Streitkräftebasis

RSOMReception, Staging, Onward Movement: Eine wiederbelebte Aufgabe für die Bundeswehr

RSOMReception, Staging, Onward Movement: Eine wiederbelebte Aufgabe für die Bundeswehr

  • Logistik
  • Streitkräftebasis
Datum:
Ort:
Delmenhorst
Lesedauer:
4 MIN

Die Bundeswehr reagiert auf veränderte sicherheitspolitische Rahmenbedingungen. Mit dem Logistikbataillon 163 stellt sie der NATO 2023 erstmalig einen Verband zur Verfügung, dessen Fähigkeiten speziell auf den RSOMReception, Staging, Onward Movement-Prozess ausgerichtet sind: Aufnahme, Zusammenführung und Weitertransport von Personal, Ausrüstung sowie Vorräten.

Ein LKW steht auf einem Flachwagen der Deutschen Bahn.

Für die Landes- und Bündnisverteidigung müssen schnell Kräfte zum Einsatzort innerhalb des Bündnisgebietes verlegt werden.

Bundeswehr/Christoph Vietzke

Die sicherheitspolitischen Rahmenbedingungen in Deutschland haben sich im letzten Jahrzehnt maßgeblich verändert. Das führte zu einer Neuausrichtung der Bundeswehr. Die Einsätze zur Landes- und Bündnisverteidigung, beispielsweise Amtshilfe gegen Corona und während der Flutkatastrophe, nahmen zu und reichen zahlenmäßig an die Auslandseinsätze der Bundeswehr heran. Deshalb müssen für die Landes- und Bündnisverteidigung deutlich mehr Kräfte als bisher nach kurzer Reaktionszeit über strategische Entfernungen innerhalb des Bündnisgebietes verlegt und in beweglich geführten Operationen zum Einsatz kommen. Dafür benötigt die Bundeswehr eine Erweiterung der eigenen Fähigkeiten. Hierbei kommt der Logistik eine besondere Aufgabe zu: Sie muss die Truppen aller militärischen Organisationsbereiche verlegen und logistisch unterstützen. Zeitgleich gilt es, logistische Leistungen für Alliierte (Host Nation Support) und in der multinationalen Zusammenarbeit zu erbringen: Vom Aufmarsch bzw. Transit durch Deutschland über die Ankunft im Einsatzgebiet bis hin zur Operation selbst. Eine dieser Aufgaben der Logistik wird – wenn auch in anderer Form und unter anderen Rahmenbedingungen – in der NATO wiederbelebt und zukünftig durch die Bundeswehr logistisch unterstützt: Die „Aufnahme großer Truppenkontingente im Einsatzgebiet“. In der NATO wird dieser Prozess Reception, Staging and Onward Movement oder kurz RSOMReception, Staging, Onward Movement genannt.

Wie wird eine Truppe strategisch verlegt?

Ein LKW steht auf einem Flachwagen der Deutschen Bahn.

Material, Fahrzeuge und Vorräte werden im Schiffs- und Schienentransport verlegt, falls das jeweilige Einsatzgebiet dies infrastrukturell ermöglicht.

Bundeswehr/Christoph Vietzke

Über strategische Entfernungen wird die Truppe, gemeint sind Personal und benötigtes Material, in ein Einsatzgebiet verlegt. Um die benötigte Zeit für die Verlegung so kurz wie möglich zu halten, werden hierzu alle sinnvoll möglichen Verkehrsträger (Straße, Schiene, See und Luft) inklusive des Marsches auf eigener Achse genutzt. Entscheidend für die Wahl der Verkehrsträger sind Entfernungen, geographische Lage und infrastrukturelle Gegebenheiten. Sofern die Truppe nicht im Eigenmarsch verlegt, werden dabei Material und Truppe in der Regel getrennt transportiert. Große Mengen an Fahrzeugen, Material und Vorräten, aber auch parallel dazu eine große Anzahl von Soldatinnen und Soldaten, müssen daher koordiniert in das Einsatzgebiet verbracht werden. Der Großteil des Personals wird per Lufttransport verlegt. Diese Transporte werden grundsätzlich so koordiniert, dass jede Fähigkeit bzw. jeder Verband zum festgelegten Zeitpunkt an einem definierten Zielort ist.

Was bedeutet Reception, Staging and Onward Movement?

Ein LKW setzt einen Container mit Hilfe eines Einweisers ab.

Im Einsatzgebiet werden Personal, Ausrüstung und Vorräte zusammengeführt. Diese Leistung erbringt der RSOMReception, Staging, Onward Movement-Prozess.

Bundeswehr/Christoph Vietzke

Im Einsatzgebiet gilt es, Personal, Ausrüstung und Vorräten zusammenzuführen. Diese Leistung erbringt der RSOMReception, Staging, Onward Movement-Prozess. An den so genannten „Ports of Debarkation“ (Entladestationen), also Häfen, Flughäfen und Bahnhöfen, wird ankommendes Material, die eintreffenden Soldatinnen und Soldaten, aber auch die Ausrüstung in Empfang genommen. Dieser Vorgang wird Reception genannt.

