste er löschen, als sich das Strohlager eines Pferdestalls entzündet hatte, Tiere kamen dabei zum Glück nicht zu Schaden gekommen. Ein Tier spielt auch die Hauptrolle in einem seiner liebsten Einsätze: Ein Reh war in einen Kanal gefallen und zwischen Spund- und Schiffswand eingeklemmt. „Es wäre ertrunken, wenn wir es nicht rechtzeitig aus dem Wasser gezogen hätten“, erinnert sich der Hauptfeldwebel. Nach seiner Rettung wurde das Reh unter einem Solarium getrocknet – in genau dem Pferdestall, den die Feuerwehr vor dem Flammen gerettet hatte.

„Ich möchte eigene Erfahrungen weitergeben“

Setzt auf das Ehrenamt: Birte S. im Hafen von Wilhelmshaven

Stark im Ehrenamt: Als Frau eines Marinesoldaten hat Birte S. von der Hilfe im FBZ Wilhelmshaven profitiert. Diese Erfahrung hat sie tief geprägt.

Bundeswehr/Thomas Krey

Auch Birte S., 40, gehört zu den stillen Helden im Bereich des Bremer Landeskommandos. Sie lebt seit 23 Jahren an der Seite eines Marinesoldaten. „Mit all den Problemen, die häufige Versetzungen, Abwesenheiten und Einsätze für eine Familie bedeuten.“ Als sie noch keine Kinder hatte, habe sie diese Belastungen kaum gespürt, doch als Mutter zweier Kinder wurde das Leben mit einem Mann und Vater in der Ferne kompliziert. Birte S. erinnert sich noch gut an diese schwierige Phase. „Meine Kinder waren vier und sechs, als mein Mann 2017 in den Einsatz ging.“ Birte S. spürte damals, dass sie Beistand brauchte, um allen Herausforderungen gewachsen zu sein, die auf sie einstürmten. „Diesen Beistand habe ich im Familienbetreuungszentrum Wilhelmshaven bekommen. Dort konnte ich immer anrufen, wenn ich Fragen oder Sorgen hatte.“ Immer habe sie Ansprechpartner und Gleichgesinnte gefunden. „Es war ein gutes Gefühl zu spüren, dass ich mit meinen Problemen nicht alleine bin und es anderen ähnlich geht.“ Genau diese positive Erfahrung möchte sie anderen Angehörigen vermitteln. „Deshalb habe ich mich vor drei Jahren entschieden, das FBZ ehrenamtlich zu unterstützen.“ Eine gute Entscheidung, wie sie heute sagt.

Soldaten helfen den Familien von Kameraden

Hauptfeldwebel Pascal Pottmeier ist bei der Freiwilligen Feuerwehr.

Hauptfeldwebel Pascal Pottmeier unterstützt die Freiwillige Feuerwehr. Er möchte damit Menschen in Not helfen. Auch der Umgang mit schwerem Gerät und Technik machen ihm Spaß.

Bundeswehr/Thomas Krey

Seine persönliche Einsatzerfahrung hat Jörg Südkamp, 36, zu seinem ehrenamtlichen Engagement motiviert. Der Personalfeldwebel ist seit 2007 bei der Bundeswehr. Sein erster Einsatz führte in den Kosovo. Schon in der Borbereitung auf den Auslandseinsatz hat er Kontakt zum FBZ Delmenhorst gesucht. „Ich selbst habe mich gut unterstützt gefühlt und war froh, dass meine Frau und mein Sohn während meiner Abwesenheit im FBZ Kontakt zu Menschen knüpfen konnten, die gerade in einer ähnlichen Lebenssituation stecken.“ Nach seiner Rückkehr wurden die Eheleute gefragt, ob sie sich eine ehrenamtliche Unterstützung des FBZs vorstellen könnten. Beide sagten ohne Zögern zu. Südkamp übernimmt heute die Organisation der Info-Veranstaltungen, ist für Einschleusung, Auf- und Abbau sowie die Betreuung der Angehörigen verantwortlich.  „Da sitzen dann Menschen gemeinsam am Tisch, die das gleiche Schicksal teilen“, sagt Jörg Südkamp. „Niemand sonst kann nachvollziehen, wie sich das anfühlt, wenn der Partner, die Kinder oder andere Angehörige über Monate in Mali oder in Afghanistan sind.“ Den Angehörigen ihre Ängste zu nehmen und ihnen faktenbasierte, zuverlässige Informationen an die Hand zu geben, das ist in Südkamps Augen eine unverzichtbare Aufgabe der Betreuungszentren. Eine wichtige Rolle bei den Info-Veranstaltungen des FBZ Delmenhorst spielt auch Karsten Grashorn, 59. Der frühere Soldat und Oberstabsfeldwebel der Reserve hat während seiner letzten Dienstjahre im FBZ gearbeitet. Diese Tätigkeit lag ihm so sehr am Herzen, dass er sie auch im Ruhestand weiterführt. Er bereitet die Einsatzvorträge währen der Infoveranstaltungen vor und recherchiert dabei vor allem die Hintergründe des jeweiligen Einsatzes. „Die Soldaten selbst erzählen ihren Familien leider nur sehr wenig darüber“, weiß Grashorn aus Erfahrung. Kurze Nachrichten im TV oder Internet würden den Angehörigen oft wenig helfen. „Dort sind die Informationen viel zu komprimiert, das rauscht oft an den Menschen vorbei“, sagt Grashorn. Er bereitet die Infos aus den Einsatzländern so auf, dass sie bei den Menschen ankommen, die sich gerade um ihre Söhne und Töchter, um Ehepartner oder andere Familienmitglieder sorgen. „Mir ist es wichtig, dass die Angehörigen verstehen, was wir in den Einsätzen genau machen.“

Ehrenamt hilft auch den Helfern

Im FBZ Delmenhorst werden Päckchen mit Weihnachtsüberraschungen gepackt.

