Streitkräftebasis

Zwei Frauen, ein Ziel: Neue Vorbilder schaffen

Zwei Frauen, ein Ziel: Neue Vorbilder schaffen

Datum:
Ort:
Osterholz-Scharmbeck
Lesedauer:
4 MIN

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Leistung entscheidet – nicht das Geschlecht. Frauen sind mittlerweile in fast jedem Bereich der ehemaligen Männerdomäne Bundeswehr angekommen. Eine Vielzahl dieser Frauen schlagen die Offizierlaufbahn ein. Sie erteilen somit auch Befehle. Auch als Ausbilderinnen stehen sie vor der Truppe, wie zwei Soldatinnen der Streitkräftebasis.

Zwei Soldatinnen stehen auf einer Wiese nebeneinander.

Als Ausbilderinnen der jungen Fahnenjunker tragen die beiden Soldatinnen eine große Verantwortung. Die Logistikschule der Bundeswehr führt diesen Lehrgang erstmals durch.

Bundeswehr/Brian Melzer

Hauptmann Carolin Scheibe ist seit 13 Jahren bei der Bundeswehr. Sie habe sich bereits als 15-Jährige näher mit der Bundeswehr beschäftigt: „Nie war ich so das klassische Mädchen, konnte mich gut mit dem Beruf des Soldaten identifizieren.“ Anfangs war es das, wie sie inzwischen sagt, verklärte und utopische Bild einer Brunnen bohrenden und Schulen bauenden Blauhelmsoldatin in Afrika, was sie reizte. Alsbald keimte der Gedanke an Menschenführung in ihr auf und es stand fest. „Ich möchte in eine Führungsverwendung gehen, junge Menschen ausbilden, ein Stück weit formen und auf ihrem Weg begleiten.“

Hauptmann Marleen Schumacher, seit zehn Jahren bei der Bundeswehr, wollte schon immer einen Job, der aktiv und abwechslungsreich ist und sie fordert. So kam der Beruf des Soldaten in die engere Auswahl. „Ich habe mich dann aufgrund der Tatsache, dass ich sehr früh in eine Führungsverwendung kann, für die Bundeswehr entschieden.“ Ebenfalls für den Beruf eines Offiziers habe der Ausbildungsaufbau durch das Studium und die verschiedenen anspruchsvollen Ausbildungsabschnitte gesprochen. Auch für die gebürtige Schleswig-Holsteinerin stand früh fest, dass sie bevorzugt in Führungsverwendungen und im weiteren Verlauf als Ausbilderin in der Lehre eingesetzt werden möchte.

Aller Anfang ist …

Eine Soldatin steht auf einer Wiese vor einem Soldaten, der in ein Notizbuch schaut.

Hauptmann Scheibe empfiehlt ihren jungen Soldatinnen und Soldaten eine Führungsverwendung. Diese Zeit sei unfassbar wichtig und wertvoll.

Bundeswehr/Brian Melzer

Für beide Soldatinnen folgte eine spannende Offizierausbildung. Die Zeit im sogenannten Offizieranwärterbataillon beschreiben beide Frauen als eine sehr fordernde Zeit. „Die eigenen Grenzen wurden aufgezeigt und ausgereizt. Aber ich lernte, über sie hinaus zu gehen und zu wachsen“, erzählt Hauptmann Schumacher. Ihre Kameradin erinnert sich an anfängliche Unsicherheiten ihrer Vorgesetzten im Umgang mit einer Frau: „Tragen sie als Frau auch die grüne Uniform? Was machen sie bei der Schwimmausbildung und wie sollen wir bei einem Biwak mit ihnen umgehen?“ Die Soldatin schmunzelt noch heute, denn für sie war das irrelevant. „Ich mache alles genauso wie meine Kameraden!“

Verantwortung für die nächste Generation

Eine Soldatin steht auf einer Wiese vor ihren Lehrgangsteilnehmenden und erzählt etwas.

„Als Führungskraft musst Du alle bei der Stange halten, motivieren. Führen mit Herz, um es auf den Punkt zu bringen“, weiß Hauptmann Schumacher.