Anschließend wird im sogenannten Staging alles zusammengeführt. Das kann durchaus 100 Kilometer und mehr von den Ports of Debarkation entfernt sein. Verpflegung, Wasser, Munition und Gerät werden durch nationale oder multinationale RSOMReception, Staging, Onward Movement-Kräfte in der sogenannten Staging Area für die Truppe, teilweise bis auf die einzelne Kompanie, kommissioniert bereitgestellt.

Nachdem die Truppe ihr Material in Empfang genommen hat, beginnt die letzte Phase, das Onward Movement. Die Truppe wird so logistisch unterstützt und ausgestattet, dass sie im Eigenmarsch in so genannte einsatznahe Verfügungsräume, d.h. in die unmittelbare Nähe ihrer jeweiligen Einsatzräume, verlegen kann. Mit dem Erreichen der Einsatzräume durch die verlegte Truppe ist der RSOMReception, Staging, Onward Movement-Prozess abgeschlossen und die Logistik- sowie Versorgungsbataillone übernehmen die Versorgung im Einsatz.

Das neue RSOMReception, Staging, Onward Movement-Bataillon

Zur Bewältigung dieser herausfordernden Aufgabe wurde im niedersächsischen Delmenhorst das Logistikbataillon 163 als Teil der mobilen Logistiktruppen der Streitkräftebasis aufgestellt. Es ist für die Bereitstellung multinationaler Fähigkeiten für das sogenannte Framework Nations Concept (FNCFramework Nations Concept) Cluster Logistics (CL) zuständig. Struktur und Ausstattung sind genau auf die RSOMReception, Staging, Onward Movement-Aufgabe ausgerichtet.

Damit ist das Logistikbataillon 163 einzigartig in seiner Funktion, nicht nur in der Bundeswehr, sondern auch in der NATO. Erstmalig stellt die Bundeswehr der NATO einen Verband zur Verfügung, dessen Fähigkeiten speziell auf die Prozesse Aufnahme, Zusammenführung und Weitertransport von Personal, Ausrüstung und Vorräten gerichtet sind. Das Logistikbataillon 163 verfügt derzeit über eine Gesamtstärke von circa 600 Dienstposten und ist in Delmenhorst sowie Burg beheimatet. Eine Ergänzung der Fähigkeiten des Bataillons durch multinationale Beiträge ist vorgesehen. Es gliedert sich in einen Stab mit fünf Stabsabteilungen und die Einsatzzentrale RSOMReception, Staging, Onward Movement sowie drei Kompanien.

Drei Kompanien bewältigen die Aufgabe

Die Versorgungskompanie ist für den Aufbau und Betrieb des Bataillonsgefechtsstandes zuständig. Sie gewährleistet die Eigenversorgung des Bataillons, was auch die Instandhaltung von Material umfasst. Darüber hinaus sind Züge der Kompanie für den Aufbau und Betrieb von Sammelräumen zuständig. Hierzu gehören die Einrichtung von Park- und Abstellflächen für Fahrzeuge und Material. Ebenso betreiben sie Instandsetzungsbereiche und Betriebsstofflager. Für die Truppe richtet sie Unterkunfts-, Verpflegungs- sowie Sanitätsbereiche ein. Weitere Züge richten Servicepunkte ein. Dies beinhaltet Rastmöglichkeiten für marschierende Einsatzkräfte. Hier versorgen sie die Truppe mit Kraftstoff, Wasser und Verpflegung. Auch Ruhemöglichkeiten für Kraftfahrerinnen und Kraftfahrer sowie sanitätsdienstliche Unterstützung stellen sie bei Bedarf bereit. Darüber hinaus unterstützen sie bei der Bergung und Instandsetzung ausgefallener Fahrzeuge.

Die Umschlagkompanie Land/See ist für die Planung, Einrichtung und den Betrieb von Entladeseehäfen sowie Eisenbahnumschlagpunkte verantwortlich. Dort können pro Verkehrsträger bis zu 2.500 Tonnen Güter oder 500 Fahrzeuge pro Tag umgeschlagen werden. Hier ist eine enge Zusammenarbeit mit anderen militärischen und zivilen Behörden beziehungsweise Dienststellen, beispielsweise dem Zoll, notwendig. Die Umschlagkompanie Luft betreibt an bis zu vier Entladeflughäfen zeitgleich Umschlagstellen. Hier können bis zu 1.000 Soldatinnen und Soldaten in Empfang genommen sowie bis zu 500 Tonnen Fracht täglich umgeschlagen werden. In enger Zusammenarbeit mit anderen militärischen und zivilen Behörden vor Ort wird zusätzlich die Luftfracht entladen und abgefertigt.

von Guido Ellerkamp  E-Mail schreiben

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