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Host Nation Support: So unterstützen Feldjäger USUnited States-Militärtransporte

Host Nation Support: So unterstützen Feldjäger USUnited States-Militärtransporte

Datum:
Ort:
Deutschland
Lesedauer:
4 MIN

Die USUnited States-Armee bringt Großgerät, Munition und Ausrüstung auf dem Seeweg nach Deutschland. Feldjäger und ihre Diensthunde sorgen dafür, dass das Material im Hafen gesichert umgeschlagen und an seinen Bestimmungsort transportiert werden kann.

Ein Feldjäger und sein Diensthund an der Hafenkante, im Hintergrund ein Schiff.

Alles sicher? Bevor ein Schiff mit Material der USUnited States-Streitkräfte im Hafen anlegt, wird der Bereich rund um die Verladezone von Feldjägern und ihren Sprengstoffspürhunden durchsucht und bestreift

Bundeswehr/Andrea Hilscher

Ein kühler Morgen an der Nordseeküste. Im Randbereich eines der größeren norddeutschen Seehäfen Schranken und strenge Sicherheitskontrollen: Hier darf nur durch, wer einen Auftrag hat. So wie die Feldjäger aus Wilhelmshaven, die gerade mit ihrem Transporter auf das Areal rollen. Sie sollen heute mit ihren Sprengstoff-Spürhunden einen Hafenabschnitt abspüren, an dem in wenigen Stunden ein Schiff mit Material der USUnited States-Streitkräfte anlegen wird. Der Auftrag der zur Streitkräftebasis gehörenden Feldjäger wird im Rahmen des Host Nation Support (HNSHost Nation Support) ausgeführt, also der Unterstützung befreundeter Streitkräfte auf deutschem Boden. Ist das Material der USUnited States-Armee auf die Schiene verladen, kommen erneut Feldjäger zum Einsatz. Sie sichern den Transport nach Süddeutschland ab.

Das Hafengelände auf Sprengstoff prüfen

Tess ist ein deutscher Schäferhund-Malinois-Mix. Die Spürhündin steckt ihre Nase unter eine Eisenbahnschiene.

Tess ist ein deutscher Schäferhund-Malinois-Mix. Die Spürhündin muss Sprengstoff auch in kleinsten Mengen, zwischen Ruß, Teer und Hafendreck erkennen.

Bundeswehr/Andrea Hilscher

Doch erstmal muss das Hafengelände überprüft werden. Die Feldjäger lassen zunächst ihre Diensthündin Tess aus dem Transporter und gönnen ihr ein paar Minuten zum Ankommen. „Wenn sie dann ihre Arbeit macht, müssen alle anderen Personen das Areal verlassen“, erklärt Stabsfeldwebel Carsten W. von der 4. Kompanie des Feldjägerregiments 2 in Wilhelmshaven. Tess und ihre „Kollegin“ Maya sollen sich voll und ganz auf ihren Auftrag konzentrieren können. Und der heißt in diesem Fall: Schnüffeln, was das Zeug hält. Mit ihren feinen Nasen können die top ausgebildeten Spürhunde mögliche Gefahrenquellen, wie zum Beispiel Sprengstoff, aufspüren. „Wenn sie einen Geruch wahrnehmen, auf den sie trainiert wurden, setzen sie sich still vor das verdächtige Objekt und warten, dass ihre Hundeführerin oder ihr Hundeführer sie belohnt“, sagt Stabsfeldwebel Carsten W. Einen Hund, der in einem solchen Moment wie wild durch die Gegend springen würde, können die Feldjäger nicht gebrauchen – das Risiko, dadurch etwa eine Mine oder Sprengfalle auszulösen, wäre viel zu hoch.

Top ausgebildet, mit feiner Nase

Diensthündin Maya – ein holländischer Schäferhund – läuft neben einem Güterwaggon her.

Stress pur: Innerhalb eines knappen Zeitfensters muss Diensthündin Maya – ein holländischer Schäferhund – einen rund hundert Meter langen und 20 Meter breiten Hafenabschnitt abspüren – voll mit Kränen, Maschinen und Güterwaggons

Bundeswehr/Andrea Hilscher

Aber Tess weiß, was von ihr erwartet wird. Hoch konzentriert läuft sie an Bahngleisen, der Hafenkante und verschiedenen Aufbauten entlang. Jede noch so kleine Ritze in den Maschinen und Güterwaggons wird erforscht. Ist da nicht etwas? Zwischen den intensiven Gerüchen nach Kohle, Teer, Menschenschweiß und Salzwasser, registriert die schlaue Hündin ein paar Duftmoleküle, die sie alarmieren. Zunächst erstarrt sie und fixiert den identifizierten Stoff, dann legt sie sich ab und wartet auf das nächste Signal ihres Hundeführers – in diesem Fall ein dickes Lob und ein paar Streicheleinheiten. „Die Hunde brauchen Erfolgserlebnisse, deshalb verstecken wir immer mal wieder eine kleine Sprengstoffprobe, um sie bei Laune zu halten“, sagt Tess` Hundeführer.

