Meisterlich trotz Abstiegskampf

Meisterlich trotz Abstiegskampf

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Datum:
Ort:
Berlin
Lesedauer:
3 MIN

Reservisten unterstützen an einem besonderen Tag im Berliner Olympiastadion. Hertha BSC hatte Bundeswehrangehörige und ihre Angehörigen zu ihrem Heimspiel gegen Werder Bremen eingeladen.

Oberstabsgefreiter Erönü gibt die vorab bestellten Freikarten für das Spiel aus.

Die für die Bundeswehrsoldaten hinterlegten Freikarten fanden viele Abnehmer

Detlef Schachel

Es gibt Dinge im Leben, die kann man sich zuvor kaum vorstellen. So ging es auch dem Oberstabsgefreiten Teoman Erönü am 25. Spieltag der aktuellen Fußballbundesligasaison. Der Reservist, beordert im Kommando Territoriale Aufgaben der Bundeswehr, steht in einem Kartenausgabehäuschen am Berliner Olympiastadion. Sein Blick geht immer wieder auf die Uhr. Dann ist es soweit. Pünktlich um 13:30 Uhr, so ist es bei den Samstagnachmittagsspielen vorgesehen, öffnet er das Fenster und die Kartenausgabe beginnt.

Einladung mit Tradition

Zusammen mit einer weiteren Kameradin gibt Erönü einige hundert Karten an Bundeswehrangehörige und deren Familien aus. Viele der Soldatinnen und Soldaten sind in Uniform gekommen und zeigen so Flagge. Die Karten hat Hertha BSC spendiert. Und es ist nicht die erste Aktion dieser Art. So würdigte der Hauptstadtclub bereits 2013 die Leistungen der Soldaten beim Hochwassereinsatz mit einer Einladung zum Heimspiel gegen Mainz. 

Dicht am Geschehen: Kinder von Bundeswehrangehörigen stehen beim Einlaufen der Mannschaften am Spielertunnel Spalier.

Auch für die Kinder von Bundeswehrangehörigen ein Highlight: das Einlaufen der beiden Mannschaften

Detlef Schachel

Oder im April 2015, als im Zuge einer Aktion zugunsten der Hinterbliebenen von Bundeswehrangehörigen vier Kinder von in Afghanistan gefallenen Soldaten als Einlaufkinder die Spieler aufs Spielfeld begleiteten. Solche und weitere Initiativen hatte die damalige Verteidigungsministerin Dr. Ursula von der Leyen wohl im Auge, als sie 2017 den Hertha-Klubpräsidenten Werner Gegenbauer mit der Überreichung des „Preises Bundeswehr und Gesellschaft“ würdigte: “Sie wertschätzen den durch Bundeswehrangehörige geleisteten Dienst im In- und Ausland durch zahlreiche, besonders herzliche und öffentlichkeitswirksame Maßnahmen.“


Bundeswehr zum anfassen

Unmittelbar nach Spielbeginn hat Oberstabsgefreiter Erönü die Kartenausgabe beendet und im Oberrang Block 24 Platz genommen. Von hier aus hat er zusammen mit den anderen nahezu 600 Bundeswehrangehörigen nebst ihren Familien einen hervorragenden Blick auf das Spielfeld. Der gebürtige Berliner drückt Hertha BSC die Daumen, auch wenn der Klub bereits nach sechs Minuten mit 0:2 ins Hintertreffen geraten ist.

Die Soldaten sind in ihren Uniformen auf der Tribüne des Berliner Olympiastadions.

Die Soldaten sind in ihren Uniformen im Berliner Olympiastadion nicht zu übersehen

Detlef Schachel

Während Erönü mit den rund 58.000 Zuschauern im weiten Stadionrund das Spiel verfolgt, atmen andere Soldatinnen und Soldaten im VIP-Bereich des Olympiastadions kurz durch. Dort ist es heute etwas enger als sonst, sind hier doch eine ganze Reihe von Informationsständen der Bundeswehr aufgebaut. Jugendoffiziere und Soldaten des Wachbataillons informieren die Gäste über die Bundeswehr, ebenso wie Marinesoldaten vom Einsatzgruppenversorger „Berlin“, Sanitätssoldaten aus Spandau oder Sportsoldaten der Sportfördergruppe Berlin. In der Halbzeitpause kommt dann auch die Ministerin zu ihnen. Mit einem herzlichen „Danke für ihr Engagement“, bringt sie gegenüber den Soldaten ihre Wertschätzung zum Ausdruck, nicht nur für den heutigen Tag.

Stets eng am Geschehen

Oberleutnant Christoph Winter arbeitet als Projektoffizier in der Abteilung Standortaufgaben Berlin im Kommando Territoriale Aufgaben der Bundeswehr. Der gebürtige Naumburger und ehemalige Zeitsoldat unterstützt die aktive Truppe als Reservist, zum Beispiel beim Marsch des Gedenkens oder am Volkstrauertag. Für die heutige Veranstaltung hat er insbesondere die Koordination der vielen Ansprechpartner und des Funktionspersonals übernommen.

Oberleutnant Winter, hier mit der Ministerin, ist Reservist und Projektoffizier beim Kommando Territoriale Aufgaben.

Auch die Ministerin brachte durch ihren Besuch ihre Wertschätzung gegenüber den Soldatinnen und Soldaten zum Ausdruck

Detlef Schachel

Für Winter reiht sich die Hertha-Aktion durchaus in die erklärte Absicht seiner Ministerin ein, die Bundeswehr als Teil der Gesellschaft sichtbarer zu machen. In diese Richtung hat sie bereits einige Initiativen angestoßen. Dazu gehört das kostenfreie Zugfahren für Soldaten in Uniform seit Beginn des Jahres ebenso wie die Durchführung von Gelöbnissen in der Öffentlichkeit zum Tag der Bundeswehr am 12. November.

Gelungener Tag

Stabsfeldwebel Daniel Binert steht Oberleutnant Winter als Projektfeldwebel zur Seite. Der 42jährige Reservist ist ausgebildeter Feldjäger, jetzt wohnt er mit seiner Familie in Berlin. Auch mit ihm spricht die Ministerin kurz während ihres Rundganges an einem der Informationsstände. Als sie von der Geburt von Binerts Tochter Laura erfährt, übermittelt sie beste Wünsche an die Familie.

Der in die Organisation eingebundene Stabsfeldwebel der Reserve Daniel Binert verfolgt, wann immer möglich, das Spiel.

Auch das Organisationspersonal hatte Gelegenheit das Spiel zu verfolgen

Detlef Schachel

Alle Wünsche haben sich beim Kartenausgeber, Oberstabsgefreiten Teoman Erönü, nicht erfüllt. „Dieses 2:2 Unentschieden hilft keiner der beiden Mannschaften im Abstiegskampf wirklich weiter“, stöhnt ein Werder-Fan unmittelbar nach Abpfiff mit Blick auf die prekäre Tabellensituation beider Klubs. Das sieht auch Hertha-Fan Erönü so und hadert noch einige Zeit mit dem raschen Rückstand seiner Mannschaft zu Spielbeginn. Egal – was von diesem Tag bleibt, ist die meisterliche Aktion der Hertha zur Würdigung der Soldaten und ihrer Angehörigen. Das findet der Reservist Teoman Erönü gut. Und ein wenig stolz ist er auch, zum Gelingen des Tages beigetragen zu haben.

von Detlef Schachel

Bildergalerie des Spiels