Streitkräftebasis

Stein auf Stein – Ausbildung mal anders

Stein auf Stein – Ausbildung mal anders

  • Ausbildung
  • Streitkräftebasis
Datum:
Ort:
Osterholz-Scharmbeck
Lesedauer:
4 MIN

Stellen Sie sich vor, sie betreten einen Hörsaal und sehen, wie junge Offiziere an ihren Tischen sitzen und aus kleinen, bunten Plastiksteinen etwas bauen. Trainingsteilnehmende des Offizierlehrgangs 3 taten genau das.

Viele bunte Plastiksteine liegen auf einem Tisch.

Ausbildung lässt sich auf verschiedene Art und Weise gestalten. Hier kommen kleine, bunte Bausteine zum Einsatz. So setzen sich die Trainingsteilnehmenden ganz bewusst mit einem Thema auseinander und es dann kreativ um.

Bundeswehr/Petra Reiter

Während einer Besprechung im Dienstzimmer von Oberstleutnant Meik Eckhardt, Chef der II. Inspektion an der Logistikschule der Bundeswehr, fiel mein Blick auf einige übereinander gestapelte durchsichtige Boxen in einer Ecke. In diesen Boxen sah ich viele kleine, bunte Legosteine. Neugierig hakte ich nach, was er denn damit machen würde. Eckhardt erklärte mir, dass er einen seiner Unterrichte mit diesen sonst bei Kindern sehr beliebten Steinen halten würde. „Das ist SERIOUS PLAY und ein Mittel der Erwachsenenbildung. Meine Soldatinnen und Soldaten sollen im Unterricht den ihrer Meinung nach perfekten Vorgesetzten bauen“, erklärt mir Oberstleutnant Eckhardt. Seine Lehrgangsteilnehmenden: Die Soldatinnen und Soldaten des Offizierlehrgangs 3, der zurzeit an der zentralen Ausbildungseinrichtung für Logistik in der Streitkräftebasis läuft. Er lud mich zu einem dieser Unterrichte ein. Neugierig folgte ich dieser Einladung.

Der Grundstein

Ein kreativ gestaltetes Tafelbild

Am Ende des Unterrichts ist eine Tafel gestaltet. Den Trainingsteilnehmenden und zukünftigen Vorgesetzten wurde so nebenbei noch eine Vielzahl an Gestaltungsmöglichkeiten aufgezeigt.

Bundeswehr/Petra Reiter

Oberstleutnant Eckhardt steht vor den Soldatinnen und Soldaten des Hörsaals 24. Auf dem vordersten Tisch: 25 Boxen mit Legosteinen. „Stellen Sie sich vor, sie stehen als Vorgesetzter vor ihrer Truppe und haben den Auftrag einen Unterricht zum Thema Innere Führung zu halten. Vielleicht ist es sogar noch ein Freitag und alle sind gedanklich schon fast im Wochenende – wie motivieren Sie jetzt ihre Truppe, dem Unterricht zu folgen?“ Genauso habe es der Inspektionschef an der Führungsakademie der Bundeswehr selbst erlebt. Eine Möglichkeit stellte er nun vor: Lego SERIOUS PLAY, ein moderierter Prozess, neue Ideen zu fördern, Kommunikation zu verbessern und Problemlösungen zu beschleunigen. Er sei damals auch skeptisch gewesen, beruhigt er den Hörsaal. Am Ende des Unterrichts waren sich aber alle einig: „Das war eine tolle Methode und neben anderen, wie z.B. den Trainingsboards vom Zentrum Innere Führung, eine Möglichkeit, alle Soldatinnen und Soldaten einzubinden und deren Kommunikation und Mitarbeit zu fördern.“

Eine wichtige Brücke

Unter einer Legobrücke liegt eine Hand auf dem Tisch und auf der Brücke steht eine Flasche.

Die Brückenbauten sahen sehr unterschiedlich strukturiert aus. Diese Brücke hält stand, ist breit und hoch genug. Praxistest bestanden und Bedingungen erfüllt.

