Zu Land, zu Wasser und in der Luft: Wachbataillon übt Doppelauftrag
Landes- und Bündnisverteidigung- Datum:
- Ort:
- Berlin
- Lesedauer:
- 3 MIN
Das Wachbataillon muss im Spannungsfall- oder Verteidigungsfall nicht nur das diplomatische Protokoll aufrechterhalten, sondern auch Bundeseinrichtungen und wichtige Personen schützen. Genau das trainiert der Hauptstandverband derzeit unter möglichst realistischen Bedingungen – nämlich mitten in Berlin.
Auch die Wasserstraßen Berlins können die Soldaten und Soldatinnen als Transportwege nutzen
Bundeswehr/Susanne Hähnel
Vier schwarze Schlauchboote biegen um eine Kurve auf der Havel und halten auf den Anleger zu. In den Booten: Soldatinnen und Soldaten – in Schutzausrüstung und bewaffnet. Ein ungewöhnliches Bild an diesem sonst sehr ruhigen und sonnigen Morgen in Kladow am südwestlichen Rand von Berlin. Die Boote legen am Ufer an, die Männer und Frauen gehen von Bord und sichern die Umgebung. Funksprüche sind zu hören, eine hochkonzentrierte Stimmung liegt in der Luft.
Bei Bollwerk Bärlin 2026 trainieren die Kräfte des Wachbataillons unter anderem den Schutz und sicheren Transport von Zivilpersonen in einem Spannungsfall. Die Marinekompanie des Verbands ist dabei für den Transport der Personen auf dem Wasser verantwortlich. Hauptgefreiter Kevin L. gehört zur Marinekompanie. Für den Marineinfanteristen und Schlauchbootführer ist Bollwerk Bärlin die erste Übung dieser Art: „Für uns sind solche Übungen sehr wichtig, damit wir in einem möglichen Ernstfall handlungssicher sind. Wir können uns und unsere Ausbildung so immer wieder neu prüfen und verbessern“.
Am Ufer der Havel wird es wieder unruhig. Gepanzerte Bundeswehrfahrzeuge des Typs ESK Mungo nähern sich und halten kurz vor dem Anleger. Zwei Zivilpersonen steigen aus und werden von Soldaten aus den Fahrzeugen und zu den Booten begleitet. Am Steg wird ihnen geduldig das weitere Prozedere erklärt – und immer wieder erkundigt man sich nach ihrem Befinden. Denn die Schutzbefohlenen befinden sich im Übungsszenario in einer Ausnahme- und möglicherweise Bedrohungssituation. Es muss also schnell gehen, doch gleichzeitig hat ihre Sicherheit immer Priorität.
Ortswechsel: Die Rotoren eines Hubschraubers sind über der Blücher-Kaserne in Kladow zu hören, kurz darauf landet die Cougar AS 532 U2 bereits auf einer großen Wiese. Wie aufs Stichwort fahren wieder mehrere ESK Mungos vor. Wieder verlassen zivilen Schutzpersonen, begleitet von Soldatinnen und Soldaten, die Fahrzeuge. Gleiche Szenerie, anderes Transportmittel.
Beim sicheren Transport von schutzbefohlenen Personen müssen die Kräfte des Wachbataillons flexibel auf die Umgebung und Bedrohungslage reagieren. Sie müssen imstande sein, die ihnen anvertrauten Schutzpersonen ja nach Lage über Straßen, Wasserwege und die Luft zu transportieren. Als fest zugewiesener Einsatzraum des Hauptstadtverbandes birgt der Großraum Berlin auch Herausforderungen bei den Transportwegen: alltägliche Hürden wie Baustellen, Staus oder erhöhtes Verkehrsaufkommen, aber im Ernstfall auch Störungen, Sabotage oder Demonstrationen. Alle Eventualitäten müssen deshalb mitgedacht werden.
Soldatinnen und Soldaten sichern den Bereich rund um den Hubschrauber ab, weitere begleiten die Zivilpersonen zum Hubschrauber, der bereit zum Start ist – auch hier muss es schnell gehen. Für den Transport mit dem Hubschrauber wird das Wachbataillon von der Flugbereitschaft des Bundesministeriums der Verteidigung unterstützt. Von erfahrenen Piloten werden die Schutzpersonen nun an einen sicheren Ort gebracht. Auftrag ausgeführt!
Die Soldatinnen und Soldaten der Marinekompanie des Wachbataillons erreichen über die Havel den Hafen in Kladow. Hier werden sie schutzbefohlene Zivilpersonen aufnehmen.
Bundeswehr/Susanne Hähnel
Die Soldatinnen und Soldaten des Wachbataillons sichern den Bereich um den Bootsanleger und warten auf die Schutzpersonen
Bundeswehr/Susanne Hähnel
In einem Konvoi geht es über Berlins Straßen. Zwei Hubschrauber des Typs NH-90 sichern aus der Luft ab.
Bundeswehr/Susanne Hähnel
Am Anleger werden die Schutzbefohlenen von Soldatinnen und Soldaten in Empfang genommen und mit Schutzwesten ausgestattet. Anschließend geht es per Boot weiter.
Bundeswehr/Susanne Hähnel
Soldaten begleiten die zivilen Schutzpersonen zum bereits wartenden Hubschrauber. Dieser bringt sie an einen sicheren Ort.
Bundeswehr/Susanne HähnelBei Bollwerk Bärlin übt das Wachbataillon, seinem doppelten Auftrag gerecht zu werden: im protokollarischen Ehrendienst die Bundesrepublik Deutschland repräsentieren – beispielsweise bei Staatsbesuchen – aber auch seinen infanteristischen Schutzauftrag wahrzunehmen. Dieser Spagat ist nicht immer einfach und muss daher geübt werden: „Im Spannungs- und Verteidigungsfall ist mein Verband verantwortlich für den Schutz der Einrichtungen der Bundesregierung, aber auch für den Transport und die Verbringung von schutzbefohlenem Personal“, erklärt Oberstleutnant Maik Teichgräber, Kommandeur des Wachbataillons. „Der Konflikt in der Ukraine zeigt uns aber auch, dass das diplomatische Protokoll trotzdem weiter funktioniert und stattfindet. Und deshalb üben wir bei Bollwerk Bärlin parallel unser gesamtes Einsatzspektrum.“
Und geübt wird nicht nur das gesamte Aufgabenspektrum, sondern auch dessen Gleichzeitigkeit. „Alle Kräfte rotieren durch alle Aufträge des Verbandes. „Am Ende der ersten Phase der Übung kann man sagen: Es hat geklappt, alle Aufträge des Verbandes mit allen Kräften abzubilden“, zeigt sich Major Jan B., Kompaniechef und Übungssteuerer bei Bollwerk Bärlin 2026, zufrieden.
von Anne Lüdecke E-Mail schreiben