Auch im FBZ Delmenhorst waren Mitarbeiter und ehrenamtliche Helfer und Helferinnen im vorweihnachtlichen Einsatz. 240 Pakete wurden für Angehörige vorbereitet.

Bundeswehr/Markus Müller

Ähnlich denkt Brigitte Hallmeier, 56. Sie arbeitet als Empfangskraft in einem Unternehmen und gehört seit fast 18 Jahren zum ehrenamtlichen Kernteam im FBZ Wilhelmshaven. Ihr Mann ist viele Jahre zur See gefahren, immer unterwegs, häufig im Einsatz. „Wir haben an Bord geheiratet, unsere Kinder wurden an Bord getauft, wir sind eine echte Marine-Familie“, sagt Brigitte Hallmeier. Als die Kinder größer wurden, suchte sie nach einer neuen Aufgabe. Die ehrenamtliche Arbeit bietet ihr die Möglichkeit, ihren eigenen Alltag zu strukturieren, Gleichgesinnte zu treffen und gleichzeitig Familien in schwierigen Situationen beizustehen. „Gerade, wenn es zu Krisen im Einsatzland kommt, brauchen die Angehörigen jemanden, der ihnen zuhört und ihre Sorgen versteht.“ Hallmeier weiß: „Niemand, der nicht ähnliche Erfahrungen gemacht hat, kann nachvollziehen, wie man sich fühlt, wenn man einen Ehepartner oder ein Kind im Einsatz hat.“

Das weiß auch Lynn Stahmer, 37. Die Auszubildende ist der Liebe wegen aus Würzburg in den Norden gekommen. Ihr Freund ist bei der Marine, eine Fernbeziehung kam für beide nicht infrage. „Also bin ich mit ihm nach Wilhelmshaven gezogen“, erzählt die junge Frau. Als ihr Freund in den Einsatz fuhr, hat sie die Veranstaltungen des FBZ Wilhelmshaven besucht und sich als ehrenamtliche Helferin werden lassen. „Wenn ein Schiff ausläuft und wir mit den Angehörigen im Hafen zurückbleiben, berührt mich das sehr. Es ist schön, wenn ich dann Menschen helfen kann, die hier keinen Ansprechpartner haben und sich einsam fühlen.“ Ihr schönstes Erlebnis: „Zwei Mädels aus Hessen standen traurig und etwas verloren am Pier – beide waren allein hergekommen, um ihre Männer zu verabschieden.“ Lynn Stahmer und ihre Kolleginnen brachten die beiden Frauen zusammen. „Dabei stellte sich heraus, dass die in Hessen nur 40 Kilometer voneinander entfernt wohnen und sich jetzt gegenseitig unterstützen können.“

„Gesellschaft braucht mehr Ehrenamt“

Jugendrotkreuz? Viele Menschen zucken erstmal mit den Achseln, wenn sie von der „kleinen Tochter“ des Deutschen Roten Kreuzes hören. Janina Brede, 26, Stabsgefreiter im Landeskommando Bremen ist das Kürzel JRK von Kindheit an geläufig. „Ich habe als Elfjährige an einer mehrwöchigen Ferienfreizeit des JRK in Dänemark teilgenommen, seitdem bin ich dem Verband treu geblieben.“ Mit 15 hat Janina Brede sich zur Jugendgruppenleiterin ausbilden lassen, später ist sie Teamerin geworden und hat regelmäßig Kinder und Jugendliche auf Freizeiten begleitet. „Für Kinder und Jugendliche ist es eine unglaublich wichtige Erfahrung, wenn sie spüren, dass Menschen sich für sie Zeit nehmen. Als Ehrenamtler spürt man sehr deutlich, dass diese Arbeit wirklich eine enorme Bedeutung hat.“ Deshalb ist Brede bis heute beim JRK geblieben, unterstützt Ferienfreizeiten, arbeitet bei Festen, Ausflügen und beim Unterricht in Erster Hilfe mit. „Ich mag den Kontakt zu Kindern und Jugendlichen und lerne durch mein Ehrenamt immer wieder Neues. Das empfinde ich als wichtige Bereicherung.“ Eigentlich, so Bredes Überzeugung, sollte jeder Mensch einen kleinen Teil seiner freien Zeit dem Ehrenamt widmen. 

Davon ist auch Belinda Cardinale, 45, überzeugt. Die Regierungsobersekretärin arbeitet im Bundeswehrdienstleistungszentrum Delmenhorst und hilft seit zwei Jahren Helferin im dortigen FBZ. „In der heutigen Zeit denken zu viele Menschen nur noch an sich selbst“, sagt sie, deswegen sei es wichtig, den Fokus auf das Ehrenamt zu legen. Ihr Mann engagiert sich seit vielen Jahren im Technischen Hilfswerk. Sie selbst ist erst später auf die Idee gekommen, ehrenamtlich zu arbeiten. „Als ich mich auf einen möglichen Einsatz in Jordanien vorbereitet habe, bin ich mit meiner Familie zu einer Veranstaltung des FBZ gegangen und war begeistert.“ Sie selbst sei ein offener Mensch, der hilft, wo immer er gebraucht wird. „Ich spreche auch Menschen auf der Straße an, wenn ich das Gefühl habe, dass sie Unterstützung brauchen.“

von Andrea Hilscher  E-Mail schreiben

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