Bundeswehr/Brian Melzer

Es folgten ähnliche Verwendungen, die beide Soldatinnen forderten und förderten. So waren beide beispielsweise Zugführerin der 4. Kompanie des Versorgungsbataillon 141 im niedersächsischen Neustadt am Rübenberge. Obwohl Hauptmann Schumacher erst zwei solcher Führungsverwendungen hatte, habe sie den klaren Wunsch gehegt, Offizieranwärter auszubilden. Ihr eigener Ansporn sei dabei das Bestreben, die Dinge anders und auch besser zu machen, als ihre Ausbilder damals. Hinzu käme die Tatsache, dass es für sie nicht so viele weibliche Vorbilder und Identifikationspersonen gegeben habe. Ihr Anspruch: „Ich möchte neue Vorbilder schaffen.“ 2020 kam Schumacher an die Logistikschule der Bundeswehr, eine Dienstelle der SKBStreitkräftebasis. Seit Anfang des Jahres ist sie verantwortlich für 18 Offizieranwärter /-anwärterinnen, kurz: OAOffiziersanwärter‘s.
Hauptmann Scheibe kam nach mehreren Verwendungen als Vorgesetzte im Juli 2019 an die Logistikschule der Bundeswehr. Zunächst im Dezernat Ausbildungsvorgaben und Evaluation, dann als Ausbilderin in der Lehre. Im April vergangenen Jahres wechselte sie in die XIV. Inspektion der LogSBw. Auch sie ist nun für 18 OAOffiziersanwärter‘s verantwortlich.

Persönliche Ziele

Eine Soldatin steht auf einer Wiese vor Soldaten, die sich mit einem Gewehr in der Hand hinlegen.

Frauen sind bei der Bundeswehr angekommen. Rund 6.100 weibliche Offiziere, inklusive Anwärterinnen, zählt die Truppe. (Stand September 2020).

Bundeswehr/Brian Melzer

Beide Soldatinnen möchten die zukünftigen Offiziere in den 15 Wochen hier in Garlstedt fachlich gut vorbereiten. Ihnen ist es zudem wichtig, ein klares Bild von einem Offizier zu vermitteln. Das schönste, was einer ihrer OAOffiziersanwärter’s nach Ende des Lehrgangs zu ihnen sagen könnte? „Ja, ich möchte weiterhin Offizier werden und fühle mich bereits jetzt schon wohl in dieser Führungsrolle“, antwortet Hauptmann Schumacher. Ihren Fokus hat sie dabei stets darauf gerichtet, eine Person zu sein, die erreichbar, nahbar, interessiert und fürsorglich ist.
Auch Hauptmann Scheibe möchte in ihrer Rolle als Führungskraft Vorbild sein, um in den OAOffiziersanwärter’s eine Idee zu wecken, wie sie zukünftig als Führungskraft auftreten können und möchten.

Leistung entscheidet – nicht das Geschlecht

Soldatinnen und Soldaten liegen jeweils mit einem Maschinengewehr auf einer Matte.

In sogenannten Lehrproben stellt der junge Offiziernachwuchs sein Erlerntes unter Beweis. Hier führt eine Offizieranwärterin eine Waffenausbildung am Maschinengewehr durch.

Bundeswehr/Brian Melzer

Die Tatsache, dass sie weibliche Führungskräfte sind, spielt für die beiden jungen Offiziere keine Rolle. Vielmehr möchten sie durch Leistung und ihr Auftreten überzeugen. Hauptmann Scheibe erzählt, dass es noch immer Momente gäbe, in denen sie merke, dass ihr Gegenüber etwas überrascht ist, eine Frau zu sehen. „Bei den jungen Kameradinnen und Kameraden geht es nur noch um den Menschen, der dahinter steht“, grenzt sie ein. „Beweisen muss man sich immer. Da spielt das Geschlecht keine Rolle“, ergänzt Hauptmann Schumacher.
Nicht nur als Ausbilderinnen in den Offizierlehrgängen behaupten sich Soldatinnen an der Logistikschule der Bundeswehr. Rund 20 Soldatinnen in den Laufbahnen der Feldwebel und Offiziere sind hier als Ausbilderinnen eingesetzt.

von Kathleen Riediger  E-Mail schreiben

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