Bundeswehr/Petra Reiter

Ein Blick in die Runde zeigt mir: Die Lehrgangsteilnehmenden sind gespannt. Um die Erwachsenen an das Bauen mit den Steinen wieder heranzuführen, sollen sie zunächst eine Brücke bauen. Zwei Anforderungen knüpft Eckhard an das Bauwerk: Eine Hand soll darunter durch passen und sie soll eine Flasche Wasser tragen. Ohne Scheu beginnen die zukünftigen Vorgesetzten mit dem Brückenbau. Nacheinander präsentieren alle ihre Werke und der Chef testet die Bauten.
„Wenn ich Sie nun fragen würde, was sie sich beim Bau gedacht haben, könnten sie alle etwas dazu sagen“, stellt er fest. Allgemeines Kopfnicken. „Und darum geht es: sie, die zukünftigen Vorgesetzten, wollen ihre Soldatinnen und Soldaten zum Reden bringen.“

Vorgesetzte zum Selberbauen

Eine Soldatin und Kameraden sitzen an Tischen und bauen etwas aus bunten Steinen.

Erwachsenenbildung einmal anders. Bevor die Offiziere mit dem Bauen beginnen, müssen sie sich überlegen, welches ihre Erwartungen sind. Dann müssen sie es umsetzen und anschließend erklären.

Bundeswehr/Petra Reiter

Nach dem Aufwärmen erklärt der Inspektionschef die eigentliche Aufgabe: „Bauen sie einen perfekten Vorgesetzten, wie sie ihn sich vorstellen. Im Anschluss stellen sie ihren „perfekten“ Vorgesetzten vor und schreiben eine Charaktereigenschaft auf einen Zettel, die ihnen besonders wichtig ist.“
Legosteine klappern, als die Offiziere in den Boxen nach passenden Steinen suchen. Verschiedenste Formen und Farben finden nun zueinander. Volle Konzentration im Raum.
Eine Viertelstunde später sind die kreativen Modelle fertig. Mal abstrakt, mal sehr detailgetreu.
Nacheinander werden die Vorgesetzten vorgestellt und beschrieben: Flexibel, zukunftsorientiert, selbstsicher, weitsichtig und verantwortungsbewusst sind nur ein paar der genannten Eigenschaften. Alle beschreiben ausführlich, was sie gebaut haben und wie sie sich einen Vorgesetzten vorstellen. „Sehen sie, das ist genau das was ich wollte. Sie zum Reden bringen, ihre Vorstellungen und Erwartungen formulieren. Sie sollten sich mit dem Thema Führungspersönlichkeit auseinandersetzen, sich Gedanken machen, welche Erwartungen sie an ihren Vorgesetzten haben“, lobt Oberstleutnant Meik Eckhardt.

Spiel mit Strategie

Eine Soldatin steht vor ihrem Hörsaal und beschreibt ihren gebauten Vorgesetzten, der vor ihr auf dem Tisch steht.

Flexibilität, Kreativität, Aufmerksamkeit, Weitsichtigkeit, Selbstsicherheit, Verantwortungsbewusstsein, Zukunftsorientierung und Authentizität sind nur eine paar der genannten Eigenschaften eines perfekten Vorgesetzten. Ausbildungsziel erreicht!

Bundeswehr/Petra Reiter

Auch Eckhardt folgte den Ausführungen seiner Truppe sehr genau. Dann formuliert er eine Frage: „Was hat ihnen der Unterricht gebracht?“ Eine Antwort erwartet er allerdings nicht.
Stattdessen löst er auf: „Ich weiß nun, was sie von mir, ihrem Vorgesetzten, erwarten. Ob ich das immer erfüllen kann, weiß ich nicht. Aber auch ihre zukünftig unterstellten Soldatinnen und Soldaten haben viele Erwartungen an sie. Und diese unterscheiden sich nicht von dem, was sie hier heute selber erarbeitet haben. Im Endeffekt haben sie sich heute somit selber gebaut“, schließt Eckhardt.
Ich bin begeistert, mit welchem Selbstverständnis die zukünftigen Vorgesetzten sich der Aufgabe gestellt und wie kreativ und vielfältig sie gelöst wurde. Oberstleutnant Meik Eckhardt ist es sichtlich gelungen, Anregungen zu geben, wie Ausbildung gestaltet und durchgeführt werden kann.

von Kathleen Riediger  E-Mail schreiben

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