Nach 20 Minuten bekommt die Hündin eine Pause und darf zurück in ihre Box. Ihre vierbeinige Kameradin Maya löst sie ab und nimmt sich den nächsten Abschnitt vor. Auch sie wird immer wieder mit Spieleinlagen, Leckerlies und Lob für richtiges Verhalten belohnt. Einen echten Fund müssen Tess und Maya heute nicht anzeigen. Aber was passiert, wenn doch? „Dann muss das Ergebnis noch durch einen weiteren Hund bestätigt werden“, erzählt der erfahrene Feldjäger Carsten W. Auch der beste Schnüffler kann schließlich irren – oder schlicht eine Geruchsspur melden, die älter oder durch zufällig entstandene Anhaftungen entstanden ist. Meldet auch ein weiterer Hund – entweder von der Polizei oder von einer anderen Feldjäger-Kompanie – den Fund, schaltet die Polizei den Kampfmittelräumdienst ein. Dann wird es ernst.

Feldjäger begleiten USUnited States-Transport

Ein amerikanischer Soldat und eine Angehörige der Feldjägertruppe stehen nebeneinander, hinter ihnen eine Kolonne US-Fahrzeuge.

USUnited States-Soldaten arbeiten bei ihren Militärtransporten eng mit den Feldjägern zusammen. Übungen wie Defender oder Atlantic Resolve werden im Rahmen des Host Nation Support von Feldjägern unterstützt.

Bundeswehr/Alyssa Bier

Angehörige befreundeter Streitkräfte nehmen die Unterstützungsleistungen der Feldjäger bei ihren Verlegungen gern in Anspruch. Feldjäger können in Krisensituationen schnell die richtigen Ansprechpartner vermitteln und Lösungswege aufzeigen. Beantragt wird der Host Nation Support beim Kommando Streitkräftebasis (SKBStreitkräftebasis). Nach Prüfung durch die SKBStreitkräftebasis wird der Auftrag dann über das Kommando Feldjäger der Bundeswehr in das entsprechende Feldjägerregiment bis hinunter zur zuständigen Kompanie weitergeleitet. „Und wir schauen dann, wie wir den Auftrag umsetzen können“, erzählt Carsten W. Denn mit dem Abspüren des Hafengeländes und später des beladenen Zuges ist es in diesem Fall nicht getan. Die amerikanischen Streitkräfte haben auch um eine Absicherung der Bahntransporte durch Feldjäger gebeten. Die eingesetzten Feldjäger müssen sich dann für einen entsprechenden Einsatz bereithalten. Denn selbst wenn ein Schiff pünktlich im Hafen eingelaufen ist, die Bahn alle benötigten Waggons bereitgestellt hat und die Verladung abgeschlossen ist – den genauen Abfahrtszeitpunkt erfahren die Feldjäger oft erst wenige Stunden vor Fahrtbeginn.

Höchste Konzentration rund um die Uhr

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Zwei Soldaten im Feldjägerdienst stehen mit ihren Waffen vor einem Bahnwaggon.

Regelmäßig begleiten die Feldjäger aus Wilhelmshaven Schienentransporte nach Süd- oder Ostdeutschland. Solche Einsätze erstecken sich oft über mehrere Tage.

Bundeswehr/Alyssa Bier
Diensthündin Tess lässt sich von ihrem Hundeführer streicheln.

Die Hündin Tess bekommt immer wieder motivierendes Lob und Streicheleinheiten. Ihre Fähigkeiten werden in ganz Deutschland angefordert, auch in Mali war sie bereits im Einsatz.

Bundeswehr/Andrea Hilscher
Diensthündin Maya ist acht Jahre alt. Sie legt sich neben der Hundeführerin ab.

Maya gehört mit ihren acht Jahren zu den erfahrensten Sprengstoffspürhunden der Streitkräftebasis. Doch auch sie muss zwischendurch immer wieder zur Ordnung gerufen werden.

Bundeswehr/Andrea Hilscher
Hündin Maya spürt einen Eisenbahnwaggon ab.

Wenn Maya einen Auftrag erledigt hat, bleibt kaum Zeit zum Verschnaufen. Nach Auskunft von Stabsfeldwebel Carsten W. ist die Zahl der Anfragen nach Unterstützung seit Beginn des Ukraine-Krieges gestiegen.

Bundeswehr/Andrea Hilscher
Eine Hundeführerin und ihre Hündin spiegeln sich in einer riesigen Pfütze am Hafen.

Auftrag beendet: Maya und ihre Hundeführerin haben ganze Arbeit geleistet. Auch inmitten von schmierigem Ruß, tiefen Pfützen und unwirtlichen Bedingungen.

Bundeswehr/Andrea Hilscher

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Dann folgt ein Griff in die Lostrommel. Hauptgewinn heißt, die Feldjäger bekommen einen Aufenthaltswaggon mit Schlafwagen, Küche, Wasser und eigener Stromversorgung. Niete bedeutet: Ein unbeheizter Waggon ohne jegliche Ausstattung. Und da sich so ein Schienentransport schon mal über mehrere Tage hinziehen kann, ist das Sitzen und Liegen auf kalten Holzbohlen wenig komfortabel. Alles, was die Feldjäger an Essen und Trinken brauchen, müssen sie mit sich führen. „Den Waggon zum Einkaufen von Lebensmitteln oder anderen nicht dienstlichen Zwecken zu verlassen, ist strikt verboten“, sagt Stabsfeldwebel Carsten W. Dieses Mal verläuft der Schienentransport reibungslos, von einigen zeitlichen Verzögerungen des Bahnalltags abgesehen. Nach 36 Stunden ist das Ziel erreicht, die Feldjäger werden von Kameradinnen und Kameraden einer anderen Kompanie nach Wilhelmshaven gebracht. In Süddeutschland aber geht der HNSHost Nation Support weiter: Von nun an wird das USUnited States-Material über die Straße weiter transportiert. Wieder unterstützt durch Feldjägerkräfte.

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